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Interview: Burn-out - Wie erkenne ich ihn und was kann ich tun?

Der Burn-out kann jede und jeden treffen – ob Manager, Sportler oder Hausfrau. Dauerstress, chronische Überlastung und noch dazu kaum Anerkennung sind das beste Rezept, um in das Ausgebranntsein hinein zu rutschen. Wie es zum Burn-out kommt, wie man ihn erkennt und was man dagegen tun kann, erklären der Sportler Sven Hannawald und der Mediziner Matthias Burisch im Interview.

Büroszene
Burn-out wird meist mit Überforderung und Stress im Beruf in Verbindung gebracht.
Lange galt der Burn-out als typische Managerkrankheit. Denn typischerweise trifft dieses Leiden diejenigen, die im Beruf ständig an ihrer Belastungsgrenze arbeiten – und allzuoft auch darüber hinaus. Gefährdet sind dabei vor allem die klassischen Workoholics, die sich in die Arbeit stürzen, freiwillig endlose Überstunden machen und selbst am Wochenende nicht abschalten können – so zumindest die gängige Meinung.

Genauso kann aber auch in den sozialen Berufen oder sogar zuhause in der Familie ein übergroßes Engagement und Dauerstress den Menschen nach und nach so auslaugen, dass nur noch der Burn-out als Hilfeschrei des Körpers und der Seele bleibt. Gerade wer anderen hilft – ob als Krankenschwester, Sozialarbeiter oder Lehrer – vergisst oft, an sich selbst zu denken. Als Folge drohen Depression, Erschöpfung und psychosomatische Beschwerden.

Wie aber erkennt man einen Burn-out? Und wie kann man ihn verhindern? Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege hat zwei gefragt, die es wissen müssen: Skisprunglegende Sven Hannawald und den Burn-out-Forscher Matthias Burisch. Sven Hannawald spricht dabei aus Erfahrung: Der Gewinner aller vier Springen der Vierschanzentournee im Jahr 2002 beendete zwei Jahre später aufgrund eines Burn-outs seine Karriere als Profi-Sportler. Seither engagiert sich der Sportler für die Prävention des Burn-outs. Er will Menschen dabei helfen, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Zusammen mit dem Mediziner Burisch gibt er Antworten und Tipps rund um den Burn-out und seine Vermeidung.

Wie erkennt man ein drohendes Burn-out?

Sven Hannawald: "Ich war völlig erschöpft, hatte an nichts mehr Freude. Auch ein Urlaub hat da nichts gebracht, keine tiefere Erholung mehr. Wenn ich eine Entscheidung treffen musste, bekam ich ein ganz flaues Gefühl im Magen. Dabei ging es manchmal nur um ganz alltägliche Dinge, darum, ob ich nun Joggen gehe oder doch lieber einen Film schaue."

Matthias Burisch: "Bei Diagnosen neigen wir zum Schwarz-Weiß-Denken: Man hat was oder eben nicht. Aber ab wann man von einem Burn-out spricht, das ist eben auch Ermessenssache. Vernünftiger ist es, zu sagen, jemand steckt in einem Burn-out-Prozess, der mehr oder weniger weit fortgeschritten ist. Die Alarmglocken sollten läuten, wenn man sich am Feierabend, am Wochenende oder im Urlaub überhaupt nicht mehr richtig erholt."

Wie kommt es überhaupt zu einem Burn-out?

Burisch: "Im Prinzip kann alles, was uns gründlich gegen den Strich geht, sich aber nicht so leicht abstellen lässt, einen Burn-out-Prozess in Gang setzen - beruflich wie privat. Die Stressforschung spricht da von einer mangelnden Person-Umwelt-Passung. Wer ausbrennt, hat subjektiv betrachtet viel zu lange viel zu viel gegeben und zu wenig zurückbekommen. Das kann Menschen in Sozial- und Dienstleistungsberufen ebenso betreffen wie Alleinerziehende oder Hausfrauen. Diese Menschen erleben eine Gratifikationskrise. Oft fehlt es einfach an Anerkennung und Wertschätzung."

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BGW, 13.04.2016
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