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Mardi Gras - Karneval in New Orleans

Bunt, laut und fröhlich – ob in Rio, Venedig oder New Orleans, Karneval steht für Ausgelassenheit und Freude. Weltweit werfen sich Millionen von Menschen in bunte Kostüme, tanzen, singen und feiern. Ein ganz besonderes Schauspiel ist der Mardi Gras in New Orleans. Das traditionsreiche Spektakel mit Maskenbällen, schrillen Paraden und viel Musik ist in jedem Fall eine Reise wert.

Französische Kolonisten brachten Karneval

„Fetter Dienstag“, das bedeutet Mardi Gras auf Französisch, denn genau hier hat der Karneval wie so vieles in New Orleans seine Wurzeln. Französische Kolonisten brachten die Traditionen des Mardi Gras in die USA, als sie genau an jenem Tag vor gut dreihundert Jahren ihre Zelte am Mississippi aufschlugen. Ihre Nachfahren haben ihre Traditionen bewahrt und feiern, wie im katholischen Frankreich üblich, die letzten Tage vor der österlichen Fastenzeit. Denn was wäre ein besserer Grund alles Fettige und Süße hervorzuholen und auf einen Schlag zu verputzen, als die Aussicht auf wochenlangen Verzicht all der schönen Leckereien? So brachten die Festmahle am letzten Tag vor Aschermittwoch dem Dienstag seinen bekannten Namen.

Von den Wagen der Umzüge aus werden die sogenannten beads geworfen.
Von den Wagen aus werden die sogenannten beads geworfen.

Dabei ist der fette Dienstag nur das große Finale der „semaine des sept jours gras“, einer ganzen Woche fetter Tage voller ausschweifender Feste. Und noch immer findet man ein Stück Tradition in den Straßen, Kostümen und Wagen der Südstaatenstadt, die in die traditionellen Farben Purpur, Grün und Gold der katholischen Kirche getaucht sind und damit Gerechtigkeit, Macht und Glaube vertreten.

Alaaf und Helau in New Orleans

Zwischen Weihnachtszeit und österlicher Fastenzeit: In den Straßen von New Orleans startet die Zeit des Karnevals jedes Jahr am 6. Januar, dem Tag der heiligen drei Könige. Zu ihren Ehren werden die sogenannten „King’s Cakes“ gebacken und läuten eine Zeit voller Paraden und Maskenbälle ein. Den Höhepunkt bildet der Mardi Gras. Über eine Millionen Menschen machen die Stadt an diesem Tag zur größten Party des Landes. Verkleidung ist dabei Pflicht – zumindest auf den Wagen der Parade. Die aufwändigen, reich verzierten Masken und Kostüme vermochten früher aus jedem Bürger einen König und Edelmann zu machen und verwandeln noch heute die Stadt in einen magischen und fabelhaften Ort.

Kostümierte Kinder verteilen von einem Mardi Gras Float aus die sogenannten Beads
Schon die Kleinsten verteilen die beliebten Perlenketten.

Auch wenn die Bewohner New Orleans‘ das nicht gerade gerne hören, so kommt der Karneval doch unserer fünften Jahreszeit im Rheinland sehr nahe: Als „Krewe“ bezeichnet man die Karnevalsvereine, die mit ihren Wagen, „floats“, an den spektakulären Umzügen, den „parades“, teilnehmen. Von denen werden allerdings keine süßen Kamellen geworfen, sondern sogenannte „throws“: Dublonen, Spielzeug oder die bekannten bunten Perlenketten, die „beads“ genannt werden. Diese hängen sich die Feierlustigen um den Hals – je mehr desto besser.

Kostümierter Teilnehmer der Mardi Gras Indian Parade
Kostümierter Teilnehmer der Mardi Gras Indian Parade

Die geheime Indianerparade

Fern von den Augen vieler Besucher findet die Parade der Mardi Gras Indians statt. Bis zu ihrem Erscheinen bleiben Uhrzeit und Ort des Umzuges geheim und allein der „Big Chief“ einer Gruppe kennt die spätere Route. Die Parade der Mardi Gras Indians ist der vielleicht noch unbekannteste Teil des Karnevals in der Hauptstadt Louisianas, hat aber ebenso wie der öffentliche Teil des Mardi Gras eine lange Tradition.

Verkleideter der Mardi Gras Indian Parade
Poppige Farben sind kein Muss.

Sklaverei und Rassismus haben tiefe Wurzeln in den Südstaaten der USA und führten damals zur kulturellen Trennung des Mardi Gras. Weil sich die Menschen der Ghettos in New Orleans aber nicht vollkommen ausschließen lassen wollten, riefen sie ihre eigene Parade ins Leben, um Mardi Gras auf ihre eigene Weise zu feiern. Die indianischen Kostüme und Namen erinnern an die Unterstützung, die indianische Einheimische den Sklaven entgegenbrachten, um aus der Tyrannei auszubrechen.

Ein Meer aus Masken, Gesang und Geschrei, Tänze und Trubel brachten jedoch auch viele Möglichkeiten für Kriminalität mit sich und so galt die Mardi Gras Indians Parade oft als willkommene Gelegenheit, um mal kurz eine Rechnung zu begleichen und ohne Probleme wieder in der Masse zu verschwinden. Heute finden Kämpfe jedoch nur noch in Form von Chorgesängen, Tänzen und anderen zeremoniellen Aufführungen zwischen verschiedenen Gruppen und ihren „Big Chiefs“ statt. Wer einen Blick auf diese Parade erhascht, hat das Glück Zeuge eines lebendigen Theaters von Kunst und Kultur zu werden.

MAH
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