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Kino-Sound im Wohnzimmer

Der Polizeiwagen rast auf den Zuschauer zu und fährt knapp an ihm vorbei, Reifen quietschen ohrenbetäubend, auf der gegenüberliegenden Straßenseite schreien Menschen, irgendwo im Hintergrund fallen Schüsse: Wer modernen Kino-Sound erlebt, hat das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein: Geräusche, Klänge, Stimmen strömen von allen Seiten auf den Zuschauer ein. Mit Surround-Systemen lässt sich dieser Raumklang auch im Wohnzimmer erzeugen.

AV-Verstärker

Wie eng Hifi- und TV-Bereich miteinander verflochten sind, beweisen Audio/Video-Verstärker (AV-Verstärker). Als Schaltzentralen jeder Heimkino-Anlage sorgen diese Geräte für den beeindruckenden Mehrkanalton. AV-Verstärker können zunächst alles, was normale Verstärker auch leisten: sie sind zum Beispiel für den Anschluss von Tuner, CD-Player und Plattenspieler geeignet. Darüber hinaus unterstützen AV-Verstärker und AV-Receiver den Raumklang moderner Kinofilme.

Besondere Merkmale sind ein 5.1-Boxenausgang für den Anschluss aller notwendigen Surround-Boxen sowie Decoder zum Entschlüsseln bekannter Soundsysteme wie Dolby Digital oder DTS. Zusätzlich sind die meisten AV-Receiver mit dem Surround-Aufpolierer Dolby Pro Logic II ausgestattet. Dolby Pro Logic II bietet die Möglichkeit, mittels zweier verschiedener Programme, Musik- und Filmmaterial akustisch wirkungsvoll aufzufrischen. Ausgestattet mit einem digitalen Ausgang lässt sich der AV-Verstärker mit nur wenigen Handgriffen zu einer kompletten Heimkino-Anlage ausbauen.

Hochwertige Schraubklemmen erleichtern den Anschluss des Verstärkers an die Boxen. Ein Sechskanal-Eingang sowie weitere Anschlussmöglichkeiten (Hosiden, digitale In- und Outputs) ermöglichen das nachträgliche Aufrüsten. Wichtig ist ferner ein gut strukturiertes Bedienungskonzept, was vor allem durch eine On-Screen-Darstellung auf dem Fernseher oder eine Touchscreen-Fernbedienung gewährleistet ist. Als Verstärkerleistung reichen 50 Watt pro Kanal aus, um einen Streit mit den Nachbarn zu provozieren.

Surround-Boxen-Sets

Ein Boxenset setzt sich aus mindestens fünf Lautsprechern zusammen: Zwei Hauptlautsprecher stehen links und rechts vor dem Zuhörer (Main), eine Mittenbox (Center) liegt meist auf oder in der Nähe der Bildquelle und zwei kleinere Effektlautsprecher (Rear) hinter dem Zuhörer sind für die seitlichen und rückwärtigen Schallanteile zuständig. Zu vielen Boxensets gehört außerdem ein Subwoofer, der ausschließlich für die Basswiedergabe zuständig ist, um raumakustische Probleme besser in den Griff zu bekommen und die Mittenwiedergaben differenzierter und plastischer klingen zu lassen (5.1-System). Dieser Niederfrequenzspezialist entlastet die restlichen Boxen außerdem, so dass deren Maße wesentlich kleiner ausfallen dürfen. Oft kommen 5.1-Boxensysteme sogar mit winzigen Satellitenboxen aus, die durch eine Wandmontage das Wohnbild kaum beeinträchtigen. Moderne Raumklangverfahren wie Dolby Digital stellen allerdings höhere Anforderungen an die Dynamik, wodurch dezente Satellitensysteme schnell an ihre Grenzen kommen.

Kino-Sound für Profis

Wer darüber hinaus auch das von George Lucas entwickelte THX-Tonwiedergabeverfahren in der Wohnstube genießen möchte, benötigt ein lizenziertes Boxenset, das hohe Anforderungen bezüglich der Dynamik und Sprachverständlichkeit stellt. THX-Boxen sehen dementsprechend wuchtig aus und hüllen die eigenen vier Wände mit einem regelrechten Klanggewitter ein.
Seit “Star Wars I - Die dunkle Bedrohung ist die Kinowelt um ein weiteres Mehrkanaltonsystem reicher geworden: Dolby Digital Surround EX. Basierend auf Dolby Digital bietet dieses 6.1-System mit dem Center-Surround einen weiteren Kanal, der das Gegenstück zum vorderen Center darstellt. Basierend auf dieser Idee kamen noch weitere 6.1-Mehrkanaltonsysteme dazu (zum Beispiel. DTS ES), die allerdings ebenfalls nur für eingefleischte Heimkino-Profis interessant sein dürften. Die Industrie reagierte auf das neue Mehrkanalsystem und brachte erste AV-Verstärker mit 6.1-Ausgängen in den Handel. Älterer Modelle müssen hingegen mit dem entsprechenden Decoder nachgerüstet werden, was nicht bei jedem Gerät möglich ist.

Glossar

Dolby Surround ProLogicDas ursprüngliche Mehrkanal-System arbeitet lediglich mit vier Kanälen: Linke und rechte Hauptbox, Center sowie ein Kanal für die beiden hinteren Effekt-Lautsprecher. Dolby Surround ist stereokompatibel, so dass der klassische Zweikanalton ebenfalls möglich ist. Dolby Surround ist im Surround-Bereich immer noch am stärksten verbreitet, denn nahezu alle Videokassetten und DVDs werden in diesem Tonformat abgemischt.
Dolby Digital (AC-3)Der offizielle Dolby-Surround-Nachfolger verwöhnt den Zuhörer mit fünf digital aufgenommenen Kanälen. Neu hinzugekommen ist ein zweiter Rear-Kanal, der für ein differenzierteres Klangbild hinter dem Zuhörer sorgt. Sämtliche Kanäle bieten vollen Frequenzumfang sowie einen Low Frequency Effect-Kanal (LFE), der sich via Subwoofer durch grollende Bässe bemerkbar macht (5.1-System). Das Kürzel AC-3 (Audio Code 3) steht für das Datenreduzierungsverfahren, mit denen die digitalen Daten auf ein Minimum komprimiert werden.
MPEG2-AudioDas von Philips favorisierte digitale Mehrkanaltonsystem konnte sich nicht durchsetzen und ist somit nur noch technische Makulatur.
Digital Theater System (DTS)Seit dem Dino-Spektakel “Jurassic Park“ (1993) ist die Kinowelt mit Digital Theater System um ein weiteres Mehrkanaltonsystem reicher. Wie Dolby Digital ist DTS für 5.1-Kanäle ausgelegt und arbeitet mit einer Datenreduktion. Die höhere Gesamtdatenrate ermöglicht eine noch bessere Tonqualität und eine höhere Dynamik. DTS spielt im Heimkinobereich jedoch nach wie vor eine untergeordnete Rolle.
THXHinter dem kryptischen Kürzel verbirgt sich der Begriff Tomlinson Holman eXperience. Holman ist Toningenieur bei Lucasfilm und war maßgeblich an der Entwicklung dieser Mehrkanalnorm beteiligt, die die Wiedergabe von Surroundklang sowohl im Kino als auch im Heimbereich auf einem einheitlich hohen Niveau gewährleisten soll. Das THX-Gütesiegel stellt umfangreiche Anforderungen an die gesamte Wiedergabekette, was im Heimbereich allerdings kaum einzuhalten ist. Aus diesem Grund wurde mit THX Select ein abgespecktes Format speziell für den Heimkino-Bereich geschaffen, während die alte Norm fortan auf den Namen THX Ultra hört. Seit kurzem gibt es THX auch im Sechskanal-Verfahren (THX EX).
Dolby Digital Surround EXMit dem Star-Wars-Film “Episode 1“ wurde das 6.1-Kanalsystem eingeführt (EX = Extended), das mit dem Surround Center einen dritten Kanal im Rücken des Auditoriums bietet.
DTS ESDie Extended Surround-Version von DTS ist ebenfalls ein 6.1-System. Durch getrennt aufgenommene Kanäle (“diskrete“ Kanäle) liefert dieses Verfahren ein besonders realistisches und räumliches Klangbild.
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