Was kommt bei Jugendlichen in der Regel auf den Tisch, wenn der Magen knurrt? Leben Teenager nach BSE und Tiermehl-Skandalen ernährungsbewusster und ausgewogener? Laut einer Studie der Münchener Kommunikationsagentur Youngcom, die Essgewohnheiten 13- bis 20-Jähriger untersuchte, lautet die Antwort klipp und klar: “Nein”. Für jeden fünften Teenager ist Gemüse das meistgehasste Lebensmittel, gesunde Milch, Käse und Quark kann jeder zehnte Jugendliche nicht ausstehen. Stattdessen liebt die junge Generation – erwartungsgemäß – Pizza, Pasta & Co, chinesisches Essen, Pommes Frites und Burger. Ernährungsexperten meinen, dass Jugendliche im Vergleich zu Erwachsenen häufig lustbetonter, spontaner und auch weniger gewissenhaft speisen. Also bleiben die Warnungen der Mediziner unbeachtet: Viele Jugendliche leiden nämlich entweder an Fettleibigkeit oder hungern sich ins lebensgefährliche Untergewicht, weil Film und Fernsehen seit Jahrzehnten das Schlankheits-Ideal propagieren.
Problem Nr. 1: Fettleibigkeit

Erhöhter TV-Konsum bei gleichzeitigem Bewegungsmangel führt schon in jungen Jahren zu Gewichtsproblemen.
Mehr als zwei Millionen deutsche Kinder und Jugendliche leiden an Übergewicht. Studien wie die von Youngcom deuten auf eine steigende Tendenz hin. Der Großteil, so Ernährungsexperten, wird zeitlebens übergewichtig bleiben und möglicherweise an gefährlichen Folgekrankheiten wie Knochenschäden, Stoffwechselstörungen oder sogar Herzproblemen leiden.
Die “Generation @” mutiert zur “Generation XXL”. Ernährungswissenschaftler der Vereinten Nationen bzw. der Weltgesundheitsorganisation WHO nennen zu fettes Essen und Bewegungsarmut als Gesundheitsgefahr Nummer Eins.
Jenaer Ernährungswissenschaftler bewiesen vor wenigen Jahren in einer Studie, was offensichtlich ist: Die wesentliche Ursache der massiven Zunahme ist mangelnde Bewegung. Computer und TV lassen viele Kinder zu Stubenhockern werden. Während früher draußen Räuber und Gendarm gespielt oder auf dem Bolzplatz gegen den Ball getreten wurde, vergnügen sich heute zahlreiche Kids und Teens als virtuelle Feldherren in Internet-Computer-Schlachten.
Problem Nr. 2: Magersucht

“Mager-Models” wie Kate Moss verleiten Jugendliche zu Hungerkuren.
Auf der anderen Seite ist in Deutschland ein mitunter wahnhafter Trend zum Abnehmen zu beobachten. Eine Studie am Max-Planck-Institut für Psychotherapie in München besagt, dass bereits schon Zehn- bis Elfjährige dem weit verbreiteten Schönheitsideal nacheifern. Jeder zweite Mädchen und jeder dritte Junge aller Befragten findet sich zu dick. Durch Medieneinflüsse entsteht häufig ein fehlgeleitetes Selbstbild, was manchmal zu radikalen Diäten führen kann. Die Jugendlichen, besonders Mädchen, wollen sich den extrem schlanken Körpermaßen von Models und Filmstars anpassen, und geraten laut Max-Planck-Institut leicht in einen Teufelskreis aus kurzfristig erfolgreichen Diäten mit anschließendem Versagensgefühl, weil wegen des Jojo-Effekts das neue Gewicht selten gehalten werden kann. Die Folge sind Ess-Störungen.
Der Ernährungswissenschaftler Karl Zwinauer von der Österreichischen Gesellschaft für Kinder und Jugendheilkunde führt aus, dass in den wohlhabenden Ländern jedes Jahr hunderte von Mädchen buchstäblich vor dem gedecktem Tisch verhungern. Laut Max-Planck-Institut sind mittlerweile auch Männer betroffen. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Essgestörten liege bei etwa 10 bis 15 Prozent.
Fastfood: Schnell, bequem und schlau beworben

Für viele Kids offenbar unwiderstehlich: ein Fast Food-Menü
Innerhalb von gut dreißig Jahren hat sich die Anzahl von US-Schnellrestaurants wie McDonalds oder BurgerKing in Deutschland vertausendfacht. Der Pizzamann um die Ecke oder die Dönerbude sind da noch nicht mitgerechnet. Die Restaurantketten locken die jungen Kunden mit schlauen Marketing-Ideen: Kids kaufen z.B. gerne Juniortüten neuer Disney-Spielzeuge wegen, Jugendliche laufen zu McDonalds, weil TV-Idole der jungen Generation wie Stefan Raab für Pommes & Burger werben.
Anstatt auf Nährwerte zu achten (Fastfood-Snacks decken bis zu zwei Drittel des täglichen Kinder-Kalorienbedarfs ab), steht die Bequemlichkeit, engl. “Convenience”, im Vordergrund: Halbfertiges Convenience Food, das in Supermärkten immer besser beim Kunden ankommt, muss nur noch in der Mikrowelle auf Verzehrtemperatur gebracht werden. Kochbuch adé!
Stellen sich Jugendliche überhaupt vor den Herd?
Laut Youngcom trauen sich immerhin rund 40 Prozent der befragten Teenager zu, ihren Hunger mit einfach zubereiteten Gerichten daheim zu stillen, nur knapp 13 Prozent halten sich für fähige Köche am eigenen Herd. Diese Zahlen passen zum Modetrend des Convenience Food. Und weil nach den Statistiken der Youngcom-Studie über zwei Drittel aller befragten Jugendlichen die italienische Küche lieben, liegt der Schuss nahe, dass zuhause vorwiegend Tiefkühlpizza, fertig geschnittener Mozarella-Salat aus dem Supermarkt und Nudeln auf den Tisch kommen.
Vegetarisch leben, um Tiere zu schonen

Positiver Gesundheitsfaktor: Frisches Obst und Gemüse liegen im Trend – jedoch nur bei einer Minderheit ernmährungsbewusster Jugendlicher.
Trotz aller Vorlieben für Pizza, Burger und Pommes Frites zeigen mehrere Untersuchungen von Ernährungsgewohnheiten, z.B. eine Jugendstudie im Auftrag von Shell, dass für Jugendliche Fleischgerichte nicht mehr ganz so wichtig zu sind wie früher – vermutlich wegen der ständigen Tierfleisch-Skandale wie BSE. Besonders bei Mädchen sei aus ethischen Gründen ein Trend zu rein vegetarischer Ernährung zu beobachten, bemerkt der Vegetarier-Bund Deutschland auf seiner Internet-Seite. Viele Jugendliche äßen wegen des Leidens der Tiere kein Fleisch. Allerdings ist bei Jugendlichen, die sich vegetarisch ernähren, die Gesundheit das Hauptmotiv, so der Vegetarier-Bund. Angeblich soll die Vegetarier-Gemeinde Deutschlands täglich 4000 neue Anhänger bekommen.
Gesunde Ernährung mit “Functional Food”?
Ebenfalls auf dem Vormarsch scheint seit einigen Jahren das “Functional Food” zu sein: “Functional Food” ist eine neue Generation von industriell hergestellten Nahrungsmitteln mit Zusatznutzen. Kekse und Müsliriegel sind beispielsweise mit speziellen Aminosäuren ausgestattet, die das Risiko von Herzerkrankungen senken sollen. Joghurte werden mit Bakterienkulturen angereichert, damit sie für den Magen verträglicher sind. Isotonische Getränke, die wie Limonaden schmecken, löschen den Durst und sind zuckerarm sowie keine Kalorienbomben.
In der Zukunft verspricht man sich vor allem von der Gentechnik neue Entwicklungen im diesem Nahrungssektor. Wie wär`s zum Beispiel mit fettarmen Pommes Frites mit Vitaminzusatz?
Und: Das Fernsehen vermittelt den Konsumenten, als Functional Food-Genießer zu einer modernen, dynamischen Gesellschaft zu gehören. Vielleicht könnten sich Jugendliche ja mit dieser Strategie an bislang verhasste gesunde Nahrung wie z.B. Gemüse gewöhnen.
Buch-Tipps
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Rolf Hiltl: Vegetarisch nach Lust und Laune
Eva Kapfelsperger, Udo Pollmer: Iß und stirb. Chemie in unserer Nahrung









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