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Japan – Alpenhochland und Palmenstrände

Eine Reise mit Kontrasten

High-Tech, Erdbeben und hoffnungslos überquellende Städte. Während sich dieses Bild von Japan vielen in Europa durch die Medien aufdrängt, gilt das Land bei anderen als hip – vor allem wegen seiner Comics, der Manga. Seit dem 11. März 2011 prägt noch ein weiteres Bild die hiesigen Vorstellungen: „Da ist doch jetzt alles verstrahlt“, glauben nicht wenige. Ihnen sei gesagt: Fukushima ist zwar in Japan, aber Japan ist nicht Fukushima. Nach wie vor hat das Inselreich in Fernost Fantastisches zu bieten, und wohl kaum ein Land besticht durch so viele Gegensätze.

Schuhe aus, Slipper an

Shibuya, Tokio
Tokio bei Nacht: der Stadtbezirk Shibuya

An der riesigen Diagonalkreuzung im Tokioter Stadtteil Shibuya warten Tausende auf das blaue Ampelsignal. Richtig, in Japan schalten die Ampeln auf Blau statt Grün. Es ist still. So still es an einem Nachmittag unter der Woche in dem belebten Viertel eben sein kann. Es reicht, um ein Tröten wahrzunehmen, das sich zweifelsfrei als die Vibration von Nasenflügeln identifizieren lässt. Ein blonder Mann – er ragt um gut eine Kopflänge über das Meer der Wartenden hinaus – faltet sein Taschentuch zusammen und steckt es weg. Aus den unzähligen Blicken, die er nun erntet, strömt kollektive Verachtung.

Die Ampel springt um, der Puls der Metropole schlägt weiter. Der Mann jedoch, offenbar westlicher Ausländer, wird diesen Moment nie vergessen. Und vor allem wird er sich nie wieder in der japanischen Öffentlichkeit die Nase schnäuzen. Das nämlich gehört sich nicht. Ebenso wenig wie ein paar andere Dinge, an die wir in Europa keinen Gedanken verschwenden würden. Wer zum Beispiel zu Gast in einem japanischen Privathaushalt ist oder eine traditionelle Herberge – die Ryokan – aufsucht, wird merken, dass es dort heißt: Schuhe aus. Auch wird er schnell lernen, dass er die am Eingang gereichten Slipper beim Gang auf die Toilette gegen die meist in grellen Farben gehaltenen WC-Slipper auszutauschen hat. Was Ausländer dann aber gern vergessen: diese beim Verlassen der Toilette auch wieder auszuziehen. Das sorgt nicht selten für stille Empörung.

Anderes hingegen, was bei uns Empörung auslösen würde, ist in Japan gang und gäbe. Zum Beispiel das laute Schlürfen von Nudeln. Versuchen Sie es, wenn Sie sich in einem Restaurant den Gepflogenheiten anpassen wollen. Das ist gar nicht einfach.

Soviel zu ein paar wenigen Grundregeln, die den Alltag erleichtern. Sicher, der Verhaltenskodex im Land der aufgehenden Sonne ist ungleich länger. Aber vieles werden einem die Japaner verzeihen, über anderes werden sie sich amüsieren. Schließlich ist man ein unwissender Ausländer. Was kann man da schon erwarten?

 

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von wissen.de-Autor Jens Ossa, August 2013
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