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LEXIKON

Spanien

Im 16. Jahrhundert stieg das Land im Südwesten Europas zur Weltmacht auf. Der Niedergang im 17. und 18. Jahrhundert begünstigte die Abkapselung gegenüber dem übrigen Europa. Nach dem Ende der Franco-Diktatur 1975 setzte Spanien auf Demokratisierung und europäische Integration. Diesen Prozess begleiteten ein schneller wirtschaftlicher Aufschwung und ein radikaler gesellschaftlicher Umbruch. Heute sieht sich das Land allerdings mit einer schweren Wirtschaftskrise konfrontiert. Sparmaßnahmen der öffentlichen Haushalte und die hohe Arbeitslosigkeit haben den Binnenmarkt nachhaltig beeinträchtigt.

Natur und Klima

Neben dem Festland, das über vier Fünftel der Iberischen Halbinsel einnimmt, zählen zu S.Spanien die im Mittelmeer gelegenen Balearen-Inseln Mallorca, Menorca, Ibiza, Formentera u.und Cabrera sowie die Kanarischen Inseln Lanzarote, Fuerteventura, Gran Canaria, Teneriffa, La Gomera u.und La Palma vor der Nordwestküste Afrikas. Spanische Exklaven in Nordafrika sind Ceuta u.und Melilla.

Meseta mit Randgebirgen

S.Spanien ist nach der Schweiz das gebirgigste u.und höchstgelegene Land Europas; mehr als zwei Drittel des Festlandes liegen oberhalb von 500 m. Die Kernlandschaft bildet die karge Hochfläche der Meseta Kastiliens, die fast die Hälfte der Landesfläche einnimmt. Das Kastilische Scheidegebirge (bis 2592 m) teilt die Meseta in die bis zu 1000 m hohe Nordmeseta u.und die Südmeseta (600-700 m). Mehrere Randgebirge rahmen die Hochfläche ein: im NNorden das Kantabrische Gebirge (im Picos de Europa 2648 m), im NONordosten das Iberische Randgebirge u.und im SSüden die bis zu 1323 m hohe Sierra Morena.
Spanien.sgm
Offizielle Bezeichnung:
Königreich Spanien
KFZ-Kennzeichen:
E
Fläche:
505 992 km2
Einwohner:
45,3 Mio.
Hauptstadt:
Madrid
Zeitzone:
Mitteleuropäische Zeit
Amtssprache(n):
Spanisch, Katalanisch, Galicisch, Baskisch
Staatsform:
parlamentarische Monarchie
Nationalfeiertag:
12.10.
Währung:
1 Euro = 100 Cent
Spanien.sgm countrybox

Hochgebirge und Flussbecken

Im NONordosten der Iberischen Halbinsel bilden die Pyrenäen eine natürl.natürliche Barriere gegen Frankreich; höchster Gipfel ist der Pico de Aneto (3404 m). Noch höher ist die Sierra Nevada, Teil der Betischen Kordillere im SOSüdosten (im Mulhacén 3478 m).
Zwischen den Gebirgen liegen mehrere fruchtbare Flussbecken, deren Flüsse oftmals zu Stauseen aufgestaut werden: Zwischen Sierra Morena u.und Betischer Kordillere erstreckt sich das zum Atlantik entwässernde Becken des Guadalquivirs, zwischen Pyrenäen u.und Iberischem Randgebirge das Ebrobecken. Längster Fluss der Iberischen Halbinsel ist der über 1000 km lange Tajo (portugies.portugiesisch Tejo), der bei Lissabon in den Atlantik mündet.

Küsten und Inseln

Das Festland wird von einer über 3000 km langen Küstenlinie umschlossen, die im NNorden, NWNordwesten u.und SWSüdwesten an den Atlantik u.und im OOsten u.und SOSüdosten an das Mittelmeer grenzt. Durch die Gebirgsumrahmung gibt es außer im Bereich der großen Flussmündungen nur schmale Küstenebenen. Die überwiegend geradlinige Küste löst sich an der Atlantikküste Galiziens in eine Riasküste auf, in der das Meer in Flusstälern bis weit ins Landesinnere greift.
Im Mittelmeer erhebt sich als Fortsetzung der Betischen Kordillere die Inselkette der Balearen. Dagegen sind die Kanarischen Inseln vulkan.vulkanischen Ursprungs; der Teide auf Teneriffa ist der höchste Gipfel Spaniens (3718 m). Auf dem Festland zeugen Erdbeben von einer bis heute anhaltenden tekton.tektonischen Aktivität.

Wald, Weide, Macchie

Die ursprünglich ganz S.Spanien bedeckenden Wälder wurden zu großen Teilen in Schafweiden umgewandelt oder für den Schiffbau u.und den Bergbau abgeholzt. Durch Aufforstung mit Kiefern u.und Eukalyptus vergrößerten sich die Waldbestände ab 1940 wieder. Im NNorden wachsen heute Laubwälder aus Eichen, Buchen u.und Eschen, in den Pyrenäen gesellen sich Fichten u.und Tannen dazu. Im SSüden dominieren Hartlaubwälder aus Steineichen, die von mediterranen Pflanzen wie Ölbaum, Oleander, Erdbeerbaum, Pinien u.und verschiedenen Wacholderarten durchsetzt sind; in trockenen Abschnitten wachsen Espartogras u.und Zwergpalmen. Weite Gebiete Südspaniens werden heute von der durch den Menschen geschaffenen Macchievegetation bedeckt.

Klima: kontinental bis ozeanisch

Der NNorden u.und NWNordwesten liegt in der vom Atlantik beeinflussten Westwindzone u.und weist ein immerfeuchtes, mäßig warmes Klima mit über 2000 mm Jahresniederschlag auf. Dagegen herrscht in der durch Randgebirge abgeschlossenen Meseta ein ausgeprägtes Kontinentalklima mit nur 300-500 mm Jahresniederschlag. Dort sind die Winter kalt u.und trocken, im Sommer kann das Thermometer auf 40 °C ansteigen. Im mediterranen OOsten u.und SSüden sind die Sommer trocken, im Herbst u.und Winter fallen 400-800 mm Niederschlag. Der SOSüdosten Spaniens zählt mit rd.rund 200 mm Niederschlag zu den trockensten Regionen Europas. Im Sommer steigen die Durchschnittstemperaturen in der südl.südlichen Hälfte Spaniens auf über 22 °C an, in Andalusien werden zuweilen Höchsttemperaturen von 50 °C erreicht.
Seit den 1990er Jahren treten im Zentrum u.und SSüden Spaniens immer wieder längere Trockenperioden auf. 2005 wurde S.Spanien von der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren heimgesucht, die sich katastrophal auf die Bewässerungswirtschaft u.und die Trinkwasserversorgung auswirkte u.und von zahlreichen Waldbränden begleitet wurde.

Bevölkerung

Die Bevölkerung gliedert sich in mehrere Volksgruppen wie Kastilier, Katalanen, Andalusier, Galicier u.und Basken. Neben Spanisch (Castellano) sind in den jeweiligen Regionen Katalanisch, Baskisch u.und Galicisch ebenfalls Amtssprachen. Bis auf das Baskische, das vorindoeurop.vorindoeuropäische Wurzeln hat, sind alle Sprachen romanisch.
Die Bevölkerung konzentriert sich auf die Küstengebiete; dagegen ist Zentralspanien - mit Ausnahme von Madrid - dünn besiedelt. Über drei Viertel der Spanier leben in Städten. In kaum einem anderen Land werden die Menschen älter als in S.Spanien. Angesichts gleichzeitig sinkender Geburtenraten sieht sich das Land einer zunehmenden Überalterung seiner Bevölkerung gegenüber u.und den daraus resultierenden Problemen für die Renten- u.und Gesundheitspolitik.

Vom Auswanderer- zum Einwandererland

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs bis in die 1970er Jahre emigrierten über 800 000 Spanier nach Lateinamerika u.und etwa 650 000 gingen als Gastarbeiter nach Mitteleuropa. Gleichzeitig wanderten viele Spanier vom Land in die Stadt ab. Bis 1990 kehrten viele Arbeitsmigranten in ihre Heimat zurück. Heute ist S.Spanien das Ziel außereurop.außereuropäischer Einwanderer, insbes.insbesondere von Afrikanern (Marokkanern) u.und Südamerikanern, vor allem aus Ecuador u.und Kolumbien. So hat sich der Ausländeranteil von 2,3% im Jahr 2000 auf heute 8,5% fast vervierfacht. Dies bringt zuweilen soziale Spannungen mit sich. Zur Steuerung der Arbeitsmigration legte S.Spanien bisher mehrere Programme zur Legalisierung illegal beschäftigter Ausländer auf. Jahr für Jahr versuchen Tausende afrikan.afrikanischer Flüchtlinge meist vergeblich, mit Booten auf das span.spanische Festland oder auf die Kanarischen Inseln zu gelangen. 2005 erlebten die an der marokkan.marokkanischen Küste gelegenen Exklaven Ceuta u.und Melilla einen großen Ansturm von Schwarzafrikanern. Auf der anderen Seite haben sich viele Mitteleuropäer, insbes.insbesondere Briten u.und Deutsche, als „Wohlstandsrentner“ dauerhaft in S.Spanien, insbes.insbesondere in den Küstengebieten oder auf den Inseln, niedergelassen.

Bildung

Das span.spanische Schulsystem orientiert sich stark am französischen u.und sieht eine allg.allgemeine gymnasiale Ausbildung vor. Die Zuständigkeiten für den Bildungssektor liegen beim Ministerium für Bildung u.und Wissenschaft u.und den 17 Autonomen Gemeinschaften. Schulpflicht besteht für Kinder von 6 bis 16 Jahren. Der sechsjährigen Grundschule schließt sich eine vierjährige Sekundarschule an. Ihr folgt eine Berufsschule bzw. eine zweijährige, zum Abitur führende Oberschule. Ein Drittel aller Schüler besucht kostenpflichtige, meist von der kath.katholischen Kirche geführte Privatschulen. Die Universitäten verlangen eine Aufnahmeprüfung. Zu den ältesten gehören Salamanca (1218), Valladolid (1292) u.und Barcelona (1450), die größte ist die Universidad Complutense in Madrid mit fast 100 000 Studenten. Neben Universitäten gibt es Technische Hochschulen u.und Escuelas Universitarias, die den dt.deutschen Fachhochschulen gleichen. Innerhalb des Landes existieren erhebl.erhebliche Bildungsunterschiede: Während landesweit 15,5% der Bevölkerung über keine Schulbildung verfügen, hat in Andalusien, Kastilien-La Mancha u.und der Extremadura sogar jeder vierte Ew.Einwohner keine Schule besucht.

Staat und Politik

Nach der Verfassung von 1978 ist S.Spanien eine parlamentar.parlamentarische Erbmonarchie. Staatsoberhaupt, Oberbefehlshaber der Streitkräfte u.und Symbol der Einheit des span.spanischen Staates ist der König. An der Spitze der Exekutive steht der Min.-Präs.Ministerpräsident, der auf Vorschlag des Monarchen vom Abgeordnetenhaus gewählt wird. Die übrigen Kabinettsmitglieder werden auf Vorschlag des Min.-Präs.Ministerpräsidenten vom König ernannt. Das Zweikammerparlament, die Cortes Generales, besteht aus Abgeordnetenhaus (350 Abgeordnete, auf 4 Jahre im Verhältniswahlsystem gewählt) u.und Senat (zur Zeit 208 auf 4 Jahre gewählte Senatoren, 56 weitere sind von den autonomen Gemeinschaften ernannt). Stärkste Parteien sind die konservative Volkspartei (Partido Popular, PP) und die sozialdemokrat.sozialdemokratische Sozialistische Arbeiterpartei (Partido Socialista Obrero Español, PSOE). Die nationalen Linken haben sich zum Bündnis Vereinigte Linke (Izquierda Unida, IU) zusammengeschlossen. Eine Besonderheit des span.spanischen Parteiensystems sind die zahlreichen Regionalparteien: u. a. Katalanische Konvergenz u.und Union (Convergència i Unió de Catalunya, CiU), Republikanische Linke Kataloniens (Esquerra Republicana de Catalunya, ERC) und Baskische Nationalistische Partei (Eusko Alderdi Jeltzalea, EAJ-PNV). An der Spitze des Gerichtswesens steht der Oberste Gerichtshof. Ihm nachgeordnet sind Obere Gerichte u. Amtsgerichte. Das aus zwölf Richtern bestehende Verfassungsgericht entscheidet über die Verfassungsmäßigkeit von Gesetzen, über Organstreitigkeiten u.und Verfassungsbeschwerden.

Wirtschaft und Verkehr

Die Wirtschaft Spaniens zeigt sich stabil, das Wachstum liegt oberhalb des EU-Durchschnitts. Maßgeblich für diese Entwicklung ist die weiterhin florierende Bauwirtschaft u.und der private Konsum. Die Arbeitslosenquote sank von 24,2% (1994) auf ca. 10%. Zwischen 2000 u.und 2006 war S.Spanien größter Empfänger von EU-Strukturbeihilfen.

Vielseitige Landwirtschaft

Die landwirtschaftl.landwirtschaftliche Nutzfläche nimmt fast die Hälfte der Staatsfläche ein. In den letzten fünfzig Jahren wandelte sich die Landwirtschaft durch Flurbereinigung, Mechanisierung sowie verbesserte Düngung u.und Bewässerung tiefgreifend. Die Meseta ist die Kornkammer Spaniens, in der Getreide, Kartoffeln, Hülsenfrüchte u.und Zuckerrüben angebaut werden. An den Mittelmeerküsten dominiert Bewässerungsfeldbau mit Anbau von Südfrüchten, Mais u.und Reis, Obst u.und Gemüse. Um den Bewässerungsanbau weiter auszuweiten, wird auch entsalztes Meereswasser zur Bewässerung verwendet. Ein Fünftel der gesamten Anbaufläche wird mittlerweile künstlich bewässert. Fast die Hälfte der weltweiten Olivenölproduktion stammt aus S.Spanien u.und in der Weinproduktion steht das Land nach Italien, Frankreich u.und den USA auf Platz vier. Die Viehzucht umfasst neben der Rinder- u.und Schweinezucht traditionell Schafzucht u.und Geflügelhaltung. Nach Portugal ist S.Spanien der weltweit größte Korkexporteur.
Bedeutsam ist die Küsten- u.und Seefischerei, die sich auf Schellfisch, Sardinen u.und Thunfisch spezialisiert hat. Ein Drittel der Fänge geht als Konserven in den Export. Dank internationaler Fischereiabkommen kommt die span.spanische Fischereiflotte auch an den südamerikanischen u.und afrikan.afrikanischen Küsten zum Einsatz.

Reiche Bodenschätze, aufstrebende Industrie

Spaniens Rohstoffreichtum hat schon in der Antike Begehrlichkeiten, etwa der Phönizier (Karthager) u.und Römer, geweckt. Die größten Steinkohlevorkommen liegen im NNorden zwischen Oviedo u.und León, Braunkohle wird in Katalonien abgebaut. Die Kohleförderung ist jedoch nach Subventionskürzungen stark zurückgegangen. An Erzen werden Eisen-, Kupfer-, Blei- u.und Zinkerze sowie Mangan-, Wolfram- u.und Uranerze abgebaut, daneben auch Schwefelkies. In Almadén (Kastilien-La Mancha) befindet sich das weltgrößte Quecksilberbergwerk. An den Küsten wird Meersalz u.und im Ebrobecken Kalisalz gewonnen. Über die Hälfte der elektr.elektrischen Energie stammt aus Wärmekraftwerken, den Rest erzeugen Wasser- u.und Kernkraftwerke.
Nach dem Beitritt zur EG 1986 erlebte die Industrie einen kräftigen Aufschwung. Liberalisierung u.und Modernisierung sowie die Öffnung für den internationalen Wettbewerb u.und hohe ausländ.ausländische Direktinvestitionen ließen die Produktionszahlen steigen. Bedeutsam ist neben der traditionellen Textil-, Leder- u.und Schuhindustrie die Herstellung von Wein, Olivenöl, Fischkonserven u.und Zucker. Wachsende Bedeutung kommt dem Maschinenbau, der Metall-, Bau- u.und Papierindustrie sowie der chemischen u.und elektrochem.elektrochemischen Industrie zu. S.Spanien ist nach Deutschland u.und Frankreich der drittgrößte Autoproduzent Europas. Die traditionellen Industrieregionen liegen in Katalonien, Asturien, im Baskenland sowie um Madrid. Dort haben sich in den letzten Jahren auch Zentren neuer Technologien angesiedelt.

Bedeutsamer Tourismus

Der in den 1950er Jahren einsetzende Fremdenverkehr ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor u.und beschäftigt mehr als 10% der Erwerbstätigen. Mit jährlich über 50 Mio. ausländ.ausländischer Touristen ist S.Spanien nach Frankreich das meistbesuchte Reiseland der Welt. Neben dem Bade- u.und Strandtourismus auf den Balearen, den Kanarischen Inseln u.und an den Küstenstreifen des Festlandes führt der Kulturtourismus u. a. nach Madrid, Barcelona u.und Andalusien. Daneben gewinnt der Wandertourismus, vor allem auf dem Jakobsweg, an Bedeutung. Mit 38 Stätten ist S.Spanien in der Liste des UNESCO-Welterbes vertreten, darunter die Moschee-Kathedrale in Córdoba, die Alhambra in Granada, die Altstädte von Segovia, Ávila u.und Toledo, das Kloster von Escorial sowie die Kathedralen von Burgos u.und Sevilla.

Ausbau des Verkehrsnetzes

Das span.spanische Verkehrsnetz war lange Zeit auf die Hptst.Hauptstadt Madrid ausgerichtet. Mit dem Aufschwung von Tourismus u.und Industrie wurde das Eisenbahn- u.und Straßennetz auch an der Küste ausgebaut. 1992 wurde mit der Strecke Madrid-Sevilla das Hochgeschwindigkeitsnetz AVE eröffnet, eine zweite Trasse führt seit 2003 von Madrid nach Lérida. Binnenschifffahrt ist aufgrund der geringen Wasserführung der Flüsse nur eingeschränkt möglich, dagegen ist die Küstenschifffahrt sehr bedeutsam.

Geschichte

Von der Antike bis zur Reconquista

Seit 600 v. Chr. drangen Kelten in die Region ein, die sich mit den ansässigen Iberern mischten (Keltiberer). 19 v. Chr. stand ganz S.Spanien unter Herrschaft der Römer. Die um 400 n. Chr. eingewanderten Alanen, Sweben u.und Wandalen wichen vor den wenig später folgenden Westgoten nach Nordwestspanien aus. Das Westgotenreich wurde 711 von den Arabern zerstört. Unter der arab.arabischen Omajjadenherrschaft (756-1031) erlebte das Land eine wirtschaftliche u.und kulturelle Blüte. Die sich in Nordspanien bildenden christl.christlichen Herrschaften breiteten sich mit zunehmender Schwäche der Araber nach SSüden aus. Die Hegemonialstellung Aragóns u.und Kastiliens im christl.christlichen S.Spanien gab der Rückeroberung (Reconquista) entscheidende Impulse. Sie wurde 1492 mit der Eroberung Granadas vollendet.
Germanen: Reiche um 570
Germanen: Reiche
Germanen: Reiche
Islam: Reiche von 632 bis um 1700
Islam: Reiche
Islam: Reiche

Aufstieg und Fall der Weltmacht

Die Ehe zwischen Ferdinand II. von Aragón u.und Isabella I. von Kastilien 1469 begründete 1479 den span.spanischen Nationalstaat. Die Heirat der Thronfolgerin Johanna der Wahnsinnigen mit Philipp I, dem Schönen brachte die Habsburger auf den span.spanischen Thron. Unter Karl I. (1516-1556), als römisch-deutscher Kaiser Karl V., hatte sich S.Spanien vor allem durch seine kolonialen Eroberungen in Amerika endgültig als See- u.und Weltmacht etabliert. Unter Philipp II. (1556-1598) wurde das Land zum Zentrum der Gegenreformation.
1572 begann der Freiheitskampf des prot.protestantischen Teils der Niederlande. Der Sieg gegen die Türken in der Seeschlacht von Lepanto 1571 konnte den beginnenden Machtverlust nicht aufhalten. Zwar erreichte S.Spanien 1580 durch die Personalunion mit Portugal seine größte Territorialausdehnung, die beständigen Kriege in Europa u.und Übersee unterminierten jedoch die Weltmachtstellung. 1588 unterlag die span.spanische Flotte, die Armada, England. Unter Philipp IV. (1621-1665) gingen Portugal sowie die kontinentale Großmachtstellung an Frankreich verloren. Im Spanischen Erbfolgekrieg konnte Frankreich die Thronfolge der Bourbonen auf dem span.spanischen Thron durchsetzen. Gibraltar fiel 1704 in engl.englischer Hand. Im 18. Jh. Jahrhundert ging auch der größte Teil der span.spanischen Nebenländer (Niederlande, Teile von Italien) verloren. Unter Ferdinand VI. (1746-1759) u.und dem fähigen Karl III. (1759-1788) wurden Reformen durchgeführt. Eine machtpolit.machtpolitische Stabilisierung wurde aber durch verlustreiche Kriege an der Seite der französ.französischen Bourbonen verhindert.

Innere Krisen

Napoleon I. ließ 1808 S.Spanien besetzen, u.und Joseph Bonaparte wurde span.spanischer König. Gegen die französ.französischen Unterdrücker errang das Volk in einem Guerillakrieg mit engl.englischer Unterstützung (1808-1814) seine Freiheit zurück. Eine von den Ständen der Cortes 1812 in Cádiz beschlossene liberale Verfassung hob Ferdinand VII. (1813-1833) auf; S.Spanien kehrte zum Absolutismus zurück. Die amerikan.amerikanischen Kolonien nutzten die Unruhen im Mutterland für ihre Unabhängigkeit, nach 1824 verblieben nur noch Kuba u.und Puerto Rico in span.spanischem Besitz. Als die minderjährige Isabella II. (1833-1868) den Thron bestieg, kämpfte ihr Onkel Don Carlos im 1. Karlistenkrieg (1834-1839) vergeblich um seinen Thronanspruch. 1868 wurde Isabella zur Flucht nach Frankreich gezwungen. Die Cortes wählte Amadeus I. (1870-1873) zum konstitutionellen Monarchen. Er wurde bereits 1873 zur Abdankung gezwungen. S.Spanien wurde kurzzeitig Republik. 1874 restaurierte Alfons XII., der Sohn Isabellas, die Monarchie. Er konnte sich endgültig gegen die Karlisten durchsetzen.
Kolonialismus: Aufteilung der Erde 1914
Kolonialismus: Aufteilung der Erde
Kolonialismus: Aufteilung der Erde
Unter Alfons XIII. (1886-1931) verlor das Land im Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 Kuba, Puerto Rico u.und die Philippinen.

Bügerkrieg und Franco-Diktatur

Im 1. Weltkrieg blieb S.Spanien neutral. 1923 errichtete General Miguel Primo de Rivera y Orbaneja mit königl.königlicher Billigung ein diktator.diktatorisches Regime. Einen Aufstand in Marokko schlug er 1925/26 nieder, doch zwangen Proteste von Offizieren u.und Studenten Rivera 1930 zum Rücktritt; ein Jahr später dankte auch Alfons XIII. ab u.und S.Spanien wurde erneut Republik. Gegen die aus den Wahlen im Februar 1936 siegreich hervorgegangene Volksfront erhob sich General Francisco Franco am 17. 7. 1936 in Spanisch-Marokko. Die Erhebung weitete sich zum Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) aus, den Franco siegreich beendete. Er trat als Caudillo („Führer“) an die Spitze des faschistisch aufgebauten Staats. Im 2. Weltkrieg blieb S.Spanien neutral. 1947 erklärte Franco S.Spanien durch Gesetz zur kath.katholischen Monarchie. Infolge des Kalten Krieges konnte das Land seine außenpolit.außenpolitische Isolierung überwinden. 1955 wurde S.Spanien Mitglied der UNO. Seine afrikan.afrikanischen Kolonien gab es auf. Franco, der bis zuletzt diktatorisch regiert hatte, starb 1975. Der 1969 zum Thronfolger designierte Prinz Juan Carlos de Borbón y Borbón (Enkel Alfons' XIII.) bestieg als König Juan Carlos I. den Thron. 1976 ernannte der König Adolfo Suárez zum Min.-PräsMinisterpräsidenten. Im Zuge des Demokratisierungsprozesses (transición) wurden Parteien u.und Gewerkschaften zugelassen, polit.politische Häftlinge entlassen u.und die Pressefreiheit hergestellt. Suárez gewann mit seiner später aufgelösten Zentrumspartei UCD 1977 die ersten freien Wahlen.
Juan Carlos I.
Juan Carlos
Der neue König Spaniens, Juan Carlos I., hält 1975 seine Antrittsrede im Parlament.
Juan Carlos

Demokratisches Spanien

Nachdem 1978 eine neue Verfassung in Kraft getreten war, vereitelte ein öffentl.öffentliches Bekenntnis des Königs zur Demokratie 1981 einen Putschversuch rechtsgerichteter Kräfte. Die Wahlen von 1982 gewannen die Sozialisten (PSOE) unter Felipe González. Unter seiner Regierung trat S.Spanien 1986 der EG bei. Bei den Wahlen von 1986 u.und 1989 konnte die PSOE ihre absolute Mehrheit behaupten, ab 1993 bildete sie eine Minderheitsregierung. 1992 billigte das Parlament den Vertrag über die Europäische Union.
Wirtschaftspolitische Probleme u.und Korruptionsskandale führten 1996 zu Neuwahlen, welche die konservative Volkspartei (PP) gewann. Min.-Präs.Ministerpräsident wurde José Maria Aznar, der zunächst einer Minderheitsregierung vorstand, seit 2000 aber mit absoluter Mehrheit regierte. S.Spanien erlebte einen wirtschaftl.wirtschaftlichen Aufschwung, der das Land auch für die Europäische Wirtschafts- u.und Währungsunion qualifizierte. Unter der konservativen Regierung verschärfte sich der Konflikt mit der bask.baskischen Terrororganisation ETA, der von Anfang an die Innenpolitik des demokrat.demokratischen S.Spanien belastet hatte. Im Irak-Krieg unterstützte die Regierung Aznar 2003 die Position der USA. Am 11. 3. 2004 forderten Anschläge islamist.islamistischer Terroristen in Madrid fast 200 Todesopfer. Die von dieser Katastrophe beeinflussten Parlamentswahlen am 14. 3. 2004 gewannen die Sozialisten mit dem Spitzenkandidaten José Luis Rodríguez Zapatero. Die von ihm gebildete Minderheitsregierung leitete einen Strategiewechsel in der Außenpolitik ein u.und zog die span.spanischen Truppen aus dem Irak ab. Nach der Festnahme mehrerer ETA-Führer verkündete die Separatistenorganisation 2006 eine Waffenruhe. Im selben Jahr sprach sich die Bevölkerung Kataloniens in einem Referendum für ein neues Autonomiestatut aus, das die politischen u.und wirtschaftl.wirtschaftlichen Rechte der Region weiter stärkte. 2007 kündigte die ETA den Waffenstillstand, den sie bereits 2006 durch einen neuerlichen Anschlag gebrochen hatte, wieder auf. Die Regierung Zapatero konnte Erfolge mit gesellschafts- und sozialpolitischen Reformen (u. a. Gleichstellungsgesetz, Erhöhung des Mindestlohns) verzeichnen, sah sich aber seit 2007 mit einer Verschlechterung der Wirtschaftslage konfrontiert. Die baskischen und katalonischen Autonomiebestrebungen belasteten weiterhin das innenpolitische Klima. Die Sozialisten wurden bei den Parlamentswahlen 2008 wieder stärkste Partei. Auch die Volkspartei konnte Gewinne erzielen, während separatistische Gruppierungen Verluste hinnehmen mussten. Zapatero blieb Regierungschef an der Spitze eines Minderheitskabinetts. Dieses Kabinett sah sich 2008/09 mit den Auswirkungen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise konfrontiert. Es kam zu einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit. Maßnahmen zur Haushaltssanierung stießen besonders auf den Widerstand der Gewerkschaften (Generalstreik 2010). Vor diesem Hintergrund nahm Zapatero am 20. 10. 2010 eine umfassende Umbildung seiner Regierung vor. Neuer starker Mann im Kabinett wurde Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba (* 1951). Bei den Kommunal- und Regionalwahlen am 22. 5. 2011 musste die Arbeiterpartei schwere Verluste hinnehmen. Sie wählte Rubalcaba am 11. 7. 2011 zum Spitzenkandidaten für die nächste Parlamentswahl. Dieser legte daraufhin sein Ministeramt nieder. Zapatero hatte bereits zuvor angekündigt, nicht mehr als Spitzenkandidat antreten zu wollen. Im Zusammenhang mit der sich zuspitzenden Staatsschuldenkrise entschied der Regierungschef, diese Wahlen vom März 2012 auf November 2011 vorzuziehen. Am 20. 10. 2011 gab die ETA den endgültigen Verzicht auf den bewaffneten Kampf bekannt. Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen, die am 20. 11. 2011 stattfanden, errang die Volkspartei mit ihrem Spitzenkandidaten M. Rajoy einen Erdrutschsieg. Mit 186 von 350 Mandaten konnte die Partei ihr bis dahin bestes Wahlergebnis erzielen. Dagegen verloren die Sozialisten (PSOE) 59 ihrer bisher 169 Mandate und verzeichneten mit 110 Mandaten das schlechteste Wahlergebnis seit der Wiedereinführung der Demokratie in Spanien.
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