Total votes: 5
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken
LEXIKON

französische Literatur

Zu Beginn ist das französ.französische Schrifttum durch drei Grundkräfte gekennzeichnet: die lateinisch-röm.lateinisch-römische Tradition, das Christentum u.und die heim.heimische Überlieferung. Aus dem Jahr 842 datiert der erste altfranzös.altfranzösische Text (Les serments de Strasbourg), ein Vertragsdokument. Die Kirche bediente sich zunehmend der Volkssprache, um z. B. durch Heiligenleben die Volksfrömmigkeit zu fördern. Um 1100 setzte eine reiche nichtreligiöse Literatur ein, die die kriegerischen u.und hero.heroischen Taten des Kaisers u.und seiner Gefolgsleute zum Thema hatte. Dieses Heldenepos (Chanson de geste) ist beispielhaft im Rolandslied verwirklicht. Gleichzeitig entwickelte sich der höfische Versroman, der die feudale Welt der Epoche spiegelt. Als Meister der höfisch-ritterl.höfisch-ritterlichen Dichtung gilt Chrétien de Troyes, der u. a. im Rückgriff auf das keltisch-breton.keltisch-bretonische Sagengut eine ritterlich-abenteuerl.ritterlich-abenteuerliche Welt rd.rund um einen utop.utopischen Artushof schuf. Höfische u.und christl.christliche Kulturideale wurden ferner auf antike (Alexanderroman) u.und oriental.orientalische Stoffe übertragen.

Provençalische Literatur

Die weltl.weltliche Lyrik erreichte ihren ersten Höhepunkt mit den Troubadours der Provence (provençalische Literatur). Romanzen u.und Pastorellen stellten dramatisch bewegte Liebeswerbungen dar. Mit der Verlagerung der Literaturproduktion vom Hof in die Stadt erhielt die Lyrik eine realistische u.und polit.politische Note (Rutebeuf), ebenso die moralisierenden Kurzerzählungen (Fabliaux) des 13. u.und 14. Jh Jahrhunderts. Erbaulich-lehrhafter Inhalt verbarg sich auch in den Allegorien des Rosenromans, der jahrhundertelang weiterwirkte. Das Mysterienspiel, der Beginn des französ.französischen Dramas, entstand aus der Feiertagsliturgie, löste sich aber bald von der Kirche; weltl.weltliche Schauspielergesellschaften bildeten sich, das komische Element sonderte sich ab u.und wurde später als Hanswurstspiel (Sottie), Farce u.und Moralität im Bürgertum beliebt. Es entstand eine Theorie der Dichtkunst. Selbst F. Villon, der erste große französ.französische Lyriker, ist ihr verpflichtet.

Renaissance

Die französ.französische Literatur des 16. Jh. Jahrhunderts entwickelte sich unter dem Einfluss des italien.italienischen Vorbilds. 1470 wurde der Buchdruck eingeführt. Man begann, „wissenschaftlich“ zu denken: Bibelübersetzungen, Interpretationen u.und Textkritik entstanden. Von antikem Bildungsgut durchdrungen, gleichzeitig genialer Sprachschöpfer war F. Rabelais. Neben dem Einfluss G. Boccaccios in der Erzählkunst (Margarete von Navarra) behauptete sich das Vorbild des Rosenromans. Die zu künstliche u.und überladene Form der Lyrik lehnte eine Gruppe junger Dichter um P. de Ronsard (Plejade) ab, die in Horaz ihr Vorbild sah. Römischer Geist u.und italien.italienischer Einfluss wurden auch auf der Bühne wirksam: Die französ.französische Komödie ist der Commedia dellArte verpflichtet, die Tragödie, die zu Beginn in latein.lateinischer Sprache aufgeführt wurde, den Stoffen Senecas, dessen Stoizismus auch die „Essays“ M.-E. de Montaignes befruchtete.

Klassik

Im 17. Jh. Jahrhundert u.und im überwiegenden Teil des 18. Jh. Jahrhunderts verband sich die Tradition des Humanismus mit einem Gefühl der nationalen Größe, die mit einer allg.allgemeinen Verfeinerung der Sitten einherging. Die Sprache wurde zu äußerster Klarheit gereinigt (F. de Malherbe); literar.literarische Salons entstanden. Stilkunst u.und Gefühlsdarstellung verfeinerten sich zu „Galanterie“ u.und „Preziösentum“; diese Tendenz verspottete Molière in seinen Lustspielen. Die dem zentralist.zentralistischen Staat entspr.entsprechende Einheitlichkeit wurde durch die Gründung der Académie française (1634/35) gefördert. Richelieu als Protektor stellte die Aufgabe, ein verbindl.verbindliches Wörterbuch, eine Grammatik u.und Poetik abzufassen. Die Unterordnung aller unmittelbaren Empfindungen unter die Gebote Gottes u.und des Staates forderte P. Corneille (Trauerspiele); J. B. Racine rückte die Tugend des strengen Maßhaltens in den Vordergrund. In der Nachfolge der psycholog.psychologischen Zergliederungskunst M.-E. de Montaignes, geübt am Gesellschaftsspiel der Salons, u.und der Porträtkunst entstanden die Sammlungen der Maximen (F. La Rochefoucauld, J. de La Bruyère).

Aufklärung

Zu Beginn des 18. Jh. Jahrhunderts zog ein empfindsamer Ton in die Literatur ein. Der Glaube an die Allmacht der Vernunft (raison) begann zu wanken. Auch soziale Tendenzen machten sich in Drama u.und Roman zaghaft bemerkbar (P. de Marivaux, A. R. Lesage). In der Geschichtsbetrachtung, der Rechtsphilosophie (C. de Montesquieu) u.und auf dem Gebiet der literar.literarischen Kritik löste man sich von außermenschl.außermenschlichen Normen (Voltaire). Fortschrittsglaube, Toleranz u.und eine naturwissenschaftlich-empir.naturwissenschaftlich-empirische Methode kennzeichnen dieses „Zeitalter Voltaires“. Typisch für diese Richtung war das Unternehmen der Encyclopédie (D. Diderot u. a.), die neben der reinen Wissensvermittlung auch einen volksaufklärer.volksaufklärerischen Anspruch besaß. Die sozialen u.und demokrat.demokratischen Tendenzen der Komödie (P. A. C. de Beaumarchais) wiesen auf den Vorabend der Französischen Revolution.

Romantik

Gegenüber dem aufklärer.aufklärerischen Prinzip des 18. Jh. Jahrhunderts setzte sich am Ende der Epoche u.und im 19. Jh. Jahrhundert das Interesse an dem von starken Leidenschaften getriebenen Einzelmenschen durch. Die gesellschaftl.gesellschaftlichen Schranken wurden als hemmend empfunden, man sah die Kultur sogar als schädlich an (J.-J. Rousseau). Die neue Art, Mensch u.und Natur zu sehen, prägte die Vorromantik. Gefühl, Begeisterungsfähigkeit u.und die Auseinandersetzung damit waren ihre Themen (E. P. de Sénancour). Aber der übersteigerte Individualismus führte zugleich zur „Krankheit des Jahrhunderts“ (mal du siècle), dem Weltschmerz (F. R. de Chateaubriand). Der Kampf um das neue Drama wurde bei der Uraufführung von V. Hugos „Hernani“ sogar mit Fäusten ausgetragen. George Sand verkündete das Recht der Frau auf Leidenschaft. Am Ende dieser Epoche suchte man den Gefühlsüberschwang wieder einzudämmen (Stendhal, P. Mérimée). Der Roman sollte nicht mehr das Produkt der Einbildungskraft sein, sondern beobachtete Wirklichkeit bieten (H. de Balzac).
Balzac, Honoré de
Honoré de Balzac
Balzac, Honoré de img

Vom Realismus bis zur Gegenwart

In der 2. Hälfte des 19. Jh. Jahrhunderts machte sich der Einfluss der seelenergründenden Kunst der Skandinavier u.und Russen bemerkbar. Daneben bestanden der alte Individualismus u.und das Pathos der sozialen Forderungen weiter. Oberstes Gesetz der realist.realistischen Literatur war die Wahrheit (G. Flaubert) u.und Naturtreue wurde der Gradmesser (E. u.und J. de Goncourt). Die Literatur begann sich nach den Naturwissenschaften zu richten. Nicht die Sinndeutung des Lebens, sondern seine Entstehung u.und seine Wirkungen schienen wichtig (H. Taine). Zugleich entstand die Gegenströmung der Parnassiens. Diese strebten in der Lyrik nach dem Ideal absoluter Schönheit (lart pour lart), wobei sich romantische u.und antiromant.antiromantische Züge kreuzten.
Zeitekel, Einsamkeit, seelische Erschöpfung, Kampf gegen Gesellschaft, Welt u.und Religion kennzeichnen die vielleicht bedeutendste Epoche der französ.französischen Lyrik, den Symbolismus (C. Baudelaire, A. Rimbaud, P. Verlaine, S. Mallarmé). Der Roman fand dagegen die rein naturalist.naturalistische Form im Werk Zolas. Aber auch hier suchte man, die naturwissenschaftlich-positivist.naturwissenschaftlich-positivistische Richtung durch eine verfeinerte Psychologie zu überwinden (G. de Maupassant). A. France verstand es, den Eindruck des klass.klassisch Vollendeten hervorzurufen. Bei A. Gide verbindet sich klass.klassische Form mit der Anklage gegen die Gesellschaft, u.und die Lyrik P. Valérys hat zahlreiche Züge mit Symbolismus u.und Klassik gemeinsam. M. Proust andererseits gelang eine Abkehr mit Hilfe psycholog.psychologischer Analyse u.und Vertiefung. Es setzte eine Rückbesinnung auf die Kräfte der menschl.menschlichen Seele ein, so auch in der neukath.neukatholischen Bewegung zu Beginn des 20. Jh. Jahrhunderts (C. P. Péguy, F. Mauriac, P. Claudel, G. Bernanos). Zwischen den beiden Weltkriegen wurde der Kampf um den Surrealismus (G. Apollinaire, A. Breton, H. Michaux) ausgetragen, der in Lautréamont seinen Vorläufer hat. Kaum ein französ.französischer Schriftsteller der Moderne ist von dieser Richtung unberührt geblieben (R. Rolland, J. Romains, Saint-John Perse, L. Aragon, P. Éluard, J. Prévert, R. Char). Eine „geläuterte Realität“ wird angestrebt (Alain-Fournier, J. Giraudoux, J. Cocteau, J. Anouilh). Daneben wird das Ideal eines heroischen Lebens verfochten (H. de Montherlant, A. Malraux, A. de Saint-Exupéry). Schließlich gesellt sich als weitere, vornehmlich aus der französ.französischen Widerstandsbewegung des 2. Weltkriegs erwachsene Kraft in der Gegenwartsliteratur der Existenzialismus (A. Camus, J.-P. Sartre) hinzu, der als Lehre von der menschl.menschlichen Vereinsamung u.und Angst eine große Anziehungskraft ausübt.
Anouilh, Jean
Jean Anouilh
Anouilh, Jean img
Die dramat.dramatische Literatur der Nachkriegszeit war durch das absurde Theater geprägt (E. Ionesco, S. Beckett, A. Adamov, J. Audiberti). Ihm zur Seite standen die Schriftsteller des Nouveau roman (N. Sarraute, M. Duras, A. Robbe-Grillet, M. Butor, J. Genet, C. Simon). Sie brachen mit den überlieferten Formen, nur wenige konventionelle Romane erlangten Geltung (F. Sagan). Die gesellschaftlichen u.und polit.politischen Umbrüche der 1960er Jahre spiegelten sich auch in der Literatur (P. Sollers, R. Gary) u.und auf dem Theater (A. Mnouchkine). Die letzten Jahrzehnte des 20. Jh. Jahrhunderts wurden von der Theoriebildung bestimmt, die Werke von C. Lévi-Strauss, M. Foucault, R. Barthes, J. Kristeva, J. Derrida u. a. beeinflussten die Literatur wie auch die ihr benachbarten Disziplinen. Neben Werken, die die Vergangenheit des Landes beleuchten (M. Tournier, P. Modiano) u.und histor.historischen Romanen ( M. Yourcenar) entstanden gegen Ende des Jahrhunderts die aus Autobiografie u.und Memoiren weiterentwickelte „Autobiofiktion“ (F. Arrabal) sowie der „Deprimismus“, der schonungslos die Abgründe der Gesellschaft aufzeigt (F. Beigbeder, M. Houellebecq).
Total votes: 5
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken

Post new comment


0 Kommentare

Filtered HTML

  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <blockquote> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
This question is for testing whether you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.