Total votes: 15
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken
wissen.de Artikel

Keinen blauen Dunst, was "blaumachen" bedeutet?

So etwas ärgert den Chef. Wenn ein Angestellter nicht zum Dienst erscheint, weil er den Rausch vom Vorabend auskurieren muss oder einfach keine Lust hat. Und wenn er sein Ausbleiben dann noch mit einer guten Ausrede entschuldigt.

Warum aber macht der zu Hause bleibende Arbeitnehmer blau und nicht etwa rot oder grün? Weil er sich da auf eine alte Tradition berufen kann. Sie geht mit einiger Sicherheit auf den mittelalterlichen blauen Montag zurück: den Montag vor der Fastenzeit, an dem Blau die liturgische Farbe der katholischen Kirche war und die Handwerksgesellen nicht arbeiten mussten. Der im 18. Jahrhundert aufgekommene Brauch eines häufigen freien Montags, an dem der Sonntagsrausch ausgeschlafen wurde, führte dann zur Bedeutungswandlung. So schreibt die westfälische Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, die bei historischen Details gewissenhaft war, in ihrer 1842 erschienenen Erzählung "Die Judenbuche": »Man sah mehr Betrunkene, hörte von mehr Schlägereien und dummen Streichen, als je. Überall gabs Lustbarkeiten, der blaue Montag kam in Aufnahme« - die Szene spielt 1760.

Doch noch ein anderer alter Aspekt spielt beim Blaumachen eine Rolle. Bis ins ausgehende Mittelalter galt Blau nämlich als die Farbe der Verstellung, der Lüge und Täuschung. Man kann dies gut auf dem Bild »Die niederländischen Sprichwörter« von 1559 ablesen, das in der Berliner Gemäldegalerie hängt. Dort zeigt Pieter Breugel d. Ä. eine junge Frau, die ihrem ältlichen Mann nach einer holländischen Redensart »den blauen Mantel umhängt« (mit weiter Kapuze, so dass er kaum etwas sehen kann), die ihn also mit einem Liebhaber betrügt. Diese Bedeutung findet sich noch in jüngeren Redensarten wie »Er lügt uns das Blaue vom Himmel herunter« oder "Er will mir einen blauen Dunst vormachen".

Wer blau macht, nimmt sich also nicht nur frei, um zu fasten bzw. nüchtern zu werden, sondern führt auch den Arbeitgeber hinters Licht. Ganz durchtriebene »Blaumacher« lassen sich deshalb vom Hausarzt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinung ausstellen. Dieser Schein ist gelb - da fällts nicht so auf.

Total votes: 15
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken

Post new comment


1 Kommentar

Filtered HTML

  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <blockquote> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
This question is for testing whether you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.

Als im Mittelalter die Weber die Stoffe blau färbten, nahm dies so viel Zeit in Anspruch, in der sie auch noch zur Untätiglkeit verdammt waren, dass diese Situation zur aktuellen Auszeit als "Blau machen" herangezogen wird!


Bild des Tages

Fotostrecke

Kunterbunt und farbenfroh

Wissenstest

Testen Sie Ihr Wissen zur Farbe Blau

Welche Wellenlänge im sichtbaren Lichtspektrum besitzt die Farbe Blau?

Wissenstest

Testen Sie Ihr Wissen zur Farbe Gelb

Wie viele gelbe Europasterne stehen im blauen Feld des Euro-Autokennzeichens?

Wissenstest

Testen Sie Ihr Wissen zur Farbe Rot

Woher kommt die teils rote Farbe des Flamingogefieders?

Wissenstest

Was fällt Ihnen zur Farbe Grün ein?

Worauf basiert die Grünfärbung der Pflanzen?