Marọkko
Das Königreich im Nordwesten Afrikas am Eingang des Mittelmeeres ist nur durch die Straße von Gibraltar von Europa getrennt. Marokkos Geschichte ist maßgeblich vom Konflikt zwischen der jeweiligen Zentralregierung und den unabhängigen Stämmen der Gebirgs- bzw. Wüstenregionen geprägt worden. Heute ist das Land mit orientalischer Tradition sowie landschaftlicher und kultureller Vielfalt für Touristen aus aller Welt ein beliebtes Reiseziel.
Natur und Klima
Die Landschaft Marokkos wird im Wesentlichen von den schroffen Gebirgszügen des Atlas bestimmt, die das Land von SWSüdwesten nach NONordosten durchziehen. Hinter der schmalen, fruchtbaren Küstenebene u.und der anschließenden 600-1000 m hohen Hochfläche der Meseta erheben sich im zentralen Landesteil der Mittlere Atlas (3343 m) u.und der Hohe Atlas (4165 m), das höchste der jung gefalteten Kettengebirge Nordafrikas. Durch das vulkan.vulkanische Siroua-Massiv mit diesem verbunden, erhebt sich im SOSüdosten der Antiatlas (2531 m). Im NNorden des Landes verläuft entlang der Mittelmeerküste das steil zum Meer abfallende Rifgebirge (2456 m). Zwischen den teils von lichten Wäldern bewachsenen, teils vegetationslosen Gebirgen erstrecken sich Hochbecken u.und Täler. Östlich der Gebirgsregion leiten weite, steppenhafte Plateauflächen zum alger.algerischen Hochland der Schotts über. Im SSüden u.und SOSüdosten schließt sich die von einzelnen Oasen durchsetzte Sahara an.
Marokko.sgm
| Offizielle Bezeichnung: | Königreich Marokko |
| KFZ-Kennzeichen: | MA |
| Fläche: | 446 550 km2 |
| Einwohner: | 32,4 Mio. |
| Hauptstadt: | Rabat |
| Zeitzone: | Mitteleuropäische Zeit -1 Std. |
| Amtssprache(n): | Arabisch |
| Staatsform: | konstitutionelle Monarchie |
| Nationalfeiertag: | 30.7. |
| Währung: | 1 Dirham = 100 Centimes |
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M.Marokko hat das ausgedehnteste Flusssystem Nordafrikas. Die meisten Flüsse des Landes münden in den Atlantik oder versickern am Rand der Sahara, der ganzjährig Wasser führende Moulouya fließt ins Mittelmeer.
Zweigeteiltes Klima
Hoher u.und Mittlerer Atlas bilden eine deutl.deutliche Klimascheide. Den NNorden des Landes prägt mediterranes Klima mit heißen, trockenen Sommern sowie milden, regenreichen Wintern. Zum Landesinneren wird das Klima kontinentaler u.und geht im SSüden u.und SOSüdosten in trockenheißes Wüstenklima über. Die jährl.jährliche Niederschlagsmenge schwankt zwischen 900 mm im NNorden u.und 200 mm im SSüden. An den nordwestl.nordwestlichen Gebirgshängen werden bis über 1000 mm registriert, die in den Hochlagen oft als Schnee fallen.
Bevölkerung
Als ursprüngl.ursprüngliche Bewohner des Maghreb haben die Berber heute einen Anteil von 30-40% an der marokkan.marokkanischen Bevölkerung. Sie leben häufig noch in den alten festungsartig gebauten Siedlungen (Kasbahs) in den Gebirgsregionen des Atlas sowie den südlich davon gelegenen Oasen. Über die Hälfte der Bevölkerung sind Araber u.und arabisierte Berber (Mauren). Eine kleine Minderheit bilden die Haratin, die Nachkommen schwarzafrikan.schwarzafrikanischer Sklaven. Die marokkan.marokkanische Bevölkerung bekennt sich fast ausschließlich zum sunnit.sunnitischen Islam, der Staatsreligion ist.
Zwei Drittel der Bevölkerung leben im NWNordwesten u.und NNorden des Landes auf nur einem Zehntel der Landesfläche. Die wirtschaftl.wirtschaftliche Anziehungskraft der Städte hat eine starke Landflucht zur Folge. Inzwischen leben über die Hälfte aller Marokkaner in urbanen Zentren. Die meisten Großstädte liegen in der Küstenebene am Atlantik bzw. im Bereich der Meseta, darunter die alten Residenzen Fès, Meknès, Marrakesch u.und Rabat, die Hafenstadt Tanger sowie Casablanca als größte Agglomeration. Aufgrund geringer Erwerbsmöglichkeiten im eigenen Land leben viele Marokkaner als Arbeitsmigranten im Ausland, vor allem in Frankreich.
Bildung
Trotz großer Anstrengungen im Bildungsbereich ist das Analphabetentum bes.besonders auf dem Land noch weit verbreitet. Obwohl seit 1963 allg.allgemeine Schulpflicht für 7-13-Jährige besteht, kann etwa die Hälfte der Bevölkerung - mehrheitl.mehrheitlich Frauen - weder lesen noch schreiben. Das Schulsystem gliedert sich in eine fünfjährige Grundschule, der im Sekundarbereich eine vierjährige Unter- u.und eine dreijährige Oberstufe folgen. Eine Universitätsreform (seit 2003) hat zum Ziel, die Mittelausstattung zu verbessern, die Studieninhalte internationalen Standards anzupassen u.und so die hohe Akademikerarbeitslosigkeit zu senken.
Staat und Politik
Nach dem am 1. 7. 2011 in einem Referendum gebilligten Verfassungstext ist Marokko eine konstitutionelle, demokratische und soziale Monarchie mit dem Islam als Staatsreligion. Staatsoberhaupt, Vorsitzender des Ministerrats, Oberbefehlshaber der Streitkräfte und höchste Autorität in Religionsfragen ist der König. Er ernennt den von der Mehrheitsfraktion im Parlament bestimmten Premierminister und kann den Ausnahmezustand verhängen. Träger der Legislative ist ein Zweikammerparlament, bestehend aus der Repräsentantenkammer (Unterhaus; 395 Abgeordnete für 5 Jahre direkt gewählt; 30 Mandate sind für Frauen reserviert) und der Rätekammer (Oberhaus) mit 270 Mitgliedern, die als Vertreter der Kommunen, Arbeitnehmerorganisationen und Arbeitgeberverbände durch Wahlkollegien in indirekter Wahl bestimmt werden (Wahlperiode 9 Jahre). Zuständig für die Normenkontrolle ist der Verfassungsrat ). Das Parteiensystem ist stark zersplittert. Wichtige Parteien sind die Nationale Sammlung der Unabhängigen (Rassemblement National des Indépendants, RNI), die Partei für Authentizität und Modernität (Parti pour l’authenticité et et la modernité, PAM), die Unabhängigkeitspartei (Parti Istiklal, PI) sowie die gemäßigt islam.islamische Partei der Gerechtigkeit u.und des Fortschritts (Parti de la Justice et du Développement, PJD). Über die Einhaltung der Verfassung wacht der Verfassungsrat.
Wirtschaft und Verkehr
Die Wirtschaft des Landes basiert auf der Landwirtschaft u.und dem Bergbau. M.Marokko gehört zu den weltweit führenden Exporteuren von Phosphat u.und Phosphatprodukten. Preisschwankungen auf dem Weltmarkt haben in der Vergangenheit zu einem Auf u.und Ab der Wirtschaftsentwicklung geführt. Liberalisierung, Privatisierung u.und die Öffnung für ausländ.ausländische Investoren haben das Wachstum uf über 5% pro Jahr steigen lassen - zu niedrig, um die Lebensbedingungen der stetig wachsenden Bevölkerung entscheidend zu verbessern u.und die hohe Arbeitslosigkeit zu beseitigen. Lähmend wirkt sich auch die hohe Auslandsverschuldung des Landes aus. Die chronisch defizitäre Handelsbilanz kann jedoch teilweise durch die Einnahmen aus dem Tourismus u.und die Überweisungen der Auslandsmarokkaner ausgeglichen werden.
Landwirtschaft und Industrie
Die Landwirtschaft ist charakterisiert durch einen großen Gegensatz zwischen dem traditionellen Ackerbau für den Binnenmarkt u.und dem modernen exportorientierten Anbau mit umfangreichen Bewässerungskulturen. Exportiert werden vor allem Zitrusfrüchte, Frühgemüse, Oliven u.und Wein. Von Bedeutung sind die reichen Fischgründe vor der Atlantikküste; M.Marokko gehört weltweit zu den größten Produzenten von Sardinenkonserven.
Die wichtigsten Industriebranchen sind neben der Agrar- u.und Fischverarbeitung die Textilindustrie, die Metallverarbeitung, die Kfz-Montage u.und die chem.chemische Industrie. An Bodenschätzen werden neben Phosphat - die Lagerstätten liegen teils in der annektierten Westsahara - Kohle, Eisen, Mangan, Blei, Baryt u.und Erdöl gefördert.
Tourismus und Verkehr
Als wichtige Devisenquelle wird der Fremdenverkehr mit großen Projekten gefördert. Mit seinen kilometerlangen Stränden u.und dem milden Klima an der Küste, aber auch mit seinem kulturellen u.und landschaftl.landschaftlichen Reichtum zieht M.Marokko jährlich über 6 Mio. Touristen (vorwiegend Spanier u. a. Europäer) an.
Das Verkehrsnetz ist vor allem im NNorden u.und NWNordwesten gut entwickelt, während in den Wüstengebieten Sandpisten vorherrschen. Die Haupteisenbahnlinie verläuft von Marrakesch über Casablanca nach Tanger u.und Oujda mit Anschluss nach Algier u.und Tunis.
Geschichte
Berber, Phönizier, Römer und Araber
Das Gebiet des heutigen M.Marokko war schon im 3. Jahrtausend v. Chr. von Berbern besiedelt. Um 1100 v. Chr. gründeten Phönizier erste Niederlassungen an der Küste, später auch Karthago. 42 n. Chr. wurde M.Marokko Provinz des Römischen Reiches. Nach dessen Zerfall übernahmen 429 die Wandalen die Herrschaft, die ihrerseits 533 vom byzantin.byzantinischen Kaiser Justinian verdrängt wurden. Ende des 7. Jh. Jahrhundert geriet M.Marokko unter arab.arabische Herrschaft u.und wurde islamisiert. Mit den Idrisiden begann 789 eine lange Reihe selbständiger arab.arabischer Herrscherdynastien, u. a. Almoraviden, Almohaden u.und Meriniden. Im 15. Jh. Jahrhundert setzten sich zunächst Portugiesen, dann Spanier an der Küste fest. Sie konnten ihre Besitzungen aber mit Ausnahme weniger Exklaven (u. a. Ceuta, Melilla) nicht dauerhaft sichern. 1666 übernahm die Dynastie der Alawiten die Macht, die auch heute noch den Thron innehat.
Marokko: Skoura img
Kolonialzeit
Im 19. Jh. Jahrhundert verstärkte sich der europ.europäische Einfluss in MMarokko. Kriege gegen Frankreich (1844) u.und Spanien (1859) gingen verloren. Anfang des 20. Jh. Jahrhunderts konnte Frankreich seine Vormachtstellung festigen. Nach den zwei Marokko-Krisen (1905 u.und 1911) wurde M.Marokko 1912 in ein französ.französisches u.und span.spanisches Protektoratsgebiet aufgeteilt. Tanger wurde internationalisiert. 1921 brach der Aufstand der Rifkabylen unter Abd Al Krim aus, der erst 1926 niedergeschlagen werden konnte. Nach Ende des 2. Weltkriegs bildete sich eine breite, von Sultan Mohammed V. geförderte Unabhängigkeitsbewegung. Mehrfach brachen Unruhen aus. Schließlich erhielt M.Marokko 1956 die Unabhängigkeit.
Marokkokrise img
Abd Al Krim, Mohammed img
Unabhängiges Königreich
Sultan Mohammed V. nahm 1957 den Königstitel an. Nach seinem Tod bestieg sein Sohn Hassan II. den Thron. Er löste nach Unruhen 1965 das Parlament auf, verbot polit.politische Parteien u.und regierte fortan autoritär. 1975 überließ Spanien seine Kolonie Westsahara M.Marokko u.und Mauretanien. Hiergegen erhob sich die Unabhängigkeitsbewegung Polisario. Sie proklamierte 1976 in Westsahara eine unabhängige Republik. 1979 verzichtete Mauretanien auf seinen Anteil an Westsahara. Daraufhin annektierte M.Marokko auch dieses Gebiet. 1991 vereinbarten M.Marokko u.und die Polisario einen Waffenstillstand auf der Basis eines UNO-Friedensplans, der u. a. die Abhaltung eines Referendums in dem umstrittenen Gebiet vorsah. Die Abstimmung wurde jedoch aufgrund von Differenzen über die Stimmberechtigten immer wieder verschoben.
Liberalisierung
Die mit dem Westsahara-Konflikt einhergehende Wirtschaftskrise verschärfte die inneren Spannungen. Einen Generalstreik ließ Hassan 1981 blutig niederschlagen. Auf wachsenden innenpolit.innenpolitischen Druck hin leitete er zu Beginn der 1990er Jahre eine vorsichtige Liberalisierung ein. 1996 wurde die Verfassung umfassend revidiert.
Nach Hassans Tod wurde sein ältester Sohn als Mohammed VI. 1999 neuer König. Er intensivierte die wirtschaftliche u.und polit.politische Liberalisierung. 2002 kam es wegen der Besetzung der Mittelmeer-Insel Perejil durch marokkan.marokkanische Polizisten zu einem außenpolit.außenpolitischen Konflikt mit Spanien. Anschläge islam.islamischer Fundamentalisten 2003 belasteten den innenpolit.innenpolitischen Modernisierungsprozess. 2005 legte eine vom König einberufene Kommission eine Dokumentation über Menschenrechtsverletzungen in der Zeit von 1956 bis 1999 vor. Von den Vereinten Nationen vermittelte Gespräche zwischen Marokko und der Polisario über die Westsahara-Frage blieben 2007 ohne Ergebnis. Bei den Parlamentswahlen im selben Jahr gewann die Unabhängigkeitspartei (PI) die meisten Stimmen. Gegen radikale Islamisten im Innern gingen die Sicherheitskräfte mit verstärkter Intensität vor. In Spanien fand 2010 der erste EU-Marokko-Gipfel statt. Vor dem Hintergrund der politischen Umwälzungen in Ägypten und Tunesien kam es im Februar 2011 auch in Marokko zu Demonstrationen für einen demokratischen Wandel. Die in der Bewegung des 20. Februars zusammengeschlossene Opposition forderte eine Verbesserung der politischen Partizipation der Bevölkerung. Ausschreitungen im Anschluss an friedliche Protestkundgebungen forderten Tote und Verletzte. Der König reagierte auf den Protest mit konstitutionellen Reformen (u. a. Stärkung der Macht von Parlament und Regierungschef), die von der Bevölkerung am 1. 7. 2011 in einem Verfassungsreferendum mit 98,5 % der Stimmen gebilligt wurden. Die Bewegung des 20. Februars, die weitergehende Maßnahmen forderte, hatte zum Abstimmungsboykott aufgerufen. Aus vorgezogenen Wahlen im November 2011 ging die PJD als Siegerin hervor.












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