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Die "Eiserne Lady" Margaret Thatcher ist tot - eine Würdigung

Bewundert, geliebt und gehasst

„Eiserne Lady“, Kriegsherrin, Galionsfigur der Wirtschaftsliberalen, Hassfigur der Gewerkschaften: Die Politik von Margaret Thatcher entzweite in den 1980er-Jahren nicht nur in England die Bevölkerung. Die erste Frau als britische Premierministerin polarisiert bis heute. Wer die jüngere britische Geschichte verstehen will, kommt nicht vorbei an der eigenwilligen Politikerin, die das Land grundlegend veränderte und etwas hatte, was man heute so oft vermisst: Haltung.

Thatcher, die später das politische Hohelied auf den Wettbewerb und das freie Spiel der Marktkräfte sang, war auch persönlich von klein auf eine Kämpferin in eigener Sache. Ihre Karriere war Thatcher nicht in die Wiege gelegt. Ganz im Gegenteil: Thatcher war eine soziale Aufsteigerin und anfangs auf Unterstützer und Helfer angewiesen. 1925 im kleinen mittelenglischen Städtchen Grantham als Margaret Roberts zur Welt gekommen, wuchs sie in eher bescheidenen, kleinbürgerlichen Verhältnissen auf. Ihr Vater Alfred Roberts war ein kleiner Kolonialwarenhändler, strenger Methodist und beliebter Lokalpolitiker und wurde für seine Tochter zur prägenden Figur. Er lebte ihr die „viktorianischen Tugenden“ vor, die sie aufsog und später zur weltanschaulichen Grundlage ihres politischen Programms machte. Damals waren die Menschen noch „auf sich selbst angewiesen, von Selbstrespekt erfüllt, stets bereit anderen zu helfen, sich selbst zu verbessern und dafür hart zu arbeiten“, wie sie noch als amtierende Premierministerin immer betonte.

Margaret Thatcher
Margaret Thatcher
Mit aller Macht arbeitete sie sich nach oben; weder in der Schule noch im Studium galt sie als die Klügste, aber als Ehrgeizigste und Fleißigste. Beliebt machen wollte sich die als arrogant verschriene Außenseiterin nie. Mit enormer Selbstdisziplin reüssierte sie in unterschiedlichen akademischen Disziplinen. An der Universität Oxford, wo sie unbedingt hinwollte, absolvierte sie unter schweren finanziellen Opfern der Familie ein Chemiestudium und arbeitete sogar eine Zeit lang als Forscherin in einer Chemiefabrik, wo sie aber keine Zukunft sah.

Die Heirat mit dem wohlhabenden Wirtschaftsunternehmer Denis Thatcher 1951 brachte ihr nicht nur den neuen Nachnamen Thatcher, sondern auch die finanzielle Absicherung für einen Neuanfang: Sie begann ein Jurastudium, das sie 1953 abschloss, kurz nachdem sie Zwillinge zur Welt gebracht hatte. Doch dies reichte der Powerfrau Thatcher noch lange nicht. Es ging erst richtig los. Nebenbei machte Thatcher die ersten Schritte auf der politischen Karriereleiter bei den konservativen Tories, ihrer politischen Heimat seit den Studienzeiten in Oxford, wo sie 1946 bereits erste Präsidentin der konservativen Vereinigung war. Thatcher machte in der Folge Politik zu ihrer Berufung – und zu ihrem Beruf.

 

Politische Lehrjahre

1959 wurde sie für einen Londoner Wahlkreis erstmals als Abgeordnete ins Unterhaus gewählt und stieg dank ihres Redetalents schnell in der Parteihierarchie auf. 1970 ernannte der konservative Premierminister Edward Heath Thatcher zu seiner Erziehungsministerin. Bereits in diesem Amt zeigte sich ihre Entschlossenheit, auch unpopuläre Entscheidungen zu fällen. Als Thatcher die Abschaffung der seit 20 Jahren in England an alle Schulkinder frei verteilten Schulmilch durchsetzte, brach ein mediales Gewitter über sie herein, das sie aber unbeeindruckt ließ – und  sie, quasi als angenehmer Nebeneffekt, schlagartig landesweit bekannt machte.

Aus der Tory- Wahlniederlage 1974 ging Thatcher persönlich als Siegerin hervor. Thatcher wurde ein Jahr später zur Parteivorsitzenden gewählt und als Oppositionsführerin im Parlament zum Aushängeschild der Partei, die allerdings teilweise immer noch so ihre Schwierigkeiten mit Thatcher hatte. Das lag am wenigsten an Thatchers rigidem Antikommunismus, der ein starker Kitt aller konservativen Parteien Europas im Kalten Krieg war.

Den Titel der „Eisernen Lady“ verlieh ihr 1976 die kommunistische Nachrichtenagentur TASS nach einem harschen Kommentar über die vermeintlichen Ambitionen der Sowjetunion zur Weltherrschaft  – was als Beleidigung gedacht war, trug Thatcher fortan mit Stolz; bis zum Ende ihrer politischen Karriere setzte sie das Etikett immer wieder bewusst in ihren Reden ein. Probleme bereitete Teilen des traditionsbewussten Parteiestablishments vielmehr Persönliches: dass Thatcher eine Frau war. Hinter der Hand wurde auch gerne über die „Krämertochter“ gelästert.

Noch umstrittener war allerdings ihr innenpolitisches Programm, das nicht weniger als den politischen Grundkonsens des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg aufkündigte. Die ausgewiesene Finanzexpertin Thatcher kämpfte für eine radikale Umkehr in der Wirtschaftspolitik: weg von der staatlichen, schuldenfinanzierten Interventionspolitik nach den Lehren Keynes hin zu einer Politik des freien Wettbewerbs im Sinne des Monetarismus. Der Staat hatte sich weitgehend aus der Wirtschaft herauszuhalten, so Thatchers tiefste Überzeugung.

Ihr Glaube an die Kraft des Einzelnen und ihr Misstrauen gegenüber jedwedem Kollektivismus gipfelte in der provokanten Aussage: „ Es gibt keine Gesellschaft. Es gibt nur Individuen und Familien“.  Das glich einer Revolution – einer Revolution, die vor dem Hintergrund einer schweren Wirtschaftskrise mit hoher Inflation und Arbeitslosigkeit 1979 von den Wählern Großbritanniens bewusst herbeigeführt wurde: Am 3. Mai des Jahres wurde Margaret Thatcher zur ersten Premierministerin Großbritanniens gewählt – ein Amt, das sie mehr als zehn Jahre, bis 1990 innehatte.

 

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Christoph Marx
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