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LEXIKON

OPEC

Erdöl als Waffe
Erdöl als Waffe
In ihrem Beschluss der außerordentlichen OPEC-Konferenz vom 17. 10. 1973 in Kuwait, werfen sieben arabische Erdöl exportierende Länder den USA die Unterstützung Israels in der Durchsetzung seiner territorialen Ziele im Nahen Osten vor. Sie nutzen die Abhängigkeit der großen Industrienationen von den arabischen Erdölimporten und benutzen die Drosselung der Förderung als ultimatives Druckmittel zur Beendigung dieser Politik.

Die arabischen Erdöl exportierenden Länder tragen zum Wohlstand der Welt, zum Wohlergehen und zur Wirtschaft bei, indem sie Mengen dieses pulsierenden Naturreichtums exportieren ... Israel hat im Jahre 1967 die Schließung des Suezkanals und die europäische Wirtschaft mit den Folgen belastet. Zum dritten Mal ist es zu einem Krieg gekommen, weil Israel mit Unterstützung und Rückendeckung der Vereinigten Staaten uns unsere legitimen Rechte nicht zugestehen will. Die Araber sehen sich deshalb zu dem Schritt veranlasst, mit den wirtschaftlichen Opfern Schluss zu machen, die für sie die Produktion ihres sprudelnden Ölreichtums in einem Umfang bedeutet, der über das hinausgeht, was durch die wirtschaftlichen Faktoren in ihren Staaten gerechtfertigt ist - es sei denn, die Weltgemeinschaft geht daran und bringt die Dinge wieder in Ordnung, zwingt Israel zum Rückzug aus unseren besetzten Gebieten und bringt den Vereinigten Staaten den ungeheuren Preis zum Bewusstsein, den die großen Industriestaaten als Resultat blinder und grenzenloser Unterstützung der USA für Israel zu zahlen haben. Aus diesem Grunde hat die Konferenz der arabischen Ölminister, die am 17. Oktober in Kuwait tagte, beschlossen, unverzüglich in jedem arabischen erdölproduzierenden Land mit einer Produktionsverminderung um nicht weniger als 5% der Förderung für den Monat September zu beginnen. Die gleiche Maßnahme wird jeden Monat erfolgen, und die Ölförderung wird um den gleichen Prozentsatz der Vormonatsproduktion gekürzt, bis die israelischen Truppen alle im Junikrieg von 1967 besetzten Gebiete geräumt haben und die legitimen Rechte des palästinensischen Volkes wieder hergestellt sind ..."

Abkürzung für englisch Organization of Petroleum Exporting Countries, Organisation Erdöl exportierender Länder, 1960 in Bagdad durch die fünf Erdölförderländer Irak, Iran, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela gegründeter Interessenverband mit ständigem Sekretariat in Genf, seit 1965 mit Sitz in Wien, seit 1970 Rohstoffkartell; Zusammenschluss von zwölf bedeutenden Erdölförderländern: Algerien, Angola, Ecuador (1973 bis 1992 und seit 2007), Gabun (bis 1992), Indonesien (bis 2009), Irak, Iran, Katar, Kuwait, Libyen, Nigeria, Saudi-Arabien, Venezuela, Vereinigte Arabische Emirate); verfügen zusammen über rund 40% der weltweiten Erdölproduktion und 3/4 der bekannten Erdölreserven. Bei den zweimal jährlich stattfindenden Ministerkonferenzen erfolgt eine Anpassung der Quoten oder die Vereinbarung anderer Interventionsmaßnahmen, um den Ölmarkt zu stabilisieren und die eigenen Gewinne daraus zu sichern. Das Sekretariat, dem ein Generalsekretär vorsteht, hat neben Verwaltungsaufgaben auch die Zuständigkeit für Öffentlichkeitsarbeit und die Organisation umfangreicher Forschungsanstrengungen im Energiesektor. Der ursprüngliche Zweck der OPEC, nach der Verstaatlichung der Ölquellen einen gemeinsamen Schutzmechanismus gegen die internationalen Erdölgesellschaften aufzubauen, wurde seit 1970 abgelöst durch das Bemühen, die Preisentwicklung auf dem Weltmarkt durch eine gemeinsame Preis- und Mengenpolitik, inklusive der Festlegung von Förderquoten für jedes OPEC-Mitglied, zu steuern. Die insbesondere seit den frühen 1970er Jahren eingesetzten Mittel der Ölpreisanhebung, der künstlichen Verknappung der Erdölproduktion sowie des Lieferboykotts gegen missliebige Staaten (z. B. westliche Staaten nach dem Nahostkrieg 1973) machten die OPEC zu einem wichtigen Instrument im Nord-Süd-Konflikt und zu einem entscheidenden Akteur für die künftige weltwirtschaftliche Entwicklung (Ölkrisen).
Diese vor allem in den 1970er Jahren mehrfach demonstrierte Angebotsstrategie der OPEC ließ die Rohölpreise in mehreren Schüben außerordentlich stark ansteigen, wodurch insbesondere Entwicklungsländer nachhaltig geschädigt wurden, indem sie Erdölimporte zur Aufrechterhaltung ihrer Industrieproduktion mit immer neuen Krediten bezahlen mussten. Die erdölabhängigen Industrieländer reagierten mit der Diversifizierung ihrer Primärenergiequellen (Gas, Kohle, Atomenergie) und technologischen Anpassungen. In den Ländern der Dritten Welt bestand diese Möglichkeit nicht, so dass den stetig steigenden Leistungsbilanzüberschüssen der OPEC-Mitglieder immer größere Defizite in der Leistungsbilanz von Schwellen- und Entwicklungsländern gegenüberstanden (Beitrag zur Verschuldungskrise). Teils fanden die OPEC-Überschüsse Anlage auf den internationalen Finanzmärkten, teils finanzierten sie über den Internationalen Währungsfonds die Defizite der Abnehmerländer oder wurden zur Entwicklungshilfe verwendet. Der preispolitische Druck der OPEC auf die Abnehmerländer verliert aber in dem Maß an Bedeutung, wie Anbieter außerhalb der OPEC das Rohölangebot zu vergrößern (Russland, Nigeria) und die Abnehmerländer ihre Nachfrage nach Rohöl durch energiepolitische Anpassung einzuschränken vermögen (Verbrauchsreduzierung, Diversifizierung, Nutzung regenerativer Energien). Spannungen unter den Mitgliedern, die die Durchsetzungsfähigkeit der OPEC nachhaltig schwächten, entstanden sowohl durch die unterschiedlichen Förderpotentiale und nationalen Quoten als auch durch politische Rivalitäten und Territorialansprüche auf Ölfördergebiete, die u. a. zu Kriegen zwischen OPEC-Mitgliedern führten (Iran-Irak, Irak-Kuwait). Der über die 1990er Jahre hinweg in Folge der neuen Nachfrage- und Angebotsstruktur auf dem Weltölmarkt erkennbare Einflussverlust der OPEC auf die Entwicklung der Erdölpreise wurde durch den seit der Jahrhundertwende sprunghaft gestiegenen Ölbedarf Chinas zeitweise gestoppt; die inzwischen weitgehende Nachfragesteuerung der Ölpreise verdeutlicht jedoch die schwindende Bedeutung der OPEC für die Ölpreisgestaltung (2008: Allzeithoch des Ölpreises im Juli mit 146 US-Dollar je Barrel; Preisverfall auf unter 40 US-Dollar je Barrel durch die Wirtschaftskrise 2008/2009).
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