Total votes: 143
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken
LEXIKON

Vietnam

Durch die kriegerischen Auseinandersetzungen im 20. Jahrhundert musste die vietnamesische Bevölkerung viel Leid erfahren. Heute erlebt das Land einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung verbunden mit hohen Wachstumsraten. 2007 wurde Vietnam 150. Mitglied der WTO. Ähnlich wie in der Volksrepublik China ist die wirtschaftliche Öffnung allerdings nicht mit einer politischen Liberalisierung verbunden.

Natur und Klima

Vietnam.sgm
Offizielle Bezeichnung:
Sozialistische Republik Vietnam
KFZ-Kennzeichen:
VN
Fläche:
331 212 km2
Einwohner:
89,0 Mio.
Hauptstadt:
Hanoi
Zeitzone:
Mitteleuropäische Zeit +6 Std.
Amtssprache(n):
Vietnamesisch
Staatsform:
sozialistische Volksrepublik
Nationalfeiertag:
2. 9.
Währung:
1 Dong = 10 Hào = 100 Xu
Vietnam.sgm country.box
Über mehr als 1700 km erstreckt sich V.Vietnam von den über 3000  m aufragenden Gebirgszügen des südchines.südchinesischen Gebirgssystems im NNorden bis zur Halbinsel Ca Mau im SSüden. An seiner schmalsten Stelle ist das Land nur 60 km breit. Die wirtschaftl.wirtschaftlichen Kernräume sind die weiten Schwemmlandebenen im NNorden u.und SSüden. In die bewaldeten Bergketten im NNorden haben sich zahlreiche Flüsse, u. a. der Rote u.und der Schwarze Fluss, tief eingeschnitten. Sie durchfließen die nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegende Ebene von Tonkin, die immer wieder von verheerenden Überschwemmungen heimgesucht wird. Der Rote Fluss mündet südöstlich von Hanoi mit einem großen Delta in den Golf von Tonkin.
Südlich von Tonkin schließt sich ein schmales Küstentiefland an, das der Annamitischen Kordillere an der Grenze zu Laos vorgelagert ist. Der Gebirgszug besteht weitgehend aus ausgedehnten Hochflächen u.und erreicht vereinzelt Höhen von mehr als 2400 m. Im mittleren Teil fällt das dicht bewaldete Gebirgsland zur Küste hin steil ab. An den Flussmündungen haben sich dicht bevölkerte Schwemmlandebenen gebildet. Die Landschaft Cochinchina im SSüden wird vom rd.rund 70 000 km2 großen Tiefland des Mekongdeltas bestimmt, das mit seiner fruchtbaren Aufschüttungsebene weit ins Landesinnere reicht.

Feuchtwarmes Monsunklima

Das Klima ist im NNorden subtropisch u.und im SSüden tropisch heiß mit jährl.jährlichen Niederschlägen von durchschnittlich 1500 mm, die vor allem während des sommerl.sommerlichen Südwestmonsuns fallen. Im Gebirge betragen die Niederschläge 2500-3000 mm, im Mekongdelta bis 4000 mm. Während im SSüden ausgeglichene Temperaturen um 26 °C herrschen, nehmen nach NNorden die jährl.jährlichen Temperaturschwankungen erheblich zu. In den Gebirgen kann es im Winter sogar schneien. Während des Südwestmonsuns wird V.Vietnam häufig von Taifunen heimgesucht.
Die Vegetation wird im SSüden durch trop.tropischen Regenwald bestimmt, an dessen Stelle im NNorden Laub abwerfende Monsunwälder treten. In höheren Lagen überwiegt immergrüner Bergwald, an den flachen Küsten im NNorden u.und SSüden gibt es vereinzelt noch Mangroven. Wälder bedecken etwa 30% der Landesfläche. Die von den USA während des Vietnamkriegs eingesetzten chem.chemischen Entlaubungsmittel haben große Waldgebiete zerstört.

Bevölkerung

Knapp 90% der Bevölkerung sind Vietnamesen, die überwiegend im Tiefland siedeln. Von den über 60 Minderheiten leben viele verstreut in den Bergregionen. Trotz einer stellenweise hohen Siedlungsdichte ist V.Vietnam ein Land der Dörfer, nur gut ein Viertel der Bevölkerung lebt in Städten. Über eine Million Vietnamesen sind ins Ausland abgewandert. - Mehr als die Hälfte der Ew.Einwohner bekennt sich zum Buddhismus. Auch Konfuzianismus, Daoismus u.und Mischreligionen sind vertreten. Die kath.katholische Minderheit (5-6%) ist vor allem in Südvietnam anzutreffen.

Bildung

In V.Vietnam besteht eine fünfjährige Schulpflicht für Kinder zwischen sechs u.und elf Jahren. An die Grundschule schließt sich der zweistufige siebenjährige Sekundarschulunterricht an. Problematisch ist der Mangel an materieller Ausstattung sowie die unzulängl.unzulängliche Lehrerausbildung. Die Regierung erhöhte daher 2006 den Bildungsetat um 33%, wovon bes.besonders die Schulausbildung in den ärmeren ländl.ländlichen Gegenden profitieren soll. Viele Vietnamesen streben ein Hochschulstudium im Ausland an.

Staat und Politik

Nach der inzwischen revidierten Verfassung von 1992 ist V.Vietnam eine sozialist.sozialistische Republik. Zur Förderung der Privatwirtschaft wurde der private Sektor inzwischen dem staatlichen gleichgestellt. V.Vietnam hat ein Einkammerparlament, die Nationalversammlung, deren maximal 500 Abgeordnete auf fünf Jahre gewählt werden. Nahezu alle Mitglieder gehören der von der Kommunistischen Partei dominierten Patriotischen Front an. Die Nationalversammlung, formell das höchste polit.politische Organ, wählt aus ihrer Mitte den Staatspräsidenten als Staatsoberhaupt. Der Präsident ist gleichzeitig auch Vorsitzender des nationalen Verteidigungs- u.und Sicherheitsrates. An der Spitze der Regierung steht der ebenfalls von der Nationalversammlung gewählte Premier-MinPremierminister.
Die führende polit.politische Kraft ist die Kommunistische Partei Vietnams (Dang Cong San Viet-Nam) mit rd.rund 2,8 Mio. Mitgliedern. Ihr Politbüro unter Führung des Generalsekretärs des ZK ist das entscheidende Machtorgan des Landes.
Das Oberste Volksgericht ist höchste Gerichtsinstanz. Auf lokaler Ebene erfolgt die Rechtsprechung durch Volks- bzw. Militärgerichte.

Wirtschaft und Verkehr

Nach der anfangs zögerlichen marktwirtschaftl.marktwirtschaftlichen Öffnung verzeichnet V.Vietnam heute hohe Wachstumsraten von rd.rund 8%, die vor allem auf den hohen Zuwächsen im Export u.und in der Industrieproduktion beruhen. Billige, aber gut ausgebildete Arbeitskräfte locken ausländ.ausländische Investoren ins Land. So haben einige südostasiatische Schwellenländer Produktionsstätten (vor allem der Textilindustrie) nach V.Vietnam ausgelagert. Das noch immer starke Wirtschaftsgefälle von SSüden nach NNorden u.und die nur schleppend verlaufende Privatisierung von unrentablen Staatsunternehmen beeinträchtigen jedoch die weitere Entwicklung.

Reis, Kaffee, Geflügel

Die Landwirtschaft ist nach wie vor die Lebensgrundlage Vietnams. Es dominiert der Reisanbau, der zu mehr als der Hälfte auf bewässerten Flächen betrieben wird. V.Vietnam gehört zu den größten Reisexporteuren der Welt. Daneben werden für den Export vor allem Kaffee (zweitgrößter Kaffee-Exporteur), Tee, Kautschuk, Tabak, schwarzer Pfeffer u.und Cashewnüsse angebaut. Die weit verbreitete Geflügelzucht hat durch die 2004 ausgebrochene Vogelgrippe empfindl.empfindliche Einbußen erlitten. In Aquakulturen werden für den Export Meeresfrüchte u.und Süßwasserfische gezüchtet.

Rohstoffreichtum und Staatsbetriebe

V.Vietnam verfügt über umfangreiche Bodenschätze: u. a. Steinkohle, Eisen, Zinn, Wolfram, Chrom, Mangan u.und Apatit. Im Südchinesischen Meer werden Erdöl- u.und Erdgasfelder ausgebeutet, die schon rund ein Viertel der Gesamtausfuhr stellen u.und zunehmend im eigenen Land weiterverarbeitet werden. Die Industrie leidet unter den nur langsam greifenden marktwirtschaftl.marktwirtschaftlichen Reformen; vor allem die defizitär arbeitenden Großbetriebe der Schwerindustrie befinden sich noch in staatl.staatlicher Hand. Wachstumsstarke Industriezweige sind die Nahrungsmittel-, Textil- u.und Bekleidungs-, Leder-, Kunststoff- sowie die Elektroindustrie. Um den Devisenbedarf des Landes zu decken, ist der Ausbau des Tourismus vorgesehen.

Schlechte Straßen

Wichtigste Eisenbahnstrecke ist die Nord-Süd-Verbindung entlang der Küste, zu der parallel die wichtigste Fernstraße Vietnams verläuft, die Hanoi mit Ho-Chi-Minh-Stadt, dem ehem.ehemaligen Saigon, verbindet. Das relativ dichte Straßennetz ist in einem schlechten Zustand. Fahrräder u.und Mofas sind die am meisten verbreiteten Verkehrsmittel. Eine bedeutende Rolle spielen die weit verzweigten Binnen- u.und die Küstenschifffahrtswege, vor allem im Mekongdelta.

Geschichte

Kaiserreich

Im 3. Jh. Jahrhundert v. Chr. begründeten die Viet-Völker die Reiche Au Lac u.und Nam Viet im heutigen Nordvietnam bzw. Südchina. Au Lac wurde um 179 v. Chr. von Nam Viet unterworfen. Von 111 v. Chr. bis 939 n. Chr. war das Gebiet chines.chinesische Provinz. Nach der Vertreibung der Chinesen entstand das Kaiserreich Dai Viet („Groß-Viet“), das unter verschiedenen Dynastien seine Herrschaft konsolidieren konnte, auch wenn es im 15. Jahrundert noch einmal von China annektiert wurde. Der Machtkampf der beiden rivalisierenden Adelsfamilien Trinh im NNorden u.und Nguyen im SSüden führte im 17. Jh. Jahrhundert zu einer fakt.faktischen Zweiteilung des Reiches. 1772 erhoben sich die Brüder Tay Son u.und begründeten die Tay Son-Dynastie. Mit französ.französischer Hilfe konnte Nguyen Anh aus dem Geschlecht der Nguyen 1802 ihre Herrschaft beenden. Er gab dem Land als Kaiser Gia Long 1804 den Namen Viet Nam.

Französische Kolonialherrschaft

In der 2. Hälfte des 19. Jh. Jahrhunderts besetzte Frankreich nach u.und nach V.Vietnam, zunächst den südl.südlichen Teil (Cochinchina), in den 1880er Jahren auch Zentral- u.und Nordvietnam (Annam u.und Tonkin). 1887 wurden diese Gebiete mit Kambodscha zur Union von Indochina zusammengefasst. Im 2. Weltkrieg wurde V.Vietnam von japan.japanischen Truppen erobert. 1945 dankte Kaiser Bao-Dai ab. Daraufhin proklamierte Ho Chi Minh die Unabhängigkeit u.und rief die Demokratische Republik V.Vietnam aus. 1946 begann mit Partisanenangriffen der Viet-Minh auf die französ.französischen Truppen ein langwieriger Unabhängigkeitskampf. Mit der Einnahme von Dien Bien Phu 1954 war die französ.französische Niederlage besiegelt.

Teilung und Vietnamkrieg

Das Genfer Indochina-Abkommen teilte das Land entlang dem 17. Breitengrad in eine Nord- u.und eine Südzone. Nordvietnam entwickelte sich unter Führung Ho Chi Minhs (bis 1969) zu einer kommunist.kommunistischen Volksrepublik. In Südvietnam regierte zunächst wieder Bao-Dai als Staatschef. Er wurde 1955 von Ngo Dinh Diem gestürzt, der sich zum Präsidenten der Republik V.Vietnam machte. Die Weigerung Südvietnams, eine Volksabstimmung über die Wiedervereinigung abzuhalten, u.und die Missstände unter dem Diem-Regime bewirkten seit 1957 ein Wiederaufleben der Tätigkeit kommunist.kommunistischer Guerillas (Viet-Cong) in Südvietnam, die von Nordvietnam aus unterstützt wurden. Die USA griffen in wachsendem Maß in die Kämpfe ein. Es kam zum Vietnamkrieg. Nach verheerenden u.und verlustreichen Kämpfen u.und dem US-amerikan.US-amerikanischen Abzug 1973 endeten die militär.militärischen Auseinandersetzungen 1975 mit dem Sieg der Kommunisten.
Vietnamkrieg: Napalmbombenangriff
Napalmbombenangriff in Vietnamkrieg
Kinder sind während des Vietnamkrieges auf der Flucht vor dem Napalmbombenangriff durch Flugzuge der südvietnamesischen Regierung, der aus Versehen ihr Dorf traf, das 26 Meilen von Saigon entfernt lag.
Vietnamkrieg: Napalmbombenangriff img

Sozialistische Republik Vietnam

1976 wurde die Wiedervereinigung von Nord- u.und Südvietnam zur Sozialistischen Republik Vietnam vollzogen. Im SSüden wurde mit harten Zwangsmitteln die kommunist.kommunistische Umgestaltung der Gesellschaft eingeleitet. 1978/79 besetzten vietnames.vietnamesische Truppen das mit China verbündete Kambodscha; daraufhin unternahm China eine begrenzte militärische „Strafaktion“ gegen VVietnam.
Kambodscha: Abzug vietnamesischer Truppen
Abzug der vietnamesischen Truppen
Zivilisten verabschieden die vietnamesischen Truppen, die 1989 Kambodscha verlassen.
Kambodscha: Abzug vietnamesischer Truppen img
Erst 1989 zog V.Vietnam seine Truppen aus Kambodscha ab. Inzwischen hatte eine wirtschaftl.wirtschaftliche Liberalisierung eingesetzt. Das Verhältnis zur Volksrepublik China normalisierte sich. 1995 wurden die diplomat.diplomatischen Beziehungen zu den USA wieder aufgenommen. 1997 vollzog sich ein Generationswechsel in der Staats- u.und Parteiführung. Le Kha Phieu wurde Generalsekretär des ZK der Kommunistischen Partei. Er wurde 2001 von dem reformorientierten Nong Duc Manh im Amt abgelöst. 2006 wurde Nguyen Minh Triet Staatspräsident u.und Nguyen Tan Dung Premier-MinPremierminister. Im Januar 2011 übernahm Nguyen Phu Trong die Parteiführung.
Total votes: 143
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken

Post new comment


0 Kommentare

Filtered HTML

  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <blockquote> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
This question is for testing whether you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.

Wissenstest

Wie gut kennen Sie die Geschichte Asiens

Mit welchem Ereignis begründeten die USA die Aufnahme des Bombenkriegs gegen Nordvietnam im Jahr 1964?

Video

Die Bucht von Ha Long: Naturwunder Vietnams

RÄTSEL DES ALLTAGS

Rätsel des Alltags

Woher kommt eigentlich der Begriff "Bulle"?