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LEXIKON

Deutschland

Deutschland.sgm
Offizielle Bezeichnung:
Bundesrepublik Deutschland
KFZ-Kennzeichen:
D
Fläche:
357 114 km2
Einwohner:
82,1 Mio.
Hauptstadt:
Berlin
Zeitzone:
Mitteleuropäische Zeit
Amtssprache(n):
Deutsch
Staatsform:
parlamentarische bundesstaatliche Republik
Nationalfeiertag:
3.10.
Währung:
1 Euro = 100 Cent
Deutschland.sgm country.box
Aufgrund seiner Lage „mitten in Europa“ haben sich in Deutschland schon immer eine Vielzahl politischer, sozialer und geistig-kultureller Einflüsse durchdrungen. Die meiste Zeit seiner Geschichte in viele Länder und Territorien zersplittert, gehört das Land zu den „späten“ Nationalstaaten. Zum großen Teil verantwortlich für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs und schuld an der Entfesselung des Zweiten Weltkriegs, hat sich Deutschland nach der Überwindung der nationalsozialistischen Unrechtsherrschaft zu einer stabilen, in Europa fest verankerten Demokratie und zu einem der wirtschaftlich stärksten und reichsten Staaten der Welt entwickelt. Heute stellen die Gestaltung der 1990 wieder gewonnenen politischen Einheit, der Wandel von der Industrie- zu einer im globalen Wettbewerb stehenden Dienstleistungsgesellschaft und die Sicherung des sozialen Friedens das Land vor große Herausforderungen.

Natur und Klima

Seit dem MAMittelalter wurde das Land vom Menschen urbar gemacht, so dass heute nur noch Restflächen, vor allem in den Höhenlagen, ihren ursprüngl.ursprünglichen Charakter bewahrt haben. Der überwiegende Teil der trotz der dichten Besiedlung immer noch großen Waldfläche ist aufgeforstet worden. Von NNorden nach SSüden gliedert sich D.Deutschland in drei Landschaftszonen: das Norddeutsche Tiefland, die Mittelgebirge u.und die Alpen mit dem Alpenvorland.

Norddeutsches Tiefland

Das Norddeutsche Tiefland umfasst das Gebiet zwischen der Nord- u.und Ostseeküste u.und dem Mittelgebirgsrand. Die Nordsee wird von einem flachen Wattenmeer gesäumt, das bis an die Inselketten der Nordfriesischen u.und Ostfriesischen Inseln - von Sylt bis Borkum - reicht. Die dt.deutsche Ostsee weist teils eine sandige Flachküste, teils eine felsige Steilküste auf, die von zahlreichen Haffs, Nehrungen u.und tiefen Buchten begleitet wird. Im östl.östlichen Abschnitt der Ostsee liegt mit Rügen die größte dt.deutsche Insel.
Die flachen Hügel, Täler u.und Seen des Norddeutschen Tieflandes wurden von eiszeitl.eiszeitlichen Gletschern geschaffen. Zu den höchsten Erhebungen zählen die von NWNordwesten nach SOSüdosten verlaufenden Endmoränenzüge. Ihr südl.südlicher Rücken reicht von der Unterelbe über die Lüneburger Heide u.und den Fläming bis zur Niederlausitz, der nördliche von Ost-Holstein über Mecklenburg bis in das nordöstl.nordöstliche Brandenburg. Nördlich davon erstreckt sich eine flachhügelige Grundmoränenlandschaft, in denen einst Gletscher die Seen Mecklenburgs u.und der Holsteinischen Schweiz ausgehobelt haben. Südlich der Endmoränenwälle folgen weite, teils verheidete Sanderflächen. Sie werden nach SSüden von breiten, auf weiten Strecken von den heutigen Flüssen benutzten Urstromtälern begrenzt, die im Tal von Elbe u.und Weser zusammenlaufen.
Am Übergang zum Mittelgebirge greift das Tiefland in mehreren Buchten bis weit in das Bergland hinein: zwischen Eifel u.und Bergischem Land die Niederrheinische bzw. Kölner Bucht, zwischen Sauerland u.und Teutoburger Wald die Westfälische bzw. Münsterländer Bucht u.und zwischen Harz u.und Sächsischem Bergland die Leipziger Bucht.
Die ursprüngl.ursprünglichen Laubwälder des Norddeutschen Tieflandes sind zu großen Teilen Weiden, Wiesen u.und Ackerflächen gewichen. Auf vielen ehem.ehemaligen Waldflächen wächst heute Heidevegetation. Die Lüneburger Heide ist ein Beispiel für eine solche, durch den Menschen geschaffene Kulturlandschaft. Im NWNordwesten des Tieflandes sind die Eichen-Birken-Wälder von Hochmooren durchsetzt, auf sandigen Böden dominieren Kiefern-Eichen-Wälder.

Mittelgebirge

Die vielgestaltige Mittelgebirgszone im Zentrum Deutschlands besteht aus Hochflächen u.und Becken, Schichtstufenlandschaften u.und vulkan.vulkanischen Formen. Mit 1493 m ist der Feldberg im Schwarzwald die höchste Erhebung. Zusammen mit den französ.französischen Vogesen bildete der Schwarzwald einst einen einheitl.einheitlichen Gebirgskomplex, der durch den Einbruch des Oberrheingrabens geteilt wurde u.und sich heute nach NNorden im Pfälzer Wald u.und im Odenwald fortsetzt. Östlich davon erstreckt sich jenseits der Senke des Kraichgaus u.und des unteren Maintals das Schwäbisch-Fränkische Schichtstufenland mit Becken, Höhenzügen u.und der bes.besonders markanten 400 m hohen Steilstufe der Schwäbischen Alb. Der Bayerische Wald im SOSüdosten Deutschlands erreicht im 1456 m hohen Großen Arber seinen höchsten Punkt u.und setzt sich nach NNorden im Oberpfälzer Wald fort.
Den nordwestl.nordwestlichen Abschnitt der Mittelgebirge bildet das Rheinische Schiefergebirge, zu dem Hunsrück u.und Taunus, Eifel u.und Westerwald sowie Siegerland, Sauerland u.und Rothaargebirge zählen. Dieses Gebirge wird in einem engen Tal vom Rhein durchbrochen; Eifel u.und Hunsrück werden durch die Mosel getrennt, Westerwald u.und Taunus durch die Lahn. Die Hochflächen des Schiefergebirges sind nur dünn besiedelt, die Täler hingegen bevorzugte Siedlungsräume. Die Eifel zeigte noch in jüngster geolog.geologischer Vergangenheit vulkan.vulkanische Aktivität; Lavaströme u.und Vulkane wie der Mosenberg haben diese Landschaft gestaltet u.und die mit Wasser gefüllten Krater der Eifelmaare hinterlassen.
Das steile Gebirgsmassiv des Harzes, des nördlichsten dt.deutschen Mittelgebirges, erreicht seinen Gipfel im 1142 m hohen Brocken. Wie die meisten Mittelgebirge hat der Harz im Laufe der Erdgeschichte neben Faltung u.und Vulkanismus mehrere Hebungs- u.und Senkungsphasen hinter sich. Heute zeigt sich die herausgehobene Scholle als ein von der Abtragung zu einem Rumpf eingeebnetes Gebirge. Dem Harz schließen sich im SSüden u.und SOSüdosten die Schollen des Thüringer Waldes, des Fichtelgebirges, des Erzgebirges u.und des Lausitzer Berglandes an. Im Elbsandsteingebirge durchbricht die Elbe die Mittelgebirgslandschaft.
Im Zentrum der Mittelgebirgszone liegt das Hessische Bergland mit heute inaktiven Vulkanen wie dem Vogelsberg (773 m) u.und der Rhön (Wasserkuppe, 950 m). Durch das Bergland führen alte Handelswege, die über den Leinegraben bzw. durch das Weserbergland ins Norddeutsche Tiefland führen.
Die meisten durch D.Deutschland fließenden Flüsse entspringen in den Mittelgebirgen, nur die Rheinquelle liegt in den Schweizer Alpen. Rhein, Ems, Weser, Elbe u.und Oder folgen dem natürl.natürlichen Gefälle der Mittelgebirge zum Norddeutschen Tiefland u.und entwässern in die Nord- u.und Ostsee. Über den Schwarzwald u.und die Schwäbische Alb verläuft die europ.europäische Wasserscheide. Alle östlich von ihr entspringenden Gewässer einschl.einschließlich der Donau u.und ihrer Nebenflüsse entwässern ins Schwarze Meer.
Viele Mittelgebirge wie der Schwarzwald, der Thüringer Wald u.und der Bayerische Wald verdanken ihren Namen ehem.ehemals dichter Waldbedeckung. Die im 8. Jh. Jahrhundert einsetzende Rodung löste die ursprünglich geschlossenen Laubwälder in kleine Waldinseln auf. Heute dominieren in den unteren Lagen Buchenwälder, die mit der Höhe in Buchen-Fichten-Wälder übergehen. Ab dem 19. Jh. Jahrhundert wurden Kiefer- u.und Fichtenforste gepflanzt. Die höchsten Gipfel der Mittelgebirge liegen schon oberhalb der Baumgrenze.

Alpenvorland und Alpen

Das hügelige Alpenvorland südlich der Donau baut sich aus Sedimenten auf, die sich in einer Randsenke der Alpen abgelagert haben. Eiszeitliche Gletscher haben hügelige Moränenlandschaften u.und weite Schotterplatten geschaffen. Rinnenseen u.und Zungenbeckenseen wie der Bodensee, der Ammersee u.und der Starnberger See, der Tegern- u.und der Chiemsee sind Zeugen dieser Gletscheraktivität. Den Seen schließen sich nach NNorden die Endmoränenzüge der letzten Eiszeit an. Nördlich davon erstreckt sich mit der Iller-Lech-Platte u.und der Münchner Ebene das Altmoränengebiet. Außerhalb des Einzugsgebietes der Gletscher treten ältere hügelige Ablagerungen an die Oberfläche. Sind diese wie im Dungau südöstlich von Regensburg mit Löß bedeckt, bilden sie fruchtbare Ackerböden. Im restl.restlichen Alpenvorland erschweren nährstoffarme Böden den Ackerbau, so dass die Viehwirtschaft weithin dominiert. Das von zahlreichen Mooren durchsetzte Alpenvorland wird von Bergmischwäldern bedeckt, die auf Kalkschottern in reine Kieferwälder übergehen. Das Alpenvorland steigt von der Donau bis zum Alpenrand von 300 m auf 800 m Höhe an.
Die dt.deutschen oder Bayerischen Alpen beschränken sich auf den nördlichsten Abschnitt der Nördlichen Kalkalpen zwischen Bodensee u.und Salzach. Das Gebirge steigt vom Alpenvorland über die waldreichen, rundl.rundlichen Flyschvorberge bis zum Wettersteingebirge an, wo mit der 2962 m hohen Zugspitze Deutschlands höchster Berg liegt. Höchster Gipfel der Allgäuer Alpen ist die Hochfrottspitze (2649 m), in den Berchtesgadener Alpen der Watzmann (2713 m). Die eiszeitl.eiszeitliche Vergletscherung hat Kerbtäler zu Trogtälern umgeformt u.und unter den spitzen Berggipfeln teils mächtige Kare entstehen lassen. Auch der Königssee in den Berchtesgadener Alpen verdankt seine Entstehung der Arbeit von Gletschern.
In den dt.deutschen Alpen überwiegen Bergmischwälder mit Buchen, Bergahorn u.und Fichten. Mit zunehmender Höhe nimmt der Anteil der Nadelbäume zu. Oberhalb der Waldgrenze in etwa 1800 m Höhe schließt sich ein Krummholzgürtel an, der dann in einen Zwergstrauchgürtel u.und schließlich in alpine Matten übergeht.

Geschützte Natur

Die hohe Bevölkerungsdichte u.und die intensive landwirtschaftl.landwirtschaftliche Nutzung machen umfangreiche Maßnahmen zum Erhalt von naturnahen Landschaften u.und zum Schutz der Artenvielfalt erforderlich. D.Deutschland hat insges.insgesamt 14 Nationalparks, die ältesten sind der Nationalpark Bayerischer Wald (1970) u.und der Nationalpark Berchtesgaden (1978). Die flächenmäßig größten Schutzgebiete bilden die Nationalparks Schleswig-Holsteinisches u.und Niedersächsisches Wattenmeer. Das Bundesnaturschutzgesetz sieht zahlreiche weitere Instrumentarien zum Landschaftsschutz vor. Dazu zählen Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete, Naturparks u.und Biosphärenreservate. Die von der UNESCO im Programm „Man and Biosphere“ ausgewiesenen Biosphärenreservate dienen dem Schutz der vom Menschen geschaffenen Kulturlandschaften. In D.Deutschland gibt es 14 davon, die zusammen genommen 4,6% der Staatsfläche bedecken.

Klima: maritim bis kontinental

Charakteristisch für das gemäßigte Klima Deutschlands ist der häufige Wechsel zwischen feuchtkühlen (im Winter feuchtmilden) Tiefdruck- u.und trockenwarmen (im Winter trockenkalten) Hochdruckwetterlagen. Im WWesten herrscht maritimes Klima mit mäßig warmen Sommern u.und relativ milden Wintern. Die Durchschnittstemperaturen in Aachen liegen im Juli bei 17,6 °C, im Januar bei 1,8 °C. Nach OOsten nimmt das Klima mit warmen Sommern u.und kühlen Wintern kontinentale Züge an. So liegen in Berlin die Durchschnittstemperaturen im Sommer bei 18,0 °C u.und im Winter bei -1,1 °C. Auch nach SSüden nimmt mit ansteigender Höhe die Kontinentalität zu.
Westwinde bringen das ganze Jahr über feuchte atlant.atlantische Luftmassen bis weit in das Land hinein u.und sorgen ganzjährig für Regen. Dabei empfangen die Westseiten der Gebirge wesentlich mehr Niederschläge als die östlichen. Aufgrund des sehr differenzierten Reliefs u.und des Wechsels zwischen maritimem u.und kontinentalem Klima gibt es bei der Niederschlagsmenge deutl.deutliche Abweichungen: Während in Aachen 805 mm Niederschlag fallen, sind es in Berlin nur 527 mm. Im Schutz der Gebirge liegen Wärmeinseln, z. B. die Oberrheinische Tiefebene, u.und Trockeninseln wie das Mainzer Becken u.und die Leipziger Bucht. Im OOsten u.und in den Höhenlagen der Mittelgebirge u.und Alpen schneit es häufiger als im WWesten u.und im Flachland. Im Norddeutschen Tiefland bestehen 10% der Niederschläge aus Schnee, im Gebirge schon 30%. Die Dauer der Schneedecke steigt mit zunehmender Kontinentalität u.und Höhenlage: In Norderney bleibt der Schnee im Durchschnitt neun Tage, in den Höhenlagen der Mittelgebirge 150 Tage liegen. Im Wettersteingebirge u.und in den Berchtesgadener Alpen wird die klimat.klimatische Schneegrenze überschritten, d. h., es liegt ganzjährig Schnee.

Bevölkerung

Mit über 82,5 Mio. Ew.Einwohnern ist D.Deutschland der bevölkerungsreichste Staat der Europäischen Union. Die Bevölkerung ist jedoch recht ungleich verteilt. Neben den Stadtstaaten Berlin, Bremen u.und Hamburg weist Nordrhein-Westfalen die höchste Bevölkerungsdichte auf. Unter dem Bundesdurchschnitt liegen mit Ausnahme von Sachsen die ostdt.ostdeutschen Länder. Dünn besiedelt sind auch Niedersachsen, Bayern u.und Schleswig-Holstein. Zu den ältesten dt.deutschen Ballungsräumen gehören das Ruhrgebiet sowie die mitteldt.mitteldeutschen Industriegebiete um Halle-Leipzig u.und Chemnitz-Zwickau. Daneben konzentriert sich die Bevölkerung auf das Rhein-Neckar- u.und das Rhein-Main-Gebiet u.und das Saarland sowie um Hannover (Niedersachsen), Nürnberg, München (Bayern), Stuttgart (Baden-Württemberg) u.und Dresden (Sachsen). Bevölkerungsreichste Stadt ist mit rd.rund 3,4 Mio. Ew.Einwohnern die Hptst.Hauptstadt Berlin. Weitere Millionenstädte sind Hamburg u.und München. Insges.Insgesamt gibt es 82 Großstädte mit jeweils mehr als 100 000 EwEinwohnern.
Die Entwicklung der Städte geht auf die Römerzeit zurück (Köln, Bonn, Trier, Augsburg u. a.). Die Städte des MAMittelalters haben sich oft in der Nähe von Bischofssitzen (Würzburg, Hildesheim, Magdeburg u. a.) oder Kaiserpfalzen (Aachen, Goslar, Quedlinburg) entwickelt. Seit dem 11. Jh. Jahrhundert entstanden echte Gründungsstädte mit regelmäßigem Grundriss (bes.besonders in Süddeutschland). Auch die Städte der dt.deutschen Ostsiedlung sind planmäßig angelegt. Im Barockzeitalter wurden prächtige Residenzstädte (Dresden, Karlsruhe, Mannheim u. a.) erbaut. Kriegszerstörung u.und Wiederaufbau haben das Bild der historisch gewachsenen Städte stark verändert. Dazu kommt die Entstehung neuer Stadtviertel u.und Teilstädte am Rande von Ballungsräumen.

Demographische Entwicklung

Nachdem die Einwohnerzahl zwischen 1855 u.und 1910 von 34,6 Mio. auf 62,1 Mio. angestiegen war, stabilisierte sie sich im 20. Jh. Jahrhundert aufgrund sinkender Geburtenrate u.und wachsender Lebenserwartung. Um 1960 kamen in der Bundesrepublik auf 1000 Ew.Einwohner 17 Geburten u.und 11 Sterbefälle. 1972 gab es erstmals einen Sterbeüberschuss. Seitdem ist der Bevölkerungszuwachs - zwischen 1970 u.und 1989 von 60,7 Mio. auf 62,1 Mio. - in erster Linie auf die Zuwanderung von Ausländern zurückzuführen. In der DDR, die weniger davon betroffen war, sank die Bevölkerung im selben Zeitraum von 17,1 Mio. auf 16,6 Mio. Auch im vereinigten D.Deutschland lag die Geburtenrate immer unter der Sterberate. Statistisch gesehen bekommt eine Frau heute 1,3 Kinder - einer der weltweit niedrigsten Werte. Andererseits ist der jährl.jährliche Wanderungssaldo zwischen dem In- u.und Ausland seit 1991 immer positiv gewesen, d. h., es kamen mehr Menschen nach D.Deutschland als das Land verließen, so dass die Einwohnerzahl weiterhin anstieg. Die abnehmende Zuwanderung u.und die geringe Geburtenrate bewirkten 2004 erstmals den Rückgang der Bevölkerung um rd.rund 30 000 EwEinwohner.
Die statist.statistische Lebenserwartung liegt bei einem heute geborenen Mann bei 76 Jahren, bei einer Frau beträgt sie 82 Jahre. Geburtenrückgang u.und Anstieg der Lebenserwartung führen langfristig zur „Überalterung“ der dt.deutschen Bevölkerung. So sank der Anteil der unter 15-Jährigen zwischen 1990 u.und 2007 von 16,2% auf 13,9%; im selben Zeitraum stieg der Anteil der über 65-Jährigen von 14,9% auf 19,8% an.

Vertriebene, Aus- und Umsiedler

Zwischen 1945 u.und 1949 nahm die BR DeutschlandBundesrepublik Deutschland etwa 12 Mio. Vertriebene u.und Flüchtlinge aus den ehem.ehemals dt.deutschen Ostgebieten auf. Außerdem setzten sich bis zum Bau der Berliner Mauer 1961 rd.rund 3,5 Mio. Bewohner aus der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) bzw. der DDR in den WWesten ab. Zwischen 1950 u.und 1987 immigrierten zusätzlich 1,4 Mio. Deutschstämmige aus Osteuropa u.und der Sowjetunion; 1988-2008 waren es noch einmal rd.rund 4 Mio. Aussiedler bzw. Spätaussiedler.
Auch in der SBZ bzw. DDR nahm die Bevölkerung nach 1945 durch Flüchtlinge u.und Aussiedler zunächst zu, doch kam es infolge der starken Abwanderung in die Bundesrepublik bis 1961 dort per saldo zu einem Bevölkerungsrückgang. Mit der demokrat.demokratischen Wende 1989 setzte erneut eine starke Abwanderung Richtung Westdeutschland ein. Seit 1991 zogen 2,2 Mio. Menschen aus den neuen Bundesländern in das frühere Bundesgebiet, in umgekehrter Richtung 1,2 Mio.

Ausländer

Ab den 1950er Jahren regelten bilaterale Anwerbeabkommen die Einwanderung ausländ.ausländischer Arbeitnehmer in die Bundesrepublik. Die ersten Gastarbeiter kamen aus Italien, bis zum Anwerberstopp 1973 folgten ihnen Spanier, Griechen, Türken u.und Jugoslawen. In der DDR gab es ab den 1960er Jahren so genannte Vertragsarbeiter aus anderen sozialist.sozialistischen Ländern, z. B. Mosambik u.und Vietnam; die meisten von ihnen kehrten wieder zurück.
Heute machen Ausländer 8,8% der Gesamtbevölkerung aus, etwa eine Million sind anerkannte Flüchtlinge u.und deren Familienangehörige. Über die Hälfte der in D.Deutschland lebenden Ausländer stammt aus den ehem.ehemaligen Anwerbestaaten; die größte Gruppe bilden die rd.rund 1,7 Mio. Türken, gefolgt von jeweils einer halben Million Italienern u.und Serben bzw. Montenegrinern. Ein geändertes Staatsangehörigkeitsrecht, das die Einbürgerung erleichterte, ließ die Zahl der Ausländer seit 2000 kontinuierlich von etwa 7,3 Mio. auf 6,7 Mio. (Ende 2006) sinken.

Ethnische Minderheiten

Größte Minderheit bilden die 60 000 Sorben, ein slaw.slawisches Volk in der Lausitz u.und im Spreewald. Weitere anerkannte Minderheiten sind die etwa 50 000 Sinti u.und Roma, die über ganz D.Deutschland verteilt vor allem an den Stadträndern leben, die 50 000 Dänen in Südschleswig sowie die 12 000 dt.deutschen Friesen in Nordfriesland u.und Niedersachsen.

Religion

Landeskirchen Deutschlands
Landeskirchen Deutschlands
Evangelische Landeskirche Anhalt
Evangelische Landeskirche in Baden
Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern
Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz
Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig
Bremische Evangelische Kirche
Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers
Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck
Lippische Landeskirche
Evangelische Kirche in Mitteldeutschland
Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (»Nordkirche«)
Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg
Evangelische Kirche der Pfalz
Evangelisch-reformierte Kirche
Evangelische Kirche im Rheinland
Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens
Evangelisch-Lutherische Landeskirche Schaumburg-Lippe
Evangelische Kirche von Westfalen
Evangelische Landeskirche in Württemberg
Landeskirchen Deutschlands standard.tables
Nach Artikel 4 des Grundgesetzes sind die Freiheit des Glaubens, des Gewissens u.und die Freiheit des religiösen u.und weltanschaul.weltanschaulichen Bekenntnisses unverletzlich. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet. 66,8% der Bevölkerung gehören christl.christlichen Kirchen an, jeweils 33,4% der ev.evangelischen u.und der kath.katholischen Konfession; 30% gehören anderen Konfessionen an oder sind bekenntnislos. Der ev.evangelische Volksteil überwiegt im NNorden u.und OOsten, der kath.katholische im SSüden Deutschlands. Rheinland-Pfalz, Saarland u.und Bayern sind mehrheitlich kath.katholisch, in Baden-Württemberg u.und Nordrhein-Westfalen sind beide Konfessionen etwa gleich stark, in den übrigen Bundesländern überwiegen die Protestanten. - Die jüdische Gemeinde zählt etwa 88 000 Mitglieder.
Seit der Zuwanderung zahlreicher ausländ.ausländischer Arbeiter leben heute 3,2 Mio. Muslime, zumeist Türken, u.und 200 000 Buddhisten in DDeutschland. Der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von D.Deutschland gehören etwa eine halbe Mio. Gläubige an.

Bildung

Das Grundgesetz stellt das Bildungswesen grundsätzlich in die Verantwortung der Länder, bundesweit koordiniert durch die ständige Konferenz der Kultusminister. Schulpflicht besteht ab dem sechsten Lebensjahr für 9-10 Jahre. Die vierjährige Grundschule (in Berlin u.und Brandenburg sechsjährig) deckt den Primarbereich ab. Ihr folgt die weiterführende Sekundarschule, die sich in verschiedene Schulzweige gegliedert. Der fünf- bis sechsjährige Besuch einer Hauptschule ist Voraussetzung für eine zwei- bis dreijährige Berufsausbildung, die vom Unterricht an einer Berufsschule begleitet wird (sog. duales System). Die sechsjährige Realschule schließt mit der „Mittleren Reife“ ab, die zum Besuch einer Fachoberschule, eines Fachgymnasiums oder Gymnasiums befähigt. Das insges.insgesamt acht- bis neunjährige Gymnasium gliedert sich in die Sekundarstufe I (5.-10. Klasse) u.und die zwei- bis dreijährige Sekundarstufe II. Sie schließt mit dem Abitur ab, das zum Hochschulstudium berechtigt. In einigen Bundesländern gibt es darüber hinaus Gesamtschulen, die alle drei Schulabschlüsse an einer Schule anbieten. Im Rahmen des Bildungsreformprogrammes der Bundesregierung wurden 2003 die ersten Ganztagsschulen aufgebaut. In D.Deutschland gibt es 365 Hochschulen, davon 100 Universitäten u.und Gesamthochschulen.
Das Schulsystem der DDR war ganz auf die „Entwicklung der sozialist.sozialistischen Gesellschaft“ ausgerichtet u.und streng zentralistisch organisiert. Als pädagog.pädagogischer Grundsatz galt die Verbindung von Unterricht u.und produktiver Arbeit (polytechn.polytechnischer Unterricht). Wehrerziehung war Bestandteil des Unterrichts auf allen Stufen. Pflichtschule war die Polytechnische Oberschule. Vom 9. Schuljahr an gab es bes.besondere Vorbereitungsklassen für die zweijährige Erweiterte Oberschule (EOS), die zur Hochschulreife führte. Dieses System wurde nach der Wiedervereinigung aufgegeben. Doch führten nicht alle Länder das westdt.westdeutsche dreigliedrige Schulsystem ein. In Sachsen etwa gibt es statt der Haupt- u.und der Realschule die Mittelschule.
Mit den Ergebnissen der sog. PISA-Studie der OECD ist das dt.deutsche Bildungswesen in die Kritik geraten. Bemängelt werden u. a. die schlechten Bildungschancen von Kindern aus sozial schwachen u.und Migrantenfamilien sowie die teils großen Leistungsunterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern.

Staat und Politik

Die BR DeutschlandBundesrepublik Deutschland ist ein Bundesstaat, der am 7. 9. 1949 auf der Grundlage des Grundgesetzes (GG) aus 11 westdt.westdeutschen Ländern gebildet wurde. Nach dem Zusammenschluss dreier südwestdt.südwestdeutscher Länder zum Land Baden-Württemberg (1952), der Rückkehr des Saarlandes zu D.Deutschland (1957) u.und der Wiedervereinigung mit den Ländern der bisherigen DDR (1990) besteht die BR DeutschlandBundesrepublik Deutschland aus 16 Ländern.
Staatsoberhaupt ist der Bundes-PräsBundespräsident. Er wird von der Bundesversammlung gewählt, einem Verfassungsorgan, das nur zu diesem Zweck zusammentritt; sie besteht aus den Bundestagsabgeordneten u.und einer gleichen Zahl von Mitgliedern, die von den Volksvertretungen der Länder gewählt werden. Der Bundes-Präs.Bundespräsident wird auf fünf Jahre gewählt, einmalige Wiederwahl ist zulässig. Seine Aufgaben sind im Wesentlichen repräsentativ.
Gesetzgebungsorgane sind Bundestag u.und Bundesrat. Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden vom Volk auf vier Jahre gewählt. Durch den Bundesrat wirken die Länder an der Gesetzgebung u.und Verwaltung der Bundesrepublik mit. Er wird nicht gewählt, sondern besteht aus Mitgliedern der Landesregierungen oder deren Bevollmächtigten. Ein Land hat je nach seiner Einwohnerzahl 3, 4, 5 oder 6 Stimmen im Bundesrat. Der Bundesrat wählt aus dem Kreis der Regierungschefs der Länder nach einem feststehenden Turnus für jeweils ein Jahr seinen Präsidenten. Bundesgesetze werden vom Bundestag beschlossen. Sie bedürfen der förml.förmlichen Zustimmung des Bundesrates in den vom GG ausdrücklich vorgesehenen Fällen, vor allem dann, wenn Interessen der Länder in bes. Maße berührt werden.
Die Bundesregierung besteht aus dem Bundeskanzler u.und den Bundesministern. Der Bundeskanzler wird vom Bundestag auf Vorschlag des Bundes-Präs.Bundespräsidenten gewählt. Die Bundes-Min.Bundesminister werden vom Bundes-Präs.Bundespräsidenten auf Vorschlag des Bundeskanzlers ernannt. Der Bundeskanzler bestimmt die Richtlinien der Politik. Der Bundeskanzler kann nur durch das so genannte konstruktive Misstrauensvotum gestürzt werden: Wenn ihm der Bundestag das Misstrauen aussprechen will, muss er zugleich mit der Mehrheit seiner Stimmen einen Nachfolger wählen.
Die Länder der BR DeutschlandBundesrepublik Deutschland haben eigene Verfassungen, die in ihren Grundsätzen dem GG entsprechen. In den meisten Ländern ist das Volk durch Volksentscheid u.und Volksbegehren auch unmittelbar an der Ausübung der Staatsgewalt beteiligt. Die Regierung eines Landes heißt meist Landesregierung, in einigen Ländern Staatsregierung, in den drei Stadtstaaten Senat. Der Regierungschef führt in den Flächenstaaten den Titel Min.-Präs.Ministerpräsident, in Berlin Regierender Bürgermeister, in Bremen Senatspräsident, in Hamburg Erster Bürgermeister. Den Ministern der Flächenstaaten entsprechen in den Stadtstaaten die Senatoren.
Im 2009 gewählten Bundestag sind folgende Parteien vertreten: die Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU), die Christlich-Soziale Union in Bayern (CSU), die Freie Demokratische Partei (FDP), die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), das Bündnis 90/Die Grünen u.und die Partei Die Linke. Weitere Parteien sind in den parlamentar.parlamentarischen Körperschaften auf Landes- u.und kommunaler Ebene vertreten.
Träger der Gerichtsbarkeit sind der Bund u.und die Länder. Bundesgerichte sind: Bundesverfassungsgericht, Bundesgerichtshof, Bundesverwaltungsgericht, Bundesarbeitsgericht, Bundessozialgericht, Bundesfinanzhof, Bundespatentgericht u.und Bundesdisziplinarhof. Alle übrigen Gerichte sind Gerichte der Länder.

Wirtschaft und Verkehr

Mit der Wiedervereinigung am 3. 10. 1990 wurden zwei völlig verschiedene Wirtschaftssysteme zusammengeführt: die soziale Marktwirtschaft der BR DeutschlandBundesrepublik Deutschland, die eng mit den anderen westl.westlichen Staaten verzahnt ist, u.und die Planwirtschaft der DDR, die einer staatlich gelenkten Zentralverwaltung unterstand u.und im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW bzw. COMECON) eingebunden war. Während die Wirtschaft der Bundesrepublik nach Kriegsende durch den Marshallplan (ERP) „angeschoben“ wurde u.und bis Anfang der 1970er Jahre meist hohe Zuwachsraten aufwies, musste die DDR bis 1953 umfangreiche Reparationszahlungen an die Sowjetunion leisten. Dennoch konnte sich die DDR zu dem Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen unter den Ostblockländern entwickeln.
Im Zuge der demokrat.demokratischen Wende vereinbarten beide dt.deutsche Staaten zum 1. 7. 1990 eine Währungs-, Wirtschafts- u.und Sozialunion. Bund u.und Länder förderten nach 1990 mit umfangreichen Investitionen die Verbesserung der Infrastruktur u.und den wirtschaftl.wirtschaftlichen Umbau in Ostdeutschland; viele Betriebe mussten jedoch wegen veralteter Technologien u.und wenig effektiver Organisationsformen schließen. Die daraus entstandenen sozialen u.und finanziellen Schwierigkeiten waren auch 15 Jahre nach der polit.politischen Einheit noch nicht überwunden. Zentrales Problem war die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit, die eine seit 2001 entweder nur wenig oder gar nicht gewachsene Wirtschaft nicht beseitigen konnte. Dabei stand einer sehr starken Außenwirtschaft - D.Deutschland ist vor den USA das exportstärkste Land der Welt - eine schwache Binnenkonjunktur gegenüber. Auch blieb die Lage der öffentl.öffentlichen Haushalte infolge der Wachstumsschwäche u.und der durch Arbeitslosigkeit u.und „Überalterung“ der Gesellschaft gestiegenen Sozialkosten angespannt. 2006 konnte eine leichte Belebung des Binnenmarktes u.und ein deutl.deutliches Wirtschaftswachstum (2,8%) verzeichnet werden, so dass sich auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt spürbar verbesserte.

Effektive Landwirtschaft

D.Deutschland deckt trotz zunehmender Stilllegung von Betrieben drei Viertel seines Nahrungsmittelbedarfs aus eigener Produktion. Während in Westdeutschland bäuerl.bäuerliche Familienbetriebe vorherrschen, dominieren in Ostdeutschland große Betriebsflächen, die als Erbe der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) u.und Volkseigenen Güter (VEG) heute in neuen Genossenschaften u.und GmbHs bewirtschaftet werden. Über die Hälfte der Agrarbetriebe werden in D.Deutschland im Nebenerwerb bewirtschaftet.
Fast 70% der landwirtschaftlich genutzten Fläche dienen dem Ackerbau. An Getreide wird meist Weizen, Roggen u.und Gerste angebaut, regionale Schwerpunkte bildet der Anbau von Kartoffeln u.und Zuckerrüben. D.Deutschland ist der größte Hopfenproduzent der Welt u.und beliefert mehr als ein Drittel des Weltmarktes. Der Weinbau ist bis auf wenige Ausnahmen auf die alten Bundesländer beschränkt. Während die fruchtbaren Lößgebiete der Börden dem Weizen- u.und Zuckerrübenanbau dienen, dominiert in Norddeutschland u.und im Gebirge die Viehwirtschaft. Bei der EU-Milchproduktion nimmt D.Deutschland die Spitzenposition ein, bei der Fleischproduktion rangiert es auf Platz zwei. Europaweit verfügt das Land über den größten Schweine- u.und den zweitgrößten Rinderbestand.
Auf fast einem Drittel der Staatsfläche steht Wald, über die Hälfte davon unterliegt der Forstwirtschaft. Zwei Drittel sind Nadelwälder, der Rest Laubwälder. Der Fischfang hat nur geringe Bedeutung. Die dt.deutschen Fischereigebiete liegen in der Nordsee, den westbrit.westbritischen Gewässern u.und der Ostsee.

Bergbau und Energiewirtschaft

D.Deutschland verfügt über relativ wenige Rohstoffe; nur Braunkohle, Steinkohle u.und Salz bilden bedeutsame Vorkommen. Die Braunkohlelager der Niederrheinischen Bucht u.und der Leipziger Bucht machen D.Deutschland zum weltweit größten Braunkohleproduzenten. Bedeutende Steinkohlevorkommen liegen im Rheinisch-Westfälischen Industriegebiet u.und im Saarrevier, doch geht die Förderung, die hoher Subventionen bedarf, um konkurrenzfähig zu bleiben, seit den 1960er Jahren zurück. Der Abbau von Kupfer-, Eisen- u.und Uranerzen kam in den 1990er Jahren völlig zum Erliegen. Weitere Bodenschätze liefern die Steinsalz- u.und Kalisalzlagerstätten in Niedersachsen sowie die Erdgasvorkommen, die sich vor allem im Emsland befinden.
D.Deutschland importiert fast zwei Drittel seiner benötigten Primärenergie; Erdöl ist zu über einem Drittel am Gesamtverbrauch beteiligt. Auch die steigende Erdgasnachfrage wird zu großen Teilen durch Importe bedient. Der Anteil von Braunkohle, Steinkohle u.und Kernenergie am Primärenergieverbrauch beträgt heute jeweils weniger als 15%. Dagegen erfolgt die Stromerzeugung überwiegend aus Kernenergie, Braunkohle (vor allem in Ostdeutschland) u.und Steinkohle. Mehr als 9% des Strombedarfs decken erneuerbare Energieträger, allen voran die Windenergie; gemessen an der installierten Leistung hält D.Deutschland hier weltweit den Spitzenplatz.

Exportorientierte Industrie

D.Deutschland zählt zu den führenden Industrienationen der Welt mit einer Vielzahl international tätiger Unternehmen, deren jüngste Entwicklung von der wachsenden Globalisierung geprägt wird. Im WWesten Deutschlands haben auch mittelständ.mittelständische Unternehmen traditionell eine starke Stellung. Durch die steigenden Exporte werden heute fast 40% des industriellen Umsatzes im Auslandsgeschäft erzielt. Dennoch ist die Zahl der Arbeitsplätze in der Industrie aufgrund von Rationalisierungsmaßnahmen u.und durch die Auslagerung arbeitsintensiver Branchen ins Ausland stark rückläufig.
D.Deutschland verfügt über eine breite Palette von Investitionsgüterindustrien, u. a. im Maschinen-, Automobil- u.und Luftfahrzeugbau. D.Deutschland ist der drittgrößte Automobilproduzent der Welt, der Fahrzeugbau ist vor dem Maschinenbau die umsatzstärkste Branche. Auch die elektrotechn.elektrotechnische Industrie u.und die Computertechnik sind wichtige Industriezweige. Zu Innovationszentren haben sich im WWesten insbes.insbesondere die Regionen Stuttgart u.und München sowie das Rhein-Main-Gebiet entwickelt, im OOsten die Städte Dresden, Zwickau, Leipzig u.und Eisenach.
Fertigungsstraße
Fertigungsstraße bei Audi
Fertigungsstraße in den Audi-Werken bei Ingolstadt
Fertigungsstraße img
Die Industrie der DDR basierte anfangs auf den reichen Braunkohlelagern u.und der chem.chemischen Industrie. Viele Industriebetriebe gerieten nach der Wiedervereinigung in wirtschaftl.wirtschaftliche Schwierigkeiten, da die ehem.ehemaligen Absatzmärkte in Osteuropa entfielen. Allein zwischen 1990 u.und 1994 verschwanden rd.rund 2 Mio. industrielle Arbeitsplätze.

Dienstleistungssektor und Tourismus

Wichtigster Wirtschaftszweig ist der Dienstleistungssektor, der 70% des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet u.und 72% der Erwerbstätigen beschäftigt. Durch die starke Einbindung Deutschlands in den Weltmarkt kommt dem Handel große Bedeutung zu. Weitere wichtige Zweige sind die Finanz- u.und Versicherungswirtschaft, die Forschung u.und Entwicklung, verschiedene verbraucherorientierte Dienst- u.und Serviceleistungen sowie der öffentl.öffentliche Dienst.
Über 20 Mio. ausländ.ausländische Touristen, vor allem aus den Niederlanden, USA u.und Großbritannien, besuchen jedes Jahr DDeutschland. Schwerpunkt bildet der Städtetourismus, der neben Berlin u.und München histor.historische Zentren wie Heidelberg u.und Weimar ansteuert. Auch landschaftlich hat D.Deutschland viel zu bieten: im NNorden neben dem Wattenmeer u.und den Nord- u.und Ostfriesischen Inseln die Ostseeinsel Rügen, die Mecklenburgische Seenplatte u.und die Lüneburger Heide. Die Mittelgebirge warten u. a. mit dem sagenumwobenen Harz, der vulkan.vulkanischen Eifel u.und dem dicht bewaldeten Schwarzwald auf. Das mittlere Rheintal zwischen Köln u.und Mainz blickt mit seinen rd.rund 60 Burgen u.und der Loreley auf eine lange tourist.touristische Tradition zurück. Auch die dt.deutschen Alpen bergen zahlreiche tourist.touristische Attraktionen wie die Berchtesgadener Alpen mit dem Königssee. 32 dt.deutsche Stätten stehen auf der Weltkulturerbe-Liste der UNESCO. Dazu gehören Kirchenbauten wie der Aachener Dom, alte Zentren wie die Altstadt von Bamberg u.und Industriedenkmäler wie die Zeche Zollverein in Essen.

Gut ausgebautes Verkehrsnetz

D.Deutschland hat ein hervorragend ausgebautes Verkehrsnetz. Der Personen- wie der Güterverkehr wird größtenteils über die Straße abgewickelt. D.Deutschland verfügt über das dichteste u.und nach den USA längste Autobahnnetz der Welt. Mehr als die Hälfte der Ew.Einwohner besitzt einen Pkw. Der Schwerpunkt der Eisenbahn liegt im Güterverkehr; im Personenverkehr wird seit Anfang der 1990er Jahre das Hochgeschwindigkeitsnetz ausgebaut. Unrentable Regionalstrecken außerhalb der Ballungsgebiete wurden hingegen stillgelegt.
Gut ausgebaute Wasserstraßen dienen überwiegend dem Güterverkehr; die wichtigste ist der Rhein mit seinen Nebenflüssen Neckar, Main u.und Mosel. Die meisten schiffbaren Flüsse sind über ein weit verzweigtes Kanalnetz miteinander verbunden. Der Duisburger Binnenhafen ist der größte seiner Art in Europa. Für den Überseeverkehr ist vor allen anderen der Hamburger Hafen von Bedeutung. Seit Mitte der 1950er Jahre hat sich der Luftverkehr stark entwickelt. Einer der größten Flughäfen Europas ist Frankfurt a. MFrankfurt am Main.

Geschichte

Mittelalter

Das Frankenreich brach bald nach dem Tod von Karl d. Gr.dem Großen (814) auseinander. Es entstanden ein west- u.und ein ostfränk.ostfränkisches Reich, die Vorläufer Frankreichs u.und Deutschlands.
Deutschland: Herrscher, Staatsoberhäupter (bis 1945)
Deutsche Herrscher und Staatsoberhäupter bis 1945
Könige (* zugleich römische Kaiser)
911- 918Konrad I.
Ottonen
919- 936Heinrich I.
936- 973Otto I., der Große*
973- 983Otto II.*
983-1002Otto III.*
1002-1024Heinrich II.*
Salier
1024-1039Konrad II.*
1039-1056Heinrich III.*
1056-1106Heinrich IV.*
(1077-1080Rudolf von Rheinfelden; Gegenkönig Heinrichs IV.)
(1081-1088Hermann von Salm; Gegenkönig Heinrichs IV.)
1106-1125Heinrich V.*
1125-1137Lothar III. von Supplinburg (Sachse)*
Staufer
1138-1152Konrad III.
1152-1190Friedrich I. Barbarossa*
1190-1197Heinrich VI.*
1198-1208Philipp von Schwaben
1198-1218Otto IV. (Welfe)*
1212-1250Friedrich II.*
(1246/47Heinrich Raspe von Thüringen; Gegenkönig Friedrichs II.)
(1247-1256Wilhelm von Holland; Gegenkönig Friedrichs II.)
1250-1254Konrad IV.
Interregnum
1257-1275Alfons X. von Kastilien
1257-1272Richard von Cornwall
Habsburger, Luxemburger u. a.
1273-1291Rudolf I. von Habsburg
1292-1298Adolf von Nassau
1298-1308Albrecht I. von Österreich (Habsburger)
1308-1313Heinrich VII. von Luxemburg*
1314-1347Ludwig IV., der Bayer (Wittelsbacher)
1314-1330 Friedrich der Schöne von Österreich (Habsburger)
1346-1378Karl IV. (Luxemburger)
1349Günther von Schwarzburg (Gegenkönig Karls IV.)
1378-1400Wenzel von Böhmen (Luxemburger)
1400-1410Ruprecht von der Pfalz (Wittelsbacher)
1410-1437Sigismund* (Luxemburger)
1410/11Jobst von Mähren (Luxemburger; Gegenkönig)
Habsburger
1438/39Albrecht II.
1440-1493Friedrich III.*
1493-1519Maximilian I.*
1519-1556Karl V.*
1556-1564Ferdinand I.*
1564-1576Maximilian II.*
1576-1612Rudolf II.*
1612-1619Matthias*
1619-1637Ferdinand II.*
1637-1657Ferdinand III.*
1658-1705Leopold I.*
1705-1711Joseph I.*
1711-1740Karl VI.*
1742-1745Karl VII.* (Wittelsbacher)
Habsburg-Lothringen
1745-1765Franz I.*
1765-1790Joseph II.*
1790-1792Leopold II.*
1792-1806Franz II.*
Kaiser (Hohenzollern)
1871-1888Wilhelm I.
1888Friedrich III.
1888-1918Wilhelm II.
Staatsoberhäupter
1919-1925Reichspräsident Friedrich Ebert
1925-1934Reichspräsident Paul von Hindenburg
1934-1945„Führer und Reichskanzler“ Adolf Hitler
1945„Reichspräsident“ Karl Dönitz
Deutschland: Herrscher, Staatsoberhäupter (bis 1945) standard.tables
Der Übergang vom ostfränkischen zum dt.deutschen Reich vollzog sich 911 mit der Wahl Konrads I., der als erster dt.deutscher König gilt. Der Reichsname lautete seit dem 11. Jh. Jahrhundert „Röm. Reich“, seit dem 13. Jh. Jahrhundert „Heiliges Römisches Reich“, seit dem 15. Jh. Jahrhundert mit dem Zusatz „Deutscher Nation“. Dem Königtum standen weitgehend selbstständige Stammesherzogtümer gegenüber (Sachsen, Franken, Bayern, Schwaben). Gegen sie konnten sich erst die Ottonen Heinrich I. u.und Otto I. durchsetzen. Otto ließ sich 962 in Rom zum Kaiser krönen. Er begründete damit die Anwartschaft des dt.deutschen Königs auf die Kaiserwürde u.und eine 300-jährige dt.deutsche Herrschaft in Ober- u.und Mittelitalien. Der Idee nach war das Kaisertum universal u.und hatte Vorrang vor dem Papsttum. Dieser Vorrang ging im Investiturstreit (beendet durch das Wormser Konkordat 1122) unter dem Salier Heinrich IV. verloren.
Eine neue Blüte erlebte das Kaisertum unter den Staufern Friedrich I., Heinrich VI. u.und Friedrich II. Zugleich begann aber eine territoriale Zersplitterung, die die Zentralgewalt schwächte. Die geistlichen u.und weltl.weltlichen Fürsten wurden zu halbsouveränen Landesherren. Es folgte eine Zeit des Gegen- u.und Doppelkönigtums (Interregnum). Seit Rudolf I., dem ersten Habsburger auf dem Thron, wurde Hausmachtpolitik das Hauptinteresse jedes Königs. Das alleinige Königswahlrecht der 7 Kurfürsten setzte sich durch u.und wurde 1356 in der Goldenen Bulle Karls IV. endgültig festgelegt. Die großen Territorien entwickelten ihre Landeshoheit weiter.

Reformation und Gegenreformation

Seit 1483 war die Krone - obwohl das Reich formal eine Wahlmonarchie blieb - praktisch erblich im Hause Habsburg, der stärksten Territorialmacht. Maximilian I., durch seine Ehe mit Maria von Burgund ( 1482) auch im Besitz der Niederlande u.und der Freigrafschaft Burgund, nahm als Erster den Kaisertitel ohne Krönung durch den Papst an.
Das neue Weltgefühl der Renaissance u.und die Ideen des Humanismus ergriffen auch DDeutschland. Die von Luther 1517 eingeleitete Reformation breitete sich rasch aus u.und wirkte weit über den religiösen Bereich hinaus. Sie beeinflusste den Reichsritteraufstand 1522/23 u.und den Bauernkrieg 1525, die beide blutig niedergeschlagen wurden. Auf dem Kaiserthron saß Karl V., durch Erbschaft (er war auch König von Spanien) Herr des größten Weltreichs seit Karl d. Grdem Großen. Hauptnutznießer der Reformation waren die Landesfürsten. Sie erhielten im Augsburger Religionsfrieden 1555 das Recht, die Religion ihrer Untertanen zu bestimmen. Die prot.protestantische Konfession wurde als gleichberechtigt mit der kath.katholischen anerkannt. D.Deutschland war damals zu 80% prot.protestantisch, doch konnte die kath.katholische Kirche in der Folgezeit viele Gebiete zurückgewinnen (Gegenreformation).
Die konfessionellen Gegensätze verschärften sich; es kam zur Bildung von Religionsparteien, der prot.protestantischen Union (1608) u.und der kath.katholischen Liga (1609). Ein lokaler Konflikt in Böhmen löste den Dreißigjährigen Krieg aus, der aus einem dt.deutschen Religionskrieg zu einem europ.europäischen Machtkampf wurde. Weite Teile Deutschlands wurden verwüstet u.und entvölkert. Im Westfälischen Frieden (1648) mussten Gebiete an Frankreich u.und Schweden abgetreten werden, die Schweiz u.und die Niederlande schieden endgültig aus dem Reichsverband aus, u.und die Landesfürsten erhielten alle wesentl.wesentlichen Hoheitsrechte.

Zeitalter des Absolutismus

Das Reich versank in einen Zustand polit.politischer Ohnmacht, aus dem es auch durch verschiedene Reformversuche (Rheinbund 1658; Reichskriegsordnung 1661) nicht mehr herausfinden konnte. Die Einzelstaaten übernahmen den Absolutismus des französ.französischen Königs u.und erstarkten auch wirtschaftlich durch den Merkantilismus (Bayern, Sachsen, Brandenburg u.und Hannover). Österreich, das die angreifenden Türken abwehrte u.und Ungarn sowie Teile der türk.türkischen Balkanländer erwarb, stieg zur europ.europäischen Großmacht auf. Ihm erwuchs im 18. Jh. Jahrhundert ein Rivale in Preußen, das unter Friedrich dem Großen zu einer Militärmacht ersten Ranges wurde.

Vom alten zum neuen Reich

1789 brach die Französische Revolution aus. Der Versuch Preußens u. Österreichs, mit Waffengewalt in Frankreich einzugreifen, scheiterte u.und führte zum Gegenstoß. Unter dem Ansturm der Heere Napoleons brach das Reich zusammen. Frankreich nahm sich das linke Rheinufer. Durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 verloren viele kleine Fürstentümer u.und Freie Städte ihre Selbstständigkeit zugunsten der Mittelstaaten. Die meisten von diesen schlossen sich 1806 unter französ.französischem Protektorat zum Rheinbund zusammen. Im gleichen Jahr legte Franz II. die Kaiserkrone nieder; damit endete das Hl.Heilige Römische Reich Deutscher Nation.
Die Französische Revolution griff zwar nicht auf D.Deutschland über, doch kam es in den Rheinbundstaaten u.und in Preußen zu Reformen, die den Abbau der feudalen Gesellschaftsordnung einleiteten.
Nach dem Sieg über Napoleon in den Befreiungskriegen 1813-1815 regelte der Wiener Kongress die Neuordnung Europas. An die Stelle des Reichs trat der Deutsche Bund, ein loser Zusammenschluss souveräner Einzelstaaten, der alle Einheits- u.und Freiheitsbestrebungen bekämpfte (Restauration). Diesen reaktionären Tendenzen wirkte eine moderne wirtschaftl.wirtschaftliche Entwicklung entgegen. Die Revolution in Frankreich von 1848 fand in D.Deutschland sofort ein Echo. In allen Bundesstaaten kam es zu Volkserhebungen, die den Fürsten Zugeständnisse abnötigten. Der Frankfurter Nationalversammlung gelang jedoch nicht die Schaffung eines bürgerl.bürgerlichen Nationalstaates. Die alten Mächte setzten sich durch, die meisten Errungenschaften wurden rückgängig gemacht. Trotzdem erstarkte das liberale Bürgertum, gestützt auf seine wachsende ökonom.ökonomische Kraft. Allerdings unterlag es 1862 dem preuß.preußischen Min.-Präs.Ministerpräsidenten Bismarck in einem Verfassungskonflikt. Bismarck arbeitete auf die nationale Einigung „von oben“ hin. Im Deutschen Krieg 1866 wurde Österreich geschlagen. Der Deutsche Bund wurde aufgelöst, an seine Stelle trat der Norddeutsche Bund, der alle dt.deutschen Staaten nördlich der Mainlinie umfasste. Der Widerstand Frankreichs wurde im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gebrochen. Die süddt.süddeutschen Staaten schlossen sich 1871 mit dem Norddeutschen Bund zum Deutschen Reich zusammen; König Wilhelm I. von Preußen wurde zum „Deutschen Kaiser“ ausgerufen, Bismarck wurde Reichskanzler.
Reichsgründung - Zeremonie und Echo im Ausland
Reichsgründung - Zeremonie und Echo im Ausland
Der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm (1888 für kurze Zeit selbst Kaiser) beschreibt die Krönungszeremonie am 18. 1. 1871 in Versailles, als sein Vater Wilhelm I. zum Kaiser ausgerufen wird:

Im Mittelfenster stand ein Feldaltar, vor dem der König, von allen Fürsten im Halbkreis umgeben, sich aufstellte und Prediger Rogge aus Potsdam die verkürzte Liturgie verlesen und ein einfaches Gebet sprechen sollte. Da das Kommando Helm ab zum Gebet für die Mannschaften vergessen worden war, musste ich es selber laut geben, worauf der aus Militärmusikern der hiesigen Regimenter gebildete Liturgiesängerchor nebst der Militärmusik den Choral Sei Lob und Ehr' in diesen gewaltigen Räumen mächtig ertönen ließ. Das einfach Gebet bestand aber in einer Strafrede auf Ludwig XIV. sowie in einer ziemlich taktlosen, langen, historisch-religiösen Abhandlung über die Bedeutung des 18. Januar für Preußen. Der Schluss, welcher auf die deutsche Frage und deren Lösung durch das heutige Ereignis anspielte, sprach des warmen, sachgemäßen Inhalts wegen wieder an.

Wilhelm I.
Ich ließ meine Blicke während dieses Teil der Feier über die Versammlung und an die Decke schweifen, wo Ludwigs XIV. Selbstverherrlichungen, ... namentlich die Spaltung Deutschlands zum Gegenstand habend, und fragte mich mehr als einmal, ob es denn wirklich wahr sei, dass wir uns in Versailles befänden, um hier die Wiederherstellung des deutschen Kaisertums zu erleben - so traumartig wollte mir das Ganze erscheinen ...

Nachdem Seine Majestät eine kurze Ansprache an die deutschen Souveräne laut und in der wohl bekannten Weise verlesen hatte, trat Graf Bismarck, der ganz grimmig verstimmt aussah, vor und verlas in tonloser, ja geschäftlicher Art und ohne jegliche Spur von Wärme oder feierlicher Stimmung die Ansprache An das deutsche Volk.
Bei den Worten Mehrer des Reiches bemerkte ich eine zuckende Bewegung in der ganzen Versammlung, die sonst lautlos blieb."
Der britische Oppositionsführer Benjamin Disraeli charakterisiert die Bedeutung des Deutsch-Französischen Krieges und die Gründung des Deutschen Reiches in einer Rede am 9. Februar 1871:
"Dieser Krieg bedeutet die deutsche Revolution, ein größeres politisches Ereignis als die französische des vergangenen Jahrhunderts ...
Nicht ein einziger der Grundsätze der Handhabung unserer auswärtigen Angelegenheiten, welche noch vor einem halben Jahr von allen Politikern als selbstverständliche Richtlinien anerkannt wurden, steht noch heute in Geltung.
Es gibt keine überkommene Auffassung der Diplomatie, welche nicht fortgeschwemmt wäre. Wir stehen vor einer neuen Welt, neue Einflüsse sind am Werk; ... das Gleichgewicht der Macht ist völlig zerstört; und das Land, welches am meisten darunter leidet und welches die Wirkungen dieses großen Wechsels am meisten zu spüren bekommt, ist England."
Reichsgründung - Zeremonie und Echo im Ausland

Das Kaiserreich

Bismarck suchte bes.besonders durch eine konsequente Friedens- u.und Bündnispolitik dem Reich eine gesicherte Stellung in dem neuen europ.europäischen Kräfteverhältnis zu schaffen (Zweibund 1879; Dreibund 1882; Rückversicherungsvertrag u.und Mittelmeerdreibund 1887). Erfolglos bekämpfte er im Innern den linken Flügel des liberalen Bürgertums, den polit.politischen Katholizismus u.und bes.besonders die organisierte Arbeiterbewegung (Kulturkampf 1872-1878, Sozialistengesetz 1878). 1890 wurde Bismarck von dem jungen Kaiser Wilhelm II. entlassen. Unter ihm erfolgte der Übergang zur „Weltpolitik“: D.Deutschland wollte den Vorsprung der imperialist.imperialistischen Großmächte aufholen u.und geriet dabei in Interessenkonflikte u.und letztlich in die Isolierung. In der Julikrise 1914 trug es Mitverantwortung dafür, dass es zum Ausbruch des 1. Weltkriegs mit D.Deutschland u.und Österreich auf der einen, Frankreich, Russland, England u.und Italien auf der anderen Seite kam. Nach großen Anfangserfolgen zeigte sich D.Deutschland dem Mehrfrontenkampf nicht gewachsen, bes.besonders seit dem Kriegseintritt der USA 1917. Dem militär.militärischen Zusammenbruch folgte die Novemberrevolution 1918. D.Deutschland wurde Republik.

Die Weimarer Republik

Die Macht lag zunächst in den Händen sozialdemokrat.sozialdemokratischer Politiker (Friedrich Ebert, Philipp Scheidemann u. a.), die vor allem einen geordneten Übergang von der alten zur neuen Staatsform sichern wollten. Versuche linksradikaler Gruppen, die Revolution in sozialist.sozialistische Richtung weiterzutreiben, wurden abgewehrt. Die 1919 in Weimar tagende Nationalversammlung schuf eine republikan.republikanische Verfassung. Der Versailler Vertrag entmachtete D.Deutschland militärisch, zwang es zur Abtretung großer Gebiete u.und legte ihm mit den Reparationen schwere wirtschaftl.wirtschaftliche Lasten auf. Die ersten Jahre der Republik waren gekennzeichnet durch Inflation, soziale Unruhen u.und Umsturzversuche rechts- u. linksradikaler Gruppen.
Weimarer Republik: Länder
Die Länder der Weimarer Republik
Anhalt
Baden
Bayern
Braunschweig
Bremen
Hamburg
Hessen
Lippe
Lübeck
Mecklenburg-Schwerin
Mecklenburg-Strelitz
Oldenburg
Preußen
Sachsen
Schaumburg-Lippe
Thüringen
Waldeck (1929 zu Preußen)
Württemberg
Weimarer Republik: Länder standard.tables
Die Außenpolitik Gustav Stresemanns gewann D.Deutschland durch den Locarno-Vertrag (1925) u.und den Beitritt zum Völkerbund (1926) die polit.politische Gleichberechtigung zurück. Der Niedergang der Weimarer Republik begann mit der Weltwirtschaftskrise 1929 u.und der damit einsetzenden Massenarbeitslosigkeit. Im Reichstag fanden sich keine regierungsfähigen Mehrheiten mehr. Die von Adolf Hitler geführte NSDAP wurde 1932 stärkste Partei. Am 30. 1. 1933 wurde Hitler mit Unterstützung konservativer Kreise Reichskanzler.

Die nationalsozialistische Diktatur

Reichstag: Eröffnung 1933
Eröffnung des Deutschen Reichstages 1933
„Der Tag von Potsdam“, 21. März 1933 - kulthafte Inszenierung der Verbindung von Preußentum und Nationalsozialismus. Hitler, verkleidet als Bürger in schwarzem Cut, verbeugte sich in der Garnisonkirche, der Grabstätte Friedrichs des Großen, vor dem nationalen Mythos Hindenburg und verkündete sein Programm der „nationalen Wiedererhebung“. Die Rührkomödie kam an: Viele glaubten, der „wilde“ Nationalsozialismus sei nun gezähmt und habe sich in die konservative Tradition eingefügt.
Deutschland Reichtstag: Eröffnung 1933 img
Hitler entledigte sich rasch seiner konservativen Bundesgenossen, sicherte sich durch ein Ermächtigungsgesetz, dem alle bürgerl.bürgerlichen Parteien zustimmten, nahezu unbegrenzte Befugnisse u.und errichtete eine auf Terror gestützte Diktatur. Zustimmung bei der Bevölkerung fand er durch die schnelle Beseitigung der Arbeitslosigkeit, durch eine großzügige Sozialpolitik u.und durch außenpolit.außenpolitische Erfolge (1935 Rückkehr des Saarlands zu D.Deutschland, Einführung der Wehrpflicht, 1936 Rheinlandbesetzung, 1938 Annexion Österreichs u.und des Sudetenlandes).
Sofort nach der Machtergreifung nahm Hitler die Verwirklichung seines antisemit.antisemitischen Programms in Angriff. Es begann mit der schrittweisen Entrechtung der dt.deutschen Juden u.und endete mit der Ermordung von 6 Mio. Juden aus mehreren europ.europäischen Ländern während des Krieges. Um die Herrschaft über Europa zu erringen, entfesselte Hitler 1939 mit dem Angriff auf Polen den 2. Weltkrieg. Nach dt.deutschen Siegen über Polen, Dänemark, Norwegen, Holland, Belgien, Frankreich, Jugoslawien, Griechenland u.und erfolgreichem Vordringen in der Sowjetunion u.und in Nordafrika kam es 1942 zur Wende des Krieges u.und zu Rückzügen an allen Fronten. 1944 scheiterte ein vornehmlich von Offizieren getragener Aufstand. Beim völligen Zusammenbruch des Reichs 1945 beging Hitler Selbstmord. Der von ihm testamentarisch bestimmte Nachfolger K. Dönitz ließ am 7. u.und 8. 5. 1945 die bedingungslose Kapitulation der dt.deutschen Wehrmacht vollziehen.

Das geteilte Deutschland

Deutschland nach 1945
Deutschland nach 1945
Deutschland nach 1945 img
Die vier Siegermächte (USA, UdSSR, Großbritannien, Frankreich) übernahmen die Regierungsgewalt. D.Deutschland wurde in vier Besatzungszonen eingeteilt, Berlin von den vier Mächten gemeinsam verwaltet. Die Gebiete östlich der Oder u.und der Lausitzer Neiße wurden polnischer u.und sowjet.sowjetischer Verwaltung unterstellt. Ihre Bewohner sowie die in der Tschechoslowakei u.und in Ungarn lebenden Deutschen wurden größtenteils vertrieben. Die zunehmenden Gegensätze zwischen den Westmächten u.und der UdSSR führten 1948 zum Ende der Viermächteverwaltung in Berlin u.und ganz DDeutschland. Die Teilung Deutschlands wurde 1949 durch die Gründung der BR DeutschlandBundesrepublik Deutschland im WWesten u.und der Deutschen Demokratischen Republik im OOsten besiegelt.
Während der Marshallplan die Wirtschaft ankurbelte, betrieb Bundeskanzler Konrad Adenauer die Eingliederung der BR DeutschlandBundesrepublik Deutschland in die westl.westliche Gemeinschaft: 1955 wurde sie Mitglied der NATO, 1957 gehörte sie zu den Gründern der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Bei anhaltendem wirtschaftl.wirtschaftlichem Aufschwung im Rahmen der sozialen Marktwirtschaft entwickelte sie sich zu einer stabilen parlamentar.parlamentarischen Demokratie.
Deutschland: Staatsoberhäupter (BRD)
Bundesrepublik Deutschland
Die Bundespräsidenten
Theodor Heuss (FDP)
1. Amtsperiode 1949-1954
2. Amtsperiode 1954-1959
Heinrich Lübke (CDU)
1. Amtsperiode1959-1964
2. Amtsperiode1964-1969
Gustav Heinemann (SPD)1969-1974
Walter Scheel (FDP)1974-1979
Karl Carstens (CDU)1979-1984
Richard von Weizsäcker (CDU)
1. Amtsperiode 1984-1989
2. Amtsperiode 1989-1994
Roman Herzog (CDU)1994-1999
Johannes Rau (SPD)1999-2004
Horst Köhler (CDU)2004-2010
Christian Wulff (CDU)2010-2012
Joachim Gauckseit 2012
Die Bundeskanzler
Konrad Adenauer (CDU)
1. Kabinett1949-1953
2. Kabinett1953-1957
3. Kabinett1957-1961
4. Kabinett1961-1963
Ludwig Erhard (CDU)
1. Kabinett 1963-1965
2. Kabinett 1965-1966
Kurt Georg Kiesinger (CDU)1966-1969
Willy Brandt (SPD)
1. Kabinett1969-1972
2. Kabinett1972-1974
Helmut Schmidt (SPD)
1. Kabinett1974-1976
2. Kabinett1976-1980
3. Kabinett 1980-1982
Helmut Kohl (CDU)
1. Kabinett1982-1983
2. Kabinett1983-1987
3. Kabinett1987-1991
4. Kabinett1991-1994
5. Kabinett 1994-1998
Gerhard Schröder (SPD)
1. Kabinett1998-2002
2. Kabinett2002-2005
Angela Merkel (CDU)
1. Kabinett2005-2009
2. Kabinett2009-
Deutschland: Staatsoberhäupter (BRD) standard.tables
Unter Adenauers Nachfolger Ludwig Erhard kam es 1966 zu einer wirtschaftl. Rezession. Die damit verbundenen Differenzen im Regierungslager nötigten Erhard zum Rücktritt. Eine Große Koalition aus CDU/CSU u.und SPD unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger wurde gebildet, die die Rezession rasch überwand. 1968 verabschiedete sie verfassungsändernde Notstandsgesetze, gegen die sich eine linke außerparlamentar.außerparlamentarische Opposition“ formierte.
Kiesinger, Kurt Georg, Brandt, Willy
Kurt Georg Kiesinger und Willy Brandt
1969: Kurt Georg Kiesinger (CDU; links) zusammen mit Willy Brandt (SPD), seinem Nachfolger als Bundeskanzler
Kiesinger, Kurt Georg img
Außerparlamentarische Opposition: Kundgebung
Außerparlamentarische Opposition: Kundgebung
Rudi Dutschke, führender Kopf der antiautoritären Studentenbewegung Westberlins und der Bundesrepublik Deutschland (1965-1968) während einer Kundgebung
Außerparlamentarische Opposition: Kundgebung img
1969 bildeten SPD u.und FDP eine Regierung unter Willy Brandt. Sie erstrebte eine Normalisierung des Verhältnisses zu den östl.östlichen Nachbarn u.und schloss 1970 entspr.entsprechende Verträge mit der UdSSR u.und Polen, wodurch gleichzeitig der Abschluss des Viermächteabkommens über Berlin ermöglicht wurde, u.und suchte ein „geregeltes Nebeneinander“ mit der DDR herzustellen. 1974 trat Brandt zurück, weil sich herausstellte, dass ein enger Mitarbeiter im Dienst der DDR-Spionage gestanden hatte. Neuer Bundeskanzler wurde Helmut Schmidt. 1982 zerbrach die SPD/FDP-Regierungskoalition. Ein konstruktives Misstrauensvotum gegen Schmidt hatte Erfolg. Der Christdemokrat Helmut Kohl bildete eine Koalition aus CDU/CSU u.und FDP.
Moskauer Vertrag: Unterzeichnung
Unterzeichnung des Moskauer Vertrages
Nach langwierigen Verhandlungen wurde im August 1970 der von der Bundesregierung angestrebte Vertrag mit der UdSSR in Moskau von Walter Scheel (links), Willy Brandt (Mitte) und Alexej N. Kossygin (rechts) unterzeichnet.
Moskauer Vertrag img
In der DDR wurde eine sozialist.sozialistische Gesellschafts- u.und Wirtschaftsordnung nach sowjet.sowjetischem Vorbild eingeführt, verbunden mit der Alleinherrschaft der kommunist.kommunistischen SED unter ihrem Generalsekretär Walter Ulbricht. 1953 kam es zu einem Volksaufstand, der von der sowjet.sowjetischen Armee niedergeschlagen wurde. Bis 1961 flüchteten 3,5 Mio. Menschen aus der SBZ bzw. DDR in die Bundesrepublik. Nachdem von der DDR schon seit 1952 Grenzsperren errichtet worden waren, wurde 1961 der letzte Fluchtweg durch den Bau der Berliner Mauer abgeschnitten. Der Staatssicherheitsdienst („Stasi“) unterhielt ein alle Lebensbereiche umfassendes Überwachungssystem. Unter Ulbrichts Nachfolger Erich Honecker setzte eine gewisse Konsolidierung ein, doch betrieb die Führung eine Politik strikter „Abgrenzung“ gegenüber der Bundesrepublik, um bei den Bürgern keine Hoffnungen auf Wiedervereinigung aufkommen zu lassen. Die Parteidiktatur der SED blieb unangetastet.
Deutschland: Staatsoberhäupter (DDR)
Deutsche Demokratische Republik
Staatsoberhäupter (1949-1960 und seit 1990 Präsident, 1960-1990 Vorsitzender des Staatsrates)
Wilhelm Pieck (SED)1949-1960
Walter Ulbricht (SED)1960-1973
Willi Stoph (SED)1973-1976
Erich Honecker (SED)1976-1989
Egon Krenz (SED)1989
Manfred Gerlach (LDPD, amtierend)1989-1990
Sabine Bergmann-Pohl (CDU, amtierend)1990
Die Ministerpräsidenten bzw. Vorsitzenden des Ministerrats
Otto Grotewohl (SED)1949-1964
Willi Stoph (SED)1964-1973
Horst Sindermann (SED)1973-1976
Willi Stoph (SED)1976-1989
Hans Modrow (SED/PDS)1989-1990
Lothar de Maizière (CDU)1990
Deutschland: Staatsoberhäupter (DDR) standard.tables
Berliner Mauer: Flüchtender Volksarmist
Berliner Mauer: Flüchtender Volksarmist
Ein Volksarmist springt am 15. August 1961 an der Bernauer Straße in Berlin in voller Uniform über den Stacheldraht.
Berliner Mauer: Flüchtender Volksarmist img

Die Wiedervereinigung

Deutschland: Chronik der Wiedervereinigung
Deutschland: Chronik der Wiedervereinigung
1989
2. 5.Ungarn beginnt mit dem Abbau des Grenzzauns zu Österreich. In den folgenden Wochen versuchen viele DDR-Bürger, trotz fortbestehender Grenzkontrollen über Ungarn in die Bundesrepublik zu fliehen. In den Botschaften der Bundesrepublik in Prag und Warschau sammeln sich DDR-Bürger, die ihre Ausreise erzwingen wollen.
11. 9.Ungarn öffnet die Grenze zu Österreich für alle DDR-Bürger. Innerhalb von drei Tagen reisen 15 000 DDR-Bürger aus.
19. 9.Die Oppositionsgruppe „Neues Forum“ beantragt beim DDR-Innenministerium ihre offizielle Zulassung; diese wird abgelehnt.
25. 9.In Leipzig findet die erste große „Montagsdemonstration“ für Meinungsfreiheit und Reformen statt (5 000 Teilnehmer).
30. 9.6 000 DDR-Flüchtlinge aus den Botschaften in Prag und Warschau dürfen in Sonderzügen über DDR-Gebiet in die Bundesrepublik ausreisen.
2. 10.Bei der Leipziger Montagsdemonstration (20 000 Teilnehmer) kommt es zu schweren Übergriffen der Polizei.
3. 10.Die DDR-Regierung setzt den visumfreien Reiseverkehr in die Tschechoslowakei aus.
4. 10.Weitere 7 600 Flüchtlinge reisen in Sonderzügen aus. Unterwegs versuchen DDR-Bürger, auf die Züge aufzuspringen. In Dresden kommt es vor dem Hauptbahnhof zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen 3 000 Demonstranten und der Polizei.
7. 10.In Anwesenheit des sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow feiert die SED-Führung das 40-jährige Bestehen der DDR. Gorbatschow gibt zu erkennen, dass er die Reformunwilligkeit der SED missbilligt. Demonstrationen in Ostberlin und anderen Städten werden gewaltsam aufgelöst.
9. 10.Montagsdemonstration in Leipzig (70 000 Teilnehmer). Die aufmarschierten Sicherheitskräfte greifen nicht ein.
11. 10.Das Politbüro der SED äußert in verklausulierter Form seine Bereitschaft, mit der Bevölkerung über anstehende Probleme zu diskutieren; dabei erwähnt es erstmals die Massenflucht von DDR-Bürgern.
18. 10.SED-Generalsekretär Erich Honecker tritt „aus gesundheitlichen Gründen“ von allen Partei- und Staatsämtern zurück; tatsächlich hat ihn das Politbüro gestürzt. Nachfolger als Parteichef wird Egon Krenz. Er gesteht „Fehler“ der bisherigen Führung ein und kündigt eine „Wende“ an, hält aber am Sozialismus und am Führungsanspruch der SED fest.
23. 10.In vielen Städten der DDR finden Massendemonstrationen statt (in Leipzig 300 000 Teilnehmer).
24. 10.Die Volkskammer wählt Krenz zum Vorsitzenden des Staatsrates und des Nationalen Verteidigungsrates; dabei gibt es erstmals Gegenstimmen und Stimmenthaltungen.
27. 10.Der DDR-Staatsrat beschließt eine Amnestie für „Republikflüchtlinge“ und fordert sie zur Rückkehr auf.
1. 11.Der visumfreie Reiseverkehr in die Tschechoslowakei wird wieder zugelassen. Zahlreiche DDR-Bürger suchen Zuflucht in der Prager Botschaft der Bundesrepublik.
3. 11.Ab sofort dürfen ausreisewillige DDR-Bürger das Gebiet der Tschechoslowakei ohne Formalitäten in Richtung Bundesrepublik verlassen. Bis zum 9. 11. machen über 40 000 Menschen davon Gebrauch.
4. 11.Auf einer Massenkundgebung in Ostberlin, zu der Künstlerkreise aufgerufen haben, demonstrieren über 500 000 Menschen für demokratische Reformen. Die Veranstaltung wird vom DDR-Fernsehen direkt übertragen.
6. 11.Das Innenministerium der DDR veröffentlicht den Entwurf eines neuen Reisegesetzes. Er wird bereits am nächsten Tag vom Verfassungs- und Rechtsausschuß der Volkskammer als zu restriktiv verworfen.
7. 11.Die DDR-Regierung unter Willi Stoph tritt zurück.
8. 11.Auf einer Tagung des Zentralkomitees (ZK) der SED tritt das Politbüro zurück. Das ZK wählt ein neues Politbüro, dem mehrere prominente Mitglieder der alten Führung nicht mehr angehören. Krenz wird als Generalsekretär bestätigt. - Das „Neue Forum“ wird vom DDR-Innenministerium als Vereinigung anerkannt.
9. 11.Die DDR öffnet die Grenzübergänge zur Bundesrepublik und nach Westberlin und hebt alle Reisebeschränkungen auf. In den folgenden Wochen besuchen Millionen DDR-Bürger Westberlin und Westdeutschland.
10. 11.Das ZK der SED verkündet ein Aktionsprogramm.
13. 11.Die Volkskammer wählt Hans Modrow, bisher Erster Sekretär der SED im Bezirk Dresden, zum Ministerpräsidenten der DDR.
17. 11.Modrow kündigt in seiner Regierungserklärung eine „demokratische Erneuerung des öffentlichen Lebens“ an und schlägt eine „Vertragsgemeinschaft“ der beiden deutschen Staaten vor.
19. 11.Krenz und Modrow erklären in Interviews, eine Wiedervereinigung Deutschlands stehe nicht zur Diskussion.
20. 11.Bei der Leipziger Montagsdemonstration fordern erstmals größere Teilnehmergruppen die Wiedervereinigung Deutschlands.
26. 11.Krenz erklärt, freie Wahlen in der DDR könnten nicht vor Ende 1990 stattfinden.
28. 11.Bundeskanzler Helmut Kohl legt dem Bundestag einen Stufenplan zur Deutschlandpolitik vor. Sein Endziel (ohne zeitliche Festlegung) ist die Herstellung einer bundesstaatlichen Ordnung, d. h. die staatliche Einheit Deutschlands.
29. 11.Die sowjetische Regierung weist Kohls Plan scharf zurück. Die westlichen Verbündeten nehmen ihn reserviert auf.
1. 12.Die Volkskammer streicht den Passus der DDR-Verfassung, in dem die führende Rolle der SED verankert war. Ein Untersuchungsausschuß berichtet über Privilegien der bisherigen Partei- und Staatsführung.
3. 12.Das ZK der SED tritt geschlossen zurück. Damit verliert Krenz sein Amt als Parteichef. Ein provisorischer Ausschuss übernimmt die Parteiführung. Zwölf Mitglieder der alten Führung, darunter Honecker, Stoph, Mittag, Mielke und Tisch, werden aus der Partei ausgeschlossen.
4. 12.Die bisherigen „Blockparteien“ CDU und LDPD erklären ihren Austritt aus dem „Demokratischen Block der Parteien und Massenorganisationen“.
6. 12.Krenz tritt von seinen Staatsämtern zurück. Amtierendes Staatsoberhaupt wird der LDPD-Vorsitzende Manfred Gerlach.
7. 12.In Ostberlin tagt erstmals der „Runde Tisch“, ein Gesprächskreis aus Vertretern der etablierten Parteien und der neuen oppositionellen Bewegungen.
8. 12.In Ostberlin beginnt ein außerordentlicher Parteitag der SED. Gregor Gysi wird zum Parteivorsitzenden gewählt. Die Partei distanziert sich vom Stalinismus.
16. 12.Die SED versieht ihren Parteinamen mit dem Zusatz „Partei des demokratischen Sozialismus“ (PDS).
19. 12.Bundeskanzler Kohl führt in Dresden Gespräche mit Ministerpräsident Modrow. Eine Vertragsgemeinschaft der beiden deutschen Staaten wird in Aussicht genommen. Am nächsten Tag spricht Kohl auf einer Massenversammlung zur Dresdner Bevölkerung.
20. 12.Der französische Präsident François Mitterrand trifft zu einem dreitägigen Staatsbesuch in der DDR ein.
22. 12.Das Brandenburger Tor in Berlin wird nach 28 Jahren wieder geöffnet.
24. 12.Bundesbürger und Westberliner dürfen ohne Visum und Zwangsumtausch in die DDR und nach Ostberlin reisen.
31. 12.Im Jahre 1989 sind insgesamt 343 854 Personen aus der DDR in die Bundesrepublik übergesiedelt.
1990
8. 1.Bei den Montagsdemonstrationen in Leipzig und anderen Städten überwiegen Parolen für die Wiedervereinigung und gegen die SED-PDS.
11. 1.In einer Regierungserklärung sagt Modrow, eine Wiedervereinigung stehe nicht auf der Tagesordnung.
12. 1.Die am 7. 10. 1989 in der Illegalität gegründete SPD der DDR hält ihre erste Landesdelegiertenkonferenz ab.
15. 1.Demonstranten stürmen das Gebäude des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin.
21. 1.Krenz und weitere 13 prominente Funktionäre werden aus der SED-PDS ausgeschlossen.
22. 1.Der britische Außenminister Douglas Hurd trifft zu einem dreitägigen Besuch in der DDR ein. Er befürwortet eine Intensivierung der bilateralen Beziehungen.
29. 1.Honecker wird nach einem Krankenhausaufenthalt verhaftet, aber einen Tag später für haftunfähig erklärt. Ein evangelischer Pfarrer nimmt ihn und seine Frau in sein Haus auf.
1. 2.Modrow schlägt die schrittweise Vereinigung der beiden deutschen Staaten vor. Als Vorbedingung nennt er ihre militärische Neutralität.
4. 2.Die SED-PDS nennt sich nur noch PDS.
5. 2.Acht Mitglieder oppositioneller Parteien und Gruppen treten als Minister ohne Geschäftsbereich in die DDR-Regierung ein. Die Bundesregierung schlägt der DDR-Regierung vor, unverzüglich in Verhandlungen über eine Währungsunion einzutreten.
10. 2.Präsident Gorbatschow erklärt, daß es Sache der Deutschen sei, den Zeitpunkt und den Weg der Einigung selbst zu bestimmen.
11. 2.Die britische Premierministerin Margaret Thatcher erklärt, Deutschland könne nur mit Zustimmung aller 35 Signatarstaaten der KSZE-Schlußakte von Helsinki vereinigt werden.
13. 2.Modrow reist mit einer großen Regierungsdelegation zu einem zweitägigen Besuch nach Bonn. Die Bildung einer Expertenkommission zur Vorbereitung einer Währungsunion und Wirtschaftsgemeinschaft wird vereinbart. Einen von der DDR-Regierung und dem Runden Tisch geforderten „Solidarbeitrag“ von 10-12 Milliarden DM lehnt die Bundesregierung ab.
14. 2.Die vier Siegermächte des Zweiten Weltkrieges und die beiden deutschen Staaten vereinbaren die Aufnahme von Verhandlungen über die äußeren Aspekte der deutschen Einheit („Zwei plus vier“).
1. 3.Die DDR-Regierung beschließt die Gründung einer Treuhandanstalt zur Verwaltung des Volkseigentums.
6. 3.Anläßlich eines Moskau-Besuchs von Modrow erklären die Regierungen der UdSSR und der DDR übereinstimmend, die Vereinigung der beiden deutschen Staaten dürfe nicht durch Beitritt der DDR nach Artikel 23 erfolgen, sondern müsse in Etappen vor sich gehen, und Gesamtdeutschland dürfe nicht Mitglied der NATO sein.
8. 3.Die DDR-Regierung „entpflichtet“ die 109 000 ehemaligen „inoffiziellen Mitarbeiter“ der Staatssicherheit.
12. 3.Letzte Sitzung des Runden Tisches.
18. 3.Erste freie Wahl zur Volkskammer in der DDR. Stärkste Partei wird die CDU, an zweiter Stelle steht die SPD, an dritter die PDS.
1. 4.Die Deutsche Bundesbank schlägt vor, bei einer Währungsunion Einkommen und Renten in der DDR im Verhältnis 2:1 umzustellen. Dies führt zu heftigen Protesten in der DDR.
5. 4.Die neugewählte Volkskammer der DDR konstituiert sich. Sabine Bergmann-Pohl (CDU) wird zur Präsidentin gewählt. Lothar de Maizière (CDU) wird mit der Regierungsbildung beauftragt. Der Staatsrat wird abgeschafft; die Volkskammerpräsidentin nimmt provisorisch die Aufgaben des Staatsoberhauptes wahr. Die Präambel der Verfassung, in der die DDR als „sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern“ bezeichnet wird, wird gestrichen.
12. 4.Die Volkskammer wählt Lothar de Maizière zum Ministerpräsidenten und bestätigt die von ihm gebildete Regierung der großen Koalition.
18. 4.Die Sowjetunion äußert in einem Memorandum Bedenken gegen einen schnellen Beitritt der DDR nach Artikel 23.
19. 4.de Maizière gibt seine Regierungserklärung ab. Als Ziel nennt er die rasche Herstellung der Einheit über einen vertraglich zu vereinbarenden Weg gemäß Artikel 23.
23. 4.Die Bundesregierung schlägt der DDR eine Währungsunion mit einem Umtauschkurs von 1:1 für Löhne, Gehälter und Renten sowie für Bargeld und Sparguthaben bis 4 000 Mark pro Kopf vor.
28. 4.Eine Gipfelkonferenz der EG stimmt einmütig der Vereinigung Deutschlands zu.
5. 5.In Bonn beginnen die „Zwei-plus-vier“-Gespräche der Außenminister der beiden deutschen Staaten und der vier Siegermächte.
6. 5.Bei den Kommunalwahlen in der DDR ergibt sich annähernd die gleiche Stimmenverteilung wie bei der Volkskammerwahl am 18. 3.
16. 5.Bund und Länder einigen sich auf die Schaffung eines Fonds „Deutsche Einheit“ in Höhe von 115 Milliarden DM zur Unterstützung der DDR. Das Geld soll größtenteils am Kapitalmarkt aufgenommen werden.
18. 5.In Bonn unterzeichnen die Finanzminister Theo Waigel (Bundesrepublik) und Walter Romberg (DDR) den Staatsvertrag über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion.
31. 5.Die Volkskammer beschließt, das Vermögen der Parteien und Massenorganisationen unter die treuhänderische Verwaltung einer Regierungskommission zu stellen. Weiterhin beschließt sie, das Staatswappen der DDR in und an allen öffentlichen Gebäuden zu entfernen.
17. 6.Die Volkskammer beschließt ein Gesetz über Verfassungsgrundsätze. Dadurch werden Rechtsvorschriften, die sich auf die sozialistische Staatsordnung beziehen, außer Kraft gesetzt.
21. 6.Der Bundestag und die Volkskammer verabschieden eine gleichlautende Erklärung über die Endgültigkeit der Oder-Neiße-Linie als polnische Westgrenze.
1. 7.Die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion tritt in Kraft. Damit ist die D-Mark alleiniges Zahlungsmittel in beiden deutschen Staaten. Alle Personenkontrollen an der innerdeutschen Grenze fallen weg. Das Notaufnahmeverfahren für Übersiedler aus der DDR wird abgeschafft. Seit Jahresbeginn sind 238 384 Personen aus der DDR in die Bundesrepublik übergesiedelt.
3. 7.Die Regierung der DDR stimmt der Abhaltung gesamtdeutscher Wahlen am 2. 12. zu.
6. 7.Die Regierungen der beiden deutschen Staaten nehmen Verhandlungen über den „Einigungsvertrag“ auf.
16. 7.Gespräche zwischen Gorbatschow und Kohl in Moskau und im Kaukasus werden mit dem Ergebnis abgeschlossen, dass die UdSSR einer NATO-Mitgliedschaft des künftigen Gesamtdeutschlands zustimmt. Die sowjetischen Truppen sollen innerhalb von 3 bis 4 Jahren aus Deutschland abgezogen werden.
22. 7.Die Volkskammer beschließt ein Gesetz über die Wiederherstellung der 1952 aufgelösten Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Landtagswahlen werden auf den 14.10. angesetzt.
19. 8.Die SPD verlässt die Regierungskoalition der DDR.
23. 8.Nach langwierigen Auseinandersetzungen beschließt die Volkskammer, den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik am 3. Oktober zu vollziehen.
31. 8.Bundesinnenminister W. Schäuble und DDR-Staatssekretär G. Krause unterzeichnen in Ostberlin den Einigungsvertrag.
12. 9.Die Außenminister der vier Siegermächte und der beiden deutschen Staaten unterzeichnen in Moskau den Zwei-plus-vier-Vertrag (Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland). Nach seiner Ratifizierung erlöschen alle Rechte der vier Mächte in Bezug auf Deutschland.
20. 9.Die Volkskammer und der Bundestag ratifizieren den Einigungsvertrag. Am folgenden Tag stimmt auch der Bundesrat zu.
24. 9.Die DDR tritt aus dem Warschauer Pakt aus.
28. 9.In der letzten ordentlichen Sitzung der Volkskammer kommt es zu einer turbulenten Debatte über die Ergebnisse eines Untersuchungsausschusses, wonach mehrere Abgeordnete und Minister inoffizielle Mitarbeiter der Staatssicherheit gewesen sein sollen.
1. 10.Die vier Siegermächte suspendieren ihre Vorbehaltsrechte in Bezug auf Deutschland bis zum Inkrafttreten des Zwei-plus-vier-Vertrages, der noch von den Parlamenten ratifiziert werden muß. Damit hat Deutschland bereits jetzt seine volle Souveränität zurückerlangt.
2. 10.Um Mitternacht wird vor dem Reichstag in Berlin feierlich die deutsche Flagge gehisst.
3. 10.Mit Anbruch des 3.Oktober 1990 ist die Teilung Deutschlands beendet. Überall finden Volksfeste statt. Der 3. Oktober wird Nationalfeiertag.
4. 10.Im Berliner Reichstag tritt der nunmehr gesamtdeutsche Bundestag, der um 144 von ihren Fraktionen delegierte Volkskammerabgeordnete erweitert worden ist, zu seiner ersten Sitzung zusammen.
12. 10.Bundesaußenminister Genscher und der sowjetische Botschafter Terechow unterzeichnen einen Vertrag „über die Bedingungen des befristeten Aufenthalts und die Modalitäten des planmäßigen Abzugs der sowjetischen Truppen“. Bis Ende 1994 sollen die Truppen abziehen.
14. 10.Landtagswahlen in den Ländern der ehemaligen DDR. In Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wird die CDU stärkste Partei, in Brandenburg die SPD.
9. 11.In Bonn unterzeichnen Kohl und Gorbatschow den deutsch-sowjetischen „Vertrag über gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit“.
14. 11.In Warschau unterzeichnen die Außenminister Genscher und Skubiszewski einen Vertrag über die Endgültigkeit der Oder-Neiße-Grenze.
30. 11.Der Abriss der Berliner Mauer ist beendet. Drei Teilstücke bleiben als historische Denkmäler erhalten.
2. 12.Erste gesamtdeutsche Bundestagswahl. Sieger sind die Koalitionsparteien CDU, CSU und FDP.
20. 12.Der neugewählte Bundestag tritt im Berliner Reichstag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Alterspräsident ist Willy Brandt.
Deutschland: Chronik der Wiedervereinigung standard.tables
Versorgungsmängel u.und der Widerstand der SED-Führung gegen die Reformpolitik Michail Gorbatschows ließen in den späten 1980er Jahren die Missstimmung in der DDR wachsen. Als Ungarn 1989 die Grenze zu Österreich öffnete, begann eine Massenflucht von DDR-Bürgern über diesen Weg in die Bundesrepublik. In Großstädten kam es zu Demonstrationen. Die SED verzichtete schließlich auf ihr Machtmonopol, ihre gesamte Führung trat zurück. Die Grenze zur Bundesrepublik u. die innerstädt.innerstädtische Grenze in Berlin wurden am 9. 11. 1989 geöffnet. Angesichts des anhaltenden Übersiedlerstroms u.und des politischen u.und wirtschaftl.wirtschaftlichen Verfalls der DDR gewann die Forderung nach baldiger Herstellung voller staatl.staatlicher Einheit rasch an Boden. In der DDR formierten sich neue polit.politische Parteien. Eine Regierung der Großen Koalition unter Min.-Präs.Ministerpräsident Lothar de Maizière wurde gebildet. Am 18. 5. 1990 schlossen die beiden dt.deutschen Staaten einen Vertrag über die Bildung einer Währungs-, Wirtschafts- u.und Sozialunion. Die UdSSR erklärte am 16. 7. ihr Einverständnis mit der NATO-Mitgliedschaft des vereinten Deutschlands. Am 31. 8. wurde der „Einigungsvertrag“ zwischen DDR u.und BR DeutschlandBundesrepublik Deutschland unterzeichnet. Am 12. 9. schlossen die vier Siegermächte des 2. Weltkriegs u.und die beiden dt.deutschen Staaten den „Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland“, durch den D.Deutschland seine volle Souveränität erlangte. Mit Anbruch des 3. 10. 1990 wurde die Wiedervereinigung in Berlin feierlich vollzogen.

Das wiedervereinigte Deutschland

Bei der ersten gesamtdt.gesamtdeutschen Bundestagswahl 1990 waren CDU, CSU u. FDP erfolgreich. Die Regierungskoalition unter Helmut Kohl wurde fortgesetzt. Unmittelbar nach der Vereinigung schloss D.Deutschland mit der UdSSR Verträge über gute Nachbarschaft u.und über den bis 1994 abzuschließenden Abzug der sowjet.sowjetischen Truppen.
deutsch-sowjetischer Vertrag von 1990
deutsch-sowjetischer Vertrag von 1990
Bei der Unterzeichnung des Nachbarschaftsabkommens am 9. 11. 1990 tauschen Michail Gorbatschow (links) und Helmut Kohl ihre Füllhalter aus.
deutsch-sowjetischer Vertrag von 1990 img
In einem Vertrag mit Polen erkannte D.Deutschland die Oder-Neiße-Grenze völkerrechtlich an. 1991 erklärte der Bundestag Berlin zum Parlaments- u.und Regierungssitz. 1992 wurde der Vertrag von Maastricht über den Ausbau der EG zu einer Europäischen Union geschlossen.
Die Umstellung von der Zentralverwaltungs- zur Marktwirtschaft führte in der ehem.ehemaligen DDR zu großen wirtschaftlichen u.und sozialen Problemen. Nach der Bundestagswahl von 1994 blieb die bisherige Koalition im Amt. In den östl.östlichen Ländern erzielte die PDS beträchtl.beträchtliche Wahlerfolge. Bei der Bundestagswahl 1998 erlitt die von Helmut Kohl geführte Koalition eine schwere Niederlage. Die SPD bildete eine Regierung mit der Partei Bündnis 90/Die Grünen. Bundeskanzler wurde Gerhard Schröder (SPD). Außenpolitisch standen der NATO-Einsatz im Kosovo u.und die Weiterführung der europ.europäischen Integration im Mittelpunkt. Nach den Anschlägen vom 11. 9. 2001 beschloss die Bundesregierung, die USA im Kampf gegen den internationalen Terrorismus zu unterstützen. Der Bundestag stimmte einer dt.deutschen Beteiligung an einer internationalen Sicherheitstruppe für Afghanistan zu. Bei den Bundestagswahlen 2002 konnte sich das rot-grüne Regierungsbündnis mit knapper Mehrheit behaupten. Die dt.deutsche Ablehnung eines militär.militärischen Vorgehens gegen Irak belastete das Verhältnis zu den USA. In der Innenpolitik bestimmten Auseinandersetzungen über eine Reform der sozialen Sicherungssysteme (Agenda 2010, Hartz-Gesetze) u.und die hohe Arbeitslosigkeit die öffentl.öffentliche Diskussion. 2005 stellte Gerhard Schröder die Vertrauensfrage, um mit deren Scheitern eine Parlamentsauflösung u.und Neuwahlen zu erreichen. Bei diesen Neuwahlen büßte die rot-grüne Koalition ihre Regierungsmehrheit ein. CDU/CSU u.und SPD bildeten eine Große Koalition mit Angela Merkel (CDU) als Bundeskanzlerin. 2006 beschloss das Parlament die Föderalismus-, 2007 die Gesundheitsreform. Außerdem wurde die schrittweise Anhebung des gesetzl.gesetzlichen Rentenalters von 65 auf 67 Jahre auf den Weg gebracht. Außenpolitisch standen 2007 die EU-Ratspräsidentschaft u.und der G8-Vorsitz im Vordergrund. Im Rahmen des ISAF-Mandates billigte der Bundestag im selben Jahr die Entsendung von Tornado-Aufklärungsflugzeugen nach Afghanistan. Die Bundesregierung bemühte sich auch um eine Beilegung des Atomstreites mit Iran. Das Verhältnis zu Russland wurde 2008 durch den Kaukasus-Konflikt belastet.
Die Regierungstätigkeit der Großen Koalition stand 2008/09 im Schatten der globalen Finanz- u.und Wirtschaftskrise, die durch den Zusammenbruch des Immobilienmarktes in den USA ausgelöst worden war u.und das internationale Bankensystem bedrohte. Im Oktober 2008 wurde ein Rettungspaket verabschiedet, das über einen Finanzmarktstabilisierungsfonds bis zu 400 Milliarden Euro für Bürgschaften für Kredite der dt.deutschen Banken untereinander vorsah u.und bis zu 80 Milliarden Euro für direkte Beteiligungen an Finanzinstituten. Angesichts der drohenden wirtschaftl.wirtschaftlichen Rezession verabschiedete das Bundeskabinett im Januar 2009 ein milliardenschweres Konjunkturpaket. Der Maßnahmekatalog beinhaltete Steuer- u.und Abgabenerleichterungen, Investitionen in die Infrastruktur sowie eine Umweltprämie (Abwrackprämie) als Anreiz zum Kauf neuer Autos u.und einen Rettungsschirm für bedrohte Unternehmen. Der Arbeitsmarkt wurde durch großzügige Regelungen hinsichtlich des Kurzarbeitergeldes gegen die Verwerfungen der Krise abgesichert. Am 23. Mai 2009 bestätigte die Bundesversammlung im ersten Wahlgang Bundes-Präs.Bundespräsident Horst Köhler im Amt.
In der Außenpolitik stand 2009 neben den anwachsenden Risiken des Afghanistan-Einsatzes die Europäische Union im Mittelpunkt. Am 30. 6. 2009 erklärte das Bundesverfassungsgericht den Vertrag von Lissabon zwar für verfassungskonform, aber das dt.deutsche Begleitgesetz hinsichtlich der Mitspracherechte von Bundestag u.und Bundesrat für nicht ausreichend. Damit mussten Bundestag u.und Bundesrat noch kurz vor Ende der Legislaturperiode das Begleitgesetz ändern, um eine Ratifizierung des Vertragswerkes durch die BR DeutschlandBundesrepublik Deutschland zu ermöglichen.
Bei den Bundestagswahlen am 27. 9. 2009 gewannen CDU/CSU u.und FDP eine stabile Mehrheit für ein Regierungsbündnis. Die SPD erlebte ein Debakel u.und erzielte mit einem Stimmenanteil von 23 Prozent ihr bisher schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl. Im Mai 2010 erklärte Bundespräsident Köhler im Zusammenhang mit Kritik an seinen Äußerungen über Auslandseinsätze der Bundeswehr überraschend seinen Rücktritt. Zum neuen Bundespräsidenten wurde von der Bundesversammlung am 30. Juni 2010 im dritten Wahlgang Christian Wulff gewählt.
Veranlasst durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes reformierte die Regierung die Hartz IV-Gesetzgebung. Das im August 2010 von Thilo Sarrazin (* 1945) veröffentlichte Buch »Deutschland schafft sich ab« löste eine zugespitzte sozial- und bevölkerungspolitische Debatte aus. Dabei wurden dem Autor u. a. Biologismus und Rassismus vorgeworfen. Vor dem Hintergrund dieser Debatte gab Sarrazin sein Amt als Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank auf. Die SPD leitete ein Parteiordnungsverfahren gegen ihn ein (im April 2011 beendet; Sarrazin blieb in der Partei). Neben der Sarrazin-Debatte bewegten 2010/11 die Auseinandersetzungen über das umstrittene Bahnprojekt »Stuttgart 21« Öffentlichkeit und Medien. In der Energiepolitik beschloss das Kabinett 2010 gegen den starken Widerstand der Opposition eine Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke um durchschnittlich zwölf Jahre. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 änderte die Regierung Merkel ihren energiepolitischen Kurs mit dem Ziel, schneller in die Versorgung mit erneuerbaren Energien einzusteigen. Die sieben ältesten Kernkraftwerke wurden zunächst für drei Monate für eine Sicherheitsprüfung abgeschaltet (Moratorium). Am 1. 3 2011 erklärte Verteidigungsminister K.-T. zu Guttenberg im Zusammenhang mit einer Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit seinen Rücktritt. Er hatte im Jahr zuvor im Rahmen einer Bundeswehrreform eine Aussetzung der Wehrpflicht angestoßen, die am 24. 3. 2011 vom Bundestag beschlossen wurde. Nach dem unbefriedigenden Abschneiden der Regierungsparteien bei verschiedenen Landtagswahlen im ersten Quartal 2011 spitzten sich v. a. in der FDP Auseinandersetzungen über die Führung und den Kurs der Partei zu. Vor diesem Hintergrund erklärte Außenminister G. Westerwelle am 3. 4. 2011, beim nächsten Parteitag nicht erneut für das Amt des FDP-Parteivorsitzenden zu kandidieren. Sein Nachfolger als Parteivorsitzender und Vizekanzler wurde P. Rösler. Im Mai 2011 einigte sich die Regierung auf den vollständigen Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022 (außerdem Verzicht auf erneute Inbetriebnahme der sieben ältesten Kraftwerke und des Kernkraftwerks Krümmel). Am 30. 6. 2011 stimmte der Bundestag (513 von 620 Abgeordneten) diesem Vorhaben zu. Um die Euroschuldenkrise effizienter bekämpfen zu können, billigte der Bundestag am 29. 9. 2011 eine Erhöhung des deutschen Garantierahmens für den Euro-Rettungsfonds EFSF von 123 auf 211 Milliarden Euro (523 Jastimmen, 85 Neinstimmen und 3 Enthaltungen). Dabei konnte sich Angela Merkel auf 315 Jastimmen aus dem Regierungslager stützen. Damit war die sogenannte Kanzlermehrheit (311 von 330 möglichen Koalitionsstimmen) um 4 Stimmen übertroffen. Eine Kredit- und Medienaffäre sowie öffentliche Debatten über Vergünstigungen brachten Bundespräsident Wulff im Dezember 2011 unter starken innenpolitischen Druck. Am 16. 2. 2012 beantragte die Staatsanwaltschaft Hannover die Aufhebung seiner Immunität, um wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsnahme bzw. Vorteilsgewährung ermitteln zu können. Daraufhin trat Wulff am 17. 2. 2012 vom Amt des Bundespräsidenten zurück. Am 27. 2. 2012 billigte der Bundestag ein zweites Griechenland-Hilfspaket im Umfang von 130 Milliarden Euro (496 Jastimmen, 90 Neinstimmen und 5 Enthaltungen). Die politisch wichtige Kanzlermehrheit wurde dabei um sieben Stimmen verfehlt. Die Bundesversammlung wählte am 18. 3. 2012 im ersten Wahlgang J. Gauck mit 991 von 1232 abgegebenen Stimmen zum neuen Bundespräsidenten.

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