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Lichtverschmutzung – Wenn die Nacht zum Tag wird

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Entspannende Dunkelheit

Den gesundheitlichen Folgen der Lichtverschmutzung ließe sich gleich auf mehrere Arten entgegenwirken: Am effektivsten ist es natürlich, auf die überflüssigen Lichtquellen zu verzichten. Schlafzimmer sollten möglichst stark abgedunkelt sein, um Streulicht von draußen zu vermeiden. Neuere Untersuchungen zeigen, dass der Effekt der Lichtverschmutzung auf den Menschen nicht nur vom Tagesrhythmus, sondern auch stark von der Wellenlänge des Lichtes abhängt.

Blaues Licht bremst die Produktion des Schlafhormons Melatonin im menschlichen Gehirn besonders stark. Nur knapp 40 Minuten im Licht einer normalen Glühbirne halbieren die Menge an ausgeschüttetem Schlafhormon bereits. Moderne Leuchtdioden (LED) senden noch wesentlich mehr blaues Licht aus, und die Displays von Smartphones, Tablets und Notebooks strahlen ebenfalls stark im blauen Bereich. Schlafmediziner empfehlen daher, diese Geräte nicht unmittelbar vor dem Schlafengehen zu benutzen.

Verwirrte Tierwelt

Der Tierwelt macht das künstliche Licht noch drastischer zu schaffen: Direkt betroffen sind besonders Insekten, die sich von Lichtquellen angezogen fühlen. Scheinwerfer mit hoher Leistung, aber auch Straßenlaternen kosten viele der Gliederfüßer das Leben. Junge Meeresschildkröten orientieren sich nach dem Schlüpfen am Mond- und Sternenlicht, um zum Wasser zu finden. Neuerdings überstrahlen jedoch die Lichter an Land das Funkeln auf dem Wasser. Der Schildkröten-Nachwuchs schlägt dadurch immer häufiger die falsche Richtung ein.

Leuchtturm Dahmeshöved, nachts (2008)
Leuchtturm Dahmeshöved in Aktion

Die starken Lichtquellen der  Leuchtfeuer beeinträchtigen See- und Zugvögel.

Vögel leiden vor allem unter der Signalwirkung des Lichtes bei Nacht. Während Leuchttürme an den Küsten Schiffen den Weg weisen, können sie Vögel geradezu in die Irre leiten. Beim Zusammenprall mit den Türmen oder ihren Lampen sterben jährlich tausende Vögel. Noch dramatischer sind die Folgen der allgegenwärtigen Lichtverschmutzung für manche Zugvogelschwärme. Sie lassen sich auf ihrer Reise von den starken Lichtquellen am Boden ablenken und fliegen lange und erschöpfende Umwege. Suchscheinwerfer oder die auffälligen Lichter auf den Dächern vieler Diskotheken sind darum eine mögliche Gefahr für die Tiere.

Wie beim Menschen reagiert auch die innere Uhr der Tiere auf die Lichtverschmutzung. Viele Tiere folgen wesentlich strikteren Tag-und-Nacht-Rhythmen als Menschen der heutigen Zeit. Daher sind sie auch anfälliger für Störungen. Im Großraum München beispielsweise verhalten sich Amseln im Stadtgebiet mittlerweile anders als die Vögel in einem Waldgebiet außerhalb der Stadt, wie Untersuchungen zeigten. Die richten Waldamseln ihren Tag nach Sonnenauf- und –untergang aus. Die Stadtvögel dagegen werden schon 30 Minuten früher aktiv, und beenden ihren Tag fast zehn Minuten später.

Brisbane kurz vor und während der Earth Hour 2012
Das westaustralische Brisbane kurz vor und während der Earth Hour 2012.

Sternenhimmel zur "Earth Hour"

Aus all diesen Gründen drängt es sich auf, die Lichtverschmutzung wenigstens im eigenen Umfeld in Grenzen zu halten. Dass es zumindest zeitweilig auch ohne Licht geht, zeigen Aktionen wie die jährliche "Earth Hour" am letzten Sonntag im März: Die Umweltorganisation WWF ruft dabei dazu auf, symbolisch für eine Stunde unnötige Lichtquellen und andere elektrische Geräte aller Art abzuschalten.

Die plötzlich einsetzende Dunkelheit während dieser Energiespar- und Klimaschutz-Aktion verdeutlicht die Lichtverschmutzung durch die sonst allgegenwärtige Beleuchtung. Außerdem bietet sie Gelegenheit, einen unverschmutzten Himmel voller Sterne zu bewundern.

AKR, 11.09.2015
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