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Lichtverschmutzung – Wenn die Nacht zum Tag wird

Auf Knopfdruck hell, die ganze Nacht – dank Elektrizität sind wir nicht mehr nur auf Tageslicht angewiesen. Stattdessen regeln künstliche Lichtquellen unseren Tagesrhythmus, der Unterschied zwischen Tag und Nacht ist dabei unbedeutend. Doch das Kunstlicht rund um die Uhr hat Folgen: Unsere innere Uhr gerät aus dem Takt und bringt unsere Gesundheit ins Stolpern. Auch ein echter Nachthimmel lässt sich wegen der zunehmenden Lichtverschmutzung kaum noch ungestört bestaunen.

Künstliche Lichtquellen bestimmen unseren Alltag: Immer bessere Lampen lassen uns bei keiner Gelegenheit im Dunkeln stehen, Straßenlaternen sichern den zunehmenden Verkehr bei Nacht, Fernseher und Computerbildschirme versorgen uns strahlend mit Informationen. Seit elektrisches Licht jederzeit und praktisch überall verfügbar ist, bestimmt das Sonnenlicht schon lange nicht mehr den Tagesrhythmus. Internet-Nutzungsdaten beispielsweise zeigen, dass vor allem in reichen Industrienationen kaum noch echte Nachtruhe existiert: Irgendjemand ist immer wach.

Skyglow überstrahlt die Sterne

Diese Aktivität rund um die Uhr erfordert zusätzliches Licht: Büro- und Wohnhäuser, Straßenlaternen und Leuchtreklamen sind oft fast die ganze Nacht hindurch beleuchtet. Besonders unsere Städte werden immer heller. Direkt sichtbar wird die Lichtverschmutzung am Nachthimmel. Das über dicht besiedelten Gebieten gestreute Kunstlicht taucht den ganzen Himmel in einen rötlich-gelb glühenden Schimmer. Dieser sogenannte "Skyglow" überstrahlt schwach leuchtende Sterne, oft bleiben nur wenige der hellsten Sterne sichtbar.

Skyglow am Nachthimmel
Nur die hellsten Sterne überstrahlen den nächtlichen "Skyglow".

Für die Astronomie ist dieses Phänomen äußerst lästig: Kann man in einer dunklen Nacht bis zu viertausend Sterne zählen, sind am Himmel über einer hellen Stadt gerade mal eine Handvoll sichtbar. Auch aus diesem Grund weichen die großen Sternwarten mit ihren Teleskopen an abgelegene Standorte aus, wie etwa die Europäische Südsternwarte in der chilenischen Atacama-Wüste. Die spärliche Bevölkerungsdichte garantiert dort noch einen sternenreichen Nachthimmel ohne störendes "Schmutzlicht".

Innere Uhr aus dem Takt

Die Folgen der nächtlichen Dauerbeleuchtung wirken sich jedoch auch auf unseren Körper aus. Unsere innere Uhr richtet sich stark nach dem Tageslicht: Der Wechsel von Licht und Dunkel teilt den gesamten Stoffwechsel in Wach- und Ruhephasen. Geraten diese durcheinander, macht sich das bald bemerkbar. So wird unter anderem der Energiehaushalt dadurch reguliert – und das spielt eine wichtige Rolle dafür, ob Kalorien verbrannt oder als unliebsame Fettpolster abgelagert werden. Schon ein kurzer Spaziergang im Morgenlicht stabilisiert die innere Uhr und wirkt geradezu wie ein Schlankheitsmittel, fanden Forscher heraus.

Die Folgen einer durchgearbeiteten oder durchgefeierten Nacht sind sogar sofort körperlich spürbar – selbst nachdem der verlorene oder aufgeschobene Schlaf nachgeholt ist, geht die innere Uhr falsch. Stark ausgeprägt ist der Effekt bei Reisen in andere Zeitzonen: Beim "Jetlag" passt die innerlich gefühlte Tageszeit nicht zum tatsächlich erlebten Licht. Es dauert eine Weile, bis die innere Uhr sich angepasst hat. Wird Jetlag durch häufiges Reisen oder ungesunden Lebensstil zum Dauerzustand, drohen Folgen wie Übergewicht oder Depressionen.

Blaue LEDs
Blaues Licht bringt die innere Uhr besonders leicht aus dem Takt.

Durch Lichtverschmutzung kann ein ähnlicher Effekt auftreten wie beim Jetlag, wenngleich viel subtiler, befürchten Wissenschaftler. Licht beeinflusst nämlich die Produktion des von der Zirbeldrüse im Gehirn ausgeschütteten "Schlafhormons" Melatonin. Im Dunkeln wird mehr davon gebildet, bei Licht weniger – aus diesem Grund fühlt man sich bei eingeschaltetem Licht weniger müde und schläft schlechter. Nächtliches Streulicht kann sogar das Wachstum von Tumoren beschleunigen und sie resistent gegen Medikamente machen.

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AKR, 11.09.2015
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