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wissen.de Artikel

Fließbewegungen

Schuttstrom in den Alpen

Je nach Wassergehalt können sich Erd- und Schuttmassen wie zäher Brei oder wie dünnflüssiger Honig den Hang hinunterbewegen.

Fließen von Gesteins- und Bodenmaterial am Hang. In der Natur ist die Abgrenzung der verschiedenen → Hangbewegungen häufig sehr schwierig, da mannigfache Übergänge zwischen den einzelnen Bewegungsformen existieren. So können → Rutschungen in Fließbewegungen übergehen und aus Kriechbewegungen des Bodens können Rutschungen entstehen. Geowissenschaftler, Forstwissenschaftler und Ingenieure aus aller Welt beschäftigen sich schon seit vielen Jahrzehnten mit dem Problem der Klassifizierung von Hangbewegungen, bislang ohne zu einer völlig klaren Unterscheidung der Bewegungsformen zu kommen. Ebenso wie bei der Klassifizierung von Vulkanen, lässt sich die Natur nur sehr schwer in ein Schema pressen. Ein Aspekt der Differenzierung von → Massenverlagerungen ist neben der Bewegungsgeschwindigkeit die Bewegungsmechanik. Hierin unterscheiden sich Rutschungen prinzipiell von den Fließbewegungen, die sich weitgehend bruchlos vollziehen. Das Gesteins- oder Bodenmaterial unterliegt mehr einer plastischen oder quasiviskosen Bewegung. Je nach Wassergehalt können sich Erd- und Schuttmassen wie zäher Brei oder wie dünnflüssiger Honig den Hang hinunterbewegen. Fließbewegungen vollziehen sich nicht selten sehr langsam über viele Jahre und Jahrzehnte. Man spricht dann von Kriechbewegungen eines Hanges.

Schnelle Fließbewegungen bezeichnet man als Schuttstromfließen, sehr schnelle als Erd- oder → Schuttgang. Letzterer unterscheidet sich von einer → Mure dadurch, dass sein Wasseranteil noch geringer ist als der Feststoffanteil. Fließbewegungen können aber auch in völlig trockenem Gesteinsschutt und feinkörnigen Lockergesteinen stattfinden. Hier spielt die Kompression der eingeschlossenen Luft eine wesentliche Rolle. Man hat dies bei Bergstürzen und Erdbeben beobachtet. In Tonablagerungen der Küstengebiete Skandinaviens oder anderer subpolarer Gebiete, den so genannten Quicktonen, treten bei Erschütterungen großflächige Fließbewegungen auf, die man auch als Setzungsfließen bezeichnet (s. a. → Thixotropie).

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