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wissen.de Artikel

London 1948

Erste Spiele nach dem Weltkrieg

 

Das Empire Stadion in Wembley, London, kurz vor Beginn der Olympischen Sommerspiele 1948. Die Eröffnungsfeier wird am 29. Juli stattfinden.
Nach zwölfjähriger Unterbrechung wurden wieder Olympische Spiele ausgetragen. Zum zweiten Mal nach 1908 hatte sich das IOC für London als Austragungsort schon für 1944 vorgesehen entschieden. Für London sprachen insbesondere die bereits vorhandenen und weitgehend intakten Sportstätten. Unter den Augen des britischen Königs Georg VI. und des seit 1942 amtierenden IOC-Präsidenten Sigfrid Edström aus Schweden wurden die Spiele der XIV. Olympiade der Neuzeit vor mehr als 80.000 Zuschauern eröffnet.

Trotz gewisser Bedenken wurde der Olympische Fackellauf vom IOC als fester Bestandteil der Zeremonien aufgenommen. Auf dem Weg vom antiken Olympia nach London wurde ein Umweg zu Coubertins Grab in Lausanne gewählt, um nicht durch Deutschland laufen zu müssen. Die Spiele fanden ohne Deutschland und Japan statt, die als Aggressoren des Zweiten Weltkriegs von der Teilnahme ausgeschlossen waren. Wie bisher immer fehlten die Athleten aus der Sowjetunion. Auf den Bau eines olympischen Dorfes hatten die Veranstalter wegen hoher Kosten verzichtet; die Sportler wohnten in Kasernen und Schulen. Angesichts der Lebensmittelrationierungen brachten viele Mannschaften Naturalien selbst mit.

Kunst ist nicht mehr olympisch

Polo und Feldhandball gehörten nicht mehr zum Programm. Zum letzten Mal wurden olympische Kunstwettbewerbe veranstaltet. Damit war die Idee Pierre de Coubertins, Kunst und Sport miteinander zu verbinden, endgültig gescheitert. Die Frauen eroberten in der Leichtathletik mit den neuen Disziplinen 200m, Weitsprung und Kugelstoßen weiteres Terrain.

Star der Spiele war Fanny Blankers-Koen aus den Niederlanden, die als "fliegende Hausfrau" in die Sportgeschichte einging: Die zweifache Mutter gewann Gold über 100m, 200m, 80m Hürden und mit der 4x100m-Staffel. Erst das Zielfoto entschied über ihren Sieg im Hürdenlauf; die Britin Maureen Gardner musste sich mit Rang zwei begnügen. Der ungünstige Zeitplan der Wettkämpfe verhinderte weitere Erfolge für Blankers-Koen. Dabei hatte die 30-Jährige ihren Leistungszenit schon längst überschritten. Lediglich dem finnischen Turner Veikko Huhtanen gelang es, mit dreimal Gold (Mehrkampf, Mannschaft, Seitpferd), einmal Silber (Barren) und Bronze (Reck) die Leichtathletin in der Medaillenausbeute zu übertreffen.

Vielumjubelt wurde der Erfolg der ungarischen Fechterin Ilona Elek, die ihren Olympiasieg von 1936 wiederholte. Ihr Landsmann Aladár Gerevich (zweimal Gold) nahm von 1932 bis 1960 an Olympischen Spielen teil und holte dabei sieben Gold-, eine Silber- und zwei Bronzemedaillen im Fechten. Das erfolgreichste Team stellten die USA mit 38 Mal Gold vor Schweden (17) und Frankreich (elf).

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