Lexikon
österreichische Kunst
Plastik
Nach den Zeugnissen der römischen Kunst des 1. Jahrhunderts auf österreichischem Boden sind einige plastische Werke aus dem frühen Mittelalter von Bedeutung: u. a. der Tassilokelch (um 777) des Stifts Kremsmünster und der Kelch von Stift Wilten (um 1180), die einzigartigen Reliefs von je 6 Halbfiguren (Apostel?) nach Art römischer Grabsteine am Westportal der Pfarrkirche in Tulln (um 1200) und die Skulpturen des Riesentors von St. Stephan in Wien (um 1240) mit Bamberger Einflüssen.
Die gotische Plastik entfaltete sich besonders in Andachtsbildern an Grabmälern. Österreich wurde ein Zentrum der Pietà-Darstellungen und der sog. Schönen Madonnen (Admont, Krumau [heute Český Krumlov], Mariazell, Wien). Gesamtkunstwerke aus Architektur, Schnitzkunst und Malerei sind die großen Flügelaltäre in Heiligenblut (1520), Kefermarkt (1490–1498), Mauer bei Melk (um 1520), Pulkau (1515–1525) und vor allem St. Wolfgang (1471–1481, von M. Pacher).
In der Renaissance führte das Grabmal Kaiser Maximilians (1502–1583) in der Hofkirche zu Innsbruck viele bedeutende Künstler zusammen. Aber diese Kunst blieb exklusiv höfisch, im Unterschied zur barocken Plastik, die in Kirchen, Klöstern, Festsälen und Bibliotheken allen zugänglich war. Bedeutende Bildhauer im 18. Jahrhundert waren G. R. Donner, M. Steinl, F. X. Messerschmidt. Im 19. Jahrhundert gelangte die österreichische Plastik nicht über das Mittelmaß hinaus. In der Gegenwart finden vor allem F. Wotruba, A. Hrdlicka und W. Pichler internationale Anerkennung. Der Schwerpunkt der plastischen Gestaltung liegt, im Zuge der internationalen Tendenzen in der Kunst, seit den 1990er Jahren auf Installationen und Raumkunst, gepaart mit Video, Computer und anderen Medien.
- Einleitung
- Architektur
- Plastik
- Malerei
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