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Indien mal anders: Die Himmelsobservatorien von Jaipur

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Jai Prakash in Jaipur
Das Innere des Jai Prakash spiegelt die Geometrie des Himmels wieder. Hier der Blick auf den Punkt in der Schale, der dem Himmelsnordpol gegenüberliegt.

Die Zwillings-Instrumente

Eine weitere Besonderheit des Observatoriums von Jaipur sind zwei große Doppelinstrumente. Beide dienten den Astronomen dazu, die Position und den Lauf der Gestirne möglichst genau zu bestimmen und zu verfolgen.

Eines davon, das Jai Prakash, besteht aus zwei halbkugelförmigen Vertiefungen im Boden. In jede der Schalen sind sechs helle Marmorsegmente eingelassen, auf denen ein feines Koordinatennetz die die Geometrie des Himmels abbildet. Zwischen den Marmorsegmenten liegen jeweils Treppen und Aussparungen, über die die Astronomen besser an jede Stelle der Schale gelange konnte, um von dort aus den Himmel anzuvisieren. Der Clou dabei: Dort, wo bei der einen Schale heller Marmor ist, liegt bei der anderen eine Aussparung – sie sind komplementär. Erst zusammen bilden sie ein lückenloses Abbild des Himmels.

Nach ähnlichem Prinzip funktioniert auch das zweite Doppelinstrument, das ein wenig zwei nebeneinander stehenden Mini-Ausgaben des Kolosseums in Rom ähnelt. Das sogenannte Rama Yantra besteht aus zwei mehrstöckigen Zylindern, deren Außenwände durch senkrechte Öffnungen durchbrochen sind. Diese sind bei beiden Zylindern wieder komplementär. Im Inneren gibt es Koordinatenmarkierungen und Segmente, durch die die Astronomen die Höhe und den Azimut, den "Längengrad" der Sterne, bestimmen konnten. Der Clou hier: Um auf tieferstehende Sterne anvisieren zu können, kletterten die Astronomen auf Holzbretter, die sie in der jeweils passenden Höhe in die Wandaussparungen klemmten. Die Halterungen für diese Bretter sind bis heute zu erkennen.

Ramayantra von Jaipur
Blick in einen der "Sternernzylinder" von Jaipur. Die senkrechte Säule in der Mitte diente als Peilhilfe für die Astronomen.

Warum so viele Instrumente?

Wer im Observatorium von Jaipur umherwandert, wird noch mehr seltsame "Himmelsbauten" entdecken. Denn zur Sicherheit erbaute Jai Singh gleich mehrere Sonnenuhren unterschiedlicher Größe und Art und auch für das Anpeilen von Sternen konnten die Astronomen zwischen verschiedenen Instrumenten wählen. Dadurch konnten die Astronomen die Werte miteinander abgleichen – und so verlässlichere und genauere Ergebnisse erzielen.

Einige der Instrumente in Jaipur ähneln einem mittelalterlichen Astrolabium, andere sind einfache Steinmarker, die beispielsweise die Richtung zum Polarstern weisen. Ungewöhnlich und weltweit einzigartig ist eine Ansammlung von zwölf "Himmelstreppen", die alle in unterschiedliche Richtungen zeigen und auch ganz verschiedenen Steigungen aufweisen.

Himmelstreppen von Jaipur
Rashi Valaya - die Himmelstreppen von Jaipur

Der Sinn dahinter: Jedes Instrument war so ausgerichtet, dass die Astronomen damit die Position der Sonne oder eines Sterns in Bezug auf die Ekliptik bestimmen konnten – die Bahn der Tierkreiszeichen. Weil sich die Ekliptik aber im Laufe des Jahres am Himmel verschiebt, passte jedes Instrument nur zu bestimmten Zeiten im Jahr. Statt die Bewegung durch ein einziges, verstellbares Instrument auszugleichen, konstruierte Jai Singh zwölf feste Bauten, die zusammen die gleiche Funktion erfüllten.

Die Jantar Mantar von Jaipur zeugen bis heute vom Einfallsreichtum und der langen Tradition der indischen Astronomie. Wer Jaipur oder Delhi besucht, sollte sich daher einen Besuch in den steinernen Observatorien nicht entgehen lassen. Sie geben einen einzigartigen Einblick in eine hier im Westen weitgehend unbekannte Astronomiegeschichte – und in die Bedeutung, die die Himmelskunde damals in der indischen Gesellschaft hatte.

Ramayantra in Delhi
Blick in einen "Sternenzylinder" in Dehli: Die Holzsitze für die Astronomen wurden in die Wandaussparungen eingehängt.
DAL, 18.98.2017
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