Definition
Eine Lerngruppe, das sind mindestens drei Personen, die sich zusammengefunden haben, um ein gemeinsamen Ziel zu verfolgen: möglichst viel zu lernen. Und das kann in einer gut eingespielten Gruppe nicht nur sehr effektiv sein, sondern auch noch richtig Spaß machen. Die Arbeit in der Gruppe ist deshalb so erfolgreich, weil der Einzelne nicht nur still vor sich hin arbeitet, sondern mit den anderen Gruppenmitgliedern über das Erarbeitete diskutieren, Fragen stellen und gemeinsam Antworten suchen kann.
Merkmale einer Gruppe
Gruppen können sich spontan bilden, wenn sie in einer Situation ein gemeinsames Ziel haben. Ein Beispiel: Sie gehen zur Sprechstunde eines Dozenten, treffen dort andere, die auch zur Sprechstunde möchten. Sie lesen, dass die Sprechstunde ausfällt, und verabreden gemeinsam mit den anderen einen neuen Termin mit dem Dozenten, weil sie ihn alle sprechen möchten. Diese eher spontane Zusammensetzung einer Gruppe bezeichnet man als informelle Gruppe. Wenn Sie sich zu einer Lerngruppe zusammenfinden, um sich beispielsweise auf eine Prüfung oder Klausur vorzubereiten, so ist das auch eine informelle Gruppe. Sie haben ein gemeinsames Ziel, die Mitglieder in der Gruppe finden sich allgemein sympathisch, und Sie möchten gemeinsam etwas erreichen.
Werden Sie aber in einem Seminar in Gruppen geteilt, mit einer Aufgabe, einer Zeitvorgabe oder anderem, dann ist die Gruppe von außen bestimmt worden und wird als formelle Gruppe bezeichnet.
Eine Lerngruppe sollte aus mindestens drei, aber nicht mehr als sechs Mitgliedern bestehen, um effektiv lernen und arbeiten zu können. Neben gemeinsamen Zielen, Werten und Normen und der ständigen Interaktion findet in der Gruppe eine Rollenverteilung und Organisation statt.
Phasen der Arbeit in Gruppen
Bei der Bildung und Arbeit von Gruppen können Sie immer - mehr oder weniger deutlich ausgeprägt - folgende vier Phasen beobachten:
In der ersten Phase geht es um das Ankommen in der Gruppengemeinschaft und die erste Orientierung. Jeder sucht seinen Platz und seine Rolle in der Gruppe. Je besser man die anderen Mitglieder kennen lernt, desto schneller verringert sich die anfängliche soziale Angst. Die Phase wird bestimmt durch:
- Schwanken zwischen Distanz und Nähe, den Wunsch, einerseits anonym zu bleiben und andererseits sich zu zeigen
- abwartendes und abtastendes Verhalten, den Wunsch nach Orientierung
- Vorerfahrungen bezüglich Gruppen, Seminaren, Menschen und anderes
- eventuelle Vorbehalte gegen die Veranstaltung
In der zweiten Phase der Annäherung und Klärung zeigen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mehr von ihrem wirklichen Ich, drücken eigene Interessen klarer aus (Kommunizieren), es können aber auch Konflikte entstehen. Diese Phase ist gekennzeichnet durch:
- Arrangieren mit den Gruppenmitgliedern
- Auftreten und Besprechen möglicher Konflikte
- Formulierung der Ziele und Aufgaben
In dieser zweiten Phase wäre ein Einstieg für neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr schwierig.
Die dritte Phase ist geprägt von Arbeitslust und Produktivität: Jetzt kann die Gruppe sehr erfolgreich arbeiten. Die Gruppe greift die Aufgabenstellung auf. In dieser Phase herrschen:
- relativ stabile Arbeitsfähigkeit
- rege Kommunikation, die jetzt mit jedem Teilnehmer möglich ist
- eingespielte Umgangsformen und zwischenmenschliche Beziehungen
Die vierte und letzte Phase ist die Beendigung der Gruppenarbeit. Trennung der Gruppe und Rückkehr in den Alltag stehen hier im Vordergrund. Jetzt werden:
- die Themen auf der Sach- und Beziehungsebene zu Ende geführt
- das Gelernte in den Alltag übertragen (Transfer)
Wenn Sie diese vier Phasen kennen, fällt es Ihnen leichter, in der Gruppe zu arbeiten und ein erfolgreiches Lernen in der Gruppe zu ermöglichen.
Rollen in der Gruppe
In einer arbeitsfähigen Gruppe finden Sie in der Regel folgende Rollen: erstens die Mitglieder, die sich sehr stark an der Aufgabe und deren Lösung orientieren, zweitens die "Leithammel": meist starke Führungspersönlichkeiten, die auf den Erhalt der Gruppe fixiert sind und sich darum bemühen, dass alle Gruppenmitglieder in die Arbeits- und Entscheidungsprozesse mit einbezogen werden. Nicht selten neigen solche Personen jedoch auch zu autoritärem Verhalten und hemmen die freie Diskussion.
Drittens gibt es die Mitglieder, die oft kritisieren und sehr viel in Frage stellen. Letztere werden zwar meistens als nicht besonders hilfreich betrachtet, wenn ihre Anmerkungen allerdings konstruktiv sind, können sie viel zu einem optimalen Gruppenergebnis beitragen.
Entscheidungen in der Gruppe
Entscheidungen in der Gruppe sind schwer zu treffen, vor allem, wenn es darum geht, keinen zu übergehen und auszugrenzen. Es sollen alle hinter der Entscheidung stehen und sie tragen. Voraussetzung dafür ist eine faire Besprechung und eine möglichst einstimmige Entscheidung.
Hier einige Tipps zur Entscheidungsfindung von Gruppen:
- Vermeiden Sie es, unbedingt Ihre Ansicht durchsetzen zu wollen.
- Hören Sie sich an, was die anderen zu sagen haben (Zuhören) und stützen Sie Ihre Meinungen auf vernünftige Argumente (Kommunizieren).
- Vermeiden Sie es, Ihre Auffassung zu ändern, nur um schnell eine Entscheidung herbeizuführen oder Auseinandersetzungen mit anderen Gruppenmitgliedern aus dem Weg zu gehen.
- Begründen Sie Ihre Ansichten und schließen Sie sich nur Entscheidungen an, die sich wenigstens ungefähr mit Ihren eigenen Ansichten decken.
- Tragen Sie Konflikte aus, auch wenn sie schmerzhaft sind; vermeiden Sie fragwürdige Mehrheitsentscheidungen oder faule Kompromisse.
- Die nähere Analyse von Meinungsunterschieden ist in der Tat ein - wenn auch unbequemer - Schritt, um doch noch zu einer Einigung zu gelangen.
Vor- und Nachteile
Sie können in der Gruppe ein Thema hinterfragen, verschiedene Sichtweisen, Standpunkte u. a. verdeutlichen, Sie können arbeitsteilig (Literatursuche, Fernleihe) vorgehen, gemeinsam Fragen stellen und nach Antworten suchen, die Ergebnisse in der Gruppe präsentieren (Präsentieren) und sicherer in der Vortragsweise (Vortrag) werden. Durch ein Feedback über Ihr Verhalten in der Gruppe lernen Sie gleichzeitig viel über sich selbst. Nachteile ergeben sich durch den höheren Zeit- und Organistionsaufwand und gegebenenfalls durch die Zusammensetzung der Gruppe (Rollenkonflikte, unterschiedliche Arbeitsauffassungen und anderes).
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Fragen
1) Welche Vorteile ergeben sich durch das Lernen in einer Gruppe?
2) Welche Merkmale hat eine Gruppe?
3) Wie verlaufen die Phasen in einer Gruppe?
4) Welche Rollen treten in einer Gruppe auf?
5) Wie sollten Entscheidungen getroffen werden?
Antworten
1) In der Gruppe können Sie gemeinsam Fragen formulieren und Antworten suchen, den Stoff präsentieren und darüber diskutieren.
2) Eine Gruppe hat ein gemeinsames Ziel, Normen und ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Alle Mitglieder stehen in direktem Kontakt zueinander.
3) Nach der Phase des Ankommens und Orientierens folgt die Annäherung und Klärung, dann die produktive Phase und der Abschied.
4) In der Gruppe lassen sich die eher aufgabenorientierten Mitglieder, die eher gruppenerhaltenden und die eher kritischen Mitglieder beobachten.
5) Entscheidungen sollten so getroffen werden, dass sich möglichst alle Mitglieder damit identifizieren können: Faule Kompromisse sind zu vermeiden.
Bibliografie
C. Antoni, D. Bach u. a.: Gruppenarbeit. Konzepte-Werkzeuge-Praxismodelle, Düsseldorf 2001
K.-W. Döring, B. Ritter-Mamczek: Lehren und Trainieren in der Weiterbildung. Ein praxisorientierter Leitfaden, Weinheim, Basel 1997
H. Knauf, F. Schmithals: Tutorenhandbuch, Neuwied, Kriftel 2000
R.Schräder-Naef: Rationeller Lernen lernen, Weinheim, Basel 2001









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