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Geodaten

Geodaten – harmlose Bewegungsprofile oder Daten für die Stasi 2.0?

Manche tun es freiwillig, andere werden erst gar nicht gefragt: Auf Kartenservice-Seiten wie stepmap.de oder weltkarte.com können Nutzer Bewegungsprofile mit Bildern und Blogs erstellen – feine Sache. Andersherum speichern Mobilfunkanbieter die Wege ihrer Kunden, ohne dass diese davon erfahren. So oder so: Wir hinterlassen zunehmend bleibende Spuren. Wer den Nutzen davon hat, zeigt sich gerade im Fall des spanischen Kommunikationsriesen Telefonica, zu dem auch O2 gehört.

Stasi 2.0

Globale Kommunikaton - und Überwachung?
„Der Fall der Mauer wäre vielleicht nicht möglich gewesen, wenn damals alle Protestierenden ein Mobiltelefon in der Tasche gehabt hätten“, sagt Grünenpolitiker und Medienexperte Malte Spitz auf der TEDGlobal-Konferenz 2012 in Edinbourgh. „Denn dann hätte die Stasi schnell überschauen können, wer alles so an den Demos teilnahm und wer die Drahtzieher waren.“

Utopisch? Nein. Dass Telefongesellschaften Zeit und Dauer von Telefonaten sowie die angerufenen Nummern aufzeichnen, ist bereits lange der Fall. Bei Mobilfunkkunden kommt auch noch der Aufenthaltsort hinzu, und der lässt sich nicht nur während eines Gesprächs ermitteln. Die Sender in den Handys suchen ständig die Verbindung zur nächsten Relais-Station und sind damit durchweg zu orten, liefern ununterbrochen so genannte Geodaten.

Stellt man zudem ausgehend von einer Person die Verbindungen zur nächsten, übernächsten und so weiter bildlich dar, erhält man ein weitverzweigtes Kommunikationsnetzwerk. Und zeichnen sich hier Knotenpunkte ab – Handys, über die besonders viele Gespräche laufen –, können Fahnder davon ausgehen, dass es sich bei den Besitzern um Leute handelt, die etwa in einem politischen Kontext eine zentrale Rolle spielen.

Vor diesem Hintergrund mag der Begriff Stasi 2.0 für die Datensammelwut der Telekommunikationsbranche nicht so sehr weit hergeholt sein. Besonders, da diese seit 2006 laut der EU-Richtlinie zur Vorratsspeicherung angehalten ist, möglichst viele Daten über ihre Kunden zu sammeln.

 

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wissen.de-Autor Jens Ossa, Nov. 2012
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