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Leben auf dem Mars?

Gratisproben vom Mars

Eine Szene wie aus einem Steven-Spielberg-Film: Mit ernstem Gesicht tritt der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vor die Weltpresse und teilt der Menschheit mit, dass zum ersten Mal Spuren von Leben außerhalb der Erde gefunden worden sind. Und zwar auf dem Mars.

Die beschriebene Veranstaltung hat es so ähnlich tatsächlich gegeben: Am 7. August 1996 fand im NASA-Hauptquartier eine kurzfristig einberaumte Pressekonferenz statt. Der damalige Chef der NASA, Daniel Goldin, stellte eine Gruppe von Wissenschaftlern vor, die einen vom Mars stammenden Stein analysiert hatten. Sie gaben bekannt, dass mit großer Wahrscheinlichkeit unser Nachbarplanet einmal primitives Leben getragen hatte. Wenige Minuten vorher hatte Präsident Clinton, der die Ergebnisse schon kannte, erklärt, dass die USA die Suche nach Leben auf dem Mars mit aller Kraft und technologischen Anstrengungen fortsetzen wollten.

Die dazugehörige Geschichte begann vor ca. 15 Millionen Jahren auf dem Mars: Ein ungeheuerer Asteroideneinschlag schleuderte Staub und Steine in die Höhe. Die meisten dieser Teile fielen zurück auf den Marsboden. Die meisten, aber nicht alle. Zufällig war ein Gesteinsbrocken mit einer Geschwindigkeit von mehr als fünf Kilometern pro Sekunde vom Mars abgesprengt worden. Auf der Erde hätte dieser Stein eine riesige Wurfparabel beschrieben und wäre womöglich hunderte von Kilometern weit entfernt auf dem Boden aufgeschlagen. Auf dem Mars aber reichte diese Geschwindigkeit, um den Planeten zu verlassen und um eine Reise in den interplanetaren Raum anzutreten. Unser Stein befand sich also wenige Sekunden nach seinem Auswurf im kalten Vakuum des Weltraums. Da trieb er nun dahin...

Wir kennen seine Bahn nicht genau, aber wir wissen, dass der Stein ungefähr 15 Millionen Jahre unter dem Einfluss der Anziehungskraft von Mars, Jupiter und schließlich auch der Erde in gestörten Bahnen die Sonne umkreiste. Irgendwann im Lauf dieses kosmischen Billardspiels gab es eine kleine zusätzliche Störung, die über das weitere Schicksal des Steins entschied: Die Anziehungskraft der Erde gewann überhand und der Stein fiel mit immer größer werdender Geschwindigkeit auf die Erde zu. Vor ca. 13.000 Jahren schlug er in der Antarktis ein. Dort lag er nun und wartete auf seine Entdeckung.

Am 27. Dezember 1984 fuhr die amerikanische Geologin Roberta Score auf ihrem Snowmobil durch die Eiswüste der Allan Hills. Hier waren im Lauf der Jahre schon mehr als 2000 Meteoriten gefunden worden. Roberta Score gehörte zu einem Team, das das Eis systematisch nach Meteoriten absuchte. An diesem Tag hatte sie Glück: Ihr fiel ein ungefähr kartoffelgroßer dunkler Stein im Eis auf. Sie stieg vom Snowmobil und verpackte den Stein fachgerecht in einer sterilen Plastiktüte. Später gab sie dem Stein eine eindeutige Bezeichnung: ALH84001. ALH steht dabei für den Fundort (Allan Hills), 84 für das Jahr 1984 und die Nummer 001 verweist auf den ersten Platz in der Liste der 1984 dort gefundenen Meteoriten. Hat Roberta Score die Bedeutung des Fundes erahnt und dem Stein deswegen die Nummer 1 zugeteilt, obwohl er doch erst am Ende des Jahres gefunden worden war?

Weitere Jahre vergingen. Erst 1993 interessiert sich wieder jemand für den Stein. David Mittlefehldt, Meteoritenexperte in Houston, nimmt sich den Stein routinemäßig vor. Und er macht eine sensationelle Entdeckung: Der Stein stammt vom Mars! Damit ist ALH84001 der zwölfte seiner Art. Aber im Gegensatz zu seinen Artgenossen ist diese Gratisprobe vom Mars sehr alt. Das Alter des Steins wird auf 4,5 Milliarden Jahre bestimmt. Damit ist ALH84001 älter als jeder Stein auf der Erde! Er ist fast so alt wie das Planetensystem selbst und kann mit einem Datenträger verglichen werden, der seit 4,5 Milliarden Jahren Spuren von Umwelteinflüssen abgespeichert hat. Was kann ALH84001 über sein langes Leben berichten?

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Dr. Dirk Soltau
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