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LEXIKON

Lrik

[
grch.griechisch lyra, „Leier“
]
Sammelbegriff für Gedichte; neben der Dramatik u.und Epik die dritte Großform in der Dichtung. L.Lyrik ist in Verse gegliedert, hat einen bes.besonderen sprachl.sprachlichen Rhythmus u.und bedient sich einer bildreichen Sprache mit oft mehrdeutiger Symbolik. Der Sprecher eines Gedichts wird als lyrisches Ich bezeichnet, das mit dem Autor identisch sein kann (aber nicht muss) u.und dessen subjektive Gedanken, Gefühle oder Erfahrungen es wiedergibt.

Formen der Lyrik

Die europ.europäische Kunstlyrik ist erstmals bei den Griechen fassbar u.und bildete mit der Musik zunächst eine feste Einheit (Einzelgesang, Chorlied). Die deutschsprachige Dichtung nahm mit der geistl.geistlichen L.Lyrik ihren Anfang u.und bildete im MAMittelalter zahlreiche Formen aus, wie die höfische Liebeslyrik (Minnesang), den Leich, den Sangspruch oder das geistliche Lied, aus dem sich später das Kirchenlied entwickelte. Bedeutend wurde in späteren Jahrhunderten vor allem die Übernahme lyrischer Formen aus den roman.romanischen Literaturen, u. a. Sonett, Madrigal u.und Romanze. Die Arten der L.Lyrik werden entweder nach formalen Kriterien unterschieden (z. B. Kanzone, Sonett, Ode, Ballade, Epigramm), nach dem Grad der gefühlshaften oder gedankl.gedanklichen Gestaltung (z. B. Gedankenlyrik, Kunstlied) oder nach ihren Gegenständen (z. B. Liebeslyrik, Naturlyrik, polit.politische L.Lyrik).

Vers und Metrum

Von der äußeren Form her zeichnet sich L.Lyrik durch Kürze, aber vor allem durch die Gliederung in Verse, d. h. Zeilen, aus. Beim so genannten Zeilenstil stimmen Satz- u.und Versende überein; läuft der Satz in die nächste Zeile über, nennt man dies Enjambement. Die Verbindung mehrerer Verse zu einer Einheit nennt man Strophe. Der Rhythmus eines Gedichts ist abhängig von der Abfolge betonter (Hebung) u.und unbetonter Silben (Senkung) eines Verses sowie von den Pausen. Die kleinste Einheit ist der Versfuß oder Takt, der aus einer betonten Silbe besteht; es folgen eine oder mehrere unbetonte Silben. Der Begriff Metrum wird sowohl für den Versfuß als auch für das Versmaß, also die Anzahl u.und Art der Versfüße pro Zeile, verwendet (Vers). Bekannteste Metren sind z. B. Jambus, Anapäst, Trochäus u.und Daktylus.

Reim und Klang

Ein weiteres Strukturprinzip ist der Reim. Die german.germanische Dichtung kannte anfangs nur den Stabreim, eine auch Alliteration genannte Form, die auf der Übereinstimmung des Anlautes beruht (Wind/Wetter). Erst im 9. Jh Jahrhundert. setzte sich der Endreim durch. Die völlige Übereinstimmung (gehen/stehen) wird als reiner Reim, der ungenaue Gleichklang (Meute/Seite) als unreiner Reim bezeichnet. Hinsichtlich der Reimanordnung (Reimschema) unterscheidet man Paarreim, Kreuzreim, Schweifreim, Binnenreim u. a. Ein weiterer Klangeffekt wird durch die Lautmalerei (Onomatopöie) erreicht; dabei werden Laute, Geräusche oder Bewegung sprachlich nachgeahmt. Auch Alliteration, Anapher (Wiederholung eines Wortes oder einer Wortgruppe) u.und Assonanz (Gleichklang von Vokalen bei zwei oder mehreren Wörtern) dienen der klangl.klanglichen Gestaltung.

Lyrik in der Weltliteratur

Die großen römischen Lyriker sind Horaz, Catull, Tibull, Properz, Ovid u.und Martial. Die mittelhochdeutsche L.Lyrik hat mit Walter von der Vogelweide einen bedeutenden Vertreter, die provençalische mit den Troubadours. In Italien schufen Dante Alighieri u.und F. Petrarca mustergültige Kanzonen u.und Sonette. In der Reformation wurde das Kirchenlied neu belebt. Der französ.französische Dichterkreis der Pléiade wandte sich antiken Formen wie der Elegie u.und der Ode zu. W. Shakespeare entwickelte in England eine eigene Variante des Sonetts. Im Barock entstand eine formenreiche Gesellschaftsdichtung, daneben eine religiöse L.Lyrik (Angelus Silesius, A. Gryphius, P. Gerhardt). F. G. Klopstock begründete mit seinen Oden die empfindsame Dichtung; von da führt die Entwicklung zur Bekenntnislyrik Goethes u.und zur Gedankenlyrik Schillers u.und F. Hölderlins. Als Vorläufer der Romantik gilt der Schotte R. Burns, Vertreter in England waren S. T. Coleridge u.und W. Wordsworth, in Frankreich V. Hugo, in Deutschland Novalis, C. Brentano, J. von Eichendorff. Das weitere 19. Jahrhundert wurde in Deutschland bestimmt durch H. Heine, L. Uhland, E. Mörike, A. von Droste-Hülshoff, T. Storm u.und C. F. Meyer. Der Franzose C. Baudelaire gilt als Vorläufer des Symbolismus, vertreten durch S. Mallarmé u.und A. Rimbaud, die wiederum H. von Hofmannsthal, S. George u.und R. M. Rilke beeinflussten. Bedeutende italien.italienische Lyriker der Zeit waren G. Carducci u.und G. dAnnunzio, in Amerika W. Whitman, in England T. S. Eliot. Für die dt.deutsche L.Lyrik nach 1945 stehen G. Benn, P. Celan u.und I. Bachmann, mit gesellschaftskrit. Tendenz B. Brecht, H. M. Enzensberger, E. Fried, S. Kirsch, R. Kunze u.und W. Biermann. Sprachexperimentelle Formen der L.Lyrik schufen E. Jandl u.und O. Pastior. Die zeitgenössische dt.deutsche L.Lyrik wird u. a. vertreten durch D. Grünbein, M. Beyer oder T. Kling.
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