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Fliegende Säugetiere

In Mitteleuropa sind die meisten Arten akut gefährdet und brauchen unseren Schutz.

Die kleinen wendig-geschickten Fledermäuse zählen sicherlich zu den faszinierendsten Tieren, die die heimische Fauna zu bieten hat. Fliegende Säugetiere sind schon etwas Außergewöhnliches. Wenn sie zudem noch über besonders ausgefeilte Orientierungsfähigkeiten verfügen, umso mehr. Der Faszination steht aber auch eine gewisse Scheu oder sogar Angst vor diesen geheimnisvollen Flugkünstlern der Nacht gegenüber. So wurden sie in Legenden und Geschichten zu blutrünstigen Vampiren. Dabei müssen nur die Fledermäuse Angst vor den Menschen haben und nicht umgekehrt: In Mitteleuropa sind die meisten Arten akut gefährdet und brauchen unseren Schutz.

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Gemeinsame Merkmale der ansonsten z.T. sehr unterschiedlichen Fledermausarten sind vor allem die anatomischen Anpassungen an das Leben in der Luft. Am wichtigsten ist hier sicherlich die Umbildung von Arm und Hand zum Flugorgan. Der verlängerte Unterarm besteht bei Fledermäusen nur aus der Speiche, während sich die Elle zurückgebildet hat. Entsprechend verstärkt tritt die Speiche auf. Auch die Handknochen haben sich besonders entwickelt: der 2. bis 5. Mittelhandknochen sind erheblich verlängert, ebenso die damit verbundenen Finger. Während der 2. Finger aus einem Glied, der 4. und 5. Finger aus jeweils zwei Gliedern bestehen, weist der 3. Finger drei Glieder auf. Interessant sind die T-förmigen Fingerenden, eine ideale Befestigungsmöglichkeit der Flughaut. Der 1. Finger oder Daumen hat seine Sonderstellung behalten und trägt eine scharfe Kralle, die den Fledermäusen das Klettern und Hangeln ermöglicht.

Zwischen den Gliedmaßen spannt sich die Flughaut, wobei meist auch der Schwanz in sie mit einbezogen ist. Die Beine helfen beim Spreizen der Flughaut im Fluge. Außerdem dienen die Krallen am Fußende zum Aufhängen in Ruhephasen oder Winterschlaf. Dazu sind die Hinterfüße anders als bei anderen Säugetieren nach hinten gerichtet. Damit sich die Krallen nicht von selbst bei Entspannung der Muskulatur lösen können, haben sie einen besonderen Sperrmechanismus.

Neben diesen Anpassungen des Skeletts, sind z.B. auch die Ohren an die besonderen Sinnesleistungen angepasst: Meist sind sie im Vergleich zum Kopf sehr groß, und die Form der Ohrmuscheln ermöglicht einen hervorragenden Empfang der ausgesandten Ultraschallsignale.

Ihr Gebiss ist typisch für Insektenfresser, fällt aber durch die besonders großen Eckzähne ("Vampirzähne") auf. Selbst die harten Chitinpanzer von Käfern können mit den 32-38 Zähnen mühelos geknackt werden.

Fledermäuse haben ein mehr oder weniger dichtes Fell, wobei die Bauchseite immer heller gefärbt ist als das Rückenfell. Es besteht nur aus einer Haarart, das Wollhaar fehlt ihnen. Der Haarwechsel im Herbst bringt bei einigen Arten auch einen leichten Farbwechsel mit sich. Das Haarkleid kann sich auf Teile der sonst nackten Flughaut ausdehnen. Auch Ohren und Ohrdeckel sind in der Regel unbehaart.

Die bei uns heimischen Glattnasen haben lange, schmale Flügel, eine glatte Nasengegend, oft auf der Stirn miteinander verbundene Ohren. Die Hufeisennasen fallen durch ihr Nasenblatt auf, dessen hufeneisenförmiger unterer Teil die Oberlippe bedeckt. Ihre Ohren sind ziemlich groß, die Augen eher klein.

Verbreitung und Lebensraum

Fledermäuse sind nahezu weltweit verbreitet, nur in den subpolaren bis arktischen Regionen fehlen sie. In Europa sind die Glattnasen-Fledermäuse (ganz Europa), die Bulldog-Fledermäuse (Südeuropa) und die Hufeisennasen anzutreffen, letztere auf dem Kontinent südlich einer Linie Belgien - Tschechien - Kaspisches Meer und auf den britischen Inseln außer Schottland.

Wichtigste Ansprüche an den Lebensraum sind Höhlen, Spalten o.ä. als Ruhe- und Winterquartier (da sie keine Nester bauen) und ein ausreichender Insektenbestand. So sind Fledermäuse grundsätzlich in fast allen Biotopen anzutreffen, bestimmte Arten haben aber deutliche Vorlieben (z.B. Gewässernähe). Wie wichtig Höhlen sind, zeigt die Beschaffenheit des größten bekannten Fledermausvorkommens in Europa: In einem aus dem 2. Weltkrieg stammenden Bunkersystem überwintern in den zahllosen Gängen bis zu 30 000 Tiere in 12 Arten. In der Bad Seegeberger Kalkberghöhle sind es immerhin noch 12-15 000 Tiere.

Lebensweise

Fledermäuse sind dämmerungs- und nachtaktiv, einige Arten sind aber gelegentlich auch tagsüber anzutreffen. Je nach Art beginnen sie ihre Aktivität vor oder nach der Dämmerung am Abend und gehen auf Insektenjagd. Gerade gegen Ende der Dämmerung, wenn der Himmel noch ein wenig hell ist, können Fledermäuse gut beobachtet werden, weil jetzt kaum noch Vögel unterwegs sind. Ihr faszinierender Zickzackflug ist meist auch gut vom Vogelflug zu unterscheiden. Ebenfalls sehr auffällig ist die Lautlosigkeit, mit der sie sich fortbewegen. Im Flug senden sie ihre Ultraschallsignale aus, um Beuteinsekten per Echolot zu finden. Die Laute mit Frequenzen von mehr als 20 000 Hz sind nur von manchen, meist jungen Menschen hörbar. Einige Laute werden aber auch im für uns hörbaren Frequenzbereich ausgestoßen. Mit Hilfe so genannter Bat-Detektoren, die die Hochfrequenzen in tiefere übersetzen, lassen sich Fledermäuse aufgrund ihrer artspezifischen Lautmuster bestimmen, ohne dass man sie direkt sehen muss.

Fledermäuse leben die längste Zeit des Jahres in Gruppen zusammen. Gerade auch zur Überwinterung ist diese Gruppenbildung wichtig, da sie den Energieverbrauch der Einzeltiere herabsetzt. Es finden sich sogar nicht selten verschiedene Arten zu einer Schlafgesellschaft zusammen. Auch Wochenstuben mit mehreren Arten sind öfters anzutreffen. In den großen Gruppen stören sich die Fledermäuse durchaus, was Gezeter oder Drohgebärden (Zähnezeigen) nach sich zieht. Auch bei Fledermäusen ist das "Mach-mit-Verhalten" anderer sozialer Tiere zu beobachten: Putzen oder Fressen der ganzen Gruppe wird dann von einem Tier ausgelöst.

Der atemberaubende Flug der Fledermäuse - gerade in Dämmerung oder Dunkelheit - ist besonders eindrucksvoll. Eine fluggeschwindigkeit von bis zu 105 km/h erreichen manche Arten dabei. Die meisten Arten fliegen jedoch mit 15-20 km/h deutlich langsamer.

Nahrung

Während die bei uns heimischen Fledermäuse Insektenfresser sind, gibt es bei anderen Arten vielfältige Spezialisierungen: Von Früchten, Nektar oder Pollen über Kleinwirbeltiere (Vögel, Frösche) und Fische bis hin zum Saft- und Blutlecken. Letzteres ist bei den echten Vampiren der Neuweltblattnasen anzutreffen. Ihr Mund- und Zungenbau erlaubt allerdings kein richtiges Saugen, so dass sie die Haut des Tieres anritzen und das austretende Blut auflecken. Dank rasiermesserscharfer Zähne merkt das Opfer häufig den Kratzer erst spät. Zwar ist der Blutverlust gering, gefährlich sind aber die Wundinfektionen. So kann z.B. auch Tollwut übertragen werden.

Unsere Fledermäuse jagen den Insekten mit Hilfe des Ultraschalls nach, dessen Echo sie wieder auffangen und auswerten. Das Ultraschallradar ist dabei so fein auflösend, dass die Beute erkannt wird, die Fledermaus also eine Auswahl treffen kann. Ihren spezifischen Jagdgebieten (offenes Gelände, Gewässer etc.) haben sie dabei Flügelform, Flugstil und Ortungsrufe angepasst. Die Hufeisennasen zeigen dabei besondere Anpassungen: Sie haben sich auf die Erkennung des Flügelschlages der Insekten spezialisiert. Die Beute wird direkt mit dem Mund oder mit den als Kescher gebrauchten Armflughäuten erfasst und dann aufgenommen. Wasserfledermäuse wiederum greifen sich die Beute mit den Fußkrallen von der Wasseroberfläche.

Die Beute wird entweder sofort oder später an festen Fraßplätzen gefressen. Da viele Fledermäuse erst die Flügel der Insekten abstreifen, kann man diese Fraßplätze manchmal anhand der Überreste finden.

Fortpflanzung

Die europäischen Fledermäuse leben nicht als feste Paare. Sie kommen ab Juli/August zusammen, um sich rechtzeitig vor dem Winterschlaf zu verpaaren. Ein Männchen paart sich mit mehreren Weibchen genauso wie auch ein Weibchen von verschiedenen Männchen begattet werden kann. Bei einigen Arten legen sich die Männchen regelrecht Harems zu, wobei sich aber eher die Weibchen die Männchen aussuchen als umgekehrt. Bei der Paarung verbeißt sich das Männchen im Nackenfell des Weibchens. Ist es zur Paarung gekommen, erfolgt noch keine Befruchtung der Eizelle durch die Spermien, vielmehr bleiben die Spermien im Körper des Weibchens den ganzen Winter über lebensfähig, so dass es erst nach dem Winterschlaf zur Befruchtung kommt - ein bei Säugetieren einmaliger Vorgang. Er stellt sicher, dass die Jungen erst in der warmen Jahreszeit geboren werden. Allerdings sind auch noch Begattungen nach dem Winterschlaf möglich. Da sich der genaue Zeitpunkt der Befruchtung kaum ermitteln lässt, ist auch die Tragzeit ungenau. Etwa ab April schließen sich die trächtigen Weibchen in Wochenstuben zusammen Geboren wird das Junge etwa im Juni und zwar meist am Tage. Das Weibchen sondert sich dann etwas ab und nimmt eine Geburtsstellung ein, bei der es sich mit allen Vieren auf der Unterlage festhält. Die Haltung ist sehr unterschiedlich: mal ist der Kopf nach unten, mal nach oben. Nach der Geburt fällt das Junge in eine Tasche die durch die Schwanzflughaut gebildet wird. Daraus klettert das Junge sofort empor, um sich an der Zitze festzusaugen. Je nach Art öffnet es nach 3-10 Tagen die Augen. Die Haare wachsen langsam. Etwa ab dem 10. Tag bricht das Gebiss durch. Nach 3-4 Wochen werden die Jungen flugfähig und nach 5-6 Wochen endgültig entwöhnt.

Feinde

Natürliche Feinde der Fledermäuse sind vor allem Parasiten, sehr selten Greifvögel. Am heftigsten setzt allerdings der Mensch den Fledermäusen zu, indem er ihre Habitate zerstört.

Häufigkeit/Gefährdung

In Deutschland sind von den 21 hier lebenden Arten 17 in den Roten Listen aufgeführt. Seit 1936 sind alle Arten geschützt. Häufigster Grund für den Bestandsrückgang sind fehlende Höhlungen. Renovierungen von Häusern, das Fällen alter Bäume und die Beseitigung anderer Unterschlupf- und Überwinterungsmöglichkeiten sind die Hauptursache für ihren Rückgang. Hinzu kommen Störungen durch den Menschen. Gerade während des Winterschlafs können sie fatal für die Fledermäuse sein.

1997 sah der Status der Roten Liste folgendermaßen aus:

  • Kategorie 0: ausgestorben oder verschollen: Alpenfledermaus (seit 1951) und Langflügelfledermaus (seit 1958)
  • Kategorie 1: vom Aussterben bedroht: Große und Kleine Hufeisennase, Wimpernfledermaus und Mopsfledermaus
  • Kategorie 2: stark gefährdet: Große Bartfledermaus, Graues Langohr und Nordfledermaus
  • Kategorie 3: gefährdet: Großes Mausohr, Fransenfledermaus, Großer Abendsegler, Braunes Langohr

Weitere Arten sind in schwächeren Kategorien aufgeführt.

Steckbrief

Wissenschaftlicher Name:Fledermäuse (Microchiroptera), eine Unterordnung der Fledertiere mit 17 Familien und weltweit ca. 800 Arten
Familie:17 Familien, darunter Hufeisennasen (Rhinolophidae),
Glattnasen (Vespertilionidae)
Ordnung:Fledertiere (Chiroptera)
Klasse:Säugetiere, Mammalia
Körpermaße:
Kopfrumpflänge:3-16 cm (Glattnasen: 4-10 cm;
Hufeisennasen: 3,5-11 cm)
Schwanz/Flügel:Schwanz: 0-6 cm; Flügelspannweite: 15-70 cm
Gewicht:1,5-190 g (Glattnasen: 3-30 g;
Hufeisennasen: 4-40 g)
Verbreitung:weltweit
Lebensraum:vielfältig; Höhlen (oder andere Unterschlupfmöglichkeiten) und Insekten als Nahrungsquelle sind wichtig
Lebensweise:dämmerungs- oder nachtaktiv
Nahrung:Insekten
Fortpflanzung:Glattnasen: 1 Junges nach 3-4 Monaten Tragzeit;
Hufeisennasen: 1(-2) Junges nach 60-75 Tagen Tragzeit
Feinde:Parasiten und Menschen
Höchstalter:Glattnasen: mehrere Jahre;
Hufeisennasen: über 18 Jahre
Gefährdung:alle Arten bei uns mehr oder weniger stark gefährdet
Bemerkung:keine

Die wichtigsten mitteleuropäischen Arten

Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros)

Diese um die 4 cm lange Fledermaus (19-25 cm Spannweite) hat ihren Namen durch einen hufeisenförmigen Hautsaum, der die Nasenlöcher umgibt. Sonst ist sie zierlich gebaut und hat oberseits bräunliches Fell, unterseits grauweißes. Sie lebt in wärmebegünstigten Gebieten, wobei sie im Norden im Haus, im Süden in Höhlen wohnt. Sie jagt nach Einbruch der Dunkelheit in lichten Wäldern und Parks in niedriger Flughöhe (bis 5 m).

Wasserfledermaus (Myotis daubentonii)

Die Art wird um die 5 cm lang (24-27 cm Spannweite) und hat relativ kurze Ohren, deren Rand unten schwach eingebuchtet ist. Das oben braungraue bis bronzefarbene Fell grenzt sich scharf vom unterseits silbergrauen ab. Sie lebt meist im Flachland, in Wäldern und Parks in Gewässernähe. Ihr Sommerquartier schlägt sie auch in Dachböden auf, im Winter ist sie dann in Bunkern, Kellern oder Höhlen zu finden. Den Winterschlaf unterbricht sie bis zu zehnmal. Sie wandert eher unter 100 km, aber auch deutlich mehr. Sie fliegt 30-60 Minuten nach Sonnenuntergang aus, um die ganze Nacht durchzujagen, oft nur wenige Zentimeter über dem Wasser in wendigem, schnellem Flug.

Teichfledermaus (Myotis dasycneme)

Sie wird um die 6 cm lang bei einer Spannweite von 20-30 cm. Ihr dichtes Fell ist oberseits braun oder graubraun mit seidigem Glanz. Die Unterseite ist weißlich- bis gelblichgrau und scharf von der Oberseite abgetrennt. Sie ist in Mittel- und Osteuropa etwa zwischen dem 48. und 60. Breitengrad in gewässerreichen Gebieten mit Wiesen und Wäldern ansässig. Sie wandert zwischen den nördlich liegenden Sommerquartieren und den südlicheren Winterquartieren zwischen 100 und 300 km. Ihre Jagd beginnt sie eine halbe bis dreiviertel Stunde nach Sonnenuntergang. Sie jagt nicht nur 10-60 cm über dem Wasser, sondern auch über Wiesen und an Waldrändern. Im schnellen Flug erreicht sie eine Fluggeschwindigkeit von bis zu 35 km/h.

Große Bartfledermaus (Myotis brandtii)

Sie wird 4-5 cm lang, ihre Flügel erreichen eine Spannweite von 19-24 cm. Ihre schmalen Ohren haben am Außenrand deutliche Einbuchtungen, das Fellhaar ist recht lang, oberseits hellbraun mit Goldglanz, unterseits hellgrau und leicht gelblich. Ihre Verbreitung in Mittel-, Nord- und Osteuropa ist nicht immer geklärt, da sie früher nicht von der Kleinen Bartfledermaus unterschieden wurde. Sie lebt im Wald und an Gewässern, weniger in Menschennähe, obwohl sie ihre Wochenstuben gern in Dachstühlen einrichtet. Als Winterquartier bezieht sie Höhlen und Stollen, oft gemeinsam mit der Kleinen Bartfledermaus. Zur Jagd fliegt sie schon in der frühen Dämmerung in niedriger bis mittlerer Höhe in nicht zu dichtem Baumbestand, aber auch über Gewässern.

Kleine Bartfledermaus (Myotis mystacinus)

Sie wird nur unwesentlich kleiner als die Große Bartfledermaus und hat auch das etwas dunklere Fell. Richtig zu unterscheiden sind die beiden Arten aber eher durch bestimmte Merkmale an den Ohren (Ohrdeckel/Tragus und innerer Ohrrand sind bei der Kleinen Bartfledermaus nicht aufgehellt). Sie ist in weiten Teilen Europas verbreitet, im Norden bis zum 65. Breitengrad. Sie lebt in Wald und an Gewässern, aber auch in Parks, Gärten und Dörfern. Die Sommerquartiere sucht sie sich gerne zwischen Balken und Mauerwerk oder hinter Fensterläden. Etwa ab einer viertel bis halben Stunde nach Sonnenuntergang beginnt sie ihre Jagdflüge in 1,5-6 m Höhe in Parks, im Wald oder über Fließgewässern. Vor und nach dem Winterschlaf wird auch tagsüber gejagt. Gelegentlich sammeln sie ihre Beuteinsekten auch von Pflanzen ab (z.B. Raupen).

Wimpernfledermaus (Myotis emarginatus)

Diese 4-5 cm lange Fledermausart hat eine Spannweite von 22-24 cm und ihren Namen von gekrümmten Härchen, die den hinteren Rand der Schwanzflughaut überragen. Das wollige Fell ist oben dreifarbig (grau-strohgelb-fuchsrot) und unterseits gelblich-grau. Sie kommt in Mittel- und Südeuropa, etwa südlich der Donau-Linie vor. Sie ist wärmeliebend und hat ihr Sommerquartier gern in warmen Dachböden. Etwa eine dreiviertel Stunde nach Sonnenuntergang beginnt die Jagd in 1-5 m Höhe, auch über dem Wasser. Sie sammelt auch Beute von Hecken ab.

Fransenfledermaus (Myotis nattereri)

Die um 5 cm lange Art (24-28 cm Spannweite) hat den Namen von zwei Reihen nach unten gekrümmter Borsten an der Schwanzflughaut. Die Felloberseite ist grau, die Unterseite hell weißgrau. Ohr und Schnauze sind relativ lang. Sie ist mit Ausnahme des mittleren und nördlichen Skandinaviens in ganz Europa verbreitet und lebt in Wäldern und Parks, die Gewässer haben. Sommerquartiere werden in Baumhöhlen und Nistkästen gemacht, im Winter schlafen sie in Stollen, Höhlen oder Kellern bei 3-8°C. Der niedrige Jagdflug beginnt eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang oder später im Wald oder über Wasser. Sie fliegt sehr wendig und kann sogar rütteln.

Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)

Die etwa 4 cm lange Fledermaus hat eine Spannweite von 25-28 cm, auffallend lange und breite Ohren und eine recht breite Schnauze. Das lange Fell ist oberseits fahl- bis rötlichbraun, unterseits grau. Sie bewohnt die gemäßigten Bereiche Europas bis Spanien und Nordgriechenland. Als Waldfledermaus liebt sie feuchte Mischwälder, Parks und Gärten. Ihr Quartier bewohnt sie eher allein, selten in Gruppen bis 10 Tiere. Nach Einbruch der Dunkelheit beginnt sie ihren gaukelnden, niedrigen Flug. Sie nimmt auch Beute vom Boden oder von Zweigen auf (Raupen, Ohrwürmer, Laufkäfer), dazu beherrscht sie den Rüttelflug.

Großes Mausohr (Myotis myotis)

Die große Art wird 7-8 cm lang bei einer Flügelspannweite von 35-43 cm. Die langen Ohren haben außen 7-8 Querfalten. Das dichte, kurze Fell ist auf der Oberseite hell graubraun, unterseits weißgrau. Sie ist in Europa weit verbreitet außer in Großbritannien und Skandinavien. Sie lebt in offenem Gelände, in lichten, baumbestandenen Landschaften und Parks. Die Sommerquartiere können z.B. auf Dachböden bis zu 45°C haben, den Winter verschlafen sie bei 7-12°C, wobei sie sich häufig zu großen Gruppen zusammentun. Sie fliegen 20-45 Minuten nach Sonnenuntergang aus, um in Parks, Wiesen- und Feldlandschaften teils dicht über dem Boden zu jagen. Sie landet auf dem Boden, um dort Beutetiere aufzunehmen. Außer Insekten oder Skorpionen wurde auch eine Spitzmaus als Beute nachgewiesen.

Kleines Mausohr (Myotis blythii)

Diese Art ist 6-7 cm lang mit einer Spannweite von 36-41 cm und ähnelt sehr dem Großen Mausohr, von dem es sich vor allem in der Ohrlänge unterscheidet. Verbreitet ist es mehr in Südeuropa (ab den Alpen) in wärmeren Gebieten mit lockerem Baumbestand, im Karst oder in trockenen Grassteppen. Gejagt wird ab der späten Dämmerung über dichten Grasflächen.

Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)

Diese Art wird 6-8 cm groß bei einer Spannweite von 32-40 cm. Die breiten Ohren sind dreieckig mit abgerundeter Spitze. Das kurze, eng anliegende Fell ist oberseits im Sommer rostbraun glänzend, im Winter matt fahlbraun. Die Art ist in weiten Teilen Europas (außer Nordskandinavien, Schottland und Irland) verbreitet und bevorzugt Wälder und größere Parks. Die Wochenstuben werden gern in Baumhöhlen eingerichtet. Im Winter dienen Lüftungsschächte oder ähnliches als Quartier. Beispielweise bewohnen etwa 5000 Tiere eine Hochbrücke bei Kiel. Die Art wandert im Herbst Richtung Südwesten. Der Jagdflug beginnt schon vor Sonnenuntergang und findet in Höhen von 10-40 m, z.T. noch wesentlich höher statt. Schnelle Wendungen und Sturzflüge sind über Wiesen, Seen, Müllplätzen oder Baumkronen zu beobachten.

Kleiner Abendsegler (Nyctalus leisleri)

Mit einer Länge von 5-7 cm und einer Spannweite von 26-32 cm ist die Art deutlich kleiner als der Große Abendsegler, die Schnauze ist etwas spitzer. Das kurze Fell ist an der Oberseite rotbraun, an der Unterseite gelbbraun. Die Flughäute sind entlang des Körpers und der Arme dicht behaart. Die Art ist fast genauso weit verbreitet wie der Große Abendsegler, auch das Biotop ist ähnlich. Auch sie wandert im Herbst Richtung Südwest. Die Jagd beginnt nach Sonnenuntergang in niedrigeren Höhen als der Große Abendsegler.

Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus)

Auch diese Art ist mit 6-8 cm Länge und einer Spannweite von 31-38 cm recht groß. Die Ohren sind kurz, das langhaarige Fell oberseits dunkel rauchbraun, unterseits gelbbraun. Die Flügel sind breit. Bis auf Skandinavien, Schottland und Irland ist die Art europaweit verbreitet. Sie lebt im menschlichen Siedlungsraum mit Parks und Wiesen. Sie fliegt eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang aus und jagt im langsamen Flug in 3-5 m Höhe in großen Kurven über Gärten, Müllplätzen und um Straßenlampen.

Nordfledermaus (Eptesicus nilssonii)

Bei 5-6 cm Länge beträgt die Spannweite 24-28 cm. Der Rand der kurzen Ohren verbreitert sich zur Basis hin und erreicht fast die Mundwinkel. Das langhaarige Fell hat oberseits goldene Haarspitzen, unten ist es gelbbraun. Sie ist im nördlichen und östlichen Europa verbreitet und lebt bei uns meist im Mittelgebirgsvorland in aufgelockerten Busch- und Waldgebieten. Im Winterquartier kommen sie kurzzeitig auch mit Frost bis -7°C zurecht. Der Ausflug beginnt in früher Dämmerung, im Norden auch bei Tageslicht. Sie jagt im offenen Gelände oder über Wasser.

Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)

Mit einer Länge von 3,5-5 cm und einer Spannweite von 18-24 cm ist sie die kleinste europäische Art. Die dreieckigen Ohren sind kurz und haben eine abgerundete Spitze. Das Fell ist an der Oberseite rotbraun, an der Unterseite gelb- oder graubraun. Bis auf die nördliche Hälfte Skandinaviens ist sie in ganz Europa bis nach Nordafrika verbreitet. Als Hausfledermaus lebt sie in Dörfern und Großstädten sowie in Wäldern und Parks. Winterquartiere werden in großen Gruppen auch in Kirchen bezogen. In einer rumänischen Höhle überwintern 100 000 Tiere. Kurz nach Sonnenuntergang beginnt der Ausflug. Der schnelle Flug (bis 26 km/h) in 2-6 m Höhe geht kreis- und ellipsenförmig. Sie jagt an Waldrändern, über Teichen, in Gärten oder um Laternen.

Braunes Langohr (Plecotus auritus)

Die Art wird 4-5 cm lang mit einer Spannweite von 24-28 cm. Die Ohren sind auffällig lang mit 22-24 Querfalten.

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ihr habt gute arbeit geleistet danke