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Freiheit den Kartoffeln!

Zur Vielfalt eines Grundnahrungsmittels

Es ist Herbst – traditionell Erntezeit für Kartoffeln, die vitaminreiche Lieblingsbeilage der Deutschen. Was vielleicht die wenigsten wissen: Während die Knollen still auf dem Teller vor sich hin dampfen, läuft in der Agrarwirtschaft ein Kartoffelkrimi ab. Auf der einen Seite sehen sich Zuchtbetriebe dem Vorwurf ausgesetzt, das Saatgut zu kontrollieren, auf der anderen sind es die Bauern, die sich auf Kosten der Vielfalt bevormundet fühlen. Ein im Juli 2012 gefälltes Urteil des Europäischen Gerichtshofes befeuerte die Diskussion darüber …

Qualität oder Monopol?

Kartoffelanbau
Kartoffelanbau

Die Vielfalt der Kartoffelsorten ist kaum zu überbieten. Käufer können trotzdem nur zwischen wenigen Sorten wählen

Der Möglichkeiten, eine Kartoffel zu verspeisen, gibt es viele: gesund als Pellkartoffel, üppig als Knödel oder in Fett gebadet als Pommes oder Chip. Hier hängt der Geschmack von der Würze ab, die gekochte Kartoffel hingegen begegnet unserem Gaumen nur in wenigen Geschmacksrichtungen. Eine Kostprobe endet meist mit dem Urteil über die Konsistenz – weich, fest, mehlig –, zumindest wenn wir es mit Produkten aus dem Supermarkt zu tun haben. Kein Wunder, denn was wir dort geboten bekommen, beschränkt sich nur auf wenige Sorten. Dabei hat Mutter Erde so viel mehr zu bieten. Warum also diese Sortenarmut?

In der Europäischen Union herrscht eine nicht unumstrittene Vorschrift. Laut der muss eine Pflanzensorte gewisse Kriterien erfüllen, um für den Handel zugelassen zu werden. So muss sie unterscheidbar von anderen Sorten sein und ein einheitliches Bild aufweisen, das sich auch durch Vermehrung nicht verändert. Das erfüllen nicht alle – alten – Sorten, und viele Bauern empören sich darüber, dass sie nicht mehr anbauen dürfen, was ihre Vorväter über Generationen angebaut haben.

Wer also eine Pflanze in den Handel bringen will, ist gezwungen, sie auf diese Kriterien und gewisse Qualitätsmerkmale prüfen und genehmigen zu lassen. Klingt einfach, doch das Prozedere ist laut einem Bericht von „tagesschau.de“ aufwendig und so teuer, dass es sich nur große Unternehmen leisten können. Nun heißt es aber nicht, dass niemand anders eine Sorte anpflanzen und vermarkten darf, wenn sie sich ein Unternehmen hat lizenzieren lassen. Gerade die Lizenz, erteilt durch das Bundessortenamt, gilt allgemein und berechtigt jeden dazu. Aus diesem Grund lassen Agrarbetriebe, sofern es sich um eine neue Sorte handelt, diese auch schützen. Immerhin stecken oft mehr als zehn Jahre in der Entwicklung einer Neuzüchtung, sie ist mit Risiken und enormen Kosten verbunden. Dennoch werfen Bauernverbände den Unternehmen vor, sich auf diese Weise Monopole zu sichern. Die argumentieren indessen, sie würden lediglich die allgemeine Qualität verbessern. Alte Sorten seien weniger ertragreich und auch anfälliger für Krankheiten. Wirklich nur ein hehres Ziel?

 

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von wissen.de-Autor Jens Ossa, September 2012
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