Gemütliche Stunden im Feuerschein eines Kamins sind Romantik pur. Sogar hoffnungslos zerstrittene Paare fangen im warmen Licht und bei einem Glas Rotwein wieder Feuer. Und gerade in der unfreundlichen feuchten und kalten Jahreszeit wünscht sich so mancher Hausbesitzer, auch in den eigenen vier Wänden solche Lagerfeuer-Romantik entfachen zu können. Hochzeit für die Meister des Fachs, die Kaminbauer.
Ein Beruf mit langer Tradition

Wenn junge Leute den Beruf des Kaminbauers erlernen wollen, finden sie in der Systematik des Arbeitsamtes nur den des Feuerungs- und Schornsteinbauers, der für Industrieanlagen Kamine, Essen und Rauchgasanlagen baut. Mit dem Kamin im oben genannten Sinne hat das nichts zu tun. Wer wirklich Kamine und ähnliche Feuerstätten errichten will, ist daher mit dem Beruf des Kachelofen- und Luftheizungsbauers gut bedient. Ofenbauer ist ein Beruf mit langer Tradition. In früheren Zeiten wurden die Ofenbaubetriebe auch Hafnereien genannt, später hießen die Fachleute Ofensetzer und Ofenbauer. Neben offenen Feuerstellen sorgten seit Ende des Mittelalters vor allem in Klöstern, Schlössern und Bürgerhäusern Kachelöfen für Wärme und Behaglichkeit. Im 16. Jahrhundert schließlich eroberten die gewärmten Kacheln, deren Wortbedeutung auf „irdener Topf“ zurück geht, auch viele Bauernstuben und hielten sich bis Mitte dieses Jahrhunderts als wichtigste Wärmequelle. „Auch in den Zeiten von Erdwärme und Solarenergie haben Kamine und Kachelöfen durchaus ihre Berechtigung“, meint Ofen- und Luftheizungsbauermeister Ingo Schultz von der Duisburger Firma Hark Kamin- und Kachelofenbau. „Ihre Technik entspricht dem neuesten Stand, sowohl was Effizienz als auch was CO2 -Ausstoß betrifft. Kamine und Kachelöfen - so der Trend - werden z.B. mit der Warmwasserversorgung gekoppelt und mit Solar- oder Erdenergie ergänzt. Dadurch entsteht ein perfektes Heizsystem, mit dem man ohne weiteres ein ganzes Haus beheizen kann, wenn es gut gedämmt ist. Und trotzdem hat man den Vorteil, im Kamin das offene Feuer zu sehen oder sich am Kachelofen wärmen zu können.“ Offene Kamine ohne Heiztechnik, die nur der Romantik dienen, werden dagegen nach Erfahrung von Meister Schultz immer weniger gewünscht.
Kurz & bündig
Kachelofen- und Luftheizungsbauer sind Fachleute für den Bau und die Installation von Heizanlagen auf Basis von Luft und Strahlungswärme. Dazu gehören etwa Kachelöfen, offene Kamine mit Heiztechnik oder Speicheröfen.
Wo arbeiten Kaminbauer?
Kachelofen- und Luftheizungsbauer sind Handwerker, die in zumeist kleinen und mittelständischen Betrieben des Kachelofen- und Kaminbaus sowie im entsprechenden Fachhandel tätig sind. Sie sind sowohl auf Baustellen beim Kunden und in der Werkstatt der Firma als auch als Verkäufer und Berater in Ausstellungs- und Verkaufsräumen tätig. Eine wichtige berufliche Perspektive ist die Existenzgründung und der Aufbau einer eigenen Firma. Dazu ist in der Regel eine Meisterausbildung nötig. Kachelofen- und Luftheizungsbauer können auf Grund ihrer vielseitigen Ausbildung auch in den Bereichen Fliesenlegen, Luft- und Klimatechnik oder Backofenbau arbeiten.
Stellen für Kaminbauer werden in Stellenanzeigen auch unter folgenden Bezeichnungen ausgeschrieben:
- Ofenbauer,
- Ofensetzer,
- Kachelofenbauer,
- Warmluftzentralheizungsbauer,
- Fachmann für Warmluftheizungen
- Kundendienstmonteur für Kachelofen- und Luftheizungsbau
Was genau machen Kaminbauer?
Kachelofen- und Luftheizungsbauer ist ein Handwerksberuf. Ausgelernte Auszubildende erhalten einen Gesellenbrief, mit dem sie sich bei einer entsprechenden Firma bewerben können. Neben umfangreichem Wissen über die verschiedenen Materialien, aus denen Kamine und Kachelöfen bestehen, und darüber, wie sie bearbeitet werden können, müssen Kaminbauer auch mit der Heiztechnik vertraut sein, die sie verwenden. „Als Ofenbauer muss man kreativ sein, individuell auf die Wünsche des Kunden eingehen und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen haben“, erklärt Ingo Schultz, der selbst den Beruf von der Pike auf gelernt hat und seit 20 Jahren ausübt. „Denn man muss den Kunden in der Firma bzw. auf der Baustelle bereits kompetent darüber beraten können, welche Art von Ofen bzw. Kamin wo und wie am besten platziert werden kann. Auch was Design und Materialien betrifft, steht er fachkundig Rede und Antwort.“ Nachdem der Kunde seine Wünsche geäußert hat, fertigt der Ofenbauer eine Skizze und in manchen Fällen sogar ein Modell der künftigen Feuerstelle und erstellt eine Kalkulation über das Vorhaben. Bestätigt der Kunde den Auftrag, bestellt er umgehend das nötige Material. In vielen Fällen werden dann einzelne Elemente in der Werkstatt vorgefertigt, die dann vor Ort beim Kunden nur noch zusammengefügt werden. Kleinere Firmen fertigen aber auch den gesamten Kamin oder Ofen direkt beim Kunden. Insgesamt ist allerdings der Trend zu Fertigteilen im Ofenbau unverkennbar. „Kunden legen heute mehr als früher Wert darauf, dass die Arbeiten präzise und schnell erledigt werden“, erklärt Ingo Schultz. „ Dadurch muss auch der Kaminbauer von Anfang an schnell und flexibel sein. Reine Fingerfertigkeit ist zwar immer noch wichtig, aber er wird zunehmend Manager - akquiriert und berät Kunden, ist Verkäufer, schreibt Angebote. Die eigentliche Handwerksleistung gerät dabei etwas in den Hintergrund.“ Kamin- und Heizungsbauer haben immer mit Feuer zu tun, was ihrer Arbeit ein besonderes Gewicht verleiht. „Wer mit Feuer umgeht, muss sehr verantwortungsvoll sein und viel von seinem Fach verstehen“, erklärt Schultz. Daher ist eine fundierte (Meister-)Ausbildung in dieser Branche wichtig.
Wer ist geeignet?
Ofenbauer benötigen ebenso handwerkliches Geschick wie Verkaufstalent. Daneben sollten sie technisches Verständnis für die moderne Heiztechnik besitzen. Sie sollten in der Lage sein, auf individuelle Wünsche der Kunden einzugehen und mit Kreativität und gestalterischen Fähigkeiten die beste Lösung zu finden. Da sich auf dem Gebiet der Heiztechnik ständig Veränderungen vollziehen, sind Aufgeschlossenheit und Bereitschaft zu ständigem Lernen unabdingbar.
Ausbildung wo und wie?
Wer Kamine und andere Warmluftheizungen planen, entwerfen, bauen und installieren will, muss den Beruf des Kachelofen- und Luftheizungsbauers erlernen. Der Kaminbau ist ein wichtiger Teil der Ausbildung. Sie dauert insgesamt drei Jahre und findet dual, also im Ausbildungsbetrieb mit regelmäßigen Phasen in der Berufsschule statt. Im Betrieb lernt der Auszubildende im 1. Lehrjahr wie man Wandputz herstellt, welche Arten von Kacheln, Fliesen, Schamotten und Mauersteinen es gibt, wie Bauteile durch Weich- und Hartlöten verbunden werden können. Außerdem erlernt er verschiedene Verfahren der Metallverarbeitung. Im zweiten Lehrjahr können z. B. das Bearbeiten von Kacheln und Simssteinen, das Be- und Verarbeiten von Rohren und die Funktion einer Ölfeuerungsanlage im Mittelpunkt stehen. Im letzten Jahr geht es u.a. darum, verschiedene Natur- und Kunststeine auf Maß zu bearbeiten und zu setzen, Teile für Luft- und Abgasleitungen anzufertigen und Heizungen einzustellen und zu regulieren. Der genaue Inhalt variiert von Ausbildungsfirma zu Ausbildungsfirma. „Die Branche hat eindeutig Nachwuchsprobleme“, erklärt Meister Schultz. „Es gibt leider immer weniger Lehrlinge, auch Meister kommen nicht genügend nach. Wer sich richtig engagiert, hat in unserer Branche gute Chancen, denn der Bedarf an Fachkräften ist da.“
Wo und wie weiterbilden?
Eine wichtige Weiterbildungsmöglichkeit ist die Meisterausbildung. Der Ofen- und Luftheizungsbauermeister, wie die offizielle Bezeichnung heißt, hat die Berechtigung eine eigene Firma zu gründen und kann neben Warmluft-Zentralheizungen, Elektrospeicheröfen, Kachelöfen, Kaminen und Wandheizungen auch Backöfen jeder Art und Größe bauen. Vorausgesetzt wird die abgeschlossene Berufsausbildung zum Kachelofen- und Luftheizungsbauer inklusive Prüfung vor der Handwerkskammer und eine mindestens dreijährige Berufspraxis. Wenn Meister keinen eigenen Betrieb gründen, sind sie als Fach- und Führungskräfte vor allem mit Planung und Entwurf befasst, kalkulieren und erstellen Angebote und Kostenvoranschläge und sind für die Ausbildung verantwortlich. In komplizierten Fällen sind sie auch vor Ort auf der Baustelle tätig. Meisterausbildungen bieten in erster Linie die örtlichen Handwerkskammern, etwa in Dresden, Gera, Schwerin und Regensburg sowie die Gewerbliche Schule Stuttgart und die Städtische Berufsschule München an. Daneben können sich Kachelofen- und Luftheizungsbauer zu Technikern für Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik, für Versorgungstechnik oder für Bautechnik qualifizieren. Die Ausbildungen dauern zwischen zwei und vier Jahren und werden an verschiedenen berufsbildenden Schulen wie Technikerschulen, Fachschulen für Technik, Berufsbildungszentren, Berufskollegs und Fernakademien angeboten. Auch Weiterbildungen zu Fachkaufleuten in der Handwerkswirtschaft und natürlich Ingenieurstudiengänge - etwa in Versorgungstechnik, Klima- und Heiztechnik, Technischer Gebäudeausrüstung oder Bauingenieurwesen - sind bei Interesse und Eignung möglich. Schließlich bieten verschiedene Bildungsträger, Fachverbände und Handwerkskammern wechselnde Weiterbildungslehrgänge an, um sich auf ein Teilgebiet spezialisieren oder einfach Wissen vertiefen zu können, etwa in Haus- und Versorgungstechnik, Lüftungs- und Klimatechnik, Schweißtechnik, Pneumatik von Heizungs- und Klimaanlagen, Mess-, Steuer- und Regelungstechnik, EDV in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik oder auch Arbeitssicherheit und Brandschutz. Ausführliche Informationen bieten die Datenbanken „Kurs“ und „Berufenet“ des Arbeitsamtes.
Kontakt
HAGOS eG
Verband deutscher Kachelofen- und Luftheizungsbauerbetriebe
Postfach 80 05 60
70505 Stuttgart
Tel.: 0711/7 88 05-51
Fax: 0711/7 88 05-49
E-Mail: info@hagos.de
Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK)
Rathausallee 6
53757 Sankt Augustin
Tel.: 02241/92 99-0
Fax: 02241/2 13 51
E-Mail: info@zentralverband-shk.de
Zentralverband des Deutschen Handwerks
"Haus des Deutschen Handwerks"
Mohrenstraße 20/21
10117 Berlin
Tel.: 030/ 20 61 9-0
Fax: 030/ 20 61 9-46 0
E-Mail: info@zdh.de
Deutscher Handwerkskammertag (DHKT)
Mohrenstraße 20721
10117 Berlin
Tel.: 030/ 20 61 9-0
Fax: 030/ 20 61 9-4 60









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