Kindheit und Pubertät: streng katholisch

Madonna in einem ihrer ausgefallenen Outfits
New York und die Welt: die Sängerin

Madonna auf einer Spiegelkugel
1983 gelang ihr schließlich der Durchbruch als Sängerin mit dem Song "Holiday". Mit den Alben "Like a virgin" (1984) und "True Blue" (1986) wurde sie zur Popdiva der 80er Jahre. Sie landete einen Nummer-Eins-Hit nach dem anderen, z.B. "Crazy for you", "Papa don't preach", "Who's that girl" und "Justify my love". Insgesamt sind es heute elf an der Zahl. Damit hat sie zusammen mit Whitney Houston die meisten Nummer-Eins-Hits zu verzeichnen. Ihr Management übernahm Freddy DeMann, der auch Michael Jackson oder Prince betreute.
Im Juli 1987 kam an ihrem Gesicht niemand mehr vorbei. Sie prangte auf der Titelseite der Cosmopolitan und hatte damit erreicht, was sie wollte: "Ich will nicht, dass die Leute meinen Namen vergessen. Ich will, dass ihn jeder kennt. Ich will alles, was es im Leben und in der Liebe gibt. Ich will jeden erreichen." Das Musician-Magazin wählte sie sogar zur "Künstlerin des Jahrzehnts". Die katholische Kirche protestierte heftig gegen die Selbstdarstellung und Vermarktung der Sängerin als Heilige und Hure, die immerhin den Namen der Jungfrau Maria trägt. Im Februar 1999 erhielt sie vier der sechs begehrten Grammys für ihr neuestes Album "Ray of Light". Nach ihren internationalen Erfolgen wurde Madonna auch zum Werbestar. Im Mai 1999 hat Max Factor, ein amerikanischer Kosmetikkonzern, seine Werbekampagne für eine Kosmetikserie mit Madonna gestartet. Sie gehört zu den meistfotografierten Frauen der letzten zwei Jahrzehnte.
Ende September 2000 wurde Madonnas Album "Music" veröffentlicht. Die Hitsingles "American Pie" und "Music" spiegeln das Spektrum der CD wider: von klassisch bis futuristisch. Das Album vereint sowohl etablierte Popklänge als auch revolutionäre Dance-Arrangements, ultramodernen Techno-Funk. Regie führte der französische Elektronikzauberer Mirwais Ahmadzai. William Orbit (Producer von "Ray of Light") produzierte drei Tracks des neuen Albums.
Anfang 2001 hat Madonna in den USA mit den Beatles gleichgezogen. Wie die "Fab Four" hat sie 24 goldene Schallplatten (nach 500 000 verkauften Exemplaren) für Single-Hits erreicht.
Im Jahr 2002 steuerte Madonna den Titelsong zu dem James-Bond-Film "Die Another Day" ("Stirb an einem anderen Tag") bei. Für ihr Album "American Life" (2003) arbeitete sie wiederum mit dem französischen Top-Produzenten Mirwais zusammen. So ist die Platte eine gelungene Fortsetzung des 2000er Vorgängers. Zudem machte die Sängerin und Schauspielerin als Autorin von sich reden. Sie hat fünf Kinderbücher geschrieben. Das erste Buch mit dem Titel "Die englischen Rosen" wurde Ende 2003 veröffentlicht.
Für ihren Hit "Hung Up" hat Madonna ein Sample von "Gimme, Gimme, Gimme" verwendet. Nach den Fugees ist sie erst die zweite Künstlerin überhaupt, die von Abba persönlich die Erlaubnis zur Nutzung eines ihrer Songs bekam. Herausgekommen ist ein Dancefloor-Stück mit Ohrwurm-Qualitäten. Madonnas Album "Confessions on a Dancefloor" erschien am 11. November 2005. Das Album wurde zum größten Teil von ihr und Grammy-Preisträger Stuart Price zusammen geschrieben und produziert und in London aufgenommen. Im April 2008 erschien das Album "Hard Candy" (beteiligt daran waren Erfolgsproduzenten wie Timbaland und Pharrell Williams), mit dem Madonna zu ihren Wurzeln als urbane Disco-Queen zurückkehrt. Prominentester Gaststar auf "Hard Candy" ist Justin Timberlake.
Für viele Branchenkenner ist Madonna heute die mächtigste Frau im Musikgeschäft. Auch als Chefin ihres Labels "Maverick" (mit Künstlern wie z.B. Alanis Morissette, "The Prodigy") war sie erfolgreich. Im Juni 2004 hat die Warner Music Group Madonna - nach einem erbitterten Rechtsstreit - aus dem Label herausgekauft. Sie soll für ihre Anteile Presseberichten zufolge rund zehn Millionen Dollar (8,3 Millionen Euro) erhalten haben. Seit Mitte Oktober 2007 ist Madonna als erster Musiksuperstar bei einem Konzertveranstalter (Live Nation) unter Vertrag und demonstriert damit, wie sehr sich die Gewichte in der Musikindustrie zu Ungunsten der Plattenfirmen verschoben haben. Künstler von ihrem Format können mittlerweile viel mehr Geld mit Konzerten als mit CD-Verkäufen verdienen.
Erfolge und Riesenflops: die Schauspielerin

Madonna mit Griffin Dunne in dem Film "Who's that girl?"
Internationale Anerkennung als Schauspielerin erfuhr sie erst 1990 in dem aufwändig inszenierten Kinostreifen "Dick Tracy" - eine Verfilmung der legendären Comics von Chester Gould aus den 50er Jahren. Regie führte Warren Beatty, mit dem Madonna zu dieser Zeit ein Verhältnis hatte. An der Seite von Beatty in der Hauptrolle spielte sie überzeugend die Breathless Mahoney. Gleichzeitig wurde der Film ein weiterer Meilenstein ihrer Sängerkarriere. Sie schrieb den Soundtrack und sang drei für sie komponierte Lieder, von denen eines ("Sooner or Later") mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. 1991 engagierte Woody Allen sie für eine Nebenrolle in seinem Film "Schatten und Nebel". Im selben Jahr kam der Dokumentarfilm "In Bed with Madonna" heraus, eine Mischung aus Mitschnitten ihrer Welttourneen und Intimitäten aus ihrem Alltag. Der Film festigte ihr Image als "Sexgöttin der 1990er Jahre". Er kam zwar beim Publikum nur mäßig an, aber Madonna füllte damit öffentlichkeitswirksam die internationalen Schlagzeilen.

Szene aus der "Evita"-Verfilmung mit Jonathan Pryce und Madonna
Der erste Kinofilm, bei dem Madonna Regie führte, erlebte seine Weltpremiere auf der Berlinale (07.-17.02.2008). Der Film "Filth and Wisdom" ("Schmutz und Weisheit") ist eine 30-minütige Komödie, die in der Panorama-Sektion des Festivals außer Konkurrenz lief.
Outfit und Tourneen: die provokante Trendsetterin
Madonna ist dafür bekannt, dass sie ihr gesamtes Outfit häufig verändert. Dennoch erreicht sie es, dass ihre Fangemeinde ihr konsequent treu bleibt und alle Neuerungen mitmacht. Mark Bego vergleicht sie in seiner Biografie mit einem Chamäleon. Ob Punkgirl, Rockerbraut in Leder, Sexbombe á la Marilyn, Zwanziger-Jahre-Bohemienne oder Girlie, Madonna zieht alle Register, wenn es um ihre gekonnte Vermarktung geht. Mit ihrem Outfit wird sie zur Beginn ihrer Karriere zur modischen Trendsetterin, die weltweit Tausende von jungen Mädchen imitieren. Auf ihrer ersten Tournee The Virgin Tour (1985) präsentiert sie sich im schlampigen Punklook mit zerschnittenen Hosen, Spitzendekolletés, Stofffetzen im Haar und großen Kruzifixen um den Hals und im Ohr. Das Video zu "Like a virgin" zeigt sie in einer Kirche, wie sie mit Jesus "flirtet".
1986 änderte sie ihr Erscheinungsbild komplett und entwickelt sich zum Glamourstar im Stil der 50er Jahre. Sie schnitt sich die Haare ab, warf den Billigschmuck weg und kleidete sich fortan in Röhrenhosen und knappen, schlichten Oberteilen. "Als ich aufwuchs, bewunderte ich jene Art wunderschöner glamouröser Frauen, von Brigitte Bardot bis Grace Kelly, die es heute nicht mehr zu geben scheint. Ich denke, es ist an der Zeit, dass diese Art Glamour wiederkehrt.", erklärt sie der Chicago Tribune.

Madonna auf einem Konzert in Paris
Die Blond Ambition Tour von 1990 sprengte jeden bisherigen Rahmen ihrer Auftritte, sowohl was den Aufwand als auch die provokativen Inhalte angeht. Madonna wollte die Einstellung der Welt zum Sex verändern. Die Liedtexte waren von einer hoch explosiven Mischung: Sie handelten vorwiegend von Sex und Bisexualität, aber auch der Kirche und deren Haltung zu diesem Thema. In einem metallisch schimmernden Brustpanzer führte sie ihre Erotikshow auf, die in einer simulierten Masturbation gipfelte.
Drei Jahre später hatte sich ihr Look kaum verändert, auf der Bühne wurde eine noch härtere Gangart eingelegt. Mittlerweile hatte sie ihre Tänzercrew zu einem großen Ensemble aufgestockt, das auf der Bühne eine Massenorgie inszenierte. Sie selbst trat in ihrer Girlie Show als Lederdomina auf: in schwarzen Hotpants, BH und hohen Lederstiefeln. Die Lieder stammten überwiegend von ihrem Album Erotica.
Bei ihrer Welttournee, die im Juni 2001 in Barcelona startete, trat Madonna auf einer 24 mal 24 Meter großen Bühne mit drehbarem Aufsatz und riesigen Videobildschirmen mal als Punk, Geisha, Cowgirl oder als spanische Senorita auf. Ihre Kostüme wurden zum größten Teil von Jean Paul Gaultier entworfen.
Das Western-Girl der "Music"-Etappe verwandelte sich 2003 in eine unauffälligere Frau mit glattem, brünetten Haar. 2004 präsentierte sich Madonna dagegen u.a. im barocken Outfit. Passend dazu der Titel ihrer Welttournee: Re-Invention. Denn nach dreijähriger Pause ging Madonna 2004 wieder auf große Tour. Nach zahlreichen Auftritten in den USA und Kanada stand sie beispielsweise in Großbritannien, Irland, den Niederlanden und Portugal auf der Bühne. Ein Auftritt in Deutschland war nicht geplant. Für ihre spektakuläre Bühnenshow wurde Madonna von namhaften Designern wie Chanel, Jean Paul Gaultier oder Stella McCartney eingekleidet. Pro Auftritt wechselte sie mehrmals ihr Outfit, vom glitzernden Korsett bis zum Kampfanzug: Kontrastreicher geht es kaum noch! Neben neuen Songs präsentierte die Künstlerin etliche Hits aus ihrer über 20-jährigen Karriere.
Mitte Mai 2006 startete Madonna in Los Angeles ihre Welttournee Confessions Tour. Passend zu ihrer aktuellen Musik präsentierte sie sich diesmal im modernen Disco-Look (u.a. wieder von Jean Paul Gaultier). Zur Freude vieler Fans kam die Künstlerin im Spätsommer 2006 auch nach Deutschland. Ihre Confessions Tour war nach Angaben das "Billboard"-Magazins die erfolgreichste einer weiblichen Künstlerin überhaupt.
Zwei und zwei: Madonna privat
Von 1985 bis 1989 war Madonna mit dem Schauspieler Sean Penn verheiratet. Der Vater ihrer Tochter Lourdes Maria (*14.10.1996), der Kubaner Carlos Leon, ist ihr ehemaliger Fitnesstrainer. Am 11. August 2000 hat sie ihr zweites Kind, den Sohn Rocco Ritchie, auf die Welt gebracht. Der Vater Guy Ritchie (britischer Filmregisseur) war bei der Entbindung dabei. Madonna und Ritchie hatten sich 1999 in London kennen gelernt. In der Abgeschiedenheit von Schloss Skibo im Norden Schottlands (Kathedrale von Dornoch) gab sie ihm am 22. Dezember 2000 das Ja-Wort. Seit 1986 engagiert sich Madonna intensiv im Kampf gegen Aids und für die Rechte der Homosexuellen. Immer wieder propagiert sie bei Konzerten Safer Sex und veranstaltet zahlreiche Benefizkonzerte zu Gunsten der Aidshilfe. Übertroffen wird sie in ihrem Engagement nur noch von Elisabeth Taylor.
Yoga und Philosophie: die Welt der Magie
Mit der Geburt ihrer Tochter Lourdes im Oktober 1996 ist Madonna ruhiger geworden. Sie praktiziert seit vielen Jahren Yoga und meint selbst, die Yogaübungen hätten sie sehr verändert. Für einen Song des Albums "Ray of Light" nahm sie Sanskrittexte auf. "Es handelt sich um Gebete, die ich vor meinen Übungen spreche, erklärte sie in einem Interview. Auch die anderen Texte der CD haben überwiegend philosophischen Charakter. Die fünf Kinderbücher, die sie geschrieben hat, wurden inspiriert von ausgedehnten Studien althebräischer Kabbala-Texte.
Aus der Spiritualität bezieht sie ihre kreative Energie: "Ich fände es Angst einflössend, wenn ich wüsste, dass die materielle Welt, von der wir umgeben sind, schon alles ist. Man braucht ja Quellen, aus denen man Stärke ziehen kann. Und das sind die Welt der Magie, der Imagination und der Spiritualität. Für kreative Menschen ist das besonders wichtig."
Alben und Filme: ein viertel Jahrhundert
Alben
- "Madonna" (1983)
- "Like a virgin" (1984)
- "Vision Quest" (1985)
- "True Blue" (1986)
- "Who's that girl" (1987)
- "Like a prayer" (1989)
- "I'm breathless" (1990)
- "Erotica" (1992)
- "Bedtime Stories" (1994)
- "Evita" (1996)
- "Ray of Light" (1998)
- "Music" (2000)
- "Greatest Hits Volume 2" (2001)
- "American Life" (2003)
- "Confessions on a Dancefloor" (2005)
- "Confessions Tour" (2007)
- "Hard Candy" (2008)
Filme
- "Crazy For You" (1984)
- "Susan - verzweifelt gesucht" (1985)
- "Shanghai Surprise" (1986)
- "Who's that Girl" (1987)
- "Dick Tracy" (1990)
- "In Bed with Madonna" (1991)
- "Schatten und Nebel" (1992)
- "Eine Klasse für sich" (1992)
- "Body of Evidence" (1993)
- "Snake Eyes" (1994)
- "Blue in the Face" (1995)
- "Four Rooms" (1996)
- "Evita" (1996)
- "Ein Freund zum Verlieben" (2000)
- "Die Another Day" (2002)
- "Swept Away" (2002)
- "Filth and Wisdom" (2008, Regiedebüt)
Preise
1991 erhielt Madonna den Grammy für ihr Tourvideo zu Blond Ambition Tour. Im Februar 1999 holte sie vier von insgesamt sechs Grammys für das beste Pop-Album, das beste Album-Design, das beste Video (zu "Ray of Light") und das beste Dance-Album. Bei der Echo-Verleihung im März 2006 gewann sie als beste internationale Künstlerin sowie mit ihrer Single "Hung Up" als erfolgreichstem Hit des Jahres. Für ihr Tourvideo zur Confessions Tour erhielt sie 2008 einen Grammy. Außerdem hat sie seit März 2008 einen Platz in der ewigen Ruhmeshalle des Rock 'n' Roll (Rock 'n' Roll Hall of Fame). Als Laudator sagte Justin Timberlake: "Madonna hat die Art verändert, wie unsere Welt klingt. Madonna hat die Art verändert, wie unserer Welt aussieht."
Bibliografie
- J.R. Taraborrelli: Madonna. Die Biographie, Hamburg 2002
- Rikky Rooksby: Madonno. Story und Songs kompakt, Berlin, 2004
- Mick St. Michael: Madonna. Talking in her own Words, London 2004
- Jan-Oliver Decker: Where`s That Girl. Starimage und Erotik im medialen Raum, Kiel 2005









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