Total votes: 28
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken
wissen.de Artikel

Italien hat im Endspiel keine Chance

Mit einem 4:1 Sieg holten sich die Brasilianer erneut die WM-Trophäe. Nie zuvor wurden die Titelkämpfe von einer derart großen Medienschar begleitet. 2700 Journalisten und Techniker übertrugen die Begegnungen in die ganze Welt.

Brasiliens dritter WM-Gewinn

Vor 110.000 Zuschauern musste sich das italienische Team im Finale der Fußball-WM der brasilianischen Spielkunst beugen. Unter Leitung von DDR-Schiedsrichter Rudi Glöckner konnte Italien zwar in der ersten Halbzeit die brasilianische Führung (Pelé, 18. Minute) durch Roberto Boninsegna (37. Minute) ausgleichen, hatte aber eigentlich dem Offensivfußball der Südamerikaner wenig entgegen zu setzen.

Gerson, Jairzinho und Carlos Alberto sorgten in der zweiten Halbzeit für den auch in dieser Höhe verdienten 4:1-Sieg über eine italienische Mannschaft, die durch das schwere Halbfinalspiel gegen die Bundesrepublik spürbar geschwächt war. Die belgische Fachzeitschrift "Les Sports" schrieb nach dem Finale: "Kein Zweifel, die Brasilianer sind die echten Fußballkönige... Am Ende siegte die Technik. Die demonstrierten die Brasilianer, und das einfach wundervoll." Nach Ansicht von anderen Fachleuten gewann mit Brasilien eine Mannschaft die Weltmeisterschaft, die sich durch spielerisch eleganten und schwungvollen Angriffsfußball auszeichnete. Mit der individuellen Spielfreude und dem von der gesamten Mannschaft beherrschten Rhythmuswechsel verfügte sie über eine Substanz, die vorhandene Schwächen in der Abwehr überdecken konnte. Neben dem mittlerweile 29-jährigen Star Pelé zählten der weltbeste Rechtsaußen Jairzinho, der als zurückhängender Linksaußen agierende Spielmacher Roberto Rivelinho sowie die Mittelfeldspieler Gerson und Clodoaldo zu den Leistungsträgern des Titelträgers.

Nach dem dritten WM-Gewinn (1958 und 1962) ging damit die Weltmeistertrophäe endgültig in den Besitz der Brasilianer über.

Revanche für Wembley Aus im Halbfinale

Es war Punkt 12 Uhr Highnoon , als der argentinische Schiedsrichter das WM-Viertelfinale in Leon anpfiff. Mit Deutschland und England trafen zwei Mannschaften aufeinander, die seit dem denkwürdigen Spiel von Wembley 1966 noch eine Rechnung offen hatten. Auf Revanche hoffte das deutsche Team von Trainer Helmut Schön, auf einen ebenso glücklichen Ausgang wie bei der WM 1966 vertraute das englische Team von Coach Ramsey.

"Wir werden sie schlagen", hatte der sonst so vorsichtige Schön vor dem Spiel prognostiziert. Die Hoffnung auf ein Weiterkommen schien eine halbe Stunde nach dem Anpfiff zu platzen, als Mullery das 1:0 für England markierte. Die Abwehr der Engländer stand robust, immer wieder liefen sich die deutschen Stürmer fest. Die beiden Spielgestalter Franz Beckenbauer und Bobby Charlton neutralisierten sich gegenseitig. Als fünf Minuten nach Beginn der zweiten Halbzeit Peters mit einem überraschenden Schuss ins kurze Ecke auf 2:0 erhöhte, glaubte niemand mehr an eine Revanche für Wembley.

Englands Trainer schien das Spiel bereits abgehakt zu haben und nahm Charlton vom Feld, um ihn für das Halbfinale zu schonen. Befreit von seinem Widerpart, nutzte Beckenbauer nun den Raum zur Spielgestaltung. Unermüdlich trieb er das Spiel der deutschen Mannschaft nach vorne. Nach herrlichem Alleingang gelang dem Regisseur in der 69. Minute selbst der Anschlusstreffer. Noch wurden die Engländer nicht nervös und hofften, den Vorsprung über die Zeit retten zu können. In der deutschen Mannschaft wehte nach der Einwechslung von Jürgen Grabowski für den erschöpften Reinhard Libuda und Willi Schulz für Horst Höttges ein frischer Wind. Das Spiel gewann nochmals an Tempo, die Deutschen spielten sich eine gute Möglichkeit nach der anderen heraus, im englischen Strafraum spielten sich turbulente Szenen ab. Neun Minuten vor dem Ende der Partie wurden die Spieler für ihr Bemühen belohnt. Schnellinger flankte, Seeler sprang am höchsten und köpfte den Ball zum 2:2 in die Maschen. "Mit dem Ohr habe ich ihn erwischt", grinste der Hamburger hinterher. In der Verlängerung gelang der deutschen Mannschaft das entscheidende Tor durch Gerd Müller. Die Revanche für Wembley war geglückt.

Wer glaubte, dieses Spiel ließe sich an Dramatik nicht mehr überbieten, sah sich durch den Verlauf der folgenden Halbfinal-Begegnung zwischen Deutschland und Italien widerlegt. Die “Helden von Leon gerieten erneut früh ins Hintertreffen. Roberto Boninsegna hatte die Italiener in der achten Minute in Führung gebracht. Vor 90 000 Zuschauern verteidigten die Tifosi diese Führung, ehe Karl-Heinz Schnellinger in der 92. Minute nach Flanke von Grabowski der Ausgleich gelang. Der Thriller ging in die Verlängerung. In der 95. Minute brachte der “Bomber Gerd Müller das deutsche Team erstmals in Führung. Doch schon vier Minuten später glich Tarcisio Burgnich aus. In der 104. Minute erzielte Goalgetter Luigi Riva das 3:2 der Siegtreffer, wie viele meinten. Aber die deutsche Mannschaft steckte nicht auf. Erneut Gerd Müller traf in der 109. Minute zum Ausgleich. In der 110. Minute erstickte der eingewechselte Gianni Rivera mit seinem 4:3 für Italien die letzten Hoffnungen des deutschen Teams, das Fußballgeschichte geschrieben, aber den Einzug ins Finale denkbar knapp verpasst hatte.

Der englische Alt-Internationale Billy Wright urteilte nach dem Ende des Halbfinalspiels in Mexiko-City: “Das werden für mich die unvergesslichsten Stunden bleiben, die ich je auf einem Fußballplatz verbrachte. Mit dem Sieg zog Italien ins Finale ein. Das deutsche Team musste sich mit dem kleinen Finale gegen den ehemaligen Weltmeister Uruguay zufrieden geben. Beckenbauer konnte aufgrund einer Verletzung gar nicht mehr auflaufen und musste Schnellinger die Libero-Position überlassen. Wolfgang Overath sicherte dem Team mit seinem 1:0 in der 27. Minute den dritten Platz.

Die Teilnehmer

  • Gruppe 1: UdSSR, Mexiko, Belgien, El Salvador
  • Gruppe 2: Italien, Uruguay, Schweden, Israel
  • Gruppe 3: Brasilien, England, Rumänien, CSSR
  • Gruppe 4: Deutschland, Peru, Bulgarien, Marokko

Weltmeisterschaft 1970

  • Viertelfinale
  • 14.6. UdSSR Uruguay 0:1 n.V. (0:0, 0:0)
  • 14.6. Italien Mexiko 4:1 (1:1)
  • 14.6. Brasilien Peru 4:2 (2:1)
  • 14.6. Deutschland England 3:2 n.V. (0:1, 2:2)
  • Halbfinale
  • 17.6. Deutschland Italien 3:4 n.V. (0:1, 2:2)
  • 17.6. Brasilien Uruguay 3:1 (1:1)
  • Spiel um den 3. Platz
  • 20.6. Deutschland Uruguay 1:0 (1:0)
  • Endspiel
  • 21.6. Brasilien Italien 4:1 (1:1)
  • Brasilien:Felix, Carlos Alberto, Brito, Piazza, Everaldo, Gerson, Clodoaldo, Rivelino, Jairzinho, Tostao, Pelé
  • Italien: Albertosi, Burgnich, Cera, Rosato, Faccetti, Domenghini (82. Rivera), Bertini (75. Juliano), de Sisti, Mazzola, Riva, Boninsegna Tore: 1:0 Pelé (18.), 1:1 Boninsegna (37.), 2:1 Gerson (66.), 3:1 Jairzinho (71.), 4:1 Carlos Alberto (86.)
Total votes: 28
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken

Post new comment


0 Kommentare

Filtered HTML

  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <blockquote> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
This question is for testing whether you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.