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Jobben neben dem Studium

Um ihr Studium zu finanzieren, jobben viele Studierende nebenher. Die Erfahrungen in der Arbeitswelt können aber auch helfen, die berufliche Richtung zu bestimmen, die man nach dem Studium einschlagen möchte.

Zusätzlicher Verdienst ist oft nötig

Wer nicht nur von der Unterstützung der Eltern leben will oder wem das BAföG nicht reicht, der sucht sich einen Nebenjob. Rund 30 Prozent des verfügbaren Geldes wird selbst hinzu verdient. Der eigene Verdienst ist für viele die wichtigste Finanzierungsquelle, um das Studium und den Lebensunterhalt zu bestreiten. Manche brauchen aber auch einfach Geld, um einen gewissen Luxus aufrechtzuerhalten. "Luxus" hört sich nach mehr an, als es ist. Luxus bedeutet zum Beispiel die Finanzierung einer eigenen Wohnung, eines Autos und ab und zu eines Urlaubs.

Je nach Umfang und Dauer der Erwerbstätigkeit können Studierende sozialversicherungspflichtig werden. Die Versicherungspflicht ist davon abhängig, ob die Zeit und Arbeitskraft überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen werden oder aber durch den Job. Ob Einkommensteuer zu entrichten ist, hängt von der Höhe des Verdienstes und von der Dauer der Beschäftigung ab.

In den Semesterferien zu arbeiten, ist dabei das kleinere Übel. Ein Nebenjob während der Vorlesungszeit kann ein Störfaktor im Studienalltag sein. Das Studium dauert auf alle Fälle länger, wenn man nebenher jobbt. Gerade während des Semesters ist ein Job purer Stress, da Arbeitgeber und Hochschule unter einen Hut zu bringen sind. Vielfach können Studierende Vorlesungen nicht besuchen und müssen sich später anhand von Mitschriften und Büchern das Versäumte erarbeiten. Einige arbeiten sogar am Wochenende oder im Schichtdienst. Manche engagieren sich ehrenamtlich in sozialen oder kulturellen Einrichtungen, manchmal kommt auch noch ein Praktikum hinzu. Und doch ist eine seelisch oder körperlich anstrengende Arbeit genau die Abwechslung, die manche möchten. Ein Job kann viel Spaß machen. Man kommt mit ganz anderen Leuten zusammen und kann vom Studium abschalten. Zudem werden hier die ersten Kontakte zur Arbeitswelt geknüpft, über die viele dann in ihre erste Stellung hineinrutschen.

Jobs und die 325 Euro-Grenze

Wenn Sie heute als Student jobben, sollten Sie bestimmte Grenzwerte beachten, wenn Sie von Ihrem Verdienst keine Sozialabgaben bezahlen wollen.

Die geringfügige Beschäftigung

Geringfügige Beschäftigungen sind für Studenten sozialversicherungsfrei. Nur der Arbeitgeber muss einen Pauschalsatz in die Kranken- und Rentenversicherung einzahlen. Ein geringfügige Beschäftigung liegt dann vor, wenn der Job regelmäßig

  • weniger als 15 Stunden in der Woche ausgeübt wird, und
  • das Arbeitsentgelt monatlich 325 Euro nicht übersteigt.

Sobald Studenten einen dieser Grenzwerte überschreiten, sind sie sozialversicherungspflichtig. Mehrere 325-Euro-Jobs werden dabei zusammengerechnet. Studenten, die in der gesetzlichen Krankenversicherung kostenlos bei den Eltern familienmitversichert sind, dürfen nur 325 Euro im Monat verdienen. Andernfalls müssen sie sich selbst als Student krankenversichern.

Auch geringfügig Beschäftigte haben Arbeitnehmerrechte. Sie haben, wie andere Arbeitnehmer auch, einen Anspruch auf

  • Entgeldfortzahlung im Krankheitsfall,
  • Feiertagsvergütung (eine vorsätzliche Umgehung der Feiertage ist unzulässig),
  • bezahlten Urlaub,
  • und unterliegen dem Kündigungsschutz.

Vertragliche Regelungen wie "Urlaubsentgeld-/Feiertagsansprüche ... sind bereits im Stundenlohn enthalten..." sind nicht zulässig. Auch wenn solche Klauseln im Vertrag enthalten sind, verfällt dadurch nicht der gesetzliche Anpruch auf die genannten Leistungen.

Die kurzfristige Beschäftigung

Ebenso wie die geringfügige Beschäftigung ist die kurzfristige Beschäftigung für Studenten sozialversicherungsfrei. Für diese Beschäftigungsverhältnisse sind hingegen keine Arbeitgeberpauschalbeiträge für die Kranken- und Rentenversicherung zu zahlen.

Eine kurzfristige Beschäftigung unterscheidet sich von einer geringfügigen dadurch, dass sie nur gelegentlich ausgeübt wird. Eine kurzfristige Beschäftigung liegt vor, wenn ein Job im Laufe eines Jahres

  • höchstens zwei Monate oder
  • insgesamt 50 Arbeitstage dauert.

Die kurzfristige Beschäftigung ist unabhängig von der Höhe des Verdienstes, d.h. die 325 Euro-Grenze gilt hier nicht.

Selbstständig arbeiten als Student

Viele studentische Jobber entscheiden sich für eine selbstständige Tätigkeit. Man kann dadurch schneller agieren und ist nicht an Dinge wie Arbeitsverträge, Kündigungsfristen usw. gebunden. Das bietet sich z.B. dann an, wenn man mehrere Jobs ausführen möchte.

Der Student tritt dabei als Unternehmer auf, meldet ein Gewerbe an oder ist per Definition Angehöriger eines freien Berufes und stellt seine erbrachte Leistung in Rechnung. Allerdings muss man dabei beachten, dass man als "Einmannunternehmer" nicht ausschließlich für einen Arbeitgeber arbeitet. Sonst wird man als scheinselbstständig eingestuft.

Als Selbstständiger wird man einkommenssteuerpflichtig, wenn das Einkommen mehr als 7.235 Euro jährlich ausmacht. Hat man einen jährlichen Umsatz von weniger als 16.620 Euro, gilt die Kleinunternehmerregelung, d.h. man kann die Ausweisung der Umsatzsteuer weglassen und es entfällt somit die Umsatzsteuererklärung.

Die Einnahmen müssen als selbstständige Tätigkeit beim Finanzamt angegeben werden und werden als Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit angesehen. Arbeitet der Student einmalig als Selbstständiger, so z.B. in den Semesterferien, so muss er kein Gewerbe anmelden und kann seine Dienstleistung ohne Ausweisung der Mehrwertsteuer in Rechnung stellen.

Als Freiberufler wird man tätig, wenn man selbstständig und unabhängig arbeitet und einer wissenschaftlichen, künstlerischen, schriftstellerischen, unterrichtenden oder erzieherischen Tätigkeit nachgeht oder eine Dienstleistung erbringt, die eine "höhere Bildung" erfordert. Man muss dazu kein Gewerbe anmelden und bekommt eine Steuernummer beim Finanzamt zugeteilt. Man braucht auch keine Gewerbesteuer abführen.

Abgaben und Steuern

Studenten müssen unter bestimmten Voraussetzungen Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung sowie Einkommensteuer zahlen.

Beiträge zur Sozialversicherung

Geringfügig Beschäftigte

Ein Job unter 15 Stunden pro Woche mit einem Verdienst bis 325 Euro monatlich ist für den Studenten komplett abgabenfrei. Das bedeutet, dass keine Abgaben zur Sozialversicherung und auch keine Einkommensteuer fällig werden. Der Verdienst wandert also komplett in die Tasche des Studierenden.

Allerdings gilt das Gleiche nicht für den Arbeitgeber: Er muss für seine geringfügig Beschäftigten einen Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung in Höhe von 10 Prozent des Arbeitsentgelts zahlen. Diese Regel gilt allerdings nur dann, wenn der Student in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert ist. Für geringfügig Beschäftigte, die privat oder gar nicht krankenversichert sind, fällt kein Pauschalbeitrag an.

Darüber hinaus muss der Arbeitgeber einen Pauschalbeitrag von 12 Prozent des Arbeitsentgeltes an die Rentenversicherung bezahlen. Dies gilt auch dann, wenn der geringfügig Beschäftigte von der Versicherungspflicht befreit ist. Der Student erwirbt damit Anspruch auf eine Minirente, die durch freiwilliges Aufstocken der Abgaben erhöht werden kann. Weder für die Pflege- noch für die Arbeitslosenversicherung müssen Pauschalbeiträge gezahlt werden.

Mehr als 325 Euro

Wer dagegen mehr als 325 Euro im Monat verdient oder über 15 Stunden pro Woche im Semester arbeitet, zahlt knapp 10 Prozent seines Einkommens in die Rentenversicherung. Der Arbeitgeber überweist noch einmal den gleichen Betrag in die Rentenkasse. Wer dagegen regelmäßig, also auch während der Vorlesungszeit mehr als 20 Stunden pro Woche jobbt, gilt nicht mehr als Student und muss wie ein normaler Arbeitnehmer zusätzlich Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung zahlen.

Bei einem Aushilfsjob während der Semesterferien spielt die Höhe des Verdienstes keine Rolle. Der Job muss aber von vornherein zeitlich begrenzt sein. Jobbt der Student maximal zwei Monate am Stück oder 50 Tage im Jahr, muss er keine Sozialabgaben zahlen.

Dauert die Beschäftigung länger, liegt aber vollständig in den Semesterferien, werden nur Beiträge zur Rentenbersicherung fällig: Student und Arbeitgeber teilen sich den derzeit gültigen Beitragssatz von 19,1 Prozent.

Einkommensteuer

Jobbende Studenten müssen dem Arbeitgeber in der Regel bei der Arbeitsaufnahme eine Lohnsteuerkarte vorlegen. Ausnahme: Dem Arbeitgeber wird eine Freistellungsbescheinigung vom Finanzamt vorgelegt. Diese weist nach, dass dieser Job einzige Einnahmequelle ist. Ohne Freistellungsbescheinigung muss die Lohnsteuerkarte beim Arbeitgeber vorgelegt werden, egal was man verdient.

Ist die geringfügig entlohnte Beschäftigung steuerpflichtig, kann das Arbeitsentgelt wie bisher entsprechend der vorgelegten Lohnsteuerkarte versteuert werden. Die Höhe des Steuerabzugs hängt dann von der Lohnsteuerklasse ab. Eine zweite Lohnsteuerkarte mit der Lohnsteuerklasse VI können Arbeitnehmer erhalten, die mehrere geringfügige Beschäftigungen ausüben oder neben einer Hauptbeschäftigung einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen.

Die Lohnsteuerkarte kann man sich bei der Wohnortgemeinde ausstellen lassen, bzw. bekommt diese automatisch von der Gemeinde zugeschickt. Wichtig ist zu kontrollieren, ob alle Angaben wie z.B. Lohnsteuerklasse, Konfession, Kinderfreibeträge, Familienstand richtig eingetragen sind, da sich hieraus die Steuerklasse und somit der Steuersatz ableiten.

Es gelten alle steuerrechtlichen Vergünstigungen: Werbungskosten und Sonderausgaben, z.B. Aufwendungen für das Studium.

Pauschale Besteuerung

Geringfügig Beschäftigte haben aber auch die Möglichkeit der Pauschalierung der Lohnsteuer. Der Arbeitgeber kann unter Verzicht auf die Vorlage einer Lohnsteuerkarte bei Arbeitnehmern, die nur in geringem Umfang und gegen geringen Arbeitslohn beschäftigt werden, die Lohnsteuer mit einem pauschalen Steuersatz von 20 Prozent des Arbeitslohns erheben. Hinzu kommen pauschalierte Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag. Die Pauschalbesteuerung ist nur zulässig, wenn der Arbeitslohn bei diesem Arbeitgeber 325 Euro im Monat nicht übersteigt. Zusätzlich darf der Lohn nicht mehr als 12 Euro je Arbeitsstunde betragen.

Für Studenten ist es meist günstiger, wenn auf Steuerkarte gejobbt wird, da die gewährten Steuerfreibeträge häufig nicht durch den Verdienst überschritten werden. Wer über das Jahr 2002 gerechnet, nicht mehr als 7.235 Euro verdient, zahlt keine Einkommensteuer bzw. erhält die einbehaltene Steuer in voller Höhe, im Rahmen einer Einkommensteuerveranlagung, vom Finanzamt, zurück. Ist der Studierende allein erziehend oder verheiratet mit oder ohne Kind, erhöht sich der Betrag entsprechend.

Übrigens: Der Einkommensteuererklärung braucht kein BAföG-Bescheid beigelegt zu werden, da das BAföG für die Berechnung der Einkommensteuererklärung vollkommen unerheblich ist. Etwas anderes gilt aber, wenn die Eltern den Ausbildungsfreibetrag für den Studierenden beantragen. Die Eltern müssen dann in ihrer Einkommensteuererklärung die BAföG-Einnahmen angeben.

Was BAföG-Empfänger beachten müssen

Wer BAföG bezieht und nebenher jobbt, muss bestimmte Einkommensgrenzen beachten. Sonst wird ihm das BAföG gekürzt.

Jedes eigene Einkommen von Studierenden wird ab einer gewissen Höhe für die Berechnung des BAföG angerechnet. Dazu zählen auch Neben- oder Ferienjobs. Dabei ist immer das aktuelle Einkommen maßgeblich, das heißt das Einkommen, das ein Student im Bewilligungszeitraum erzielt. Bei ledigen, kinderlosen Studenten, die neben den Einkünften aus Ferien- oder Nebenjobs keine Einkünfte erzielen, bleiben beim Besuch einer Fachhochschule, Akademie oder Hochschule ca. 4.305 Euro brutto, jährlich anrechnungsfrei.

Bei selbständiger bzw. freiberuflicher Tätigkeit kann der Betrag differieren, je nachdem, wie Steuern und nachgewiesene Werbungskosten anfallen. Wird während des Studiums ein bezahltes Praktikum durchgeführt, wird dieses voll auf das BAföG angerechnet. Im Zweifelsfall sollte man immer beim BAföG-Amt nachfragen.

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