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LEXIKON

Gergien

Die gebirgige Kaukasusregion zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer hat frühe Großreiche hervorgebracht und entwickelte eine bedeutende christliche Kulturtradition. Seit der Auflösung der sowjetischen Zwangsordnung ist die staatliche Einheit Georgiens durch innere Konflikte bedroht. Die Auseinandersetzungen mit den abtrünnigen Gebieten Südossetien und Abchasien führten schließlich 2008 zum militärischen Zusammenstoß mit Russland.

Natur und Klima

Georgien.sgm
Offizielle Bezeichnung:
Republik Georgien
KFZ-Kennzeichen:
GE
Fläche:
69 700 km2
Einwohner:
4,2 Mio.
Hauptstadt:
Tbilissi
Zeitzone:
Mitteleuropäische Zeit + 3 Std.
Amtssprache(n):
Georgisch
Staatsform:
präsidiale Republik
Nationalfeiertag:
26.5.
Währung:
1 Lari = 100 Tetri
Georgien.sgm country.box
Der Großteil der Landschaft wird von Gebirgen bestimmt. Entlang der Nordgrenze durchziehen die teils dicht bewaldeten Gebirgsketten des Großen Kaukasus (über 5000 m hoch) mit ihren stark vergletscherten Kämmen das Land. Der SSüden wird von den bis 3000 m hohen Gebirgszügen des Kleinen Kaukasus eingenommen. Dazwischen liegt die transkaukas.transkaukasische Senkungszone mit den Flusstälern des Rioni u.und der oberen Kura. Landwirtschaftlicher Kernraum ist das Kolchis-Tiefland im Mündungsgebiet des Rioni am Schwarzen Meer.
An der Schwarzmeerküste u.und in den küstennahen Regionen herrscht subtrop.subtropisches Klima mit milden Wintern u.und warmen Sommern. Die jährl.jährliche Niederschlagsmengen liegen zwischen 1000 mm in den tiefer gelegenen Regionen u.und 2000 mm an den Westhängen der Gebirge. Die sich nach OOsten verstärkenden kontinentalen Einflüsse lassen die jährl.jährlichen Niederschlagsmengen auf 400 mm sinken.

Bevölkerung

Die Bevölkerung Georgiens besteht aus mehreren kulturell sehr unterschiedl.unterschiedlichen Völkern. Die Georgier, die mit rd.rund 84% die Mehrheit bilden, die Adscharen u.und die Abchasen sprechen kaukasische, die Armenier, Osseten, Russen indoeurop.indoeuropäische Sprachen u.und die Aseri eine Turksprache. Der Großteil der Bevölkerung bekennt sich zum orth.orthodoxen Christentum; die Aseri, die Adscharen u.und ein kleiner Teil der Osseten sind Muslime. Aufgrund von Flüchtlingsbewegungen, Auswanderung u.und niedriger Geburtenraten verzeichnet G.Georgien einen Bevölkerungsrückgang.

Staat und Politik

Gemäß der inzwischen revidierten Verfassung von 1995 ist G.Georgien eine präsidiale Republik. Staatsoberhaupt ist der für fünf Jahre direkt gewählte Staatspräsident. Er hat weit reichende Befugnisse u.und darf einmal wiedergewählt werden. Der Staatspräsident ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte u.und ernennt auch den Min.-PräsMinisterpräsidenten. Das Parlament, der Oberste Rat, hat 150 Abgeordnete, die für eine Legislaturperiode von vier Jahren gewählt werden. Stärkste parteipolit. parteipolitische Kräfte sind das Bündnis Georgischer Traum sowie die Vereinigte Nationale Bewegung.

Wirtschaft und Verkehr

Der Übergang von der sozialist.sozialistischen Plan- zur Marktwirtschaft, der Wegfall einstiger Handelspartner sowie die andauernden Nationalitätenkonflikte bereiten dem Land erhebl.erhebliche Probleme. Aufgrund der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit lebt rd.rund die Hälfte der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Grundlage der Wirtschaft sind die reichen Bodenschätze - vor allem Mangan u.und Baryt - u.und die intensiv betriebene Landwirtschaft. G.Georgien produziert Tee, Wein, Obst, Getreide u.und Tabak. In höheren Lagen wird Weidewirtschaft betrieben, an den Gebirgshängen Forstwirtschaft. Das Land ist stark von Energieimporten abhängig; durch die Förderung eigener Vorkommen sowie das Wasserkraftwerk am Inguri kann nur ein Teil des Gesamtbedarfs gedeckt werden. Die wichtigsten Industriezweige sind die Chemie-, Nahrungsmittel- u.und Metallindustrie sowie der Maschinenbau. Ein Hoffnungsträger ist der Fremdenverkehr, der neben dem Badetourismus am Schwarzen Meer mit zahlreichen Kur- u.und Wintersportorten aufwarten kann.
Das Verkehrsnetz ist noch unzureichend; der weitere Ausbau wird durch das gebirgige Relief erschwert. Zunehmende Bedeutung gewinnt G.Georgien als Transitland (neue Erdöl- u.und Erdgaspipelines zwischen Aserbaidschan u.und der Türkei).

Geschichte

Antike und Mittelalter

Erste Staatsbildungen entstanden im 6. Jh. Jahrhundert v. Chr. als Kolchis im WWesten u.und Iberien im OOsten. Nach 66 v. Chr. gelangte das Gebiet unter römischen Einfluss. Im 4. Jh. Jahrhundert breitete sich das Christentum aus. Unter der Bagratidendynastie erreichte G.Georgien im 12. u.und 13. Jh. Jahrhundert die größte Ausdehnung u.und eine kulturelle Blüte, bevor es in der Folgezeit von den Mongolen erobert u.und verwüstet wurde.

Die Entwicklung in der Neuzeit

Am Ende des 15. Jh. Jahrhunderts war das Gebiet in mehrere Teilherrschaften zerfallen, die vom 16. bis zum 18. Jh. Jahrhundert teils von der Türkei, teils von Persien abhängig waren. 1801 fiel G.Georgien an das russ.russische Zarenreich. Nach der Oktoberrevolution erklärte sich das Land 1918 für unabhängig, wurde aber 1921 von der Roten Armee besetzt u.und zunächst als Teil der Transkaukasischen Sowjetrepublik u.und später als eigenständige Unionsrepublik (1936) in die UdSSR gezwungen.
Mit dem Zerfall der Sowjetunion erlangte G.Georgien 1991 die Unabhängigkeit. Der erste Präsident Swiad Gamsachurdia wurde 1992 gestürzt. Sein Nachfolger wurde 1992 der ehem.ehemalige sowjet.sowjetische Außen-Min.Außenminister Eduard Schewardnadse. Sezessionistische Bestrebungen der nationalen Minderheiten der Abchasier u.und Südosseten eskalierten zum blutigen Bürgerkrieg. Nach Waffenstillstandsvereinbarungen gelang es in der Folgezeit nicht, eine polit.politische Lösung der Regionalkonflikte zu finden. 1993 vollzog Schewardnadse den Beitritt zur GUS. 1995 trat eine neue Verfassung in Kraft.
2003 brach wegen Manipulationen bei den Parlamentswahlen ein Machtkampf zwischen Regierung u.und Opposition aus, der nach mehrwöchigen Demonstrationen (Rosenrevolution) schließlich zum Rücktritt von Schewardnadse führte. Michail Saakaschwili, Führer der Opposition, wurde im Januar 2004 zum neuen Staatspräsidenten gewählt. Bei der Wiederholung der Parlamentswahlen im März 2004 gewann die Partei des neuen Präsidenten eine überwältigende Mehrheit. Im selben Jahr kam es zu Auseinandersetzungen zwischen der Führung der nach Unabhängigkeit strebenden Region Adscharien u.und der Zentralregierung sowie zu Zusammenstößen zwischen südosset. südossetischen Milizen u.und der georg. georgischen Armee. Die Beziehungen zu Adscharien normalisierten sich in der Folgezeit. 2006 sprach sich die Bevölkerung von Südossetien in einem international nicht anerkannten Referendum für die Unabhängigkeit aus.
Die seit der georg. georgischen Unabhängigkeit angespannten Beziehungen zu Russland verschlechterten sich auf Grund des russ. russischen Einflusses in den Konfliktregionen Südossetien u.und Abchasien weiter. Russland belegte bestimmte georg. georgische Waren mit einem Einfuhrverbot.
Nach regierungskrit. regierungskritischen Massenprotesten verhängte Saakaschwili, dem Korruption u.und Versagen in der Wirtschaftspolitik vorgeworfen wurden, im November 2007 den Ausnahmezustand. Die Sicherheitskräfte gingen gewaltsam gegen die Demonstranten vor. Um den innenpolit. innenpolitischen Konflikt zu beenden, setzte Saakaschwili für Januar 2008 vorgezogene Präsidentschaftswahlen an, bei denen er im Amt bestätigt wurde. Gleichzeitig sprach sich die Bevölkerung in einem Referendum für einen NATO-Beitritt Georgiens aus. Die Opposition erhob den Vorwurf der Wahlfälschung. Bei den Parlamentswahlen im Mai 2008 konnte die Vereinigte Nationale Bewegung von Saakaschwili ihre Zweidrittelmehrheit erhalten. Aufgrund von einigen Unregelmäßigkeiten beim Wahlablauf erkannte die Opposition das Ergebnis nicht an.
Das ungelöste Südossetienproblem eskalierte im August 2008 in militär.militärischen Auseinandersetzungen, die zur bewaffneten Intervention Russlands führten, nachdem georg.georgische Truppen in Südossetien eingerückt waren. Diese wurden von russischen Einheiten verdrängt. Gleichzeitig flog die russische Luftwaffe Angriffe auf Ziele in GGeorgien. Russische Verbände stießen auf georg.georgisches Gebiet vor. Unter französ.französischer Vermittlung akzeptierten Russland u.und G.Georgien einen Sechs-Punkte-Plan für eine Waffenruhe. Russland erkannte die staatliche Unabhängigkeit von Südossetien und Abchasien an, was international jedoch keine Akzeptanz fand. Georgien verließ die GUS. Im Abschlussbericht der Unabhängigen Untersuchungskommission zu dem Konflikt wurde Saakaschwili 2009 eine erhebliche Mitschuld am Ausbruch des Krieges zugewiesen. Gegen die Politik Saakaschwilis richteten sich vermehrt Proteste und Demonstrationen der Opposition. Eine Verfassungsrevision stärkte 2010 die Rechte von Parlament und Regierung zulasten des Präsidenten (Inkrafttreten erst nach der Vereidigung des nächsten Staatsoberhauptes). Das angespannte Verhältnis von Georgien und Russland blieb auch 2011/12 weiter von dem Konflikt um die von Russland militärisch kontrollierten abtrünnigen georgischen Regionen Südossetien und Abchasien geprägt. Das von dem Unternehmer Bidzina Iwanischwili (* 1956) geführte Oppositionsbündnis »Georgischer Traum« konnte die Parlamentswahlen am 1. 10. 2012 klar für sich entscheiden und gewann 85 der 150 Sitze. Iwanischwili wurde am 25. 10. 2012 vom Parlament zum neuen Ministerpräsidenten gewählt.
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