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LEXIKON

Gndhi

Mohandas Karamchand, genannt Mahatma („die große Seele“), indischer Staatsmann und Reformator, * 2. 10. 1869 Porbandar,  30. 1. 1948 Neu-Delhi (ermordet); Gandhi war der herausragende Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung. Seine politische Bedeutung liegt in der erfolgreichen Anwendung des Prinzips der Gewaltlosigkeit durch passiven Widerstand und zivilen Ungehorsam.
Die Kraft der Gewaltlosigkeit
Die Kraft der Gewaltlosigkeit
Seine erste Kampagne der Satyagraha (wörtl. Festhalten an der Wahrheit ) im Sept. 1920 begründete Mahatma Gandhi mit seiner Theorie der Gewaltlosigkeit und der Noncooperation (ziviler Ungehorsam) gegenüber den britischen Kolonialherren:

Ich glaube Folgendes: Wo nur eine Wahl besteht zwischen Feigheit und Gewalt, da rate ich zur Gewalt. Als mein ältester Sohn mich einmal fragte, was er hätte tun sollen, wenn er dabei gewesen wäre, als ich im Jahre 1908 beinahe umgebracht worden wäre: ob er hätte weglaufen und es ruhig mit ansehen sollen, wie ich getötet würde, oder ob er hätte Brachialgewalt anwenden sollen, um mich zu verteidigen, da habe ich ihm geantwortet: es wäre dann seine Pflicht gewesen, mich auch unter Anwendung von Gewalt zu schützen... Ich würde lieber Indien zu den Waffen greifen sehen, um seine Ehre zu verteidigen, als dass es in Feigheit der Zeuge seiner eigenen Entehrung werden würde.
Aber ich glaube eben, dass die Gewaltlosigkeit der Gewalt unendlich überlegen ist... Stärke entspringt nicht der physischen Macht. Sie entspringt einem unbezähmbaren Willen...
Ich habe es gewagt, Indien das alte Gesetz der Aufopferung aufzuerlegen. Denn Satyagraha und was sich daraus ableitet, Noncooperation und ziviler Widerstand, sind nichts als neue Namen für das Gesetz des Leidens...
Gewaltlosigkeit ist eine dynamische Bedingung, die bewusstes Leiden bedeutet. Sie bedeutet nicht, sich dem Willen des Übeltäters zu unterwerfen, sondern sie bedeutet, daß man die ganze Kraft seiner Seele dem Tyrannen entgegensetzt. Wer sich durch dieses Gesetz unserer Art bestimmen lässt, ist fähig, ganz für sich allein einem ganzen ungerechten Empire zu widerstehen,
seine Ehre, seine Religion und seine Seele zu verteidigen und so den Grund zu legen zum Sturz und zur Regeneration dieses Empire.
Und darum empfehle ich Indien nicht Non-Violence, weil es schwach ist. Ich will, dass es Non-Violence übt im Bewusstsein seiner Stärke und Macht. Um diese zu begreifen, benötigt es keine Übung in den Waffen. Nur scheinbar brauchen wir diese, weil wir annehmen, dass wir bloß ein Klumpen Fleisch sind. Ich möchte, daß Indien erkennt, dass es eine unzerstörbare Seele hat, die sich triumphierend über alle physische Schwäche erheben und dem Zusammenwirken einer ganzen Welt trotzen kann...
Meine Religion hat keine geographischen Grenzen. Wenn ich lebendigen Glauben an sie habe, dann wird dieser selbst über meine Liebe zu Indien hinausschreiten. Mein Leben ist dem Dienst an Indien durch die Religion der Non-Violenz geweiht, die, wie ich glaube, die Wurzel des Hinduismus ist.

Die südafrikanischen Jahre

Gandhi entstammte einer wohlhabenden Hindufamilie und studierte von 1888 bis 1891 Jura in London. Anschließend arbeitete er in Indien als Rechtsanwalt. 1893 nahm Gandhi eine Stelle bei einer indischen Firma in Südafrika an, wo viele Inder als Plantagenarbeiter arbeiteten. Schon bald setzte Gandhi sich für die Rechte der indischen Minderheit und gründete 1894 die indische Kongresspartei Natals. Er organisierte den Widerstand gegen die Diskriminierung der Inder und stieg zu ihrem politischen Führer in Südafrika auf. Dabei vollzog Gandhi eine Wende zu einem einfachen persönlichen Leben, das von strenger Religiösität geprägt war. 1906 begann er eine Auseinandersetzung mit der Regierung von Transvaal, die die indische Bevölkerung benachteiligte. Unter dem Begriff Satyagraha („Festhalten an der Wahrheit“) entwickelte er die Methode des gewaltlosen Widerstandes.

Kampf um die Unabhängigkeit

1914 kehrte Gandhi nach Indien zurück und kämpfte für Selbstregierung und Befreiung von der britischen Herrschaft. Nach dem Massaker von Amritsar 1919, bei dem die britische Kolonialmacht in eine Menge friedlicher Demonstranten schießen ließ, entwickelte Gandhi die Politik der Kooperationsverweigerung (non-cooperation) und des zivilen Ungehorsams (civil disobedience) und popularisierte sie durch spektakuläre Aktionen gegen britische Wirtschaftsinteressen (seit 1921 häusliches Spinnen gegen die britische Textilindustrie, 1930 Salzmarsch zum Meer gegen das britische Salzmonopol). Der von Gandhi geführte Ind. Nationalkongress wurde führende Kraft der Unabhängigkeitsbewegung.
Mit seinen Aktionen nahm Gandhi ganz bewusst teilweise mehrjährige Haftstrafen in Kauf. Zugleich setzte er sich für Milderung der Kastenunterschiede und Überwindung des Gegensatzes zwischen Hindus und Muslimen ein. 1934 verließ er den Nationalkongress, weil er glaubte, dass die übrigen Parteiführer seine Maxime der Gewaltlosigkeit nicht teilen würden. 1942 forderte Gandhi unter der Parole „Quit India“ die Briten zum sofortigen Verlassen des Landes auf. Gandhi u. a. indische Politiker wurden verhaftet. Die Unabhängigkeit ließ sich jedoch nicht mehr aufhalten. 1947 entließ Großbritannien das Land in die Souveränität. Die Teilung des Subkontinents und die daraus resultierenden Gewalttaten zwischen hinduistischer und muslimischer Bevölkerung konnte Gandhi nicht verhindern. Er wurde von von einem hinduistischen Fanatiker erschossen.
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