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Macht den Bettelmann zum Königssohn!

Wieso Karneval im Krisenjahr zum Kracher wird

Die Konten rot, die Kassen leer, die Laune schlecht. Die Finanzkrise ist den Menschen schon längst auf Gemüt und Geldbeutel geschlagen. Kein Wunder, dass da kaum jemand Lust verspürt, sich eine Pappnase ins sorgenvolle Gesicht zu drücken und Faschingslieder zu schmettern. Aber wieso eigentlich nicht? Gerade im Krisenjahr sollte Karneval gefeiert werden - wilder, ausgelassener, hemmungsloser denn je. Denn wer sich auf die Geschichte besinnt, weiß: Die närrischen Tage dienten immer schon als Ventil "zum Dampf ablassen".

Ein karnevalesker Trauerkloß

Freud und Leid sind die wechselnden Seelenzustände eines Clowns. Dieser befindet sich definitiv in der depressiven Phase.

Die Herrschaft der Sklaven

Müßige Sklaven, die auf Diwanen lungern und sich von ihren römischen Herrschaften bedienen lassen - was wie der verwegene Traum eines armen Sklaven der Antike klingt, gehörte tatsächlich zur Realität des alten Roms. Denn jedes Jahr, wenn Ende Dezember mit freizügigen und ausschweifenden Feiern dem Gott Saturn gehuldigt wurde, trat die "Verkehrte Welt" in Kraft: Die Herren dienten, die Sklaven richteten. Rangunterschiede waren während der "Saturnalien" nicht nur aufgehoben, sondern in ihr Gegenteil verkehrt. In den Provinzen ging man gar so weit, einen Sklaven zum König zu ernennen und dessen Befehlen - scherzhaft - Folge zu leisten.

Verkehrte Welt - ein Spiel auf Zeit

Doch die Umkehrung der Standesordnung war natürlich nicht von Dauer. Sobald die Ausnahmezeit vorüber war, traten die gewohnten Regeln wieder in Kraft und ein jeder landete exakt an der Stelle, die ihm die gesellschaftliche Ordnung zugedacht hatte. Die gelebte Illusion von Macht und Freiheit jedoch reichte bereits aus, um eine wirkliche Revolte der Unfreien und Unterdrückten zu vermeiden.

Die Komödie rüttelt an der Ordnung

Dasselbe Prinzip von der Umkehrung der Ordnung findet sich übrigens in der Struktur der Komödie wieder. Was nicht weiter verwundert, bedenkt man, dass die griechische Komödie ihren direkten Ursprung in den antiken "Dionysien" hat, also den kultischen orgiastischen Feiern zu Ehren des Wein- und Fruchtbarkeitsgottes Dionysos. Auch in der Komödie gerät die Weltordnung für eine kurze Zeit ins Wanken. Verwechslungen, Verwirrungen und Verliebte, die zueinander nicht finden, sind an der Tagesordnung. Erst im fünften Akt, dem letzten, wird die Ordnung wieder hergestellt: Das Paar feiert Hochzeit. Und damit wird die moralisch verwerfliche voreheliche Leidenschaft umgewandelt in den tugendhaften Zustand der Ehe. Die Moralisten dürfen wieder aufatmen.

Die Kirche verliert den Kampf gegen Karneval

Der Sittenverfall indes, der in späteren Zeiten dem Klerus den Atem verschlagen sollte, würde statt weniger Theaterakte ganze Jahrhunderte dauern. Denn natürlich wollten sich auch die frühen Christen die frivolen, aus der Römerzeit übernommenen Feiern zum Frühlingsanfang nicht nehmen lassen. Die Maskenumzüge, die als Weibsbilder verkleideten Männer, die zotigen Lieder und komischen Predigten - all dies diente den Menschen auch im Mittelalter als wichtiges Ventil - angesichts der weltlichen und religiösen Zwänge, die Lehnswesen und Jenseitsfixierung mit sich brachten. Nicht einmal von der katholischen Kirche ließen sich die Jecken den heidnischen Spaß verderben. Denn nachdem diese die vorösterliche Fastenzeit auf 40 Tage ausgedehnt hatte, gab man sich den sinnlichen Genüssen und wie auch immer gearteten Ausschweifungen eben vorher hin. Und so regierten fortan von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch die Faschingsprinzen und ihre Prinzessinen, während dreiste Narrenhände mit dem Rathausschlüssel die Hoheit an sich rissen.

Die Narren in der Pflicht

Und wenn im Krisenjahr 2009 drohende Entlassungen, Einbrüche auf dem Exportmarkt, Banken am Staatstropf und viele Hiobsbotschaften mehr schon jetzt für Katerstimmung sorgen, sind die Narren erst recht in der Pflicht, der Realität die Tür vor der Nase zuzuschlagen. Hebt in diesen Tagen die Welt aus den Angeln, ihr Jecken und Narren, stellt sie einmal komplett auf den Kopf! Blast den Trauerklößen und Pessimisiten mit Pauken und Trompeten ins Gesicht! Macht den Bettelmann zum Königssohn und feiert, als gäbe es kein Morgen mehr.

von Susanne Dreisbach, wissen.de
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"Niemand ist mehr Sklave, als der, der sich für frei hält, ohne es zu sein." ..... oder ....."Niemand ist mehr Sklave, als der, der sich für einen Sklaven hält, ohne es zu sein",nur wer sich für nicht ganz frei hält, aus dem kann auch kein ganzer Sklave werden. Möglicherweise müssen die Bösen ein bißchen weniger Böse und die Guten ein wenig mehr Böse werden.


mehr informationen bittees stehen viel zu weinig gründe da


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