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LEXIKON

Romnik

kunsthistor.kunsthistorischer Stilbegriff für die Zeit ab etwa 1000/1050 bis zum 12./13. Jh Jahrhundert. Die R.Romanik wurde mit starken regionalen Verzögerungen durch die Gotik abgelöst; im Gegensatz zur Zeit davor (Vorromanik) u.und danach u.und zur zeitgleichen Kunst der Ostkirche (Byzanz) lehnte sich insbes.insbesondere die roman.romanische Architektur stark an die Formenwelt der Antike an. Die römische Wölbungstechnik, antike Kapitelle u.und Strukturen wurden aufgenommen u.und abgewandelt. Aufgrund dessen wurde um 1820 in Frankreich der Begriff R.Romanik für die Stilepoche geprägt. Typisch für die Kunst u.und Architektur der Epoche sind eine recht geschlossene, blockhaft geometr.geometrische Formgebung, bei der die Einzelelemente klar unterscheidbar, häufig additiv oder sogar nahezu selbständig erscheinen. Im Gegensatz zur struktiv gestaltenden Gotik, die sich von der Île-de-France ausbreitete u.und regional wandelte, war die R.Romanik viel stärker von regionalen Schulen geprägt, die sehr unterschiedlich auf die verschiedensten Einflüsse reagierten.

Baukunst

Romanik: Bauwerke
Romanische Baukunst (Auswahl)
LandOrtBauwerk
DeutschlandBonnDoppelkapelle Schwarzrheindorf, geweiht 1151
FreckenhorstEhemalige Stiftskirche St. Bonifatius, geweiht 1129
HildesheimSt. Godehard, 1133-1190
KölnSt. Aposteln, 1192-1240
St. Maria im Kapitol, geweiht 1065
St. Pantaleon, romanische Seitenschiffe, um 1150
St. Gereon, Chor und Krypta, 11. und 12. Jh.
KönigslutterEhemalige Benediktinerabteikirche St. Peter und Paul, 1135-1170
LimburgDom, ehemalige Stifts- und Pfarrkirche
St. Georg und Nikolaus, geweiht 1235
MainzDom St. Martin und St. Stephan, geweiht 1239
Maria LaachAbteikirche, gegründet 1093
PaderbornDom St. Maria, St. Liborius und St. Kilian, 11.-14. Jh.
SoestSt. Patrokli, geweiht 1166
SpeyerKaiserdom St. Maria und St. Stephan, ab 1030
WormsDom St. Peter, ab 1130
FrankreichArlesSt. Trophime, begonnen 1120
AutunKathedrale St. Lazare, 12. Jh.
Clermont-FerrandBasilika Notre-Dame-du-Port, 12. Jh.
ConquesSte. Foy, 11.-12. Jh.
Fontenay-le-ComteAbteikirche, geweiht 1147
NeversSt. Etienne, 1063-1097
PérigueuxKathedrale St. Front, seit 1120
PoitiersNotre-Dame-la-Grande, 11./12. Jh.
Le PuyKathedrale Notre-Dame, 12. Jh.
St.-Benoît-sur-LoireAbteikirche, 1067-1108
St.-Savin-sur- GartempeAbteikirche, begonnen um 1080
TournusSt. Philibert, ab 1007
VézelaySte. Madeleine, um 1140
ItalienFlorenzBaptisterium S. Giovanni, geweiht 1059 oder 1061
MailandSant' Ambrogio, ab 2. Viertel 12. Jh.
MantuaRotonda di S. Lorenzo, Ende 11. Jh.
ModenaDom, begonnen 1099
ParmaDom, 12. Jh.
PiacenzaDom, begonnen 1122
PisaDom, begonnen 1063
VeronaSan Zeno Maggiore, 1123-1135
SchweizBaselMünster, vollendet um 1225
SpanienSalamancaAlte Kathedrale, 12. Jh.
Santiago de CompostelaKathedrale, begonnen 11. Jh.
Romanik: Bauwerke standard.tables
Die Basilika ist die typische Bauform der RRomanik. Der antike Bautyp einer dreischiffigen Halle mit erhöhtem u.und im Obergaden direkt belichtetem Mittelschiff wurde zur wichtigsten Bauform für Sakralbauten u.und sollte dies auch in der Gotik bleiben. Die beiden Kurzseiten der Gebäudes wurden nun meist im WWesten durch eine Fassade mit Türmen u.und im OOsten meist durch ein Querhaus sowie einen Chor aus räumlich gestaffelten Bauteilen oder aber an beiden Enden durch zwei solcher Querhaus-/Choranlagen erweitert. Ein frühes Beispiel dieses Bautyps ist die otton.ottonische Michaelskirche in Hildesheim (ab ca. 1000), mit zwei Chören, zwei Querschiffen u.und zwei Apsiden. Das Mittelschiff des Langhauses besteht aus der Abfolge dreier quadrat.quadratischer Räume (Joche), die durch rechteckige Pfeiler definiert werden. Zwischen diesen Pfeilern bilden je zwei Säulen mit den frühesten datierbaren u.und für die R.Romanik typischen Würfelkapitellen die Arkaden zum Seitenschiff aus, so dass insges.insgesamt ein sog. doppelter Stützenwechsel im Rhythmus abbabbabba entsteht. Die äußersten Pfeiler des Langhauses bilden an beiden Seiten den Auftakt zur sog. Vierung, dem Raum, in dem sich Lang- u.und Querhaus durchdringen; diese ist durch eingestellte Triumphbogen von den übrigen Raumteilen abgegrenzt. Hinter der Vierung schließen sich ein Chorjoch u.und die Apsis an.
Die Raumfolge Apsis-Chorjoch-Vierung ist in der R.Romanik üblicherweise am Außenbau durch eine Höhenstaffelung zur Vierung hin erkennbar u.und kann durch Flankentürme wie am Dom zu Speyer noch weiter bereichert werden. Beim Umbau dieses Domes (ab 1080) - einem der frühen Bauten der Hochromanik - wurde erstmals auch das breite Mittelschiff mit Kreuzgratgewölben überfangen. Hier entspricht im einfachen Stützenwechsel (ababababababa) je ein Mittelschiffsjoch zwei Seitenschiffsjochen, woraus das „gebundene System“ wie im Wormser Dom (1125) entstehen sollte. Die hoch aufragenden Joche von Vierung, Mittelschiff, Querhaus u.und Chor haben die Grundfläche von vier Seitenschiffsjochen - eine grundlegende Systematisierung auch für die folgende Gotik. Auch die Wände wurden nun, diese Systematik aufgreifend, stark strukturell gegliedert. Ein typisches Element der rhein.rheinischen R.Romanik ist die Zwerggalerie am Außenbau.
In der Spätromanik sollten die strukturellen Dekorationen noch durch eine rein ästhet.ästhetische Motivvielfalt u.und durch die Übernahme gotischer Einzelmotive aus Frankreich (sog. „Übergangsstil“) ergänzt werden, so dass eine äußerst lebendige Formenvielfalt entstand. Im Gegensatz hierzu stehen die Hirsauer Bauschule u.und die Zisterzienserarchitektur, die einfache, wenig geschmückte Bauten zu errichten suchten.

Großplastik

Zwar entstanden bereits in otton.ottonischer Zeit die ersten Großplastiken des MAMittelalters (Gero-Kreuz, Köln, 969-976), doch gelang es erst in der R.Romanik, diese wieder in Stein umzusetzen. Zumeist geschah dies in Form von Bauskulptur, insbes.insbesondere an Kapitellen u.und prächtigen Portalanlagen. Neben den im Frühmittelalter noch schmucklosen oder ornamentalen Kapitellen (Kaiserpfalz Aachen, vor 800; Afrakapelle Speyer, 1106) gibt es figürlich angereicherte, mit theologischen aber auch profanen Szenen u.und oft umfangreichen Bestiarien. In den Tympana u.und den Säulenportalen (Santiago de Compostela 1188; Vézelay 1135-1140) wurde das Weltbild - häufig das jüngste Gericht - in strengen linearen Figuren ausgebildet. Raum wird kaum dargestellt, die Figuren wurden ganz an den architekton.architektonischen Kontext gebunden oder nach inhaltl.inhaltlichen Gesichtspunkten einem geometr.geometrischen System untergeordnet. Auch innerhalb der Einzelfigur sind deren Bestandteile oftmals eigenständige lineare Gebilde ohne einen übergreifenden Körper auszubilden. In Deutschland blieb der erzählende Zyklus (Heiliges Grab Gernrode, Anfang 12. Jh. Jahrhundert; Bamberger Figuren) zugunsten des Einzeldenkmals (Braunschweiger Löwe, 1166) hinter den französ.französischen Beispielen zurück.

Kleinplastik und Kunstgewerbe

Stilbildende Metallarbeiten entstanden in der R.Romanik insbes.insbesondere im Maasland, wo bereits früh Künstlerpersönlichkeiten bekannt sind. Den Figuren des Renier von Huys (Taufbecken Lüttich, 1107-1118) ist die Antikenrezeption anzusehen; Rogerus von Helmarshausen, tätig in Sachsen, schrieb bereits um 1100 ein Kunst-Handbuch („De diversis artibus“). Hauptaufgabe der Goldschmiedekunst war die Herstellung von Reliquiaren (Friedrich I. Barbarossa in Cappenberg, um 1160), Retabeln (Pala dOro in San Marco in Venedig, 1105), liturg.liturgischem Gerät u.und Altären (Kölner Dreikönigsaltar des Nikolaus von Verdun, 1181-1230). Die größten Sammlungen der roman.romanischen Kleinkunst befinden sich in Conques u.und in Berlin (Welfenschatz).

Malerei und Mosaik

Die Reste roman.romanischer Glas- (Augsburger Prophetenfenster, 1130) u.und Wandmalerei (Reichenau-Oberzell 10./11. Jh. Jahrhundert; Bonn-Schwarzrheindorf, um 1151) zeigen ebenso wie Wandteppiche (Teppich von Bayeux, 1070) stilist.stilistische Ähnlichkeit mit der Plastik, aber auch mit byzantin.byzantinischer Malerei. Diese beeinflusste insbes.insbesondere die Mosaikkunst in Sizilien u.und Venedig. Das auf Holz gemalte Tafelbild blieb vor allem in Nord- u.und Mitteleuropa noch die Ausnahme (gemalte Retabel aus Soest im Landesmuseum Münster), während die Miniaturmalerei aufgrund zahlreicher neuer Gattungen (Heiligenlegenden, Kommentare, Enzyklopädien) neben den älteren (Psalter, Evangeliare) u.und dem neuen Bedarf an Bibeln (Chorgebet u.und Refektoriumslesungen) zu einer Blüte gelangte. Die Figuren sind streng linear umrissen, unter dem Gewand kaum als Körper greifbar, die Faltengebung ist geometrisiert, die Farbflächen sind hart begrenzt, die Aktion rein gestisch formuliert. Darstellungsgrößen u.und Figurenanordnung folgen eher der inhaltl.inhaltlichen Bedeutung als dem szen.szenisch Dargestellten.
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