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Jubiläum: Nobelpreis 2001

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©dpa: Kofi Annan, Träger des Friedensnobelpreises 2001
©DPA: KOFI ANNAN, TRÄGER DES FRIEDENSNOBELPREISES 2001
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Literaturnobelpreisträger 2001: der Brite V.S. Naipaul
Literaturnobelpreisträger 2001: der Brite V.S. Naipaul
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Die diesjährigen Nobelpreisträger für Medizin: Leland H. Hartwell (li.), Timothy Hunt (mi.) und Paul Nurse
Die diesjährigen Nobelpreisträger für Medizin: Leland H. Hartwell (li.), Timothy Hunt (mi.) und Paul Nurse
dpa
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Erhält den Nobelpreis für Physik: der deutsche Wissenschaftler Wolfgang Ketterle
Erhält den Nobelpreis für Physik: der deutsche Wissenschaftler Wolfgang Ketterle
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Der Japaner Ryoji Noyori wird für seine Arbeit im Bereich Chemie geehrt.
Der Japaner Ryoji Noyori wird für seine Arbeit im Bereich Chemie geehrt.
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Erhält den Nobelpreis für seine Analyse von Märkten mit asymmetrischen Informationen: George A. Akerlof
Erhält den Nobelpreis für seine Analyse von Märkten mit asymmetrischen Informationen: George A. Akerlof
dpa
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Namensgeber des Nobelpreises: Alfred Nobel
Namensgeber des Nobelpreises: Alfred Nobel
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Friedensnobelpreis an Kofi Annan und die UN

©dpa: Kofi Annan, Träger des Friedensnobelpreises 2001

Genau 100 Jahre nach der ersten Vergabe der Nobelpreise hat das Nobelkomitee in Oslo die weltweit wohl bekannteste Auszeichnung, den Friedensnobelpreis, zu gleichen Teilen den Vereinten Nationen und ihrem Generalsekretär, Kofi Annan, zuerkannt. Annan, der seit 1997 an der Spitze der UN steht, habe “fast sein ganzes Arbeitsleben der UN gewidmet. Als Generalsekretär war er maßgeblich daran beteiligt, den Vereinten Nationen neues Leben einzuhauchen ... In einer Organisation, die nicht mehr leisten kann als ihre Mitglieder erlauben, hat er deutlich gemacht, dass staatliche Souveränität kein Schutzschild sein darf, hinter der die Mitgliedsländer ihre Menschen- oder Völkerrechtsverlezungen verbergen.

Im Jubiläumsjahr setzt das Nobelkomitee mit dieser Entscheidung ein starkes Zeichen für eine Organisation, die mehr als nur einen heftigen Rückschlag erlitten hat: Weltweiter Frieden kann nur über die Vereinten Nationen führen. Dass mit Kofi Annan eine äußerst populäre, erfolgreiche und unumstrittene Person die UN führt, hat dem Nobelkomitee die Wahl leichter gemacht.

 

Naipaul erhält Literaturnobelpreis

Literaturnobelpreisträger 2001: der Brite V.S. Naipaul

Literaturnobelpreisträger 2001: der Brite V.S. Naipaul

Traditionsgemäß blieb es bis zuletzt offen, wann die Schwedische Akademie den Träger des Nobelpreises für Literatur mitteilt.Das Nobelkomitee in Stockholm entschied sich am 11. Oktober 2001 für die Vergabe des Literaturnobelpreises an den britischen Schriftsteller V.S. Naipaul. Laut Komittee erhalte Naipaul die Auszeichnung “für seine Werke, die hellhöriges Erzählen und unbestechliches Beobachten vereinen, und uns zwingen, die Gegenwart verdrängter Geschichte zu sehen.

Zu den in Deutschland erschienen Werken des 69-jährigen Autors zählen “Eine islamische Reise. Unter den Gläubigen, “Ein Haus für Mr. Biswas und “An der Biegung des großen Flusses. Naipaul, der aus Trinidad stammt und dessen Eltern indischer Abstammung waren, verließ die Karibikinsel im Alter von 18 Jahren und absolvierte ein Studium in Oxford. Hauptthema seiner Romane und Kurzgeschichten ist das kulturelle Chaos des Postkolonialismus. Der Literaturnobelpreis ist in diesem Jahr mit zwei Millionen Mark dotiert.

Auszeichnung für Krebsforscher

Die diesjährigen Nobelpreisträger für Medizin: Leland H. Hartwell (li.), Timothy Hunt (mi.) und Paul Nurse

Die diesjährigen Nobelpreisträger für Medizin:
Leland H. Hartwell (li.), Timothy Hunt (mi.) und Paul Nurse

Bereits am 8. Oktober teilte das Stockholmer Preiskomitee mit, dass der Nobelpreis für Medizin an einen amerikanischen und zwei britische Krebsforscher verliehen wird: Leland H. Hartwell (Fred-Hutchinson-Zentrum für Krebsforschung, Seattle), Timothy Hunt und Paul Nurse (beide vom Imperial Cancer Research Fund London) werden für ihre bahnbrechenden Forschungen im Hinblick auf zukünftige Krebstherapien ausgezeichnet.

Schlüsselmoleküle identifiziert

Die Teilung von Zellen ist Grundlage allen Lebens. Damit ein Mensch, ein Tier oder eine Pflanze wachsen kann, müssen sich Zellen vergrößern und teilen. Dieser Vorgang wiederholt sich permanent in jedem Organismus. Die drei künftigen Chemie-Nobelpreisträger haben Schlüsselmoleküle identifiziert, die diesen Zellzyklus steuern, so die Begründung des Nobelkomitees am Karolinska-Institut. Diese grundlegenden biologischen Entdeckungen hätten große Bedeutung für alle Vorgänge, die das Wachstum der Zellen betreffe. Auch würde durch sie das Verständnis für die Entstehung von Krebszellen gefördert und damit “neue Wege für die zukünftige Behandlung von Krebserkrankungen erschlossen.

Der 61 Jahre alte Hartwell wird für seine Entdeckung einer bestimmten Kategorie von Genen ausgezeichnet, die den Zellzyklus kontrollieren. Der 52-jährige Nurse identifizierte mit genetischen und molekularbiologischen Methoden eine weitere Schlüsselkomponente der Zellzyklus-Kontrolle. Sein sechs Jahre älterer Kollege Hunt wird für seine Entdeckung des ebenfalls funktionsregelnden Proteins Cyclin geehrt.

Ehrung für deutschen Wissenschaftler

Erhält den Nobelpreis für Physik: der deutsche Wissenschaftler Wolfgang Ketterle

Erhält den Nobelpreis für Physik: der deutsche Wissenschaftler
Wolfgang Ketterle

Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an die US-Forscher Eric A. Cornell (39) und Carl E. Wieman (50), beide Professoren an der University of Colorado, und den deutschen Wissenschaftler Wolfgang Ketterle (43) vom Massachusetts Institute of Technology. Die drei Preisträger erhalten die Auszeichnung gemeinsam für den Nachweis eines völlig neuen Zustands der Materie, dem so genannten Bose-Einstein-Kondensat.

Bose und Einstein als Wegbereiter

Der indische Physiker Satyendra Nath Bose und Albert Einstein hatten das nach ihnen benannte Kondensat bereits 1924 auf Grund von Berechnungen vorhergesagt. Bose führte wichtige theoretische Berechnungen über Lichtpartikel durch, Einstein weitete diese Theorie auf einen gewissen Typ von Atomen aus und sagte voraus, dass, wenn ein Gas aus derartigen Atomen auf eine sehr geringe Temperatur abkühlt würde, sich alle Atome plötzlich in dem niedrigst möglichen Energiezustand ansammeln würden. Den drei Preisträgern dieses Jahres ist 1995 der experimentelle Nachweis dieses extremen Materie-Zustandes gelungen, dem fünften neben fest, flüssig, gasförmig und plasmaförmig. Die Forscher haben es damit geschafft, Atome dazu zu bringen, quasi “unisono zu singen, heißt es in der Begründung der Schwedischen Akademie.

Cornell und Wieman erzeugten ein reines Bose-Einstein-Kondensat (BEC) von etwa 2000 Rubidiumatomen bei nur 0,00000002 Grad über dem absoluten Nullpunkt von minus 273 Grad Celsius. Unabhängig von den beiden US-Forschern hat Ketterle entsprechende Experimente mit Natriumatomen durchgeführt. Die Kondensate, die er herstellte, enthielten mehr Atome und konnten deswegen dazu verwendet werden, das Phänomen näher zu untersuchen.

Es sei interessant, über die Anwendungsbereiche von BEC zu spekulieren, hieß es von Seiten der Preisverleiher. Die neue “Kontrolle über die Materie wird neuartige Anwendungen unter anderem bei Präzisionsmessungen und in der Nanotechnologie ermöglichen. Eine vielversprechende Anwendung des BEC stellen Materie-Laser dar.

Chemiker erschließen neue Welten

Der Japaner Ryoji Noyori wird für seine Arbeit im Bereich Chemie geehrt.

Der Japaner Ryoji Noyori wird für seine Arbeit im Bereich
Chemie geehrt.

Weitere drei Wissenschaftler erhalten dieses Jahr den Nobelpreis für Chemie als Auszeichnung für die Entwicklung der katalytischen asymmetrischen Synthese. Die eine Hälfte des Preises geht an William S. Knowles (St Louis, Missouri, USA) und Ryoji Noyori (Nagoya University, Chikusa, Nagoya, Japan), die beide für ihre Arbeiten über chiral katalysierende Hydrierungsreaktionen geehrt werden. Die andere Hälfte des Preises wird K. Barry Sharpless (The Scripps Research Institute, La Jolla, Kalifornien, USA) für seine Arbeiten über chiral katalysierende Oxidationsreaktionen zuteil.

Gänzlich neues Forschungsgebiet erschlossen

Durch die Arbeit der Preisträger konnte ein völlig neues Forschungsgebiet eröffnet werden: Sie haben die Synthese von Molekülen und Materialien mit neuen Eigenschaften ermöglicht. Als chirale Moleküle bezeichnet man solche, die wie Spiegelbilder in zwei Formen auftreten. Oft dominiert die eine Form in der Natur. So kommt es, dass eine Form in perfekt in unsere Zellen passt, die andere jedoch schädlich sein kann. Im Zusammenhang mit Arzneien, die oft aus chiralen Molekülen bestehen, kann dieser Unterschied zwischen den spiegelsymmetrische Molekülformen lebenswichtig sein. Daher ist es wichtig, beide Formen getrennt herstellen zu können.

Die diesjährigen Nobelpreisträger in Chemie haben im Rahmen ihrer Forschung eine Methode entwickelt, bei der innerhalb einer Reaktion nur die eine der zwei spiegelsymmetrischen Formen gebildet wird. Ein Katalysatormolekül, das selber chiral ist, beschleunigt die Reaktion ohne selbst verbraucht zu werden. Ein einziges derartiges Molekül kann millionenfach Moleküle der gewünschten spiegelsymmetrischen Form produzieren. Bereits heute werden die Ergebnisse dieser Forschungen in einer Reihe industrieller Synthesen von pharmazeutischen Präparaten, z. B. Antibiotika, entzündungshemmenden Mitteln und Herzmedizinen genutzt.

Wirtschaftswissenschaftler erforschen die Märkte

Erhält den Nobelpreis für seine Analyse von Märkten mit asymmetrischen Informationen: George A. Akerlof

Erhält den Nobelpreis für seine Analyse von Märkten
mit asymmetrischen Informationen: George A. Akerlof

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften wird drei amerikanischen Forschern gemeinsam für ihre Analysen von Märkten mit asymmetrischer Information verliehen. George A. Akerlof (University of California at Berkeley, USA), A. Michael Spence (Stanford University, USA) und Joseph E. Stiglitz (Columbia University, USA) erhalten den von der Schwedischen Reichsbank in Erinnerung an Alfred Nobel gestifteten Preis.

Märkte mit asymmetrischer Information

Unter Märkten mit asymmetrischen Information versteht man solche, bei denen die einen Teilnehmer eines Marktes bedeutend bessere Informationen haben als die auf der anderen Seite. Dies ist zum Beispiel der Fall in der Beziehung zwischen Vorstand bzw. Aufsichtsrat, die viel mehr über die Rentabilität ihres Unternehmens wissen als im Allgemeinen die Aktionäre. Bereits in den 70er Jahren gelang es den heutigen Nobelpreisträgern, das Fundament zu einer allgemein gültigen Theorie über Märkte mit asymmetrischer Information zu legen. Deren Anwendungsbereiche reichen von Agrarmärkten bis hin zu Finanzmärkten.

George Akerlof zeigte, wie ein Markt, in dem die Verkäufer bessere Informationen über die Qualität der Waren haben als die Käufer, zu einer negativen Auswahl von Waren mit geringer Qualität schrumpfen kann. Im Rahmen seiner Untersuchung beschäftigte er sich auch mit den Schwierigkeiten älterer Menschen, eine Krankenversicherung abzuschließen und mit der Diskriminierung von Minderheiten auf den Arbeitsmärkten. Michael Spence erforschte unter anderem eine wichtige Form der Anpassung bei einzelnen Marktteilnehmern, bei der besser informierte Marktteilnehmer kostenspielige Maßnahmen treffen, um ihre Informationen glaubwürdig an schlechter informierte Teilnehmer weiterzugeben, und dadurch ihr Ergebnis am Markt zu verbessern. Den umgekehrten Typ von Marktanpassung konnte Joseph Stiglitz nachweisen, bei der statt dessen schlechter informierte Teilnehmer von besser informierten Information gewinnen, um davon zu profitieren. Außerdem erklärte er Phänomene verschiedener Märkte (wie zum Beispiel Arbeitslosigkeit) mit Hilfe von asymmetrischer Information.

Alle Preise sind mit jeweils zehn Millionen Schwedischen Kronen (2,1 Millionen Mark) dotiert. Erstmals wurden die Auszeichnungen 1901 vergeben, damit jährt sich die Verleihung zum 100. Mal. Sowohl in Oslo als auch in Stockholm wird das Jubiläum mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert. Mehr als 200 noch lebende Nobelpreisträger werden zu den Feierlichkeiten erwartet, darunter über 30 Friedensnobelpreisträger.

Alfred Nobel

Namensgeber des Nobelpreises: Alfred Nobel

Namensgeber des Nobelpreises: Alfred Nobel

Der Namensgeber und Stifter des Preises wurde am 21. Oktober 1833 in Stockholm geboren. Bei der Suche nach risikoarmen Zündungsmechanismen stieß der gelernte Chemiker 1864 auf die Möglichkeit einer kontrollierten Explosion. Drei Jahre später erfand er das Dynamit, 1877 die Sprenggelatine. Mit Hilfe dieser Substanzen begründete Nobel ein lukratives Sprengstoffunternehmen. Die militärische Verwendung seiner Produkte sowie die intensive Beschäftigung mit der Friedensproblematik veranlassten ihn ein Jahr vor seinem Tod, am 10. Dezember 1896, den Nobelpreis zu stiften.

Geschichte der Nobelpreisverleihung

Am fünften Todestag des Stifters wurden erstmals die mit 150 800 schwedischen Kronen dotierten Nobelpreise verliehen. Ausgezeichnet wurden Personen, die in den Bereichen Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Friedenserhaltung Herausragendes geleistet hatten. Unter den ersten Preisträgern im Jahr 1901 waren u.a. Henri Dunant, der Gründer des Roten Kreuzes, sowie Wilhelm Conrad Röntgen, der den ersten Physik-Nobelpreis erhielt.

Vom Erbe Nobels flossen mehr als 30 Mio. schwedische Kronen als Grundkapital in die Stiftung. Während die Verleihung der sonstigen Auszeichnungen von verschiedenen akademischen Gremien in Stockholm vorgenommen wird, verfügte Nobel, dass der Friedenspreis in Norwegen überreicht wird.

Ein Komitee des norwegischen Parlaments bestimmt dabei die Preisträger, ohne dass es dazu verpflichtet ist, eine Begründung für seine Entscheidung abzugeben. 1902 wurde in Norwegen ein eigenes Nobel-Institut mit einer Bibliothek zur Friedensforschung eingerichtet.

1980 initiierte der deutsch-schwedische Journalist Jakob von Uexküll den “Right Livelihood Award, einen alternativen Nobelpreis für herausragende Leistungen zur Lösung drängender Menschheitsprobleme. Die Auszeichnung wird einen Tag vor der Verleihung des Nobelpreises vergeben.

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