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LEXIKON

russische Kunst

Die russ.russische Kunst umfasst Architektur, Plastik, Malerei u.und Kunsthandwerk im Gebiet des heutigen Russlands seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. bis in die Gegenwart.
Zu den ältesten Kunstdenkmälern auf russ.russischem Boden gehören Steinwerkzeuge, Metallgeräte u.und Keramiken aus dem 3. u.und 2. Jahrtausend v. Chr. Die Keramik der Tripolje-Kultur im Dnjepr-Gebiet trägt mehrfarbige Bemalung u.und geometr.geometrische Verzierungen; reiche Gold- u.und Silbergravierungen schmücken die Fundgegenstände der Majkoper Kultur. Typisch für die Erzeugnisse der skyth.skythischen Kunst in den Steppen nördlich des Schwarzen u.und Asowschen Meers ist ein expressiver Tierstil im Dekor kunstvoll gearbeiteter Metallgegenstände; Granitstandbilder auf Grabhügeln zählen zu den wenigen erhaltenen Zeugnissen der skyth.skythischen Monumentalplastik. Ornamentierte Keramik- u.und Emailarbeiten, reich geschmückte Bronzegegenstände (Schatz von Martynowka), Stickereien, Idolfiguren sowie Überreste von Wallburgen u.und heidn.heidnischen Tempeln blieben als Zeugen der im myth.mythischen Denken verwurzelten altslaw.altslawischen Kunst.

Baukunst

Zentrum der altruss.altrussischen Kirchenarchitektur war Kiew. Im Zug der Christianisierung kam es dort nicht zu einer bloßen Übernahme byzantinischer u.und roman.romanischer Bautypen, sondern zu einer Verbindung mit einheim.einheimischen Holzbauformen. Haupttypus des Kirchenbaus wurde die Kreuzkuppelkirche (Zehnt-Kirche, 996; Sophien-Kathedrale als fünfschiffige, später mehrfach umgebaute Anlage, zwischen 1037 u.und 1046).
Im 12. Jh. Jahrhundert trat das Fürstentum Wladimir-Susdal das Erbe Kiews als kirchl.kirchliches Kulturzentrum an. In die Zeit der Stadtanlage von Wladimir (1158-1164) fällt die Errichtung der Uspenskij-Kathedrale (Umbau 1185-1189), in der das Kiewer Kreuzkuppelschema schöpferisch abgewandelt u.und bereichert ist. In Nowgorod vollzog sich der Übergang vom Holz- zum Steinbau mit der Errichtung der das Kiewer Vorbild übernehmenden fünfschiffigen Sophien-Kathedrale, 1045-1050. Während in der Folgezeit die Kirchenbaukunst in Nowgorod unter dem Einfluss der Romanik einen Hang zur Monumentalität ausbildete u.und seit dem 15. Jh. Jahrhundert historisierende Bauformen bevorzugte, entwickelte sich in Pskow aus der Kiewer Schule ein vielgliedriger Baustil.

Kiew: Sophienkathedrale

Sophienkathedrale
Die Sophienkathedrale in Kiew stammt aus dem 11. Jahrhundert.
Kiew: Sophienkathedrale img

Kiew: Sophienkathedrale (Mosaik)

Mosaik der Sophienkathedrale
Christus und die betende Gottesmutter; Mosaik in der Sophienkathedrale in Kiew.
Kiew: Sophienkathedrale (Mosaik) img
In Moskau hielt sich die Holzbauweise bis zum 15. Jh Jahrhundert. Eine rege Bautätigkeit setzte um 1400 ein (Klosterneubauten, Ausbau des Kreml), wobei Einflüsse aus dem Wladimir-Susdal wirksam blieben, bis es nach der Vertreibung der Mongolen zur Ausbildung eines gesamtrussischen Architekturstils kam, in dem Natursteine durch Ziegel ersetzt u.und die beim Neubau der Uspenskij-Kathedrale im Kreml (1475-1479) durch A. di Fioravanti gewonnenen Erfahrungen aufgegriffen wurden.
Im 16. Jh. Jahrhundert schuf die russ.russische Architektur in den von der Holzbaukunst abgeleiteten Kirchen mit pyramidenförmigem Zeltdach einen nationalen Typus, für den oft bizarre Mischungen aus gotischen u.und italien.italienischen Dekormotiven kennzeichnend sind (Moskauer Basilius-Kathedrale, 1555-1560, mit 9 Kapellen; Boris- u.und Gleb-Kathedrale in Stariza).
Für die seit Peter dem Großen zu datierende Epoche der neuruss.neurussischen Kunst ist die Verwendung westeurop.westeuropäischer Bauformen typisch. Die rechtwinklige Anlage des 1703 gegr.gegründeten St. Petersburg geht auf D. Trezzini zurück. B. F. Rastrelli führte den französisch-italien.französisch-italienischen Barock ein (Winterpalast in St. Petersburg, 1754-1762) u.und entwickelte daraus einen nationalruss.nationalrussischen Rokokostil, der seit der Berufung von Giacomo Quarenghi durch Katharina II. (1780) vom Klassizismus verdrängt wurde (Akademie der Wissenschaften, St. Petersburg 1783). Russische Hauptmeister des klassizist.klassizistischen Architekturstils sind M. F. Kasakow (Moskauer Senatsgebäude, 1776-1789) u.und W. I. Baschenow (Marinegebäude in Braşov, dem früheren Kronstadt). Zur Regierungszeit Alexanders I. kam ein russ.russischer Empirestil, der sog. „alexandrinische Klassizismus“, mit einer Vorliebe für die dorische Ordnung auf.
Die nach der Thronbesteigung von Nikolaus I. aufgekommene „vaterländische Richtung“ der russ.russischen Architektur war eine historisierende Baubewegung. A. P. Brüllow schuf in neoroman.neoromanischem Stil 1832 die Peterskirche zu St. Petersburg, wo nach Schinkels Plänen auch eine gotische Kapelle errichtet wurde. Die klassizist.klassizistische Richtung wurde seit der Jahrhundertmitte hauptsächlich von Ausländern weitergeführt; so baute L. von Klenze die Eremitage in St. Petersburg (seit 1851). Gleichzeitig verstärkten sich Bestrebungen zur Wiederbelebung der altruss.altrussischen Baukunst. Um die Jahrhundertwende setzte auch die Verwendung von Jugendstilformen in der russ.russischen Architektur ein.
Der Beitrag Russlands zur modernen Architektur beschränkte sich auf kühne Entwürfe einiger Revolutionsarchitekten, die - wie El Lissitzkij u.und W. Tatlin - Mitbegründer des Konstruktivismus waren. Seit Mitte der 1920er Jahre herrschte ein repräsentativer Monumentalstil vor, der in jüngster Zeit von sachl.sachlicher Formgestaltung u.und internationalen Einflüssen abgelöst wurde.

Plastik

Die altruss.altrussische Bildhauerkunst besteht im Wesentlichen aus mit folklorist.folkloristischen Elementen durchsetzten Werken der Reliefskulptur u.und der religiösen Kleinkunst (geschnitzte Ikonen, Buchdeckel, Brustkreuze, liturg.liturgische Gerät u. a.), da die orth.orthodoxe Kirche die Aufstellung von Statuen in Gotteshäusern verbot. Hervorragendes kunsthandwerkl.kunsthandwerkliches Können verrät u. a. der 1896 aufgefundene Schatz von Wladimir.
Die zur Zeit Peters d. Gr.des Großen entstandenen Werke russ.russischer Plastik wurden hauptsächlich von ausländ.ausländischen Künstlern ausgeführt (B. C. Graf Rastrelli, Reiterdenkmal Peters d. Gr.des Großen, um 1744). Ein weiteres berühmtes Reiterdenkmal Peters d. Gr.des Großen (seit 1766) schuf der durch Katharina II. berufene Franzose E. M. Falconet. Für I. P. Martos war der Italiener A. Canova vorbildlich (Bronzegruppe der Patrioten Minin u.und Poscharskij in Moskau; neoklass.neoklassische Grabmäler). Der nach 1812 neu erwachte Patriotismus wurde auf dem Gebiet der Plastik am deutlichsten im Werk von M. Antokolskij, einem Schöpfer realist.realistischer Denkmäler, repräsentiert, während sich P. P. Fürst Trubetzkoy um 1900 mit seinen von A. Rodin beeinflussten Kleinplastiken wieder an der französ.französischen Bildhauerkunst orientierte. Die im westl.westlichen Ausland tätigen Bildhauer N. Gabo, A. Pevsner u.und A. Archipenko gelangten zu einer abstrakten, dynam.dynamischen Skulptur, während im Lande selbst der sozialist.sozialistische Realismus bestimmend war. Unter dem Eindruck des französ.französischen Impressionismus erlebte die russ.russische Plastik am Ende des 19. Jh. Jahrhunderts einen neuen Aufschwung.

Archipenko, Alexander

Alexander Archipenko
Archipenko, Alexander img

Malerei

Die ältesten Hptw.Hauptwerke der altruss.altrussischen Malerei entstanden in Kiew während u.und unmittelbar nach der Epoche Wladimirs u.und Jaroslaws (Fresken- u.und Mosaikzyklen in der Zehnt-Kirche, der Sophien-Kathedrale, dem Michail-Kloster u.und dem Kyrill-Kloster). Durch die Tätigkeit zahlreicher griech.griechischer Künstler entwickelte sich eine Synthese aus der Linearität der byzantin.byzantinischen Malerei mit freieren Kompositionsformen. Hptw.Hauptwerk der frühen Miniaturmalerei ist das 1056/57 entstandene Ostromir-Evangeliar.
Die Malerei der westruss.westrussischen Fürstentümer stand lange unter Kiewer Einfluss (Ikone „Gottesmutter von Wladimir“, 1. Hälfte des 12. Jh. Jahrhunderts; Wandmalereien in der Dmitrij-Kathedrale in Wladimir; illustrierte Chroniken) u.und brachte eine Reihe bedeutender lokaler Ikonenschulen hervor. In Nowgorod reichen die Anfänge der Malerei, die auch hier weitgehend vom Stil der Kiewer Schule abhängig ist, bis ins 11. Jh. Jahrhundert zurück. In die Ikonenmalerei Nowgorods drangen im 13. Jh. Jahrhundert volkstüml.volkstümliche Motive u.und helle leuchtende Farben ein. Die 1378 ausgeführten Fresken in der Kirche der Verklärung Christi in Nowgorod zeigen bereits eine gewisse Individualisierung der Figuren; sie werden Theophanes dem Griechen zugeschrieben, dem Lehrer des zu Beginn des 15. Jh. Jahrhunderts in Moskau tätigen Hauptmeisters der altruss.altrussischen Malerei, A. Rubljow. Dessen graziöse u.und in der Linienführung klare Bilder (Wandmalereien der Uspenskij-Kathedrale in Wladimir, 1408; Dreifaltigkeits-Ikone, um 1411; Ikonen aus der Deesis der Uspenskij-Kathedrale in Swenigorod) waren vorbildlich. Einen weiteren Höhepunkt in der Entwicklung der Malerei bedeutete die Tätigkeit des Meisters Dionisij u.und seiner Schule in der 2. Hälfte des 15. Jh Jahrhunderts.
Im 16. Jh. Jahrhundert verlor die russ.russische Wandmalerei an Bedeutung, während es mit den miniaturhaft kleinen Ikonen der Stroganow-Schule zu einer Nachblüte der Ikonenmalerei kam. In den Fresken von Jaroslawl (Elisabethkirche, 1681; Johanniskirche, 1691) u.und Wologda (Sophienkirche, 1686-1688) zeigen sich westeurop.westeuropäische Einflüsse, wie sie seit den ersten Romanows verbreitet waren.
Nach der Thronbesteigung Peters d. Gr.des Großen (1689), der den Franzosen L. Caravaque an seinen Hof berief, nahm die Porträtkunst unter den übrigen Gattungen der Malerei die erste Stelle ein. Die Malerei Russlands im 18. u.und 19. Jh. Jahrhundert stand im Zeichen der Tätigkeit westlicher oder in Westeuropa ausgebildeter Künstler. In der Porträtmalerei, im Mehrfigurenbild u.und in Werken mit allegorischen u.und mytholog.mythologischen Themen überwogen anfangs klassizistische u.und romantisierende Züge (D. G. Lewizkij, W. L. Borowikowskij, O. Kiprenskij). In der Historienmalerei setzte sich dagegen ein romant.romantischer Realismus durch, der seine Kräfte aus einer Rückbesinnung auf die geschichtl.geschichtliche Vergangenheit Russlands u.und auf das Formengut der russ.russischen Volkskunst bezog (A. G. Wenezianow). Voll dramat.dramatischer Bewegtheit u.und Spannung sind die Bilder von I. Repin, dem Hauptvertreter der realist.realistischen Malerei Russlands in der 2. Hälfte des 19. Jh Jahrhunderts. Die russ.russische Volks- u.und Sagenwelt gewann in den letzten Jahrzehnten des 19. Jh. Jahrhunderts zunehmend Oberhand über die aus dem WWesten übernommenen Themenkreise u.und wurde zum tragenden Grund einer neuen, von romant.romantischen Elementen durchsetzten Mystik (M. Wrubel).
Ausstellungen moderner Kunst u.und direkte Verbindungen mit westeurop.westeuropäischen Künstlern führten zu Beginn des 20. Jh. Jahrhunderts zur Aktivierung junger schöpfer.schöpferischer Kräfte, die in der Emigrationskunst von W. Kandinsky, M. Chagall u.und A. von Jawlensky die moderne europ.europäische Malerei entscheidend mitbestimmten. Futurismus u.und Kubismus wirkten in R.Russland nachhaltig; Richtungen wie der Rayonismus von M. Larionow u.und der von K. Malewitsch begründete Suprematismus entstanden. In jüngster Zeit weicht die jahrzehntelange Vorherrschaft des sozialist.sozialistischen Realismus größerer Experimentierfreude in der Malerei.
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