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"Gestartet wurde vom Gras aus"

Erinnerungen eines amerikanischen Rosinen-Bombers

Die folgenden Erinnerungen an die ersten Tage der Luftbrücke stammen von Jack O. Bennett. Er gehörte zu den ersten Piloten, die Versorgungsgüter in das blockierte Berlin einflogen. Der 1914 geborene US-Amerikaner hatte nach seinem Studium unter anderem als Testpilot gearbeitet. Seit 1945 leitete er die Europa-Direktion der American Overseas Airlines (AOA):

"Anfänglich arbeiteten die Amerikaner und Briten getrennt. Die Briten benutzten den nördlichen Korridor und flogen von Wunstorf in der Nähe von Hannover zum Berliner Flughafen Gatow. Die Amerikaner flogen über den südlichen Korridor ein. Beide verließen die Stadt dann durch den mittleren Luftweg.

Berlins Flughafen Tempelhof war für derartigen Massenverkehr denkbar ungeeignet. Er besaß nur eine provisorische Stahllandebahn, wie wir sie schon in Hanau (bei Frankfurt am Main) kennengelernt hatten. Gestartet wurde vom Gras aus. Schließlich wurden dann noch zwei Zementbahnen angelegt. Die Landungen waren für unerfahrene Piloten abenteuerlich, da man die relativ dicht angrenzenden Wohnhäuser praktisch nur um Handbreite überflog. Aber dann kam die Luftbrücke doch richtig in Gang. Am vierten Tag wurden 384 Tonnen eingeflogen...

Falls ein Pilot aus irgendeinem Grund seinen Landeanflug versiebte, musste er sofort wieder durchstarten und durch den mittleren Korridor Berlin verlassen. Sein Flug war umsonst. Aber es gab nun einmal keinen anderen Weg, um gefährliche Staus zu vermeiden.

Alle leeren Flugzeuge kehrten im Abstand von drei Minuten über den mittleren Korridor nach Hannover, Frankfurt oder Wiesbaden zurück - in vier verschiedenen Höhen, genauso, wie sie hereingekommen waren. Aus Berlin heraus betrug die Geschwindigkeit 288 Kilometer pro Stunde, da die Maschinen jetzt leichter geworden waren."

Berlin wird abgeschnitten
Die Luftbrücke nach Berlin beginnt

aus der "Chronik 1948" (Chronik-Verlag)
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