wissen.de sprach mit Ulrike Brandi. Sie leitet seit 1986 ein Planungsbüro für Licht in Hamburg. Ihre Philosophie: Erst Licht macht Räume erlebbar. Deshalb sind Lichtplanung und -gestaltung ein wesentlicher Bestandteil der Architektur.
Frau Brandi, was unterscheidet einen Lichtplaner von Innenarchitekten und Architekten?
Der Architekt plant das Gebäude, der Innenarchitekt die Einrichtung und der Lichtplaner die zum Gebäude, zum Raum oder zum Außenbereich unter kosten- und ästhetischen Gesichtspunkten passende und auf die Nutzung abgestimmte Beleuchtung.
Wie wird man Lichtplaner?
Lichtplaner sind hauptsächlich Architekten, Innenarchitekten und Designer mit einem lichtspezifischen Aufbaustudium, bzw. eigener Fortbildung durch intensiven Umgang und vielen Erfahrungen mit Licht und Beleuchtung.
Eine Beratungsleistung, die Sie anbieten, ist die Tageslichtplanung. Was verbirgt sich hinter dem Begriff?
Einer Tageslichtplanung geht die Betrachtung des Himmels- und Sonnenlichts in Gebäuden voraus. Die optimale Nutzung dieses "besten" weil natürlichen Lichts ist das Ziel der Tageslichtplanung und der Beratung der Architekten bei der Planung von Fenstern, Oberlichtern, Fassadenöffnungen. Dabei sind Tageslicht und künstliches Licht keine Konkurrenten. Sie ergänzen einander.
Sie übernehmen Lichtprojekte im großen Rahmen - Theater, Bürokomplexe, Museen. Wieso ist das Licht entscheidend für öffentliche Gebäude?
Licht hebt die architektonischen Merkmale und Besonderheiten verschiedener Gebäude hervor. Es macht Räume und Gebäude ihrer speziellen Nutzung entsprechend erlebbar. Es schafft Atmosphäre, hilft uns bei der Orientierung und vermittelt ein Gefühl von Sicherheit und Wohlbefinden.
Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach eine Lichtplanung in privaten Häusern und Wohnungen?
Unsere Wohnung ist unser Rückzugsort vom hektischen und anstrengenden Alltag. Licht hilft, eine angenehme und entspannende Atmosphäre zu erzeugen. Ebenso ist es wichtig, eine auf die funktionalen Anforderungen der verschiedenen Bereiche abgestimmte Beleuchtung zu schaffen, z. B. eine gute Ausleuchtung der Arbeitsflächen in der Küche oder eine ausreichende Beleuchtung von Bädern, Treppenhäusern, etc. Licht beeinflusst unter Anderem aber auch unseren circadianen Rhythmus, kann diesen unterstützen und, wenn falsch geplant, auch stören.
Können Sie uns den Unterschied zwischen kaltem und warmem Licht erläutern?
Warmweißes Licht erinnert an Sonnenuntergänge und Feuerschein – es wirkt entspannend und eignet sich somit für eine stimmungsvolle, wohnlich warme Atmosphäre. Mit kaltem oder neutralweißem Licht verbinden wir eher den klaren Himmel und die strahlende Sonne – es geht ins bläuliche und wirkt aktivierend.
Wie können Praxen, Kanzleien, Geschäfte den Einsatz von Lichtquellen (warm, kalt, direkt, indirekt) nutzen, um die Kaufbereitschaft der Kunden zu erhöhen bzw. ihr Wohlgefühl zu steigern?
In Arztpraxen wirkt der Einsatz von warmem indirektem Licht in den Wartebereichen angenehm und beruhigend, klares kühleres Licht eignet sich für die Behandlungs- und Operationsräume. In Geschäften ist eine gezieltes gerichtetes Licht auf die Waren sinnvoll, hierbei ist besonders eine gute Farbwiedergabe der Leuchtmittel wichtig. In Umkleidekabinen ist ein warmes, schmeichelndes Licht schön. Es ist immer wichtig, die Nutzfläche zu betrachten, also den Bereich in dem das Licht gebraucht wird - und das ist häufig nicht der Fußboden.
Hat Licht Einfluss auf die Energiebilanz eines Gebäudes?
Das eigentliche Kunststück in der Lichtplanung liegt darin, mit einem geringen Einsatz an Mitteln, das heißt mit wenig Licht, eine große Wirkung zu erzielen. Dabei ist die Energieeffizienz der gewählten Leuchtmittel (Langlebigkeit, Verbrauch, Wartungszyklen, Beschaffbarkeit) ein ganz wichtiger Aspekt. - Ja, gute Lichtplanung setzt voraus, dass auch die Energieeffizienz der gewählten Leuchtmittel beachtet wird, also Langlebigkeit, Verbrauch, Wartungszyklen und Beschaffbarkeit.
Kann man eine bestehende Immobilie auch in Bezug auf die optimale Ausleuchtung mit Tageslicht sanieren?
Ja – man kann z. B. bei der Wahl neuer Fenster darauf achten, dass Rahmen und Streben möglichst schmal sind. Weiße Rahmen und helle Wände in der Umgebung tragen zur optimalen Nutzung von natürlichem (Tages-)Licht bei. Auch der nachträgliche Einbau von Dachfenstern holt viel Licht ins Haus. Ein Oberlicht erzeugt eine fünfeinhalb Mal größere Beleuchtungsstärke als ein Seitenfenster.
Gibt es da kulturelle Unterschiede? Haben’s die Deutschen zu Beispiel lieber hell, während die Südländer eher den Schutz vor zu viel Sonnenlicht suchen?
Im Norden ist eher warmes weiches Licht gefragt, im Süden dafür eher das kühle hellere Licht.
Was ist aus Ihrer Sicht der neueste Trend bei der Hausplanung?
Der Trend geht immer mehr zum Niedrigenergie- und Passivhaus. Das Tageslicht ist auch unter diesem Gesichtspunkt einzigartig: umweltschonend und kostenlos. Ich wünsche mir, dass die optimale Nutzung des vorhandenen Tageslichts als Grundstein jeder Lichtplanung schon in die Entwurfsphase mit einbezogen wird.
Vielen Dank Frau Brandi.
- Website von Ulrike Brandi Licht.









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