In seiner langen Geschichte spielte Frankreich immer wieder eine besondere Rolle. Die Französische Revolution 1789 schuf die Voraussetzungen für die Entstehung des modernen demokratischen Nationalstaates. Jahrhundertelang war die Hauptstadt Paris Mittelpunkt der zentralistisch regierten „Grande Nation“, erst in den letzten Jahrzehnten konnten die einzelnen Regionen ein eigenes Profil gewinnen. Seit den 1950er Jahren trieb Frankreich - häufig zusammen mit Deutschland - den europäischen Einigungsprozess voran, doch zeigte das negative Referendum zur Europäischen Verfassung 2005, dass diese Idee an Attraktivität verloren hat. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts stellten wirtschaftliche Stagnation und soziale Probleme das „republikanische Modell“ einer laizistischen und freiheitlichen Gesellschaft in Frage.
Natur und Klima
Frankreich.sgm
| Offizielle Bezeichnung: |
Französische Republik |
| KFZ-Kennzeichen: |
F |
| Fläche: |
551 500 km2 |
| Einwohner: |
62,6 Mio. |
| Hauptstadt: |
Paris |
| Zeitzone: |
Mitteleuropäische Zeit |
| Amtssprache(n): |
Französisch |
| Staatsform: |
präsidentiell-parlamentarische Republik |
| Nationalfeiertag: |
14.7. |
| Währung: |
1 Euro = 100 Cent |
Frankreich.sgm country.box
F.Frankreich ist der größte
westeurop.westeuropäische Staat
u.und geht nach
NONordosten ohne
deutl.deutliche Grenze in das Tief-
u.und Mittelgebirgsland Mitteleuropas über. Im
NNorden,
WWesten,
SSüden u.und SOSüdosten bilden Meere (Atlantischer Ozean, Mittelmeer)
u.und Gebirge (Pyrenäen, Alpen)
natürl.natürliche Grenzen. Das Land gliedert sich in große Becken, alte Gebirgsmassive
u.und junge Faltengebirge.
Das Pariser Becken im Zentrum des Landes wird von mächtigen Sedimentpaketen bedeckt. An seinem Rand bilden die aufgefalteten Sedimente weite Schichtstufenlandschaften, die im WWesten vom Ärmelkanal gekappt werden. Das zweite, ebenfalls von Schichtstufen begrenzte Sedimentationsbecken im SWSüdwesten, das Aquitanische Becken, ist über die Schwelle von Poitou mit dem Pariser Becken verbunden.
Über den größten Teil Südostfrankreichs erhebt sich das durchschnittlich 700 m hohe Zentralmassiv. Nach OOsten fällt es steil zur Saône-Rhône-Senke ab, die sich über die Burgundische Pforte bis in den Oberrheingraben fortsetzt. Ein altes Gebirgsmassiv ist auch die Bretagne (Amorikanisches Massiv) im NWNordwesten, das wie das Zentralmassiv zu einem Rumpfgebirge eingeebnet wurde; seine höchsten Erhebungen liegen unterhalb von 400 m. Ebenfalls eine Fortsetzung des Zentralmassivs sind die Ardennen, Teil eines großen Faltenbogens, der sich im Rheinischen Schiefergebirge wiederfindet. Die Vogesen wurden beim Einbruch des Oberrheingrabens herausgehoben.
Im SOSüdosten u.und im äußersten SSüden hat F.Frankreich Anteil an den Faltengebirgen der Alpen u.und der Pyrenäen. In den französ.französischen Alpen erhebt sich mit dem Mont-Blanc-Massiv (4807 m) die höchste Bergspitze Europas. Die französ.französischen Pyrenäen erreichen im Pic de Vignemale 3298 m. An der Grenze zur Schweiz verläuft das Faltengebirge des Jura.
Abwechslungsreiche Küste
Die Ausgleichsküste im südwestlich gelegenen Golf von Biscaya setzt sich über die buchtenreiche Felsenküste der Bretagne bis zur Ärmelkanalküste mit ihren Kreidefelsen fort. Dabei greift das Meer in mehreren großen Flussmündungen (Seine, Loire, Garonne) weit ins Land hinein. Im SOSüdosten grenzt F.Frankreich an das Mittelmeer, in das die Rhône mit einem markanten Mündungsdelta entwässert. Weiter südöstlich ist die gebirgige Mittelmeerinsel Korsika vorgelagert.
Kulturlandschaften
Jahrtausendelange Besiedlung haben in der Landschaft unübersehbare Spuren hinterlassen. In der Bretagne hat eine atlantische, mit Ginster durchsetzte Heidevegetation die ursprüngl.ursprünglichen Wälder ersetzt, auf den abgeholzten Flächen im NNorden erstrecken sich heute weite Ackerflächen. Im SSüden sind die Hartlaubwälder der Gebüsch- u.und Zwergstrauchvegetation von Macchie u.und Garrigue gewichen. Die verbliebenen Waldflächen bedecken heute etwa ein Viertel der Staatsfläche u.und konzentrieren sich vor allem auf die Gebirgsregionen.
Ausgeglichenes Klima
Vom Atlantik greifen feuchte Luftmassen in das Land herein u.und bestimmen das maritime Klima des Nordwestens mit ganzjährigen Niederschlägen, geringen Temperaturextremen im Tages- u.und Jahresverlauf u.und häufig auftretenden Winden. Im SSüden kommt der mediterrane Einfluss zur Geltung: Die Sommer sind warm u.und relativ trocken, das Niederschlagsmaximum liegt hier im Herbst. Das Pariser Becken u.und der NONordosten zeigen kontinentalere Klimazüge mit größeren jährl.jährlichen Temperaturunterschieden u.und geringeren Niederschlägen. In den Gebirgen fallen die winterl.winterlichen Niederschläge meist als Schnee.
Bevölkerung
Drei Viertel der Franzosen leben in den über 30 Großstädten des Landes; ein Fünftel der Bevölkerung konzentriert sich allein auf den Großraum Paris. Auch das nördl.nördliche Industriegebiet u.und Elsass-Lothringen sind trotz der durch den Strukturwandel bedingten Abwanderung immer noch dicht besiedelt. Die südfranzös.südfranzösische Küste weist seit dem Zweiten Weltkrieg einen Bevölkerungszuwachs auf. Er ist auf den starken Zustrom von Rentnern zurückzuführen, die hier ihren Alterswohnsitz nehmen.
Schon um das Jahr 1800 umfasste F.Frankreich mit 28 Mio. Ew.Einwohnern rd.rund ein Viertel der Bevölkerung Europas. 1900-1945 stagnierte die Bevölkerungszahl bei gut 40 Mio. Die insges.insgesamt starke Bevölkerungszunahme nach 1945 wird u. a. auf eine „kinderfreundliche“ Familienpolitik zurückgeführt. Noch heute liegt die Geburtenrate im europ.europäischen Vergleich im oberen Bereich.
Minderheiten und Einwanderer
Zu den ethn.ethnischen Minderheiten gehören die Provençalen in Südfrankreich, die Flamen in Französisch-Flandern u.und die Katalanen im Roussillon. Sie verständigen sich in eigenen, roman.romanischen Sprachen. Dagegen sprechen die Bretonen eine kelt.keltische Sprache u.und die Basken die einzige westeurop.westeuropäische Sprache nichtindogerman.nichtindogermanischen Ursprungs. Im Elsass u.und Ostlothringen haben etwa 1 Mio. Ew.Einwohner Deutsch als Muttersprache, eine weitere Million verständigt sich auf Korsika u.und um Nizza auf Italienisch.
Der größte Teil der Ausländer stammt aus den ehem.ehemaligen französ.französischen Kolonien Marokko u.und Algerien. Viele Immigranten wohnen in großen, ab den 1970er Jahren entstandenen Neubausiedlungen am Rand der Großstädte. Die Integration der Einwanderer, von denen eine Mehrheit die französ.französische Staatsbürgerschaft hat, ist nur sehr unvollständig gelungen. Vor allem in den Großstädten haben ganze Stadtviertel einen deutlich oriental.orientalischen Charakter angenommen. Diese „Maghrebisierung“ sowie die deutliche soziale u.und wirtschaftl.wirtschaftliche Benachteiligung ließen das Konfliktpotenzial wachsen u.und führten immer wieder zu offenen Gewaltausbrüchen, etwa im November 2005. Auch hat die Zahl rassist.rassistischer Übergriffe auf islamische u.und jüdische Einrichtungen deutlich zugenommen. Mit etwa 5 Mio. Muslimen stellt F.Frankreich die größte islam.islamische Gemeinde Europas.
Bildung
In F.Frankreich ist eine kostenlose Schulausbildung verfassungsgemäß garantiert; sie findet in einem Ganztagsschulsystem statt, bei dem der Mittwoch ganz oder halbtags schulfrei ist. Schulpflicht besteht zwischen dem 6. u.und 16. Lebensjahr. Die kostenpflichtigen Privatschulen sind meist konfessionell (überwiegend kath.katholisch) gebunden. Eine freiwillige Vorschule (École maternelle) bereitet die 2-5-jährigen Kinder auf den Schulbesuch vor. In einigen Regionen, z. B. dem Elsass, gibt es bilinguale Vorschuleinrichtungen. An die fünfjährige Grundschule schließt sich der Sekundarbereich an, der aus zwei aufeinander folgenden Stufen, dem Collège u.und dem Lycée (Gymnasium) besteht. Am Ende des vierjährigen Collège entscheidet eine Abschlussprüfung über die Aufnahme ins Lycée, das sich in zwei Ausbildungszweige unterteilt: in das allg.allgemein bildende oder techn.technische Gymnasium, das auf die Hochschule vorbereitet, u.und in das berufl.berufliche Gymnasium.
Das französ.französische Bildungssystem, vor allem das Hochschulsystem, ist stark von Auslese u.und Elitebildung geprägt. Neben den Universitäten gibt es die Eliteeinrichtungen der Instituts universitaires de technologie u.und der Grandes écoles, deren Absolventen traditionell die höheren Führungskräfte des Landes in Politik u.und Wirtschaft stellen.
Staat und Politik
Frankreich: Verwaltungsgliederung
Frankreich: Verwaltungsgliederung| Region | Fläche (in km2 ) | Einwohner (in 1000) | Hauptstadt |
| Aquitaine | 41 308 | 3 200 | Bordeaux |
| Auvergne | 26 013 | 1 343 | Clermont-Ferrand |
| Basse-Normandie | 17 589 | 1 467 | Caen |
| Bretagne | 27 208 | 3 163 | Rennes |
| Burgund (Bourgogne) | 31 582 | 1 637 | Dijon |
| Centre | 39 151 | 2 544 | Orléans |
| Champagne-Ardenne | 25 606 | 1 336 | Châlons-en-Champagne |
| Elsass (Alsace) | 8 280 | 1 847 | Straßburg (Strasbourg) |
| Franche-Comté | 16 202 | 1 168 | Besançon |
| Haute-Normandie | 12 317 | 1 822 | Rouen |
| Île-de-France | 12 012 | 11 746 | Paris |
| Korsika (Corse) | 8 680 | 307 | Ajaccio |
| Languedoc-Roussillon | 27 376 | 2 616 | Montpellier |
| Limousin | 16 942 | 741 | Limoges |
| Lothringen (Lorraine) | 23 547 | 2 342 | Metz |
| Midi-Pyrénées | 45 348 | 2 865 | Toulouse |
| Nord-Pas-de-Calais | 12 414 | 4 022 | Lille |
| Pays de la Loire | 32 082 | 3 538 | Nantes |
| Picardie | 19 400 | 1 906 | Amiens |
| Poitou-Charentes | 25 810 | 1 759 | Poitiers |
| Provence-Alpes-Côte-d'Azur | 31 400 | 4 940 | Marseille |
| Rhône-Alpes | 43 698 | 6 160 | Lyon |
Frankreich: Verwaltungsgliederung standard.tables
Nach der inzwischen mehrfach geänderten Verfassung (zuletzt 2008) vom 4. 10. 1958 ist
F.Frankreich eine unteilbare, laizistische (Staat
u.und Kirche streng voneinander trennende), demokratische
u.und soziale Republik mit präsidialen wie
parlamentar.parlamentarischen Zügen. Der über weitreichende Vollmachten verfügende Staatspräsident (Président de la République) wird für eine Amtszeit von fünf Jahren direkt gewählt. Die maximale Amtszeit ist auf zehn Jahre bzw. zwei Mandate beschränkt. Er ist Staatsoberhaupt
u.und Oberbefehlshaber der Armee. Militärische Auslandseinsätze unterliegen der Kontrolle des Parlaments. Der Präsident ernennt den
Premier-Min.Premierminister u.und auf dessen Vorschlag hin die übrigen Kabinettsmitglieder. Außerdem führt der Präsident den Vorsitz im Ministerrat
u.und kann die Nationalversammlung auflösen. Er hat auch das Recht, Notstandsregelungen zu treffen, die aber nach 30 Tagen einer parlamentarischen Kontrolle unterzogen werden können.
Das Parlament besteht aus zwei Kammern, der Nationalversammlung (Assemblée Nationale) u.und dem Senat. Die Nationalversammlung hat 577 Abgeordnete, die auf fünf Jahre nach dem Mehrheitswahlrecht direkt gewählt werden. Der Senat ist die Vertretung der Gebietskörperschaften. Er besteht aus 348 Senatoren. Die Länge der Amtsperiode beträgt sechs Jahre (alle drei Jahre indirekte Neuwahl der Hälfte der Senatoren).
Ein Zehntel der wahlberechtigten Bevölkerung bzw. ein Fünftel der Parlamentsmitglieder können ein Referendum herbeiführen.
2002 haben sich Neogaullisten (Rassemblement pour la République, RPR), Liberale (Démocratie Libérale, DL) u.und Teile der Union für die französ.französische Demokratie (Union pour la Démocratie Française, UDF) zur „Präsidentenpartei“ Union für die Volksbewegung (Union pour un Mouvement Populaire, UMP) zusammengeschlossen, die in der Nationalversammlung über eine absolute Mehrheit verfügt u.und die Regierung stellt. Stärkste Kraft der Opposition sind die Sozialisten (Parti Socialiste, PS). Weitere Parteien sind die zentristische Demokratische Bewegung (Mouvement Démocrate, ModDem), das konservative Neue Zentrum (Nouveau Centre), die Kommunisten (Parti Communiste Française, PCF), die Grünen (Les Verts) sowie die Radikale Partei der Linken (Parti Radical de Gauche, PRG). Auf der äußersten Rechten steht die Nationale Front (Front National, FN).
Grundlage der Rechtsprechung ist der Code civil. Der Verfassungsrat (Conseil Constitutionnel) kann die Verfassungsmäßigkeit von Gesetzen überprüfen.
Wirtschaft und Verkehr
Charakteristisch für die französ.französische Wirtschaft ist die starke Einflussnahme des Staates, die aber zunehmend abgebaut wird (Privatisierung von Banken, Versicherungsgesellschaften u.und Staatsbetrieben). F.Frankreich weist ein starkes wirtschaftl.wirtschaftliches Gefälle zwischen dem Zentrum u.und der Peripherie auf. In den letzten Jahrzehnten wurde versucht, dem durch eine verstärkte Regionalisierung entgegenzuwirken. Eine relativ hohe Arbeitslosigkeit, die zunehmende Staatsverschuldung u.und das Außenhandelsdefizit belasten die weitere wirtschaftl.wirtschaftliche Entwicklung.
Bedeutende Landwirtschaft
Der Agrarsektor spielt nach wie vor eine sehr wichtige Rolle. Über die Hälfte der Landesfläche wird landwirtschaftlich genutzt. Im Pariser Becken u.und seiner Umgebung dominieren Großbetriebe, die auf den Anbau von Getreide u.und Zuckerrüben spezialisiert sind. Im SSüden herrschen Wein- u.und Ölbaumkulturen vor; F.Frankreich ist der größte Weinproduzent der Welt. Die große Bedeutung der Fischereiwirtschaft zeigt sich an der breiten Exportpalette an Meeresfrüchten. In den Mittelgebirgen u.und in den Alpen liegt der Schwerpunkt auf der Viehwirtschaft, die über die Hälfte der Agrarproduktion erwirtschaftet. Wichtiges Exportprodukt ist Käse, von dem jede Region eigene Spezialitäten hervorgebracht hat.
Champagne: Weinberg
Weinberg in der Champagne
Weinberg in der Champagne.
© Champagne Pommery GmbH, München
Burgund: Weinberg img
Entwicklungen in der Industrie
F.Frankreich verfügt über beträchtl.beträchtliche Eisenerz- u.und Kohlevorkommen, doch aufgrund des geringen Metallgehaltes der Erze u.und der mangelnden Rentabilität des Kohlebergbaus wurde die Eisenerz- u.und Kohleförderung mittlerweile eingestellt. Weiter gefördert werden Bauxit, Erdöl u.und Erdgas. Über die Hälfte der in der Industrie Beschäftigten arbeitet im Pariser Becken. Bedeutsam sind neben dem Maschinen- u.und Fahrzeugbau die Mode- u.und Lederwarenindustrie, die Druckindustrie sowie die Parfümherstellung. Staatliche Förderung begünstigte in den 1960er Jahren die Ansiedlung von chemischer u.und petrochem.petrochemischer Industrie sowie von Elektro- u.und Elektronikindustrie in der Region Rhône-Alpes. Gleichzeitig wurden an der Kanalküste u.und am Mittelmeer neue Stahlwerke geschaffen. An den traditionellen Standorten der Eisen- u.und Stahlgewinnung in Lothringen, der Region Lille-Valenciennes u.und Saint-Étienne hat sich im Zuge des mit hoher Arbeitslosigkeit u.und Abwanderung verbundenen Strukturwandels der Dienstleistungssektor als wichtigster Wirtschaftssektor herausgebildet. Toulouse im SSüden hat eine international bedeutende Stellung im Flugzeugbau; hier wird ein Großteil der Airbus-Großraumflugzeuge montiert. Auf dem Gebiet der Atomenergie nimmt F.Frankreich in Europa einen Spitzenplatz ein: Rund 80% der elektr.elektrischen Energie stammen aus Kernreaktoren.
Führendes Reiseland
Mit jährlich 75 Mio. ausländ.ausländischen Touristen ist F.Frankreich das Fremdenverkehrsziel Nummer eins in der Welt. Klassische Reiseziele sind neben Paris (mit Versailles) u.und der Côte d’Azur die Atlantikküste, die Seebäder der Bretagne u.und der Normandie sowie das Loiretal u.und die Provence. Zu den 30 Stätten des UNESCO-Weltkulturerbes gehören Schlösser, Kathedralen, Paläste u.und mittelalterl.mittelalterliche Stadtkerne.
Dichtes Verkehrsnetz
Das französ.französische Verkehrsnetz ist auf die Hptst.Hauptstadt Paris ausgerichtet, doch auch die Peripherie ist gut erschlossen. Gebührenpflichtige Privatautobahnen ergänzen das weit verzweigte Fernstraßennetz. F.Frankreich hat das weltweit längste Schienennetz für Hochgeschwindigkeitszüge (TGV). Ferner durchzieht das Land ein enges Netz an Binnenwasserstraßen, das über den Midi-Kanal bereits seit dem 17. Jh. Jahrhundert den Atlantik mit dem Mittelmeer verbindet, aber wegen Überalterung den Anforderungen nicht mehr überall gerecht wird.
Geschichte
Mittelalter
Obwohl die Franzosen ihre Geschichte mit
Karl dem Großen (Charlemagne) beginnen lassen, kann man von einer eigenständigen
westfränk.westfränkischen Geschichte erst seit der endgültigen Teilung des
Frankenreichs von 888 sprechen. Von den
Normannen bedrängt, geriet das Königtum in eine Krise:
Karl der Einfältige wurde bereits zu Lebzeiten seines Vorgängers Odo zum König gewählt
u.und nach Odos Tod 898 im ganzen Reich anerkannt. Er bannte die Normannengefahr durch die Verleihung der Normandie als Herzogtum an den Normannenführer
Rollo (911). 987 ging die Herrschaft von den
westfränk.westfränkischen Karolingern auf die Kapetinger über. Zwar sicherte
Hugo Capet die Erblichkeit, doch blieb die Macht der Kronvasallen erhalten. 1154-1214 war ganz Westfrankreich in
engl.englischem Besitz.
Philipp II. August konnte die Engländer besiegen
u.und das Fundament für einen starken
französ.französischen Einheitsstaat legen, der neben der politischen auch die geistige Führung in Europa errang. Zwei Gefahren bedrohten allerdings diese neue Machtstellung: die Anerkennung der
engl.englischen Lehnsherrschaft in der Guyenne
u.und der Ausbruch des Machtkampfs mit dem Papsttum unter
Philipp IV. dem Schönen u.und Papst
Bonifatius VIII. Philipp ließ Bonifatius 1303 in Anagni gefangen nehmen
u.und nach dessen Tod den Erzbischof von Bordeaux zum Papst
(Klemens V.) wählen, der seinen Sitz in
Avignon nahm.
Nach dem Ende der Kapetinger löste ein Thronfolgestreit zwischen den
französ.französischen Valois
u.und dem
engl.englischen König Eduard III. 1337 den Hundertjährigen Krieg aus, der mit längeren Unterbrechungen bis 1453 dauerte. Mit Unterstützung der Jungfrau von Orléans (
Jeanne d’Arc) gelang es
Karl VII., die Engländer aus
F.Frankreich zu verdrängen
u.und den Nationalstaat zu einen.
Der absolutistische Staat
Aus den Zerrüttungen der Religionskriege
(Hugenottenkriege) des 16.
Jh. Jahrhunderts ging das Königtum gestärkt hervor. 1589 begann mit
Heinrich IV. die Herrschaft der Bourbonen in
F.Frankreich u.und damit der Weg zum Absolutismus. Das Edikt von Nantes (1598) verlieh den Hugenotten beschränkte religiöse Duldung
u.und staatsbürgerl.staatsbürgerliche Gleichberechtigung. Den beiden Kardinälen
Richelieu u.und Mazarin gelang es, den
absolutist.absolutistischen Staat endgültig aufzurichten, der unter
Ludwig XIV. seine volle Macht entfaltete. Der
Westfälische Friede u.und der
Pyrenäenfriede mit Spanien (1659) ließen
F.Frankreich zeitweise zur führenden Macht in Europa aufsteigen.
Die höfische Prachtentfaltung sowie die Verstrickung in den
Österreichischen Erbfolgekrieg u.und den
Siebenjährigen Krieg in Europa
u.und Amerika unter
Ludwig XV. brachten das Land finanziell an den Rand des Ruins
u.und bereiteten mit dem Aufstieg des Bürgertums dem Denken der Aufklärung
u.und der Französischen Revolution den Boden.
Französische Revolution und Herrschaft Napoleons I.
Unter
Ludwig XVI. brach 1789 die Revolution in
F.Frankreich aus: Auf die Erstürmung der
Bastille durch Pariser Volksmassen folgte die Verkündigung der Menschen-
u.und Bürgerrechte. 1792 wurde
F.Frankreich Republik, die sich in den Revolutionskriegen gegen verschiedene
europ.europäische Koalitionen behauptete. Nach der Hinrichtung Ludwigs XVI. 1793 steigerte sich die
Schreckensherrschaft der Jakobiner. Die Ausdehnung des Terrors auf die eigene Partei führte zum Sturz
u.und zur Hinrichtung Maximilien de
Robespierres (1794) sowie zur Herrschaft gemäßigter Politiker. Nach seinem Staatsstreich von 1799, der die Revolution beendete, krönte sich Napoleon
Bonaparte 1804 zum Kaiser Napoleon I. Er schuf mit dem Code civil die bis heute gültige
bürgerl.bürgerliche Rechtsordnung. Napoleons Herrschaft brachte
F.Frankreich immer neue Auseinandersetzungen mit Koalitionen der
europ.europäischen Mächte (
Koalitionskriege) bis zur endgültigen Niederlage 1815.
Karikatur: Französische Revolution
Karikatur: Französische Revolution
Der Bauer (3. Stand) trägt alle Lasten (Adel und Klerus); Kolorierter Kupferstich. Paris, Bibliotheque National
© wissenmedia
Karikatur: Französische Revolution img
Untergang von Lyon
Untergang von Lyon
Gegen die Revolutionäre in Paris kämpfen nicht nur die Royalisten, sondern auch eine Vielzahl von Separatisten, die die Umwälzungen für eine größere Autonomie ausnutzen wollen. Mit Härte reagiert die Regierung der Republik. Beispiellos ist das Strafgericht über Lyon, nachdem ein föderalistischer Aufstand 1793 niedergeschlagen wurde:
Der Nationalkonvent beschließt nach Anhörung des Sicherheitsausschusses:
Art. 1: Der Nationalkonvent wird auf Vorschlag des Sicherheitsausschusses einen Sonderausschuss ernennen, der aus fünf Mitgliedern besteht und der ohne Aufschub und mit militärischen Mitteln die Konterrevolutionäre in Lyon bestrafen soll.
Art. 2: Alle Einwohner von Lyon sollen entwaffnet werden. Ihre Waffen sollen auf der Stelle an die Verteidiger der Republik verteilt werden. Ein Teil soll den Patrioten von Lyon zurückgegeben werden, die von den Reichen und Konterrevolutionären unterdrückt worden waren.
Art. 3: Die Stadt Lyon wird zerstört. Alles, was von den Reichen bewohnt gewesen ist, werde niedergerissen. Es soll nur das Haus des Armen, die Wohnstätten der erwürgten oder vertriebenen Patrioten, Gebäude, die besonders für die Industrie bestimmt sind und die Monumente, die der Menschlichkeit und dem öffentlichen Unterricht dienen, stehen bleiben.
Art. 4: Der Name Lyon wird aus dem Verzeichnis der Städte der Republik getilgt. Die Ansammlung von Häusern, die stehen bleiben, soll von nun an den Namen Ville Affranchie [Befreite Stadt] tragen.
Art. 5: Auf den Ruinen von Lyon soll eine Säule errichtet werden, die der Nachwelt die Verbrechen und die Bestrafung der Royalisten bezeugen wird. Sie soll die Umschrift tragen:
Lyon führte Kriege gegen die Freiheit,
es gibt Lyon nicht mehr.
Am achtzehnten Tage des ersten Monats,
im Jahr zwei der Französischen Republik,
der einen und unteilbaren.
Art. 6: Die Vertreter des Volkes werden ohne Aufschub Kommissare ernennen, um ein Verzeichnis aller Besitztümer aufzustellen, die den Reichen und den Konterrevolutionären von Lyon gehört haben, um unverzüglich ... diese Güter der Entschädigung der Patrioten zu widmen."
Untergang von Lyon
Restauration und Zweites Kaiserreich
Unter
Ludwig XVIII. kehrte das Königtum der Bourbonen zurück. Die
Julirevolution von 1830 zwang
Karl X. zur Flucht nach England; mit
Louis-Philippe von Orléans, dem
Bürgerkönig, kam die bürgerlich-liberale Monarchie ans Ruder. Die von Arbeitern
u.und Kleinbürgern getragene
Revolution von 1848 führte zur Errichtung der Zweiten Republik.
Juni-Aufstand als Klassenkampf
Juni-Aufstand als Klassenkampf
Alexis de Tocqueville schildert in seinen Erinnerungen den neuartigen Charakter des Pariser Juni-Aufstandes 1848:
So komme ich endlich zum Juni-Aufstand, dem größten und seltsamsten unserer und vielleicht auch der Weltgeschichte: der größte, weil während vier Tagen mehr als hunderttausend Mann daran beteiligt waren, und der seltsamste, weil die Aufständischen ohne Kriegsparole, ohne Führer, ohne Fahne und dennoch in bewundernswerter Einheit und mit einer die ältesten Offiziere in Erstaunen setzenden militärischen Sachkenntnis kämpften. Es gibt noch einen Punkt, der diesen Aufstand von allen gleicher Art, die bei uns seit sechzig Jahren aufeinander gefolgt waren, unterscheidet: sein Ziel war die Änderung nicht der Regierungsform, sondern der Gesellschaftsordnung. Es war nicht im eigentlichen Sinne (in dem Sinne, den wir bisher diesem Wort beigelegt haben) ein politischer, sondern ein Klassenkampf, eine Art von Sklavenaufstand. Er führte die Februar-Revolution, die von den sozialistischen Theorien geprägt war, zu ihrem äußeren Höhepunkt ... Man muss noch berücksichtigen, dass dieser furchtbare Aufstand nicht das Unternehmen eines begrenzten Kreises von Verschwörern war, sondern die Erhebung eines ganzen Volksteiles gegen einen anderen. Die Frauen nahmen ebenso teil wie die Männer. Während die ersteren kämpften, schleppten die letzteren Munition herbei; als der letzte Augenblick der Übergabe kam, waren die Frauen die letzten, die sich dazu bereit fanden ..."
Juni-Aufstand als Klassenkampf
Das Bürgertum, tief beunruhigt durch die Revolution, unterstützte im Dezember 1848 die Wahl des Prinzen
Louis Napoleon zum Präsidenten, der 1851 durch einen Staatsstreich die Republik stürzte
u.und sich in einer Volksabstimmung zum Präsidenten auf zehn Jahre wählen ließ. Als
Napoleon III. bestieg er am 2. Dezember 1852 den Thron. Seine Außenpolitik erstrebte die volle Wiederherstellung der alten
französ.französischen Machtposition in Europa
u.und der Welt. Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 kostete ihn die Macht.
F.Frankreich verlor das Elsass
u.und Teile von Lothringen.
Von der Dritten Republik bis zum Ende des 2. Weltkriegs
Die nach dem Sturz des Zweiten Kaiserreichs
gegr.gegründete Dritte Republik konnte sich anfangs nur schwer durchsetzen (1871 Kommuneaufstand in Paris). Die Dreyfus-Affäre 1894-1906 belastete die Innenpolitik. Außenpolitisch war
F.Frankreich durch
Bismarcks Gleichgewichtspolitik zunächst isoliert. Die weitere koloniale Expansion führte zu Konflikten mit Großbritannien, die jedoch bald beigelegt waren (
Entente von 1904). 1905 wurde durch Gesetz die völlige Trennung von Staat
u.und Kirche vollzogen. 1914 stellte sich
F.Frankreich auf die Seite Russlands
u.und wurde dadurch in den 1. Weltkrieg hineingezogen. Nach dem 1. Weltkrieg erhielt das Land Elsass-Lothringen durch den
Versailler Vertrag zurück. Die strikt antideutsche Politik scheiterte schließlich im
Ruhrkampf (1922/23)
u.und musste im Vertrag von Locarno
u.und mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund aufgegeben werden. Die Weltwirtschaftskrise begünstigte in den 1930er Jahren den
innenpolit.innenpolitischen Radikalismus.
Frankreich: Präsidenten
Frankreich: Präsidenten| Präsident | Amtszeit |
| Dritte Republik |
| Adolphe Thiers | 1871-1873 |
| Patrice Maurice Comte de Mac-Mahon | 1873-1879 |
| Jules Grévy | 1879-1887 |
| Marie François Sadi Carnot | 1887-1894 |
| Jean Casimir-Périer | 1894-1895 |
| Félix Faure | 1895-1899 |
| Émile Loubet | 1899-1906 |
| Armand Fallières | 1906-1913 |
| Raymond Poincaré | 1913-1920 |
| Paul Deschanel | 1920 |
| Alexandre Millerand | 1920-1924 |
| Gaston Doumergue | 1924-1931 |
| Paul Doumer | 1931-1932 |
| Albert Lebrun | 1932-1940 |
| Vichy-Regime |
| Philippe Pétain (Chef des Staates) | 1940-1944 |
| Übergangszeit |
| Charles de Gaulle (provisorisches Staatsoberhaupt) | 1944-1946 |
| Vierte Republik |
| Vincent Auriol | 1947-1954 |
| René Coty | 1954-1959 |
| Fünfte Republik |
| Charles de Gaulle | 1959-1969 |
| Georges Pompidou | 1969-1974 |
| Valéry Giscard d'Estaing | 1974-1981 |
| François Mitterrand | 1981-1995 |
| Jacques Chirac | 1995-2007 |
| Nicolas Sarkozy | 2007-2012 |
| François Hollande | seit 2012 |
Frankreich: Präsidenten standard.tables
Kolonialismus: Aufteilung der Erde 1914
Kolonialismus: Aufteilung der Erde
© wissenmedia
Kolonialismus: Aufteilung der Erde img
Nach Hitlers Angriff auf Polen erklärte
F.Frankreich 1939 dem Deutschen Reich den Krieg. Der
dt.deutsche Angriff 1940 stürzte das Land in seine schwerste Krise. Marschall
Pétain schloss einen Waffenstillstand, der den größten Teil des Landes mit Paris einer
dt.deutschen Besatzung unterwarf. Im freien Teil bildete Pétain eine autoritäre Regierung (
Vichy-Regierung), die mit Deutschland kollaborierte. Im Land entstand eine Widerstandsbewegung
(Résistance). Nach der Befreiung von der
dt.deutschen Besatzung zog General C. de
Gaulle 1944 in Paris ein
u.und blieb bis Januar 1946 an der Spitze einer
provisor.provisorischen Regierung.
Vierte und Fünfte Republik
In der 1946 errichteten Vierten Republik gingen die Niederlage im Indochinakrieg (1946-1954) u.und die Verluste von Marokko u.und Tunesien mit innenpolit.innenpolitischen Konflikten einher. 1957 trat das Land als Gründungsmitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft bei. Der vergebl.vergebliche Kampf gegen den Aufstand der Algerier führte 1958 zur Bildung der Fünften Republik, dessen erster Präsident Charles de Gaulle (1959-1969) wurde.
De Gaulle wollte
F.Frankreich zu einer unabhängigen Großmacht machen
u.und suchte einen dauerhaften Ausgleich mit dem einstigen Kriegsgegner (Deutsch-Französischer Vertrag 1963). Seinen
außenpolit.außenpolitischen Anspruch unterstrich de Gaulle 1966 mit dem Rückzug aus der
militär.militärischen Organisation der NATO. Nach den
Studentenunruhen 1968
u.und einem verlorenen Referendum trat der Präsident 1969 zurück. Im Amt des Staatspräsidenten folgten ihm der Gaullist Georges
Pompidou (1969-1974)
u.und der Republikaner Valéry
Giscard d’Estaing (1974-1981). 1981 wurde erstmals in der Fünften Republik mit dem Sozialisten F.
Mitterrand ein Vertreter der Linken Präsident, dessen Politik auf eine Einigung Europas im Rahmen der EU hinzielte.
Studenten und Arbeiter im Kampf gegen das gaullistische System
Studenten und Arbeiter im Kampf gegen das gaullistische System
Die linksgerichteten Parteien in Frankreich formulieren am 15. 5. 1968 einen Tadelsantrag gegen die Regierung. Sie geben ihrer mangelnden Reformbereitschaft und der restriktiven Wirtschaftspolitik die Schuld an den Massenprotesten in Frankreich. Am 21./22. 5. wird der Antrag vor der Nationalversammlung beraten und nur knapp abgelehnt.
10 Jahre nach seiner Machtübernahme hat das gaullistische Regime, indem es jeden wahren Dialog verweigerte, Studenten, Lehrpersonal, Bauern, Arbeiter, junge Arbeitslose gezwungen, auf Straßenmanifestationen außergewöhnlichen Umfangs zurückzugreifen. Opfer eines Universitätssystems, das nicht den Bedürfnissen des modernen Lebens entspricht und dem die Regierung die Mittel zur Reform verweigert, revoltieren die Studenten und ihre Lehrer mit ihnen. Sie denunzieren die Erkranktheit der Gesellschaft durch die Malaise der Universität. Auf ihre Beunruhigung, die insbesondere das Ungenügen der Gegebenheiten zum Studienabschluß rechtfertigen, hatte die Regierung keine andere Antwort als die Schließung der Sorbonne und polizeiliche Unterdrückungsmaßnahmen von unerhörter Brutalität. Landwirte, Arbeiter und die Gesamtheit der Werktätigen werden durch eine wirtschaftliche Rezessionspolitik hart getroffen, die die ersteren zum Exodus und alle zur Unterbeschäftigung und zu einer Herabsetzung ihres Lebensstandards verurteilt. Darüber hinaus ist die Lage der Angestellten durch die Regierungsanordnungen erschwert, die die soziale Sicherheit abgebaut haben. Eine ständig wachsende Anzahl junger Menschen wird arbeitslos, ehe sie eine Arbeit gehabt hat. Diese gemeinsame Angst von Millionen Franzosen ist die Verurteilung einer konservativen Gesellschaft, die lediglich auf der Suche nach Profiten gründet und die auf den immer klarer ausgedrückten Willen zur Förderung neuer politischer und menschlicher Werte nicht mehr antworten kann. In der Erwägung, dass das zögernde Zurückweichen der Regierung vor dem Unwillen der öffentlichen Meinung ihre Verantwortlichkeit während 10 Jahren nicht vergessen machen kann, tadelt die Nationalversammlung die Regierung ..."
Studenten und Arbeiter im Kampf gegen das gaullistische System
1995 folgte der Neogaullist Jacques
Chirac Mitterrand im Präsidentenamt. Seine erste Amtszeit wurde von Affären
u.und Spannungen mit dem
sozialist.sozialistischen Premier Lionel
Jospin überschattet. Bei den Präsidentschaftswahlen 2002 erreichte der rechtsextreme Jean-Marie
Le Pen überraschend die Stichwahl, bei der sich Chirac jedoch mit klarer Mehrheit durchsetzte. Neuer Premier wurde der rechtsliberale Jean-Pierre
Raffarin. Die
krit.kritische Position Frankreichs im Irakkonflikt führte 2002/03 zu Spannungen mit den USA. Die Innenpolitik wurde von Auseinandersetzungen über Sozialreformen bestimmt. Die Ablehnung des Europäischen Verfassungsvertrages in einem Referendum brachte die Regierung 2005 in Bedrängnis. Chirac berief Dominique de
Villepin zum neuen
Premier-MinPremierminister. Soziale Spannungen in den Vororten
(banlieues) der großen Städte eskalierten Ende 2005
u.und 2006 in gewalttätigen Jugendkrawallen.
Bei den Präsidentschaftswahlen 2007 konnte sich Nicolas
Sarkozy, Kandidat der Regierungspartei UMP, im Stichentscheid gegen die Sozialistin Ségolène
Royal durchsetzen. François
Fillon (UMP) wurde zum neuen Premierminister berufen. Die UMP behauptete bei den Parlamentswahlen 2007 die absolute Mehrheit der Mandate. Eine Verfassungsreform 2008 stärkte die Rechte des Parlaments zulasten des Präsidenten. Zur Bekämpfung der Finanzmarktkrise stellte die Regierung 2008/09 umfangreiche Liquiditätshilfen zur Verfügung. Am 9. 11. 2010 trat trotz wochenlanger Proteste von Opposition und Gewerkschaften eine Rentenreform in Kraft, die das Renteneintrittsalter von 60 auf 62 Jahre anhob. Nach den Senatsteilwahlen am 25. 9. 2011 stellten die linken Parteien erstmals in der Fünften Republik die Mehrheit in der zweiten Parlamentskammer. In der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen am 6. 5. 2012 konnte sich der Sozialist François Hollande (*
1954) gegen Amtsinhaber Sarkozy durchsetzen.
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