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Jenaplan

Reformpädagogik aus Flensburg: Peter Petersen hatte einen (Jena-)Plan

Was er gesehen hatte in den Schulen und Erziehungsheimen seiner Zeit, behagte dem jungen Oberlehrer überhaupt nicht. Denn Peter Petersen verstand als Ergebnis einer gelungenen Erziehung etwas anderes als den gehorsamen Untertan, den die Pädagogik der Kaiserzeit hervorbrachte. In der Idealvorstellung des Flensburgers reiften in der Schule echte Persönlichkeiten heran, die sich, und das ist das Wesentliche, in der Gemeinschaft der Schüler, Eltern und Lehrer entwickelten. Und Peter Petersen hatte auch einen Plan, wie dieses Ideal zu verwirklichen sei: den Jenaplan. Aktuell existieren, vor allem in Holland, zahlreiche "Lebensgemeinschaftsschulen", die auf dem Konzept Petersens basieren. Während die Jenaplan-Pädagogik bis heute anerkannt ist, gilt ihr Begründer als umstritten. Der Reformpädagoge hatte sich kurz nach Einführung des Jenaplan stark dem Nazi-Regime angenähert.

Jenaplan - die Philosophie

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Jenaplan: das Ende des Frontalunterrichts
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"Wie soll die Erziehungsgemeinschaft beschaffen sein, in der und durch die ein Mensch seine Individualität zur Persönlichkeit vollenden kann?", lautete die Frage, die sich der Reformpädagoge Peter Petersen zu Beginn seiner Laufbahn stellte, wobei der Begriff der "Erziehungsgemeinschaft" bereits auf eine wichtige Erkenntnis hindeutete, die die Jenaplan-Pädagogik prägen sollte. Denn Petersen glaubte: Nichts sei für die Entwicklung eines Menschen zu einer selbstbestimmten, entscheidungsfähigen Persönlichkeit wichtiger als das Erleben einer Gemeinschaft.

In der Familie erkannte der aus einer bäuerlichen Großfamilie stammende Petersen die erste Zelle einer solchen Gemeinschaft. Er schrieb: "Der Mensch muss zur gesunden und vollen Entfaltung seines Wesens einen Kreis von Menschen besitzen, die für ihn als ganzen Menschen Verständnis besitzen, und zwar ein Verständnis, das weniger auf intellektueller Klarheit ruht, als erlebt und gefühlt wird ohne Worte..."

So ist für das Funktionieren einer Jenaplan-Schule die von den Eltern, Lehrern und Schülern getragene Schulgemeinde wichtigste Voraussetzung. Weitere konstituitve Bestandteile der auf dem "sozialen Lernen" basierenden Jenaplan-Pädagogik sind:

1. das Ersetzen der Jahrgangsklassen durch Stammgruppen, in denen mehrere Jahrgänge gleichzeitig, fächerübergreifend und interessenorientiert unterrichtet werden,

2. der Ersatz des Stundenplans im 45-Minutentakt durch rhythmische Wochenarbeitspläne, in denen sich Phasen der Anschauung, Empfindung, Versenkung, der Andacht und Feier abwechseln,

3. die Ablösung des Frontalunterrichts durch das Lernen in "pädagogischen Situationen", in denen die Fragen und Interessen des Kindes im Mittelpunkt stehen,

4. die Gleichwertigkeit der verschiedenen Bildungsformen Gespräch, Vortrag, Spiel, Arbeit und Feier anstelle einer einseitig kognitiven und rein lehrerzentrierten Wissensvermittlung sowie 5. Lernentwicklungsberichte statt Zensuren.

 

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Von Susanne Böllert, wissen.de
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