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Google Street View: warum nicht?

Wenn schon Protest – dann aber richtig!

„Die ich rief, die Geister, Werd’ ich nun nicht los“, klagt der Zauberlehrling in Goethes gleichnamiger Ballade. Warum ich bei der Debatte um Street View an das Goethe’sche Zitat denken muss? Weil 89,6 Prozent der Internet-Nutzer nahezu täglich Google als Suchmaschine präferieren – und seit Jahren Google Earth und Google Maps wie selbstverständlich genutzt wird. Doch gab es ähnlich hitzige Debatten um Google Earth, als es vor vier Jahren erstmals angeboten wurde? Nein. Warum eigentlich nicht? Ist der Blick in den Garten des Nachbarn nicht intimer, als der Blick auf die Fassade seines Hauses?

Einspruch: aber bitte!

Nicht nur in den Städten unterwegs: die Aufnahmefahrzeuge von Google Street View
All diejenigen, die jetzt über die Medien oder das Web 2.0 Einspruch erheben, sollen das tun. Es ist ihr gutes Recht! Doch sollten sie nicht viel weiter gehen? Warum nutzt derjenige, der etwas gegen die Praktiken von Google hat, weiterhin den Suchmaschinen-Monopolisten? Es gibt doch alternative Suchmaschinen wie Bing, Yahoo oder ask.com. Soll er oder sie doch durch ein verändertes Nutzerverhalten seinen Protest deutlich machen. Wenn das millionenfach bewusst geschieht: Würde Google dann noch seinen umstrittenen Rundgang durch die Städte anbieten? 

 

Was ist noch privat?

Und dann die Sache mit der Privatsphäre: 49 Millionen Deutsche über 14 Jahren nutzen das Internet. Und jeder Fünfte davon treibt sich zum Beispiel mehr oder weniger regelmäßig auf den Seiten von Facebook herum, veröffentlicht persönliche Daten und Fotos, nennt Freunde und macht sich auch immer wieder über andere lustig. Tendenz: steigend. Schön und gut, werden da andere einwenden, aber einen Facebook-Account legt man doch bewusst an. Richtig! Aber wenn Bekannte, Freunde oder Familienmitglieder etwas über mich veröffentlichen – dann ist das in virtuellen Stein gemeißelt. Und ich kann – zumindest kurzfristig – nichts dagegen tun.

Wieso Susanne Böllert zu Street View "nein, danke" sagt

 

Street View: Blick ins Schlafzimmer?

Was ich an der Debatte um Street View, die unbedingt geführt werden soll und muss, verlogen finde, ist schlicht und einfach die Heftigkeit der veröffentlichten Empörung. Zum einen: Ist es nicht wesentlich bedenklicher, wenn eine Suchmaschine sämtlicher meiner Anfragen bis zu 18 Monate lang speichert? Wird dagegen bei Street View wirklich so viel von der Privatsphäre gezeigt? Wer einmal Street View genutzt hat, wird erkennen können: So viele Details erkennt man in der Regel gar nicht – und die Nummernschilder sind ebenfalls nicht zu lesen. Wer ein auffälliges Auto fährt, wird das natürlich auch bei Street View wieder finden. Doch ist dieses Auffälligkeit (“Abi 2006“) nicht ohnehin ein öffentliches Statement?

 

Lebt besser!

Sicher: Dass viele Plätze der Welt rund um die Uhr mit Kameras gefilmt werden, verursacht auch mir ein mulmiges Gefühl. Und George Orwells „1984“ mit seiner total überwachten Welt, ist nichts, was ich unserer realen Welt wünsche. Doch in der Debatte um Street View halte ich die große Klagewelle, die durchs Land rollt, für übertrieben. Anders gesagt: Wer etwas zu verbergen hat, möge es doch bitte verbergen. Und wer an seine Hauswand schreibt. „Ich mag meinen Nachbarn nicht!“, der sollte sich nicht wundern, wenn dieser Nachbar ihm eines Tages an den Karren fährt – auch, wenn dieser von Street View noch nie etwas gehört hat.

Wieso Susanne Böllert zu Street View "nein, danke" sagt

 

von Michael Fischer, wissen.de
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5 Kommentare

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Sicherlich ist es ebenso bedenklich, dass Google Anfragen 18 Monate lang speichert. Doch diese Tatsache macht Street View kein bisschen besser. Es gibt noch weitaus mehr Dinge auf der Welt die viel, viel schlimmer sind als Google Street View?!?Ich stimme jedoch ueberein, dass man sich nicht ueber Street View beschweren und es gleichzeitig jeden Tag nutzen sollte!Ganz oder Garnicht.


Alle, die in StreetView nur Positives sehen, sollten sich mal über die Google-Gesichtserkennung usw. informieren. Ich weiß nämlich nicht, ob die Befürworter sämtlichen Usern nicht nur ihre Hausfassade, sondern auch die zugehörige Person incl. Musikgeschmack, aufgerufene Seiten, Facebookprofil und dergleichen mehr liefern wollen. Streetview ist nicht das Problem, sondern die Verknüpfung der Daten


Was soll die ganze Aufregung von wegen Persönlicher Indiskretion.Was ist schon dabei wenn irgend wer mein Haus meine Wohnung oder sonstige Abbildungen meiner Wohnstatt irgendwann der Öffentlichkeit präsentiert.Steht da mein Name dabei? steht da vielleicht in Nr 34 wohnt Herr 1234 geschiedener von Frau543 mit adgj Euro Schulden in wilder Ehe mit Frl ölkjh.Nein steht nicht.Also was soll das Ganze


wer nichts zu verbergeb hat brauchtsich nicht zu fürchten OK


ich kann die ganze empörung über streetview auch nicht verstehen.es ist doch egal ob fremde menschen mein haus sehen,sie wissen nicht, dass es MEIN haus ist oder von irgendeiner anderen fremden person.und leute die mich kennen könnten jeden tag bei mir vorbeifahren und gucken ob es was neues gibt!und ich denke, das 80% derjenigen, die jetzt mecker google maps oder google earth genutzt haben!