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wissen.de Artikel

Malaysia

Das Land

Malaysia ist wohl das von Fortuna am reichsten beschenkte Land Südostasiens. Große Mengen der Weltproduktion an Kautschuk, Zinn und Palmöl werden hier erzeugt. Der natürliche Reichtum ist so mannigfaltig, dass sich der Vielvölkerstaat, in dem neben Malaien, Chinesen und Indern auch zahlreiche ethnische Minderheiten leben, gar nicht mit einem einzigen Prädikat beschreiben lässt. Zudem befindet sich die rund 22 Millionen Einwohner zählende Nation in einem tief greifenden Wandel. Seit Mitte der 1970er Jahre verfolgt das ehemalige Agrarland ein ehrgeiziges Industrialisierungsprogramm, das in Malaysias tropisch-gemächlichen Alltag einen Wertewandel eingeleitet und eine Portion Hektik gebracht hat.

Noch finden sich allerdings abgelegene Ecken im Lande, die von der Moderne weitgehend unberührt geblieben sind. Dank seiner bunten Vielfalt vermag Malaysia fast jedem Besucher etwas zu bieten: weiße und mit Schatten spendenden Kokospalmen gesäumte Sandstrände in Westmalaysia, romantische Inseln in azurblauer See vor der Küste, dichter tropischer Regenwald mit einer einmaligen Fauna und Flora in Ostmalaysia; und für den, der das Besondere sucht, wartet in Sabah der 4101 m hohe Mount Kinabalu darauf bestiegen zu werden. Wer Tempel und Wahrzeichen aus längst vergangenen Tagen sucht, kommt auf seine Rechnung, wenn er Malakka besucht, Malaysias kulturelle Hauptstadt. Dort reichen sich chinesisches, arabisches und abendländisches - vor allem portugiesisches und holländisches - Kulturgut in enger und eher ungewöhnlicher Nachbarschaft die Hand und belegen die bewegte Geschichte dieser einst wichtigen Hafenstadt.

Auch geographisch ist Malaysia kein homogenes Gebilde. Es setzt sich vielmehr aus sehr verschiedenen Regionen zusammen: einerseits das vorwiegend islamische Westmalaysia mit der Hauptstadt Kuala Lumpur, andererseits das im Norden der Insel Borneo, rund 600 km von Westmalaysia entfernt liegende Sarawak, das zusammen mit dem benachbarten Sabah Ostmalaysia bildet. Während Westmalaysia vor allem Zinnminen sowie Palmöl- und Kautschukplantagen beherbergt, werden im regenwaldreichen Ostmalaysia in erster Linie Erdöl und Edelhölzer gewonnen.

Landschaft und Natur

Das im Herzen Südostasiens gelegene Malaysia besteht aus zwei durch das Südchinesische Meer voneinander getrennten Landesteilen, West- und Ostmalaysia, die selbst an der nächstgelegenen Stelle über 600 km voneinander entfernt sind. Westmalaysia umfasst die Südspitze der Malaiischen Halbinsel, Ostmalaysia nimmt mit den beiden Bundesstaaten Sabah und Sarawak den Nordteil der Großen Sundainsel Borneo ein.

Westmalaysia wird in Fortsetzung der hinterindischen Zentralkette von einem nordsüdlich streichenden Gebirgssystem durchzogen, zwischen dessen zwei parallelen Hauptbögen einige kleinere, gestaffelte Gebirgsketten liegen. Das gesamte Gebirgsland, dessen höchste Erhebung der 2190 m hohe Gunung Tahan in der Perakkette bildet, ist von dichtem, artenreichem tropischem Regenwald bedeckt und wird von landschaftlich reizvollen Tälern durchzogen. Hügelländer und sumpfige Küstentiefländer säumen auf beiden Seiten die Gebirgsregion. Auch diese Tiefländer waren ursprünglich von dichten Regenwäldern bestanden, die im Westen jedoch weitgehend den Kautschukplantagen weichen mussten.

Das ehemals von tropischen Regenwäldern bedeckte Ostmalaysia weist ähnliche Oberflächenformen auf wie der westliche Landesteil. Auch hier erhebt sich im Landesinneren eine zentrale Gebirgslandschaft, die sich in mehrere Gebirgsgruppen gliedert. Von Westen nach Osten folgen das Kelingkan-, das Kapuas- und das Irangebirge aufeinander, die mit durchschnittlich 1000 bis 1500 m Höhe die Grenzgebirge Sarawaks und gleichzeitig die Wasserscheide zu den Flusssystemen des indonesischen Inselteils bilden. Die bedeutendste Erhebung bildet im äußersten Norden von Sabah das Massiv des Mount Kinabalu, der mit 4101 m nicht nur der höchste Berg Malaysias, sondern von ganz Südostasien ist. Im mittleren Sarawak und im südlichen Sabah gehen die Gebirgsketten in Plateauflächen über, die von einem außerordentlich dichten Gewässernetz durchzogen werden und daher stark zertalt sind. Der Gebirgs- und Plateauregion ist ein schmaler, lediglich im mittleren Sarawak an Breite gewinnender Küstensaum vorgelagert, dessen weithin versumpftes Tiefland nur an wenigen Stellen von Hügeln und Steilküsten unterbrochen wird. Vor allem Sabah weist einen reich gegliederten Küstenverlauf auf.

Klima

Durch die Lage in der inneren Tropenzone und durch die Nähe zum Meer wird das Klima das ganze Jahr über von feucht-warmen, maritimen Luftmassen bestimmt. Die Tageslängen weisen nur unwesentliche Schwankungen auf, und während des ganzes Jahres ist es gleichmäßig warm. In den Küstengebieten liegen die Tageshöchstwerte zwischen 21 °C und 32 °C. In den höheren Lagen sind die Temperaturen zwar niedriger, doch bleibt auch hier die Jahresschwankung gering. Die relative Luftfeuchtigkeit ist im Allgemeinen hoch. Sie liegt bei etwa 80 %, d. h. es ist tropisch schwül.

Faszination Regenwald

Sarawak ist die Heimat des ältesten tropischen Regenwaldes unserer Erde. Er beherbergt eine Vielzahl wilder Tiere, die vom bunten und in seiner Schönheit bestechenden Nashornvogel, dem Wahrzeichen des Gliedstaates Sarawak, über Raubkatzen und Honigbären bis hin zum Orang-Utan, dem wohl intelligentesten und faszinierendsten aller Urwaldprimaten, reicht.

Auch wenn diese einzigartige Naturlandschaft vielerorts immer noch durch die intensiv betriebene Holzwirtschaft bedroht ist, wurde dank Regierungsanstrengungen ein Stück tropischen Regenwaldes in Malaysia schon heute für die Zukunft gesichert: "Taman Negara", der Nationalpark im Herzen Westmalaysias ist wohl die von Kuala Lumpur aus am raschesten erreichbare Regenwaldregion. Regelmäßige Führungen mit Übernachtungen im Park bieten den Besuchern einen Einblick in das Ökosystem dieses ca. 130 Millionen Jahre alten tropischen Regenwaldes. Mit etwas Glück lassen sich Tiger und Warane erblicken oder es marschiert eine Herde Elefanten vorbei. Selbst wer auf Malaysias modernen Hauptstraßen unterwegs ist, kann gelegentlich am Straßenrand wild lebende Affen beobachten, kann von Rieseneidechsen oder Gürteltieren aufgehalten werden, die die Straße überqueren, und selbst Riesenschlangen auf der in der Tropensonne gleißenden Autospur finden.

Völkervielfalt

Sie nennen ihn "Orang Asli", wörtlich den "eingeborenen Menschen". Er hat häufig negroide Gesichtszüge, braunes gekraustes Haar und einen dunklen Teint. Man begegnet ihm nicht in den Städten Malaysias, selbst auf dem Lande kann man ihn kaum antreffen. Seine Heimat ist vielmehr der Regenwald. Dort lebt er seit Jahren in eigens für ihn geschaffenen Reservaten. Wer ihn besuchen will, bedarf einer offiziellen Bewilligung. Denn die Regierung wacht darüber, dass kein Unbefugter sich diesen Eingeborenenreservaten nähert.

Die Urbewohner des Landes

Die Orang Asli sind nur eine von Malaysias zahlreichen ethnischen Minoritäten. Im Gegensatz zu anderen Minderheiten sind sie aber die eigentlichen Urbewohner des Landes. Seit Tausenden von Jahren im malaiischen Dschungel lebend, wurden die Orang Asli nach und nach von den im 2. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung aus Indonesien, insbesondere aus Sumatra, einwandernden Malaien verdrängt. Heutzutage leben nur noch etwa 65 000 Orang Asli in ganz Malaysia. Diese unterteilen sich zudem in mehrere Volksgruppen. Die beiden wichtigsten Stämme sind die 40 000 Senoi und die Negritos, die älteste Bevölkerungsgruppe, die überwiegend in Malaysias nördlichen Regenwaldzonen lebt. Die traditionelle Wohnform der Ureinwohner ist das auf Pfählen errichtete Langhaus, in welchem bis zu fünfzig Familien unter einem Dach leben.

Statistisch gesehen sind die Orang Asli jedoch heutzutage nur noch ein sehr unbedeutender Stein in Malaysias buntem Mosaik der Rassen, welches von drei Hauptgruppen dominiert wird: 58 % der Einwohner sind Malaien, rund 27 % Chinesen und weitere 8 % der Bevölkerung fallen unter die Kategorie "Inder", eine ethnische Bezeichnung, unter der die Einwanderer aus Indien, Pakistan, Bangladesch und Sri Lanka zusammengefasst werden. Die wenigen verbleibenden Prozente teilen sich unzählige Minoritäten, die vom Orang Asli bis hin zu den Regenwaldstämmen der Iban und der Land-Dajak in Sarawak sowie der Kadazan und Bajau in Sabah reichen. Auch wenn diese Minderheiten zahlenmäßig kaum ins Gewicht fallen, so spielen sie vor allem in dem dünn besiedelten Ostmalaysia, wo die Ureinwohner die Bevölkerungsmehrheit bilden, eine zunehmend wichtigere politische Rolle.

Religionen

Die ethnische Vielfalt beschert Malaysia eine ganze Reihe von Feiertagen. Neujahr beispielsweise wird in Malaysia alljährlich mehr als einmal gefeiert: Mit Rücksicht auf die Christen findet es am 1. Januar statt, die malaiisch-islamische Mehrheit zelebriert ihr Neujahr jeweils am Ende der Fastenzeit, während die Chinesen ihre farbenfrohen und geräuschvollen Festivitäten meistens im Februar abhalten. Für die Inder beginnt das neue Jahr im Oktober. Die Regenwald-Minoritäten folgen nochmals ganz anderen Regeln: Für die Dajak in Sarawak beispielsweise stellt sich das neue Jahr nach der Ernte im Mai oder Juni ein.

Malaysias Verfassung garantiert Religionsfreiheit. Trotzdem hat der Islam, zu dem sich über die Hälfte der Bevölkerung bekennt, den Status einer Staatsreligion. So ist etwa eine gewisse Islamisierung in Verwaltung und Justizwesen nicht zu verkennen. Die politisch dominierenden Malaien, aber auch einige Inder und Chinesen sind Moslems. Die meisten Chinesen sind jedoch Buddhisten oder Daoisten und die Inder überwiegend Hindus. Ferner gibt es eine verhältnismäßig starke Minderheit von Christen. Die Dajak sind noch Anhänger von Naturreligionen.

Wirtschaft

Malaysia hat seit dem Erreichen der politischen Unabhängigkeit im Jahre 1963 einen eindrucksvollen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen beträgt inzwischen immerhin 8800 US-Dollar (2002).

Dank seines gewaltigen natürlichen Reichtums ist das Land seit langem ein international sehr bedeutender Rohstofflieferant. Die Palette reicht von Zinn und Erdöl über Bauxit, Kupfer- und Eisenerz bis hin zu Gold und Silber sowie Nutz- und Edelhölzern. Von überragender Bedeutung für die malaysische Landwirtschaft ist die Erzeugung von Naturkautschuk - etwa 14 % der Weltproduktion - sowie von Palmöl, bei der Malaysia mit 50 % der weltweiten Produktion unschlagbar an der Spitze liegt.

Industrialisierungspolitik

Den intensiven Industrialisierungsmaßnahmen ist es zuzuschreiben, dass die relative Bedeutung des Primärsektors innerhalb der malaysischen Volkswirtschaft seit Jahren abnimmt. In der Zeit von 1976-2001 reduzierte sich der Anteil der Agrarwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt von rund 25,4 auf 12 %, während derjenige der Industrie von 18,3 auf 40 % anstieg. Seit 1987 leistet die Industrie sogar einen höheren Beitrag zum Bruttosozialprodukt als die Landwirtschaft. In einzelnen Gewerbezweigen, wie etwa bei der Produktion von Elektrogeräten und Mikrochips, hat sich Malaysia sogar zu einem international bedeutenden Hersteller entwickelt. Die einst romantische Insel Pinang (Penang), die früher fast ausschließlich vom Zinnabbau und Tourismus lebte, wird heute sogar schon als Malaysias "Silicon Valley" bezeichnet.

Dieser beachtliche Erfolg ist das Resultat einer sehr gezielt verfolgten wirtschaftlichen Exportstrategie. Ähnlich wie die anderen Mitglieder der ASEAN, der Vereinigung südostasiatischer Nationen, bemüht sich auch Malaysia, möglichst viele ausländische Unternehmen ins Land zu holen. Seit Jahren offeriert Kuala Lumpur fremden Unternehmen, die sich in Malaysia niederlassen, großzügige steuerliche Anreize. Die Existenz einer gut ausgebildeten und relativ billigen Arbeitnehmerschaft, die zudem meist Englisch spricht, ließ Malaysia zu einem interessanten und kostengünstigen Produktionsstandort für internationale Unternehmen werden. Mit der Etablierung von zollfreien Exportzonen für die ausländische Industrie schuf die Regierung zusätzliche wirtschaftliche Anreize.

Um das Wachstum der Wirtschaft, speziell der Industrie zu sichern, hat die Regierung in der Vergangenheit ständig in die Entwicklung der Infrastruktur investiert. Neben einem guten Straßennetz verfügt das Land über fünf internationale Flughäfen (Kuala Lumpur, George Town, Johore Bahru, Kota Kinabalu, Kuching) und über fünf große Seehäfen (Port Kelang, George Town, Pasir Gudang, Kuantan, Bintulu), die sämtlich für den Containerverkehr ausgerüstet sind.

Pinang - touristische "Perle des Orients"

Gezielt gefördert wird auch der Fremdenverkehr, der sich inzwischen zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig entwickelt hat. Zu den touristischen Attraktivitäten gehört die Insel Pinang mit ihrem wohl beispiellosen Nebeneinander großartiger chinesischer, indischer, malaiischer und anderer Kultstätten, ergänzt durch ein angenehmes Klima und paradiesische Strände. Das Leben in der Hauptstadt George Town wird von Chinesen bestimmt, die eine stets geschäftige Atmosphäre verbreiten. Im nach wie vor ländlich geprägten Hinterland der Insel leben hauptsächlich Malaien in Kampong-Siedlungen.

Tierwelt

Die Tiere des Regenwaldes haben sich an das Leben in den riesigen Bäumen angepasst. Zu ihnen gehört auch der asiatische Menschenaffe, der Orang-Utan oder "Waldmensch", der die meiste Zeit seines Lebens in den Baumkronen verbringt. Orang-Utans leben in den Wäldern von Sarawak und Sabah. Heute zählen sie jedoch zu den bedrohten Arten und sind selten in freier Wildbahn zu sehen. Eine der größten Gefahren für Orang-Utans besteht darin, dass Muttertiere erschossen werden, um ihre Jungen an Zoos verkaufen zu können - oder sogar als exotische Haustiere. Inzwischen sind sie durch Gesetze geschützt, und die Regierung beschlagnahmt alle ungesetzlich gehaltenen Tiere mit dem Ziel, sie wieder in den Wäldern auszusetzen. Solche Jungtiere können aber ohne die Anleitungen ihrer Mütter kaum in den Wäldern überleben. Daher wurde 1964 ein Rehabilitationszentrum für diese Waisen in Sepilok (Sabah), gegründet. Hier und in einigen anderen Zentren werden gerettete Orang-Utans aufgezogen und über mehrere Jahre hinweg auf das Leben in der Wildnis vorbereitet.

Andere Primaten, die in Bäumen leben, sind die knollennasigen Nasenaffen und die anmutigen Schlankaffen sowie Gibbons, die kleinste Affenart. Gibbonaffen sind erstaunliche Akrobaten. Ihre langen, schlanken Glieder ermöglichen es ihnen, in einzigartiger Anmut durch die Baumkronen zu schwingen.

Einige Tiere haben eine Art des "Fliegens" entwickelt, um von Baum zu Baum zu gelangen. Dazu zählen die seltenen Riesengleitflieger oder Kolugos, seltsam aussehende Geschöpfe, die es seit rund 70 Millionen Jahren gibt. Ihre "Flügel" bestehen aus Hautgewebe, das Glieder und Schwanz mit dem Körper verbindet. Ausgebreitet scheint das Tier die Form eines Drachen zu haben, und aufgrund der "Flügel" kann es bis zu 64 m weit gleiten. Zu dieser Tierart gehören auch die Gleithörnchen, Eidechsen, die als Flugdrachen bekannt sind, und sogar eine fliegende Schlange. Obwohl ihr jegliche wirklichen Flugmechanismen fehlen, kann sie ihre Körperform, indem sie die Rippen nach außen stößt und den Bauch einzieht, so anpassen, dass sie über 14 m weit gleiten kann. Zu den Tieren des Urwaldbodens zählen der ansehnliche Banteng (Wildrind), der Malaya-Gaur oder Seladang (Wildbüffel) und die eindrucksvollen schwarz-weißen Tapire sowie die Haarigel, auch Rattenigel genannt, deren entsetzlicher Gestank jedoch Jäger abschreckt. Die Raubtierarten umfassen katzenartige, gestreifte Zibetkatzen und Binturongs, mittelgroße Jäger, die zu den Mungos gehören, aber im Aussehen eher struppigen, schwarzen Türmatten mit großen gelben Augen ähneln, sowie Malaienbären, die die Eingeborenen für die gefährlichsten Tiere des Waldes halten. Der seltene Nebelparder, dessen malaiischer Name "rimau-dahan" ("Baumtiger") auf seinen Lebensraum hinweist, ist mit seinen großen, schwarz umrandeten Tupfern eine der am schönsten gezeichneten Katzen. Bedrohlich wirken die riesigen Netzpythons und die todbringenden Königskobras, die über 3,6 m lang werden können.

Zu den Insekten zählen über 900 Arten von Schmetterlingen, deren Namen so exotisch wie ihre Farben sind, sowie Weberameisen. Diese bauen ihre Nester aus Blättern, die mit Seide verbunden werden, die von ihren eigenen Larven abgesondert wird. Die älteren Ameisen "nähen" die Blätter zusammen, indem sie eine Larve im Kiefer halten und sie wie ein Webschiffchen hin- und her bewegen.

Zu den eindrucksvollsten Vogelarten gehören die Argusfasane mit ihren pfauenähnlichen Schwänzen und die Nashornvögel, wie jene Gattung des Schildhornvogels, dessen helmartigen Schnabelaufsätze von chinesischen Schnitzern begehrt sind, sowie der Rhinozerosvogel mit seinem hornförmigen Aufsatz auf dem Kopf. In den Höhlen des Dschungels machen Millionen von Salanganen aus ihrem eigenen klebrigen Speichel Nester, die von Händlern für die Vogelnestsuppe gesammelt werden.

Schutz im Nationalpark

Malaysias exotische Tierwelt ist seit Jahrhunderten vom Menschen ausgeplündert worden, nicht nur für die lebensnotwendige Jagd, sondern auch für den Handel mit "Zaubermitteln": Rhinozeroshörner, Tigerbarthaare, Bezoarsteine aus den Mägen der Affen u. a. In jüngerer Zeit haben skrupellose Tierfänger viele Arten weiter dezimiert. Heute bemüht man sich, die bedrohten Tiere mit strengen Jagdgesetzen zu schützen. Elefanten oder Orang-Utans, die Ackerland verwüsten, versucht man anderswo anzusiedeln, statt sie zu töten. So wurden Nationalparks gegründet, wie Taman Negara im Zentralgebirge der Malaiischen Halbinsel und Mount Kinabalu in Sabah mit seinem eindrucksvollen, silbrig schimmernden Nebelwald.

Küstenreservate wurden zum Schutz der Schildkröten errichtet. Die östlichen Strände der Malaiischen Halbinsel sind berühmt als Eiablageplätze aller sieben bekannten Schildkrötenarten, einschließlich der riesigen Lederschildkröte, die bis zu 450 kg schwer und 1,8 m lang werden kann. Von den Tausenden in warmen Sandgruben gelegter Eier überlebt nur ein kleiner Prozentsatz junger Schildkröten, denn die Eier werden in riesigen Mengen von der Bevölkerung gesammelt, nicht nur zum Essen, sondern auch als angebliche Medizin. Schildkröten betreiben keine Brutpflege und die Jungtiere, die aus den übrig gebliebenen Eiern schlüpfen, sind auf dem Weg zum Meer durch Raubvögel, Krebse und Insekten gefährdet. In dem Bemühen, diese Kreaturen zu beschützen, sammeln Fischereiaufseher jedes Jahr 40 000 Eier und hüten sie bis zum Schlüpfen in Brutanstalten. Ausgewachsene Schildkröten werden auch wegen ihres schmackhaften Fleisches und der Hornsubstanz ihres Panzers getötet.

Malaysias kulturelles Erbe

Eine der größten Attraktionen für den Touristen, der Malaysia erkundet, ist der Marktplatz. Der "pasar minggu" (Wochenmarkt) und der beleuchtete "pasar malam" (Nachtmarkt) haben keinen festen Standort - sie wechseln von einer Straße oder offenem Platz zum anderen. Ob traditionell oder modern eingestellt, hier treffen sich die Chinesen, Inder und Malaien. Zwischen Paraffinkannen und billigen Plastikprodukten wird der Besucher auch altherkömmliche Waren finden, wie die berühmten mit schillernd farbigen Mustern bedruckten Batikstoffe, kunstvolles Metallhandwerk, Bambusschnitzereien und die wunderbaren "wau" oder Drachen, die hier kein Kinderspielzeug sind, sondern Teil eines Wettkampfsportes der Erwachsenen. Er trifft aber auch Schlangenbeschwörer, Tanzbären, Wahrsager oder Verkäufer chinesischer Medizin, die zum Beispiel getrocknete Geweihe oder präparierte Schildkröten anbieten.

Der Markt ist ein trefflicher Einstieg in ein Land, dessen Geschichte vom Handel geprägt wurde. Seit frühester christlicher Zeit benutzten chinesische und indische Kaufleute die Halbinsel als günstigen Zwischenaufenthalt für ihre Schiffe. Hier konnten sie vor den Monsunwinden Schutz finden und auch solch fremdländische Waren kaufen wie Gold und Gewürze, Rhinozeroshorn, aromatische Hölzer und essbare Vogelnester. Zudem erkannten sie, dass ein Weg quer durch die Halbinsel es ihnen ermöglichte, den Piraten zu entgehen, die die Straße von Malakka bedrohten.

Diese Händler übten einen großen Einfluss auf die Entwicklung der malaiischen Kultur aus. Die Eingeborenen hatten als halbnomadische Bauern von Landwirtschaft und Fischerei gelebt. Durch die Händler kamen Einflüsse von außen in das Land, welche die malaiischen Gesetze, das politische System und die gesellschaftlichen Bräuche prägten. Mit ihnen kam auch der Hinduismus, der Buddhismus und vor allem der Islam nach Malaysia. Der Handel brachte Wohlstand und ließ entlang der Küste Siedlungen entstehen, von denen einige blühende Handelsmetropolen wurden. Die wichtigste davon war Malakka, das sich im frühen 15. Jahrhundert unter dem Prinzen Paramesvara (gest. 1424) aus Sumatra zu einem Machtzentrum entwickelte. Unter seiner Herrschaft wurde Malakka 1409 vom Kaiser von China zum Königreich erklärt; der Paramesvara wurde als unabhängiger König anerkannt, der einzig China Treue geloben musste. Eine Ahnung von Malakkas Bedeutung zu jener Zeit wird aus der Tatsache ersichtlich, dass um 1460 Händler in den Bazaren in 84 verschiedenen Sprachen Tauschhandel trieben.

Im Jahre 1509 hatte die strategische Bedeutung von Malakka die Aufmerksamkeit der Portugiesen geweckt, die das Königreich 1511 eroberten. Um rivalisierenden Großmächten zu widerstehen, errichteten sie das mächtige Fort A Famosa ("Das Ruhmreiche"), das 130 Jahre lang allen Angriffen standhielt, bis die Niederländer die Festung 1641 eroberten und fast zwei Jahrhunderte lang besetzt hielten. 1824 übergaben sie es den Briten im Austausch für Bencoolen, das auf der anderen Seite der Schifffahrtsstraße lag. Da auch Pinang und Singapur bereits unter britischem Einfluss standen, breitete sich die Macht der Ostindischen Handelsgesellschaft schnell über die gesamte Malaiische Halbinsel aus. Es waren Briten, die das Fort A Famosa zerstörten, und heute erinnert nur noch der große steinerne Torbogen, die Porta de Santiago, an die portugiesische Herrschaft. Um 1930 standen alle malaiischen Staaten der Halbinsel unter britischem Protektorat, aber innerhalb weniger Jahre entwickelte sich das Streben nach malaiischer Unabhängigkeit, das 1957 in der Geburt der "Föderation von Malaya" gipfelte. 1963 wurde Malaysia geschaffen, das Malaya, Singapur, Sabah und Sarawak umfasste. Singapur verließ 1965 die Föderation.

Kulturvielfalt

Wohin der moderne Tourist in Malaysia auch schaut, erblickt er Spuren fremder Zivilisationen. Der Islam, heute die Staatsreligion, ist im Grunde das Vermächtnis von arabischen Händlern. Der schwermütige Gesang des Muezzins, der die gläubigen Moslems zum Gebet ruft, die alles umhüllenden "tudungs", die von vielen moslemischen Frauen getragen werden, und die prachtvollen Moscheen sind noch heute sichtbare Zeugnisse dieser Kultur. Ein Beispiel ist die Moschee Sultan Abu Bakar in Johore Bahru, ein prächtiges weißes Gebäude, in dem bis zu 2000 Gläubige Platz finden. 1900 fertiggestellt, dauerten die Bauarbeiten fast acht Jahre. Man sagt, sie sei die schönste aller moslemischen Moscheen.

Die indische Kultur und hinduistische Religion haben ebenfalls ein bedeutendes Erbe hinterlassen, das vielleicht am eindrucksvollsten zum Ausdruck kommt im jährlich stattfindenden Thaipusam-Fest, das heute in Indien selbst verboten ist. Bei diesem Fest zu Ehren des Gottes Muruga, auch Subramanyam genannt, durchbohren reuige oder dankbare Pilger ihre Wangen und Zungen mit Speeren, bevor sie sich auf den langen Weg zum Tempel des Gottes machen. Ein weiteres Beispiel einer Religion, deren Ursprung in einem anderen Land liegt, ist der Schlangentempel auf Pinang. Hier bewegen sich Betende vertrauensvoll zwischen Scharen von giftigen Schlangen, die als Vettern des mythologischen chinesischen Drachens verehrt werden.

Jenseits dieser Welten von Moscheen und Tempeln ist jeder Aspekt des malaysischen Lebens von einer Vielfalt äußerer Einflüsse geprägt, die so eine einzigartige Atmosphäre schaffen. Nur hier kann der Besucher von der chinesischen Oper zu einem dörflichen Spinnwettbewerb gelangen, oder zum "wayang kulit", einem Schattenspiel mit Stabpuppen, das sich aus der indischen Tradition herleitet. Moderne Bühnenaufführungen, bei denen Kriegstrommeln aus Borneo bei ultraviolettem Scheinwerferlicht geschlagen werden, drücken die harmonische Verschmelzung der vielen Traditionen Malaysias aus.

Malaysia: Daten und Fakten

Das Land
LageSüdostasien; zwischen 0° 51' und 7° 51' nördlicher Breite sowie 99° 38' und 119° 15' östlicher Länge
GrenzenIm N Thailand, Südchinesisches Meer und Brunei, im O Celebessee, im S Indonesien, Singapur und die Straße von Malakka
ZeitzoneMEZ +7 Stunden
Fläche329 733 km2 (50 % Wald, 13 % Ackerland)
AusdehnungW-O 2400 km mit Meeresfläche
LandesnaturWestmalaysia wird von einem nord-südlich streichenden Gebirgssystem durchzogen; in Ostmalaysia erhebt sich eine zentrale Gebirgslandschaft.
Höchster PunktMount Kinabalu (4101 m)
GewässerRajang
KlimaFeuchtheißes tropisches Klima; Kuala Lumpur 32,3 °C/2409 mm, Kuching 31,4 °C/3782 mm, Malakka 30,1 °C/2231 mm, Sandakan 31,1 °C/3142 mm
SehenswürdigkeitenBatu-Höhle bei Kuala Lumpur, Niah-Höhlen in Sarawak, Mount Kinabalu in Sabah, Kuching, Johore Bahru, George Town, Malakka
Die Menschen
Bevölkerung22,633 Mio. Ew. (58 % Malaysier - mehrheitlich Malaien, 27 % Chinesen, 8 % Inder und Pakistaner)
Bevölkerungswachstum+2,0 %
Bevölkerungsdichte69 Ew./km2
Stadtbevölkerung57 %
Analphabetismus17 %
Geburtenziffer2,4 %
Sterbeziffer0,5 %
LebenserwartungFrauen 74 Jahre, Männer 70 Jahre
ReligionIslam (Sunniten), Buddhismus, chinesische Volksreligionen, Hinduismus, Christentum
SpracheMalaiisch; Englisch, Chinesisch
Wichtige StädteIpoh, George Town (Pinang), Johore Bahru, Kelang, Kota Baharu, Kuala Terengganu, Malakka, Kuching, Kota Kinabalu
Wirtschaft
Währung1 Malaysischer Ringgit = 100 Sen
Bruttoinlandsprodukt74,634 Mrd. US-$
BSP je Einwohner3390 US-$
Anteil der Wirschaftssektoren am BIPLandwirtschaft 13 %, Industrie 44 %, Dienstleistungen 43 %
ErwerbstätigeLandwirtschaft 17 %, Industrie 37 %, Dienstleistungen 46 %
Inflationsrate1,6 %
ImportgüterElektronikteile, industrielle Vorprodukte, Maschinen und Transportausrüstungen, Erdöl, Nahrungsmittel, chemische Produkte
ExportgüterElektronikerzeugnisse, Maschinen, Kautschuk, Rohzinn, Palmöl, Kopra, Kakao, Pfeffer, Furnierholz, verarbeitete Erzeugnisse, Brennstoffe
HandelspartnerSingapur, USA, Japan, Republik Korea, Taiwan
Eisenbahn2222 km
Straßen49 547 km
Staat
Amtlicher NamePersekutuan Tanah Malaysia
HauptstadtKuala Lumpur
RegierungsformParlamentarische Wahlmonarchie
StaatsoberhauptWahlkönig
RegierungschefPremierminister
LegislativeVolksversammlung mit 193 auf 5 Jahre gewählten Abgeordneten und Länderversammlung mit 70 Mitgliedern
Verwaltungsgliederung13 Bundesstaaten (davon 9 Sultanate), 2 Bundesterritorien
Nationalfeiertag31. August (Merdeka)
Geschichte
1867Malaya wird britische Kronkolonie
1941-1945Das Land ist von Japan besetzt
1945-1946Gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Malaien und Chinesen
1957Malaya erlangt die Unabhängigkeit
1963Durch den Zusammenschluss von Malaya, Singapur, Sarawak und Sabah entsteht die Föderation von Malaysia
1965Singapur verlässt die Föderation
1967Malaysia beteiligt sich an der Gründung der ASEAN mit den Philippinen, Thailand und Indonesien
1969Heftige Rassenunruhen
1973Malaysia nimmt diplomatische Beziehungen zu Nordvietnam, Nordkorea und der DDR auf
1987Die außenpolitischen Beziehungen Malaysias zu China verschlechtern sich; die Rassenkonflikte zwischen den malaiischen und chinesischen Bevölkerungsgruppen halten an
1997/98Die Asienkrise führt zu einer schweren Rezession in Malaysia
2003Der seit 1981 regierende Premierminister Mahathir bin Mohamad tritt zurück. Nachfolger wird der bisherige stellvertretende Regierungschef Abdullah Ahmad Badawi
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