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Langzeit-Urlaub vom Job

Puls niedrig, Füße hoch, und irgendwo dazwischen baumelt die Seele: Davon träumen viele Menschen am Arbeitsplatz. Doch auszusteigen aus dem Job, auf die Sicherheit des festen Einkommens zu verzichten und für immer die Brücken hinter sich abzubrechen, das wagen nur wenige. Es gibt jedoch auch den Ausstieg auf Zeit, der die Rückkehr in den sicheren Alltag bereits einplant oder zumindest ermöglicht: Sabbatjahr (Sabbatical), Arbeitszeit- und Urlaubskonten bzw. Teilzeitbeschäftigung machen in vielen Betrieben eine Pause möglich und beugen dem “burn-out” vor. Deswegen stößt diese Form des Langzeit-Urlaubs bei den Chefs inzwischen nicht mehr durchwegs auf taube Ohren. Auch gesellschaftlich findet die berufliche Auszeit inzwischen Anerkennung: Aussteiger gelten nicht mehr als vom Job Frustrierte, sondern als mutige Avantgardisten, die ihre innere Balance suchen und oft genug auch finden.

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Wer eine Auszeit vom Schreibtisch nimmt, kann sich z.B intensiv dem Hobby Gartenarbeit zuwenden.
Wer eine Auszeit vom Schreibtisch nimmt, kann sich z.B intensiv dem Hobby Gartenarbeit zuwenden.
dpa
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Berufliche Weiterbildung im Langzeiturlaub ist auch beim Arbeitgeber gern gesehen.
Berufliche Weiterbildung im Langzeiturlaub ist auch beim Arbeitgeber gern gesehen.
dpa
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Ein denkbares Modell: Vier Jahre Knochenjob im Betrieb, dafür ein Jahr Entschädigung an Rios langen Sandstränden.
Ein denkbares Modell: Vier Jahre Knochenjob im Betrieb, dafür ein Jahr Entschädigung an Rios langen Sandstränden.
dpa
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Bei großen Firmen wie Siemens tausendfach erprobt: Befristete Auszeiten ermöglichen den Angestellten eine flexible Arbeitszeitgestaltung.
Bei großen Firmen wie Siemens tausendfach erprobt: Befristete Auszeiten ermöglichen den Angestellten eine flexible Arbeitszeitgestaltung.
dpa
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Nach Absprache mit den Arbeitgebern möglich: Babypause für Mama und Papa
Nach Absprache mit den Arbeitgebern möglich: Babypause für Mama und Papa
dpa

...und im 7. Jahr ruhte der Mitarbeiter sich aus.

Wer eine Auszeit vom Schreibtisch nimmt, kann sich z.B intensiv dem Hobby Gartenarbeit zuwenden.

Wer eine Auszeit vom Schreibtisch nimmt, kann sich z.B intensiv dem Hobby Gartenarbeit zuwenden.

Für den Urlaub vom Berufsalltag können eine Reihe unterschiedlicher guter Gründe sprechen. Sei es, um sich im häuslichen Garten vom Stress der vorangegangenen Jahre zu erholen oder um noch etwas Zeit mit den Kindern zu verbringen, bevor sie endgültig aus dem Haus gehen. Sei es, um etwas völlig Neues kennenzulernen, z.B. ein anderes Land; oder sei es, um sich weiterzubilden und beispielsweise eine andere Sprache zu erlernen. Fast immer spielen individuelle Motive die entscheidende Rolle. Und der Arbeitnehmer verwirklicht sich einen womöglich lang gehegten Traum vorausgesetzt, die Kasse stimmt.

Auch der Chef kann profitieren

Berufliche Weiterbildung im Langzeiturlaub ist auch beim Arbeitgeber gern gesehen.

Berufliche Weiterbildung im Langzeiturlaub ist auch beim Arbeitgeber gern gesehen.

Manchen Unternehmen kommt das sogar entgegen. Viele Personalchefs berichten, dass langgediente Mitarbeiter vom Sabbatjahr hochmotiviert und voll kreativem Schwung zurückkehren, eine Entwicklung, die sich auch betriebswirtschaftlich auszahlt. Vielfach haben sich Aussteiger auf Zeit auch neue Qualifikationen etwa eine Sprache angeeignet, die sie nutzbringend in den Beruf einbringen können.

Wenn der Bedarf an Mitarbeitern saisonal schwankt (z.B. in der Baubranche) oder die Arbeitgeber von einer Auftrags- oder Konjunkturflaute erwischt werden, deren Ende absehbar ist, gönnt der Arbeitgeber seinen Beschäftigten in der Regel gern eine befristete Auszeit. In diesem Fall profitiert der Unternehmer davon, dass er seine Leute nicht verliert. Der nächste Konjunkturaufschwung kommt bestimmt.

Arbeit und Urlaub für dasselbe Geld

Ein denkbares Modell: Vier Jahre Knochenjob im Betrieb, dafür ein Jahr Entschädigung an Rios langen Sandstränden.

Ein denkbares Modell: Vier Jahre Knochenjob im Betrieb, dafür ein Jahr Entschädigung an Rios langen Sandstränden.

Im Fall einer wirtschaftlich angeschlagenen Firma hilft meist das Arbeitsamt mit Kurzarbeitergeld. Doch diese Auszeiten sind nur selten freiwillig und dementsprechend wenig erholsam. Im Normalfall folgt die am besten kalkulierbare und mit den geringsten finanziellen Verlusten verbundene Form des Langzeit-Urlaubs dem Prinzip der Durchschnittsbezahlung: Der Arbeitnehmer arbeitet z.B. vier Jahre lang auf seiner Vollzeitstelle, erhält aber nur 4/5 des Bruttogehaltes. Das fünfte Jahr verbringt er, wo und wie immer er will: auf dem Spielplatz mit den Kindern, mit der ganzen Familie auf einem Boot im Atlantik oder allein in Rio de Janeiro. Das in den vier vorhergehenden Jahren bezogene Gehalt bekommt er währenddessen weiter. Und der Fiskus mildert den Verzicht auf einen Teil des vollen Bruttolohnes. Denn durch die Steuerprogression wird das geringere Einkommen auch mit einem niedrigeren Prozentsatz besteuert. Allerdings fallen Rente und Arbeitslosengeld, wenn sie in Anspruch genommen werden, ebenfalls geringer aus.

Wer, wann, wie lange?

Bei großen Firmen wie Siemens tausendfach erprobt: Befristete Auszeiten ermöglichen den Angestellten eine flexible Arbeitszeitgestaltung.

Bei großen Firmen wie Siemens tausendfach erprobt: Befristete Auszeiten ermöglichen den Angestellten eine flexible Arbeitszeitgestaltung.

Seit Beginn des Jahres 2001 haben Arbeitnehmer grundsätzlich ein Recht auf Teilzeitarbeit, wenn betriebliche Belange dem nicht entgegen stehen. Auch das Sabbatjahr und die anderen Formen des Langzeit-Urlaubs sind Varianten einer Teilzeitbeschäftigung. Schließlich wird nur ein Teil der potenziellen Arbeitszeit tatsächlich für die Erwerbsarbeit genutzt. Dennoch gibt es aber keinen gesetzlichen Anspruch auf ein Sabbatjahr. Auszeiten müssen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern abgesprochen werden.

In den Kirchen und im öffentlichen Dienst stehen Sabbaticals jedoch nahezu allen Mitarbeitern offen. Vor allem Lehrer machen davon gern Gebrauch. Große Konzerne wie Siemens oder BMW bieten ihren Beschäftigten ebenfalls befristete Auszeiten an. Und mit Arbeitszeit- bzw. Urlaubs-“Konten sind auch kombinierte Modelle möglich: Bei Hewlett-Packard beispielsweise werden regelmäßige Überstunden in Verbindung mit einem über Jahre aufgesparten Tarifurlaub schließlich mit einem halben Jahr geballter Freizeit belohnt. Der Zeitraum ist meistens flexibel, er wird mit dem Arbeitgeber individuell ausgehandelt. Denn der braucht ja einen Ersatz, sobald der Mitarbeiter sein Sabbatjahr (oder seine Sabbatmonate) antritt. In den meisten Fällen liegt die gesamte Periode, also Arbeit und Urlaub zusammen, zwischen einem und sieben Jahren. Grundsätzlich gilt jedoch die Regel: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen! Ein kurzfristiger Ausstieg über einen längeren Zeitraum ist auf diese Weise also kaum möglich.

Unbezahlter Urlaub

Wer ohne lange Vorplanung verreisen möchte, weil er z.B. jemanden aus Australien kennen gelernt hat und ihn oder sie nun besuchen möchte, wird entweder sein Erspartes mitnehmen oder sich Down Under einen Job suchen müssen. Mit Geld vom heimischen Arbeitgeber kann er nicht rechnen. Unbezahlter Urlaub heißt nämlich so, weil er nicht bezahlt wird. Und gewähren wird ihn auch nicht jeder Arbeitgeber. Ob er den Arbeitsplatz für eine bestimmte Zeit frei hält und damit ein Rückkehrrecht ermöglicht, ist in der Regel Verhandlungssache.

Nur wenige Unternehmen haben diese Variante der befristeten Auszeit in Betriebsvereinbarungen, Arbeits- oder Tarifverträgen festgeschrieben. Weil er kein finanzielles Polster vorsieht, kommt unbezahlter Urlaub dem endgültigen Ausstieg schon ziemlich nahe. Für dessen Dauer ist der Weltenbummler auf sich gestellt. Erst danach kann er im besten Falle wieder in den sicheren Schoß der heimischen Arbeitsstelle zurückkehren.

Urlaub für Eltern

Nach Absprache mit den Arbeitgebern möglich: Babypause für Mama und Papa

Nach Absprache mit den Arbeitgebern möglich: Babypause für Mama und Papa

Junge Eltern widmen gern dem Nachwuchs ein Sabbatical. Auch für diesen Fall hat die Bundesregierung eine gesetzliche Regelung geschaffen. Der frühere Mutterschafts- bzw. Erziehungsurlaub wurde von der “Elternzeit abgelöst und kann nun von der Mutter, vom Vater oder von beiden gleichzeitig in Anspruch genommen werden. Bis zu drei Jahre können beide Eltern ihre Vollzeit- zu einer Teilzeitarbeit reduzieren allerdings auch wieder in Absprache mit dem Arbeitgeber. Eine Garantie auf Weiterbeschäftigung nach der “Elternzeit bietet das Gesetz nur für Mütter oder Väter, die die Babypause allein nutzen und währenddessen ihren Job ganz ruhen lassen.

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