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Französischer Dandy?

Zum 70. Todestag von Maurice Ravel

„Ich habe nur ein Meisterwerk gemacht, das ist der Bolero. Leider enthält er keine Musik." Maurice Ravel teilt das Schicksal mit jenen Komponisten, die ausgerechnet mit solchen Werken berühmt wurden, die sie selbst nicht für ihre bedeutendsten hielten. In der deutschsprachigen Rezeption trifft die Ravel zugeschriebene Aussage zu. Ohne Bolero wäre Ravel einer unter vielen.

Ravel, Maurice

Maurice Ravel (1875-1937), französischer Komponist. Undatierte Aufnahme.

Nun hatten es französische Komponisten (auch wenn Ravel von Geburt Baske war) der Jahrhundertwende in Deutschland eigentlich schon traditionell schwer. Der sich vor allem in seinen frühen Jahren gerne dandyhaft gebende Ravel geriet rasch ins Fadenkreuz der (damals wie heute) strikt zwischen U- und E-Musik trennenden deutschen Musikkritik: Seine unbestrittene instrumentale Virtuosität galt als oberflächlich, seine Nähe zu Jazz, Ballett und Tanz gar als „Amüsiergehabe“ abgetan, die ausgeprägte Affinität zur kindlichen Tier- und Märchenwelt als wenig substanziell gesehen. Darüber hinaus grenzte man die von Ravel ganz bewusst eingesetzte Tonalität mit Bezug auf einen Grundton gegen die „Neue Wiener Schule“ eines Schönberg, Berg und Webern ab: Ravel sei eben kein Neuerer gewesen. Ist diese Kritik gerechtfertigt oder war sie eventuell nur eine Reaktion auf die großen Erfolge, die Ravel beim Publikum erzielte? Eine einzige verbindliche und richtige Antwort gibt es sicher nicht, aber ein Blick auf die Werke selber eröffnet dem vorurteilsfreien Hörer zumindest Perspektiven, die der Meinungsbildung dienlich sind.

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von Jörg Peter Urbach, wissen.de
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