Laub - ein Werkstoff der Zukunft | wissen.de
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Laub - ein Werkstoff der Zukunft

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Zusammengeballte Stäbchen (Pellets) aus Laub. © Kahl
ZUSAMMENGEBALLTE STÄBCHEN (PELLETS) AUS LAUB. KAHL
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So sieht er aus – der Sessel aus Laub. © Bienert-Pohl
SO SIEHT ER AUS – DER SESSEL AUS LAUB. BIENERT-POHL

Herbstlaub - Rohstoff im Überfluss

Aus sattem Grün wird welkendes Laub sicheres Indiz dafür, dass der Sommer vorbei ist. Und dann setzt er ein der Klang des Herbstes. Dröhnende Laubsauger gehen ans Werk und säubern pedantisch Gärten, Straßen und Beete vom Überfluss der Natur. Denn die zeigt sich einmal mehr von ihrer großzügigen Seite. Im Durchschnitt produziert ein Hektar Waldfläche mit 80-jährigen Buchen jährlich rund 3000 Kilogramm trockenes Laub. Allein der Laubbaumbestand des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen liefert circa 2,5 Millionen Tonnen.

Pünktlich stellt sich dann die herbstliche Frage: Wohin mit dem gesammelten Laub? Das wird bestenfalls kompostiert und findet oft keinen Abnehmer mehr oder es landet ohne Chance auf weitere Verwertung in der Müllverbrennung so die gängige Praxis. Wir entsorgen und lassen so einen wertvollen Werkstoff ungenutzt.

Als Holzersatz optimal geeignet

Es geht aber auch anders. Aus Blättern lassen sich Dämmmaterial, Autoverkleidungen, Regale oder sogar Möbel fertigen. Das behaupten die Architektin Ingrid Bienert und der Chemiker Harald Pohl aus Monheim. Zusammen mit dem Dortmunder Professor für Fertigungstechnik, Ernst Albien, haben sie ein Verfahren entwickelt, das Herbstlaub zu einem vielfach verwendbaren Holzersatzstoff macht.

Eigentlich eine naheliegende Idee, denn was wir möglichst schnell von Bürgersteigen, Straßen und aus Gärten entfernen, ist wie geschaffen für eine nachhaltige Umwandlung. Die chemisches Zusammensetzung macht es möglich. Das frische Laub enthält noch zuviel Zucker und Eiweiß und ist dadurch stärker dem Insektenfraß und Pilzbefall ausgesetzt. Das im Herbst anfallende Laub besteht weitgehend nur noch aus Zellstoff und Lignin, den beiden wichtigsten Bestandteilen des Holzes. Das ist lange bekannt, aber offensichtlich hat niemand das Potenzial entdeckt, das diese Zusammensetzung enthält, wie Harald Pohl bei seiner Patentrecherche erstaunt festgestellt hat.

Die Verarbeitung: Reinigen - Zerkleinern - Präparieren

Zusammengeballte Stäbchen (Pellets) aus Laub. © Kahl

Und so wurde aus der Idee, Laub weiter zu verarbeiten, ein Prototyp der Fertigung entwickelt. Es reichen wenige Arbeitsschritte, um die herbstlichen Blätter in ein vielfach verwendbares Material zu verwandeln. Das gesammelte und getrocknete Laub wird erst schonend gereinigt, kommt über ein Förderband in einen Walzenschneider, der es auf eine Fläche von vier Quadratmillimeter zerkleinert. Dann wird es getrocknet und anschließend gegen Fäulnisprozesse imprägniert. Das so präparierte Laub ist erst einmal lagerfähig. Es fällt im Herbst von den Bäumen, lässt sich aber unabhängig von der Jahreszeit verarbeiten. Im nächsten Schritt wird das zerkleinerte Laub mit Hilfe von Bio-Kleister zu einer Teigmasse gerührt und anschließend durch Zugabe von hochschmelzendem Wachs verfestigt. Das Laub ist nun formbar, gleichzeitig gehärtet und somit gegen Nässe und ein Durchweichen geschützt. Besonders wichtig: Alle Substanzen, die während der Verarbeitung zugesetzt werden, sind biologisch abbaubar.

Die Produktpalette

So sieht er aus – der Sessel aus Laub. © Bienert-Pohl

Das so aufbereitete, verformte und ausgehärtete Laub bietet in vielen Anwendungsbereichen eine preiswerte, ökologische Alternative und Ergänzung zu herkömmlichen Produkten aus gepresstem Holz. In der Bundesrepublik werden circa neun Millionen Kubikmeter Spanplatten jährlich produziert. Dies geschieht oft unter Einsatz von biologisch nicht abbaubaren Substanzen wie Kunstharzen und Fungiziden. Laub könnte vor allem als Dämm- und Verkleidungsmaterial im Innenausbau zum Einsatz kommen. Der Stuhl, den Ingrid Bienert für die Kölner Möbelmesse fertigen ließ, ist einstweilen nur eine Spielerei. Er zeigt aber, was alles aus dem Stoff gemacht werden kann, den wir achtlos entsorgen.

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