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Gesunde Ernährung: Wie super ist Superfood?

Ob Chiasamen, Acerolakirsche, Goji- oder Açaíbeeren – exotische Superfoods liegen im Trend. Sollen sie doch nicht nur gesünder, sondern sogar schlanker und schöner machen. Doch stimmt das auch? Wir klären, was in den angeblichen Wunderlebensmitteln steckt – und ob sie wirklich besser sind als Produkte aus unserer Heimat.

Die Liste der Lebensmittel, die als sogenannte Superfoods gehandelt werden, ist lang. Vor allem exotisch klingende Pflanzen aus fernen Ländern werden in Naturkostläden und Reformhäusern gerne als Produkte mit gesundheitlichem Zusatznutzen vermarktet – der laut Verpackung natürlich von indigen Urvölkern seit Jahrtausenden bestätigt ist.

Viele Verbraucher greifen da beherzt zu. Schließlich sollen Chiasamen, Açaíbeeren & Co besonders viele Nährstoffe enthalten und im Körper wahre Wunder vollbringen. Neben ihrem hohen Vitamin-, Mineral- oder Ballaststoffgehalt werden die Superfoods vor allem für ihre antioxidative Wirkung geschätzt. Sie soll die Körperzellen vor schädlichen freien Radikalen schützen, die mitunter aus Zigarettenrauch und Alkohol, aber auch beim natürlichen Stoffwechsel entstehen. Soweit die Theorie. Doch wie sinnvoll ist der Verzehr dieser Lebensmittel wirklich?

Beeren mit fraglichem Potenzial

Tatsächlich enthalten einige der Superfoods gesundheitlich interessante Inhaltstoffe. Die meist getrocknet erhältliche Goji- oder auch Bocksdornbeere aus China ist zum Beispiel prall gefüllt mit den Vitaminen A und C und enthält zudem größere Mengen der Mineralstoffe Eisen, Selen und Zink. Doch obwohl die Frucht in der traditionellen chinesischen Medizin seit Jahrhunderten für die Vorbeugung und Therapie zahlreicher Beschwerden von Diabetes über Potenzstörungen bis hin zu vorzeitigem Altern zum Einsatz kommt, lässt sich ein medizinischer Nutzen der Beere bislang nicht belegen.

Einige Laborstudien sprechen bestimmten Extrakten der Frucht zwar antioxidative Eigenschaften zu. Jenseits des Reagenzglases ist ein gesundheitlicher Vorteil für den Menschen laut der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA jedoch nicht sicher zu belegen. So taugt die Gojibeere zwar als Vitamin- und Mineralstofflieferant – zu mehr aber wohl auch nicht.

Ähnlich wie die Gojibeere soll die Frucht der Kohlpalme Euterpe oleracea durch ihre antioxidative Wirkung unter anderem als Anti-Aging-Mittel nützen und darüber hinaus bei der Gewichtsabnahme helfen. Doch auch für die hierzulande als Açaíbeere bekannte Frucht lassen sich diese Effekte wissenschaftlich nicht belegen.

Açaí-Beeren
Die Frucht der Kohlpalme (Euterpe oleracea) wird bei uns unter dem Namen Açaí-Beere vermarktet.

Vitamin C im Überfluss

Ein weiteres beliebtes Superfood ist die in Südamerika heimische Acerolakirsche – oft wird sie als Vitamin C-Wunder angepriesen. Und tatsächlich enthält sie so viel davon wie kaum eine andere Frucht: etwa 1.700 Milligramm pro hundert Gramm. Frisch bekommt man die Steinfrucht jedoch meist nur in den Erzeugerländern. Deshalb wird sie hierzulande hauptsächlich als Saft oder Nahrungsergänzungsmittel in Pulverform verkauft.

Um unseren täglichen Bedarf an Vitamin C zu decken, sind wir auf solche Vitaminpräparate jedoch eigentlich gar nicht angewiesen. Der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zufolge ist die empfohlene Zufuhr – 110 Milligramm für erwachsene Männer und 95 Milligramm für erwachsene Frauen – leicht über die normale Ernährung realisierbar. Schon eine Paprika beispielsweise enthält zwischen 100 und 300 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm.

Acerola-Kirsche
Die Früchte der Acerolakirsche gehören zu denen mit dem höchsten Gehalt an Vitamin-C.
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DAL, 18.01.2016
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