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Kurzporträt: Gesine Schwan

Der von SPD und Bündnis 90/Die Grünen vorgeschlagenen Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten werden am 23. Mai aufgrund der Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung nur geringe Chancen eingeräumt. Sollte die Politikwissenschaftlerin wider Erwarten doch gewählt werden, wäre sie das erste weibliche deutsche Staatsoberhaupt.

Keine Quotenfrau

Eines ist Gesine Schwan aber in keinem Fall: eine bloße Quotenfrau. Im Gegenteil die Präsidentin der Europa-Universität Viadrina wäre mit ihrer reichen internationalen Erfahrung wohl eine genauso gute Wahl für das höchste Amt im Staate wie der Wirtschaftsmann Horst Köhler.

Im Falle ihrer Wahl will Schwan zu einem “Neuanfang in Sachen Ehrlichkeit und Vertrauen“ aufrufen und in der Reformdebatte für “intellektuelle Klarheit“ sorgen. Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften möchte sie dazu bewegen, “sich argumentativ und vor allem sachlich mit den konkreten Reformnotwendigkeiten auseinander zu setzen.“ Der Umbau der Sozialsysteme darf für sie nicht zu einer Gesellschaft führen, in der ein “Grundgefühl der Sicherheit“ fehlt. Darüber hinaus will Schwan vor allem auf die stärkere Förderung von Bildung und Erziehung hinwirken.

Internationales Profil

Gesine Schwan genießt als Akademikerin internationales Renommee. Die Stationen ihrer Karriere in Wissenschaft und Politik waren vielfältig: Nach ihrem Studium der Romanistik, Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaft in Berlin, Freiburg, Warschau und Krakau und ihrer Promotion zum Dr. phil. wurde sie 1977 Professorin für Politikwissenschaft an der FU Berlin. In den 1980er Jahren folgten mehrere längere Lehraufenthalte an Universitäten in England und den USA. Von 1985 bis 1987 war sie Vorsitzende der deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft, von 1993 bis 1995 Dekanin des Fachbereichs Politische Wissenschaft an der FU Berlin.

Parallel zu ihrer akademischen Laufbahn war Schwan seit 1977 auch als Mitglied der SPD-Grundwertekommission an der Ausarbeitung politischer Grundsatzpapiere beteiligt, bis die überzeugte Antikommunistin wegen ihrer Kritik an der ihrer Meinung nach zu nachgiebigen Ostpolitik der SPD das Gremium im Jahr 1984 verlassen musste. Erst 1996 wurde sie erneut in die Grundsatzkommission aufgenommen.

Seit 1999 ist Schwan Präsidentin der 1991 neu gegründeten Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), die sich aufgrund ihrer Grenzlage vor allem die enge Zusammenarbeit mit dem Nachbarland Polen auf die Fahnen geschrieben hat.

Schwans wissenschaftlichen Schwerpunkte sind vor allem die politischen Theorien des Marxismus und Sozialismus sowie politische Philosophie.

Engagiertes Elternhaus

Gesine Schwan wurde am 22. Mai 1943 als Tochter eines späteren Oberschulrats in Berlin geboren. Sie stammt aus einem sozial engagierten Elternhaus, das im Nationalsozialismus zu protestantischen und sozialistischen Widerstandskreisen gehörte und sich nach dem Krieg für die Freundschaft mit Polen einsetzte. Im letzten Kriegsjahr hatten die Eltern ein jüdisches Mädchen versteckt.

Schwan war mit dem Politikwissenschaftler Alexander Schwan verheiratet, der 1989 verstarb. Sie hat zwei Kinder.

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