Chile
Chile erstreckt sich als schmaler Landstreifen zwischen dem Südpazifik und den Anden. Von der extrem trockenen Atacama-Wüste im Norden bis zu den Eisfeldern Patagoniens weist das Land eine Vielzahl landschaftlicher Kontraste auf. Die auf reichen Rohstoffvorkommen basierende Wirtschaft, die vom Aufschwung Chinas profitiert, zählt heute zu den stabilsten Südamerikas.
Natur und Klima
Chile.sgm
| Offizielle Bezeichnung: | Republik Chile |
| KFZ-Kennzeichen: | RCH |
| Fläche: | 756 102 km2 |
| Einwohner: | 17,1 Mio. |
| Hauptstadt: | Santiago de Chile |
| Zeitzone: | Mitteleuropäische Zeit -5 Std. |
| Amtssprache(n): | Spanisch |
| Staatsform: | präsidiale Republik |
| Nationalfeiertag: | 18.9. |
| Währung: | 1 Chilenischer Peso = 100 Centavos |
Chile Countrybox
Chile: Verwaltungsgliederung
| Region | Fläche (in km2 ) | Einwohner (in 1000) | Hauptstadt |
| Aisén | 108 495 | 103 | Coihaique |
| Antofagasta | 126 049 | 562 | Antofagasta |
| Araucanía | 31 842 | 954 | Temuco |
| Arica y Parinacota | 16 899 | 190 | Arica |
| Atacama | 75 176 | 276 | Copiapó |
| Bío-Bío | 37 063 | 2 010 | Concepción |
| Coquimbo | 40 580 | 698 | La Serena |
| Hauptstadtregion Santiago de Chile | 15 403 | 6 746 | Santiago de Chile |
| Libertador General Bernardo O'Higgins | 16 387 | 866 | Rancagua |
| Los Lagos | 48 583 | 818 | Puerto Montt |
| Los Rios | 18 430 | 374 | Valdivia |
| Magallanes y Antárctica Chilena | 132 297 | 158 | Punta Arenas |
| Maule | 30 296 | 992 | Talca |
| Tarapacá | 42 200 | 298 | Iquique |
| Valparaíso | 16 396 | 1 721 | Valparaíso |
Chile: Verwaltungsgliederung
Nord-Süd-Gliederung
Die Landschaft des Großen Nordens (Norte Grande) wird von der äußerst lebensfeindl.lebensfeindlichen Wüste Atacama beherrscht. Südlich des Río Huasco schließt sich der etwas regenreichere Kleine Norden (Norte Chico) an. Weiter nach SSüden, in der Zona Central, bildet das chilen.chilenische Längstal dank des milden mediterranen Klimas den Hauptwirtschafts- u.und Siedlungsraum des Landes. Im Kleinen Süden (Sur Chico), der bis zur Insel Chiloé reicht, liegt das auf eiszeitl.eiszeitliche Vergletscherung zurückgehende chilen.chilenische Seengebiet. Im Großen Süden (Sur Grande) zeichnet eine Vielzahl von Inseln den Verlauf der im Meer versunkenen Küstenkordillere nach. Mit zahlreichen Fjorden greift der Pazifik in die Hochkordillere hinein, bis sie sich im äußersten SSüden ebenfalls in Inseln auflöst.
Erdbeben und Vulkanismus
C.Chile gehört zu den tektonisch aktivsten Regionen der Erde, die chilen.chilenische Andenkette wird von vielen tätigen Vulkanen gekrönt. 1960 wurden weite Küstenabschnitte um die südchilen.südchilenische Hafenstadt Valdivia von einem Erdbeben zerstört, das mit einer Stärke von 9,5 die größte jemals aufgezeichnete Magnitude hatte. Der 1991 explodierte Vulkan Hudson schleuderte seine Asche bis auf die Falklandinseln im Südatlantik.
Subtropisch-trocken bis subpolar-kühl
Infolge der riesigen Nord-Süd-Ausdehnung reichen die Klimazonen Chiles vom subtrop.subtropischen Wüstenklima im NNorden bis zum Subpolarklima Feuerlands im SSüden. Während der NNorden zu den regenärmsten Gebieten der Erde zählt, herrscht im Zentrum ein mediterranes Klima mit trockenen Sommern u.und feuchten Wintern. Der SSüden wird von kühlgemäßigten bis subpolaren Klimaten mit häufigen Stürmen u.und ganzjährig hohen Niederschlägen bestimmt.
Bevölkerung
Die ethn.ethnische Zusammensetzung Chiles ist mit einem Anteil von 90% Mestizen u.und Weißen im Vergleich zu anderen südamerikan.südamerikanischen Ländern sehr homogen. Zur indian.indianischen Minderheit gehören im SSüden die etwa 200 000 zum Volk der Mapuche zählenden Araukaner u.und im NNorden etwa 10 000 Aymará-Indianer. Die meisten Indianer leben in ärml.ärmlichen Verhältnissen.
C.Chile ist eine Klassengesellschaft mit einer kleinen, überwiegend weißen Oberschicht, einer für südamerikan.südamerikanische Verhältnisse relativ großen Mittelschicht u.und einer breiten Unterschicht. Die Bevölkerung wächst im südamerikan.südamerikanischen Vergleich sehr langsam, die Säuglingssterblichkeit ist die niedrigste des gesamten Kontinentes.
Während drei Viertel der Ew.Einwohner in Mittelchile leben, sind der NNorden u.und SSüden kaum bevölkert. Die meisten Chilenen wohnen in den städt.städtischen Regionen Santiago de C.Chile, Viña del Mar, Concepción u.und Valparaíso. Der Zustrom der Landbevölkerung in die städt.städtischen Zentren hält unvermindert an u.und führt zum Anwachsen der Armenviertel („Poblaciones“).
Bildung
2003 verabschiedete die chilen.chilenische Regierung ein Gesetz, das allen Bürgerinnen u.und Bürgern das Recht auf eine zwölfjährige kostenlose Schulbildung garantiert. Kinder ab fünf Jahre profitieren von einer freiwilligen Vorschulerziehung. Die Schulpflicht besteht ab dem 6. oder 7. Lebensjahr u.und umfasst die achtjährige Grundschule. Während der zweiten Grundschulhälfte gibt es die Möglichkeit, fachl.fachliche Schwerpunkt zu setzen. Mit 13 bzw. 14 Jahren kann eine Sekundarschule besucht werden, deren humanwissenschaftl.humanwissenschaftlicher Zweig in vier Jahren absolviert wird u.und die den Universitätsbesuch ermöglicht. Die technisch-berufsorientierte Richtung beinhaltet eine Fachausbildung u.und wird in 4-6 Jahren abgeschlossen. Knapp die Hälfte der Schülerinnen u.und Schüler sowie der Studierenden besucht Privatschulen bzw. private Hochschulen; dieser Zugang bleibt den Kindern aus ärmeren Bevölkerungsschichten meist verwehrt.
Staat und Politik
Gemäß der mehrfach revidierten Verfassung von 1981 ist C.Chile eine präsidiale Republik, in der dem Präsidenten die Rolle des Staatsoberhaupts u.und des Regierungschefs zufällt. Er wird für eine vierjährige Amtszeit gewählt. Die Legislative besteht aus der Abgeordnetenkammer (120 Mtglieder, Wahl alle 4 Jahre) u.und dem Senat (38 Mitglieder, auf 8 Jahre gewählt). Wichtige parteipolitische Kräfte sind die Christdemokraten (Partido Demócrata Cristiano, PDC), die gemäßigt linke Partei für die Demokratie (Partido por la Democracia, PPD), die Sozialistische Partei (Partido Socialista, PS), die Radikal-Sozialdemokratische Partei (Partido Radical Social Demócrata, PRSD) sowie die konservativen Parteien Nationale Erneuerung (Renovación Nacional, RN) u.und Unabhängige Demokratische Union (Unión Demócrata Independiente, UDI).
Wirtschaft und Verkehr
Chiles Wirtschaft basiert auf dem Reichtum an Rohstoffen, der das Land allerdings in großer Abhängigkeit vom Weltmarkt hält. Dennoch zeigt sich die Wirtschaft, auch wegen des Aufschwungs in China, seit Jahren stabil.
Landwirtschaft und Fischerei
Ein Viertel des Landes wird landwirtschaftlich genutzt; charakteristisch ist noch immer der Gegensatz zwischen Kleinstbetrieben zur Selbstversorgung u.und Großplantagen. Die Anbaugebiete konzentrieren sich auf das Große Längstal. Für den Export produziert werden neben Obst u.und Gemüse vor allem Wein u.und Holzprodukte wie Zellulose. Eine bes.besondere Rolle spielt die Lachszucht - mittlerweile hat C.Chile Norwegen vom ersten Platz beim Export von Zuchtlachs verdrängt. Der fischreiche Humboldtstrom ermöglicht eine ertragreiche Meeresfischerei.
Abhängigkeit vom Bergbau
Seit dem 19. Jh. Jahrhundert bildet der Bergbau das wirtschaftl.wirtschaftliche Rückgrat Chiles. Bis in die 1920er Jahre war Salpeter das wichtigste Exportgut, u.und noch heute steht C.Chile bei der Weltförderung von Natursalpeter an erster Stelle - ebenso wie bei der Jodförderung. Allerdings liefert das Kupfer gegenwärtig den größten Exportgewinn; ein Viertel der weltweit bekannten Kupfererzvorkommen liegen in CChile. Daneben werden Eisenerze u.und fossile Brennstoffe wie Erdöl, Erdgas u.und Kohle gefördert. Die Industrie basiert auf der Verarbeitung von Nahrungsmitteln u.und Bergbauprodukten.
Tourismus in den Anfängen
Chiles tourist.touristisches Potenzial gilt mit derzeit 1,6 Mio. Auslandsgästen im Jahr als ausbaufähig. Beliebte Ziele sind die Fjord- u.und Gletscherlandschaften im SSüden u.und die Atacama-Wüste im NNorden. Zu den Stätten des UNESCO-Weltkulturerbes zählen die Holzkirchen auf der Insel Chiloé, das histor.historische Viertel der Hafenstadt Valparaíso, der Nationalpark Rapa Nui auf der zu C.Chile gehörenden Osterinsel sowie seit 2005 die Salpeterwerke von Humberstone u.und Santa Laura.
Nord-Süd-Verkehr
Das Verkehrsnetz zeigt eine Nord-Süd-Ausrichtung u.und weist in Zentralchile eine hohe Dichte auf. Die wichtigste Straßenverbindung bildet die Carretera Panamericana. Eine Eisenbahnlinie verbindet Pisagua im NNorden mit Puerto Montt im SSüden. Von ihr zweigen Querverbindungen nach Argentinien ab. Der Küstenschifffahrt kommt aufgrund der langen Küstenlinie große Bedeutung zu.
Geschichte
Spanische Kolonie
Die ersten Europäer erreichten 1536 mit einer Expedition unter Diego de Almagro den NNorden des heutigen Staatsgebietes. Fünf Jahre später stieß Pedro de Valdivia weiter nach SSüden vor u.und gründete die Stadt Santiago. Das Gebiet unterstand bis 1778 dem Vizekönig von Peru. 1810 begann der Unabhängigkeitskampf. 1818 wurde C.Chile unabhängige Republik (erstes Staatsoberhaupt Bernardo O’Higgins).
Unabhängigkeit und Prosperität
Nach einer Zeit innerer Wirren folgte seit 1833 eine Periode des wirtschaftlichen u.und polit.politischen Aufschwungs. Konflikte um die Schürfrechte im Hauptfördergebiet des Salpeters, der Atacama-Wüste, mündeten 1879-1883 in den Salpeterkrieg gegen Bolivien u.und Peru, aus dem C.Chile als Sieger hervorging. Es vergrößerte sein Staatsgebiet u.und gewann das Weltmonopol in Salpeter.
Entwicklung bis zum Sturz Allendes
Nach dem 1. Weltkriegs verschlechterten sich die wirtschaftl.wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Es setzte eine polit.politische Radikalisierung ein. Präsident Arturo Alessandri (1920-1925, 1932-1938) gelang es in den 1930er Jahren, die Folgen der Weltwirtschaftskrise zu überwinden. Im 2. Weltkrieg blieb C.Chile neutral.
In den 1960er Jahren führte die christdemokrat.christdemokratische Regierung unter Präsident Eduardo Frei tief greifende soziale u.und wirtschaftl.wirtschaftliche Reformen durch. Die gesellschaftl.gesellschaftliche Polarisierung zwischen Konservativen u.und Linken spitzte sich 1970 nach der Wahl des Sozialisten Salvador Allende zum Präsidenten weiter zu. Er verstaatlichte alle Schlüsselindustrien sowie den Finanzsektor u.und setzte die von Frei eingeleiteten Agrarreformen fort. 1973 wurde Allende von der Armeeführung gestürzt u.und kam unter ungeklärten Umständen ums Leben.
Allende, Salvador
Chile: Salvador Allende Gossens
Diktatur und Rückkehr zur Demokratie
Das Militärregime unter General A. Pinochet (seit 1974 Staatspräsident) unterdrückte die Opposition u.und beging schwere Menschenrechtsverletzungen (Folter u.und Ermordung von Regimegegnern). Gleichzeitig liberalisierte Pinochet die Wirtschaft u.und machte alle Verstaatlichungen wieder rückgängig. 1988 ergab eine Volksabstimmung eine Mehrheit gegen die Verlängerung der Amtszeit Pinochets bis 1997. Die Präsidentenwahl 1989 gewann der Christdemokrat P. Aylwin. Sein Nachfolger wurde 1994 Eduardo Frei, Sohn des gleichn.gleichnamigen Präsidenten aus den 1960er Jahren. Er förderte die Liberalisierung der Wirtschaft. Die Präsidentschaftswahlen 1999/2000 gewann der Sozialist Ricardo Lagos Escobar als Kandidat der CPPD. Die Regierung Lagos intensivierte die Aufarbeitung der Menschenrechtverletzungen während der Pinochet-Ära. Die strafrechtl.strafrechtliche Immunität Pinochets wurde aufgehoben. Reformen der Verfassung u.und des Zivilrechts (Erlaubnis der Ehescheidung 2004) trugen zur weiteren Modernisierung des Landes bei. Der Abschluss von Freihandelsabkommen mit den USA u.und Südkorea 2003 beflügelte die Wirtschaft. 2005 folgte ein Assoziierungsabkommen mit der EU. 2006 wurde mit der Sozialistin Michelle Bachelet erstmals eine Frau ins Präsidentenamt gewählt. Im selben Jahr schloss Chile als erstes südamerikanisches Land einen Freihandelsvertrag mit der Volksrepublik China. In den langjährigen chilenisch-peruanischen Streitigkeiten über den Verlauf der Seegrenze erhob Peru 2008 Klage vor dem Internationalen Gerichtshof. Um die Auswirkungen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise zu bekämpfen, initiierte die Regierung Bachelet 2009 umfangreiche Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur. Bei den Wahlen 2009/10 kam es zu einem politischen Richtungswechsel. Mit Sebastián Piñera wurde erstmals nach dem Ende der Pinochet-Ära ein Kandidat des rechten politischen Lagers zum Staatspräsidenten gewählt.
Chile: Volksabstimmung 1988
Demonstration gegen Augusto Pinochet
In der Vorstadt von Santiago de Chile umarmt ein Demonstrant der Oppositionellen einen Polizisten, der zuvor versucht hatte, die Demonstration gegen die amtierende Regierung des Militärpräsidenten Augusto Pinochet zu stoppen.
© Corbis/Bettmann/Reuters
Chile: Volksabstimmung 1988
Aylwin, Patricio













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