"Ich Tarzan, Du Jane!" - Wie kommunizieren wir eigentlich?
Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie zwischenmenschliche Verständigung eigentlich funktioniert? Viele Menschen überschätzen hier eindeutig den Anteil des gesprochenen Worts. Sie gehen davon aus, dass wir zu 70 Prozent auf verbaler Ebene kommunizieren und uns nur zu 30 Prozent mittels Gestik und Mimik austauschen. Die Wirklichkeit sieht allerdings ganz anders aus: Das gesprochene Wort macht gerade mal 3 Prozent der zwischenmenschlichen Kommunikation aus. 97 Prozent der Verständigung laufen hingegen im nonverbalen Bereich. Dies bedeutet, dass es anstelle des Inhalts vielmehr darauf ankommt, WIE etwas ausgedrückt wird. Gestik, Mimik, Tonfall, aber auch Husten, Räuspern und Klatschen sowie Schmuck und Kleidung - vieles spielt bei der zwischenmenschlichen Kommunikation eine große Rolle.
Ob bewusst oder unbewusst - der Mensch sendet fortwährend Signale an seine Umwelt. Dies beginnt schon beim Aufstehen oder am Frühstückstisch. Ohne dass Sie es konkret aussprechen, wird Ihrem Partner schnell klar, ob Sie zu so früher Stunde zu munteren Unterhaltungen bereit sind oder eher morgenmuffelig sind. Sie zeigen dies bereits durch eine bestimmte Körperhaltung und einen offenen oder eher "grantigen" Blick.
Und während Sie Ihrerseits ständig Signale aussenden, ist Ihr Unterbewusstsein gleichzeitig empfangsbereit für die Botschaften Ihrer Mitmenschen. Es sammelt in Bruchteilen von Sekunden Sinneseindrücke, analysiert sie und löst eine Körperreaktion aus, noch bevor Sie Gelegenheit haben, eine Antwort auch nur gedanklich zu formulieren. Diese Reflexe bedeuten, dass Sie dem Gegenüber Ihre Empfindungen bereits unbewusst mitteilen - ob Sie dies wollen oder nicht. Es entzieht sich - sofern Sie nicht gerade ein professionell geschulter Schauspieler sind - Ihrer direkten Kontrolle. Positive Empfindungen äußern sich dann zum Beispiel durch ein kaum wahrnehmbares Lächeln, leuchtende Augen, geöffnete Hände oder errötende Wangen.
Dem aufmerksamen Beobachter wird dies nicht entgehen und er wird seinerseits ebenso spontan und ohne es bewusst steuern zu können darauf reagieren. Unsere ureigene Körpersprache ist also der ehrlichste und aufrichtigste Ausdruck unserer Persönlichkeit.
Um Ihre Wahrnehmung von Verständigungssignalen zu schulen, versuchen Sie doch einmal Folgendes: Beobachten Sie, wenn Sie das nächste Mal in einem Café sitzen oder im Park spazieren gehen, wie Menschen miteinander umgehen. Versuchen Sie herauszufinden, in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Schulen Sie Ihren Blick zu erkennen, in welcher Stimmung sich Personen befinden, wer sich unwohl fühlt oder ausgelassen ist, wer engeren Kontakt zu seinem Gegenüber sucht oder wer gerade mit wem flirtet. Dazu müssen Sie noch nicht im Einzelnen über die verschiedenen körpersprachlichen Ausdrucksformen Bescheid wissen. Es genügt bereits, Ihre Umwelt genau zu beobachten und zufällige Szenen auf sich wirken zu lassen.
"Schau mir in die Augen, Kleines“ – Die Drei-Sekunden-Regel
Egal wo auf der Welt und ob Angehörige gleicher oder fremder Kulturen miteinander kommunizieren, eine ungeschriebene Regel ist allen Völkern gleich: Menschen gliedern ihre kommunikativen Handlungen in kurze Einheiten von etwa drei Sekunden. Ob Sie jemandem die Hand schütteln, ihn umarmen oder ihm eine Drohgebärde zeigen - alles spielt sich in diesem Drei-Sekunden-Rhythmus ab. Achten Sie einmal bewusst darauf, wie lange Sie Ihrem Gegenüber in die Augen sehen können, ohne zu blinzeln oder sich unbehaglich zu fühlen. Sofern Sie nicht gerade in den geliebten Augen Ihres Partners versinken, dürften Sie überrascht feststellen, dass dieser Augenblick etwa drei Sekunden dauert. Blicken sich fremde Menschen an, so wenden Sie den Blick nach dieser Zeitspanne kurz ab. Schauen sich Unbekannte jedoch länger in die Augen, ist genau dies meist der magische Beginn eines Flirts.
Andere Kommunikationsmittel sind dagegen nicht überall gleich. So gibt es symbolische Gesten, die wir für selbstverständlich und eindeutig halten, die in anderen Kulturen jedoch eine gänzlich andere Bedeutung haben. Dies kann mitunter zu unangenehmen Situationen führen, wie es bereits ein ehemaliger Präsident der Vereinigten Staaten leidvoll erfahren musste: Als er zu Beginn seiner Amtszeit den australischen Kontinent besuchte, begrüßte er die Leute freundlich und strahlend mit dem Victory-Zeichen. Ein äußerst unangenehmer Fauxpas, denn diese Geste hatte damals in Australien noch die gleiche Bedeutung wie bei uns der ausgestreckte Mittelfinger. Inzwischen haben sich die in Form eines "V" gespreizten Mittel- und Zeigefinger allerdings auch auf dem fünften Kontinent als ein Zeichen für Siegesgewissheit durchgesetzt.
Verhängnisvoll könnte manchem westlich erzogenen Menschen ein Aufenthalt in Indien werden: Das Kopfschütteln, das für uns "nein" bedeutet, signalisiert in Indien eindeutig "ja"; unser Nicken für "ja" heißt hingegen in Indien unmissverständlich "nein". Doch um derlei Erfahrungen zu machen, muss man nicht 15 oder mehr Flugstunden hinter sich bringen. Auch in Europa meinen wir von Land zu Land nicht immer dasselbe: In Griechenland, auf Malta und Sardinien beispielsweise, bedeutet die zu einem Ring geschlossenen Daumen und Zeigefinger nicht etwa "alles in Ordnung" oder "meine Anerkennung". In diesen Gegenden Europas wird das Zeichen als eine sexuell-obszöne Anspielung verstanden.
Sollten Sie eine Geschäftsverhandlung mit Engländern haben, seien Sie nicht verwundert, wenn Ihr britischer Geschäftspartner es als unhöflich empfindet, wenn Sie seinen direkten Blickkontakt suchen. Der Engländer wird dagegen versuchen, Sie von der Seite anzusprechen und auch so zu verhandeln.
Ein Blick verrät mehr als tausend Worte ...
Versuchen Sie beim nächsten Gespräch einmal, Ihrem Gegenüber bewusst in die Augen zu sehen - jedoch ohne ihn oder sie dabei anzustarren. Sie werden feststellen, dass seine Augen stets in eine bestimmte Richtung blicken. Dies ist kein Zufall. Ob die Augen nach oben, unten, rechts oder links zeigen, hat eine jeweils andere Bedeutung. Folgendes kann bei einem gegenübersitzenden Menschen gedeutet werden:
Blickt Ihr Gesprächspartner zum Beispiel von Ihnen aus gesehen nach links oben, so bedeutet dies, dass er die Antwort auf Ihre Frage erfindet oder die Realität leicht umwandelt oder etwas ausschmückt. Würde er sich an Gesehenes zurückerinnern, wäre sein Blick nach rechts oben gerichtet. Ähnlich ist es, wenn seine Augen auf mittlerer Höhe nach links weisen - hier konstruiert Ihr Ansprechpartner Dinge, die er in Wahrheit anders gehört oder falsch abgespeichert hat. Schweift sein Blick hingegen mittig nach rechts, erzählt er etwas, das er genau so schon einmal akustisch aufgenommen hat oder gerade wahrnimmt. Geht der Blick nach rechts unten, spricht derjenige über tatsächlich empfundene Gefühle oder Gedanken. Schaut er hingegen nach links unten, führt er vermutlich gerade einen inneren Monolog. Wenn Sie also Ihren Freund das nächste Mal fragen, ob er den Artikel schon gelesen hat, den Sie ihm vor ein paar Tagen gegeben haben, und er bejaht es - dabei nach links oben blickend -, flunkert er höchstwahrscheinlich. Wenn Sie wirklich sichergehen wollen, dass er den Inhalt kennt, lesen Sie ihm das Schriftstück lieber selber vor ;).
Doch Vorsicht: Wenn er beim Beantworten Ihrer Frage in Gedanken schon bei einem anderen Thema ist, kann seine Augenbewegung sich bereits auf etwas ganz anderes beziehen. Ein sicherer Lügendetektor ist diese Methode daher nicht!
Achtung vor Fehlinterpretationen!
Wichtig zur Beurteilung der Körpersprache ist, sich nicht auf ein einziges Merkmal zu konzentrieren, sondern mindestens fünf Merkmale gemeinsam zu betrachten. Ein Merkmal für sich kann leicht zu Fehlinterpretationen führen. Ein Körpersignal allein ist ein gutes Indiz, aber erst mehrere Botschaften zusammen betrachtet ergeben einen Sinn. So können über dem Brustkorb verschränkte Arme Schutz, Unsicherheit oder Abwehr bedeuten. Doch ebenso gut kann die Person gerade in sich selber ruhen. Wenn die Person einen direkten Blick nach vorne und mit beiden Füßen "guten Bodenkontakt" hat, ist dies eine Geste der Entschlossenheit. Hält sie zu den verschränkten Armen die Beine verknotet, den Blick gesenkt und die Arme nahe am Körper, ist dies ein Zeichen von Unsicherheit. Versuchen Sie also immer, die verschiedenen Botschaften im Zusammenhang zu sehen, und achten Sie auf Unstimmigkeiten. Beziehen Sie z. B. auch die Fußhaltung Ihres Gegenübers in die Beobachtung mit ein. Zu- oder abgewandte Füße signalisieren Ihnen, wie aufmerksam der Gesprächspartner Ihnen gegenübersteht.
Mehr als nur ein Händedruck
Achten Sie auch bewusst auf die verschiedenen Arten, sich die Hände zu geben. Wie fühlt sich die angebotene Hand an: warm, kalt, feucht, fest oder "glitschig"? Und wie ist die Armbewegung, mit der man Ihnen die Hand reicht? Hektisch, zögernd, souverän oder übervorsichtig? Schon durch diese kleine Begrüßungsgeste erhalten Sie einen tiefen Einblick in Temperament und Gemütszustand des Anderen. Und wie ist Ihr eigener Handschlag?. Die Art und Weise, wie Sie jemandem die Hand geben, drückt genauso viel über Sie selbst aus.
Am Telefon ist Körpersprache doch nicht egal
Wer denkt, Körpersprache sei am Telefon nicht erkennbar, der irrt. Die körpersprachlichen Signale wirken auch "unsichtbar" und über große Distanzen hinweg. Sie beeinflussen das Denken und Fühlen unbewusst und haben direkten Einfluss auf Ihre Ausdrucksform. Bewegen Sie beim Telefonieren zum Beispiel öfters Arme und Hände, wird Ihre Sprache automatisch plastischer und somit interessanter. Durch Bewegung gelingt es, auch am Telefon einen lebendigeren Kontakt zum Gesprächspartner herzustellen.
Halten Sie den Hörer beim Telefonat an Ihr linkes Ohr! Das aktiviert die rechte, gefühlsbetonte, Gehirnhälfte und lässt Ihre Stimme sympathischer klingen. Lächeln Sie auch beim Telefonieren. Dadurch wird im Gehirn eine chemische Reaktion ausgelöst, die automatisch einen freundlichen Ton in Ihre Stimme bringt. Wenn Sie im Stehen telefonieren, wirkt Ihre Stimme wiederum wesentlich selbstbewusster.
Sie sehen, auch ohne Blickkontakt kann man mit gezieltem Einsetzen von Körpersprache positive Effekte erzielen.
Schalten Sie Ihre Sinne ein
Trainieren Sie Ihre Sinne
Um nonverbale Kommunikationssignale richtig zu deuten, ist die Kombination mehrerer Signale nötig. Dazu muss der Gesprächspartner über Gehör und Augen, aber auch Tast- und Geruchssinn wahrgenommen werden. Das klingt komplizierter als es ist - immerhin machen Sie das tagtäglich, wenn auch unbewusst. Sie können Ihre Sinne allerdings auch bewusst trainieren.
Den Hörsinn benötigen Sie nicht nur, um das gesprochene Wort, sondern auch die Art und Weise der Äußerungen wahrzunehmen - ob mit hoher oder tiefer Stimme, weinerlich oder selbstsicher geredet wird. Sprechen Sie einmal einen bestimmten Satz in verschiedenen Tonlagen aus: Versetzen Sie sich dazu in verschiedene Stimmungen und achten Sie darauf, wie unterschiedlich es klingt, wenn Sie diesen Satz wütend, fragend oder bestätigend aussprechen.
Schulen Sie auch das Sehen, dann entgehen Ihnen auch nicht die kleinen, leicht übersehbaren Signale. Achten Sie bewusst auf Details, sei es bei Begegnungen mit Mitmenschen, oder beim Blick in die Natur. Versuchen Sie, beim Fernsehen oder im Kino Kleinigkeiten im Hintergrund bewusst zu erblicken. Kaum jemand nimmt etwa eine Fliege oder eine Vase im Hintergrund wahr, weil sie nicht Teil der eigentlichen Handlung sind.
Der Tastsinn kommt dann ins Spiel, wenn wir jemandem die Hand geben. Versuchen Sie einmal unterschiedliche Materialien zu erfühlen, indem Sie das Papier verschiedene Bücher und Zeitschriften oder Schals und Tücher vor sich ausbreiten. Sie werden schnell feststellen, einige Blätter - etwa in Bildbänden oder Magazinen - haben eine glatte Oberfläche, andere - z. B. in Taschenbüchern - besitzen eine raue. Bei Tüchern verhält es sich ähnlich: Einige sind seidig, andere haben eine rauere Struktur, da sie aus Wolle sind.
Unseren Geruchssinn setzen wir genauso ein wie viele Tiere: Wir nehmen unbewusst Angstschweiß wahr oder können eine bestimmte Person gut oder eben gar nicht riechen. Machen Sie Ihre Nase sensibler! Schnuppern Sie an den unmöglichsten Stellen - ihrem Pullover, einem Blatt Papier, Pflanzen, ihrem Sofa oder einem Geschirrhandtuch und nehmen Sie viele verschiedene Düfte in sich auf.
Körpersprache bewusst einsetzen
Sind Sie eher schüchtern veranlagt und wissen nicht, wie Sie einen Fremden am besten ansprechen sollen? Setzen Sie Ihren Körper ganz bewusst ein. Nach dem ersten Blickkontakt lächeln Sie Ihr Gegenüber freundlich - nicht übertrieben oder aufdringlich - an. Wenn er offen zurückblickt und ebenfalls über seine Haltung mit Ihnen kommuniziert, ist es wesentlich leichter, daraufhin ins Gespräch zu kommen. Je offener und unbefangener Sie auf andere zugehen und mit ihnen umgehen, desto leichter fällt es Ihnen, Kontakte zu knüpfen und Beziehungen erfolgreich zu gestalten.
Ähnlich verhält es sich, wenn Sie eine Rede oder ein Referat halten müssen - ein Gräuel für viele von uns. Doch keine Angst, denn auch hier gilt: Je unbefangener Sie an die Situation herangehen und je überzeugter Sie vom Inhalt Ihres Vortrags sind, desto sicherer wird auch Ihre Körpersprache sein und desto eher ziehen Sie Ihre Zuhörer in Bann.
Ein kleiner Tipp: Wenn Sie dazu neigen, aus lauter Nervosität häufig zu schnell zu sprechen, stellen Sie sich zum Üben der Rede des öfteren vor den Spiegel und dirigieren Sie dabei mit Ihren Armen - ruhig auch in ausladenden Gesten - ein imaginäres Orchester. Denken Sie bei Ihrer Rede an diese Übung und setzen Sie, um nicht zu schnell zu sprechen, bewusst Ihre Hände ein. Über die Gestik entwickeln Sie ein Gefühl für den Sprechrhythmus und es fällt Ihnen leichter, sich auf ein langsameres Tempo einzupendeln. Achten Sie darauf, Ihre Hände nicht zu "wild" einzusetzen, sondern nutzen Sie Ihre Gesten zum Unterstreichen Ihrer Sätze - agieren Sie souverän!
Menschenkenntnis kompakt
Zur Menschenkenntnis gehört mehr als nur das Beherrschen der Körpersprache
Die Fähigkeit, Wesen und Eigenschaften anderer Menschen "dechiffrieren" und beurteilen zu können, gilt heute als eine wertvolle und unverzichtbare Schlüsselfähigkeit. Oft kommt es darauf an, möglichst schnell die genauen Absichten, die Stärken und Schwächen des Gegenübers zu erkennen. Von der Richtigkeit dieser Einschätzung kann vieles abhängen. Das Geheimnis guter Menschenkenntnis ist nicht schwer; es basiert vor allem auf Unvoreingenommenheit, guter Beobachtungsgabe und Aufmerksamkeit:
- Nehmen Sie Ihrem Gegenüber eine vorurteilsfreie, leidenschaftslose Grundhaltung ein
- Erfassen Sie mit allen Sinnen so viele Informationen wie möglich
- Achten Sie auf konstante Verhaltensmuster und immer wiederkehrende Verhaltensweisen - eben auf das Gesamtbild eines Menschen
- Beurteilen Sie einen Menschen nach seinem Verhalten in der gewohnten Umgebung. Im Urlaub oder unter Stress verhält sich jeder Mensch anders als gewohnt
- Sehen Sie die körpersprachlichen Signale immer im Kontext mit anderen Informationen - wichtig ist das Gesamtbild! Eine einzelne körpersprachliche Momentaufnahme ist für sich alleine betrachtet kaum aussagekräftig
- Nicht was gesagt wird ist wichtig, sondern wie es gesagt wird - hören Sie auch zwischen den Zeilen!
Die Stimme verrät viel
Da die Merkmale des Sprechens mehrdeutig sind und oftmals sogar ganz bewusst manipulativ eingesetzt werden, ist es umso wichtiger, die Entschlüsselung einzelner Stimmsignale im Zusammenhang mit anderen Eindrücken zu betrachten.
Lautes Sprechen deutet meist auf ein gesundes Selbstbewusstsein hin, kann aber auch Kontrollabsicht und Dominanz signalisieren. Evtl. versucht auch ein schüchterner Mensch, auf diese Weise seine Unsicherheit zu überspielen. Leises Sprechen kann allerdings ebenso ein Zeichen von Selbstbewusstsein sein, wenn es wohlüberlegt eingesetzt wird, um andere zum Zuhören zu bewegen. Gleichzeitig kann es Traurigkeit, Müdigkeit und gar Unehrlichkeit ausdrücken. Schnelle Sprecher können von Natur aus impulsive, temperamentvolle Menschen sein; allerdings sprechen manche Personen auch schnell, um eine Lüge zu tarnen oder Unsicherheit und Angst zu vertuschen. Spricht jemand langsam, bedeutet das beim Einen, dass er selbstsicher ist und in sich ruht, beim Anderen heißt es, er ist müde, nachdenklich oder er will etwas besonders betonen. Vieles in der Stimme sagt also wesentlich mehr aus, als das gesprochene Wort an sich. Wichtig ist hier vor allem geduldiges, und aufmerksames Zuhören wobei Sie auf den Inhalt des Gesagten genauso achten wie auf Ausdruck, Stimme und Körpersprache.
Mit geschickten und einfühlsamen Fragen können Sie anschließend die "Selbstoffenbarung" Ihres Gesprächspartners zusätzlich begünstigen. Fast alle Menschen erzählen gerne von sich - selbst Fremden gegenüber ist das Maß an Offenheit oft überraschend. Stellen Sie einer Person, die Sie erst kurz kennen, beispielsweise "harmlose" Fragen nach Ihrer Biographie oder der aktuellen Lebenssituation. Die Fragen und ihre Antworten verraten viel über den jeweiligen Menschen, ohne jedoch zu intim zu wirken.
Zeig mir Deine Schrift und ich sage Dir, wie Du bist
Zusätzliche Auskünfte kann uns die Handschrift eines Menschen liefern.
Grafologie wird schon seit dem frühen 17. Jahrhundert angewendet, um den Charakter eines Menschen zu ergründen. Die Beschäftigung mit der Grafologie kann auch ein guter Weg zur Selbsterkenntnis sein.
Sie brauchen dazu mindestens einen, am besten mit Füllfederhalter vollgeschriebenen, DIN-A4-Bogen. Beachten Sie, dass jeder Mensch Schriftvorlagen folgt, die er einst in der Schule erlernt hat, und dass diese von Volk zu Volk, von Kulturkreis zu Kulturkreis unterschiedlich sind. Bei anderssprachigen Schriften tauchen zwangsläufig in der Schriftgestaltung besondere Kennzeichen auf, die nicht mit individuellen Charaktereigenschaften verwechselt werden dürfen. Bei folgenden Erläuterungen wird daher von der deutschen Normalschrift und von rechtshändig Geschriebenem ausgegangen.
Wichtig ist, dass - ähnlich wie bei der Körpersprache - unbedingt der Gesamteindruck des Textes betrachtet wird, nicht nur die einzelnen Buchstaben.
Erste Erkenntnisse liefert die Schriftgröße: Hat der Schreiber eine große Schrift -Kurzbuchstaben wie a, m, u sind größer als drei Millimeter, Langbuchstaben wie f, g, h sind größer als fünf Millimeter - ist er von sich selbst überzeugt, beansprucht eine Führungsrolle und hat evtl. einen ausgeprägten Geltungsdrang. Kleine Schriften bedeuten, dass es sich um einen bescheidenen und disziplinierten Menschen handelt, dessen Fähigkeiten vor allem im Praktischen liegen und der sachlich argumentieren kann. Ein Wechsel zwischen großen und kleinen Buchstaben zeigt, dass dieser Mensch leicht zu beeinflussen ist.
Ansteigende Zeilen lassen auf ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und eine optimistische Grundeinstellung schließen. Werden die Buchstaben zum Zeilenende hin immer kleiner, könnte es sich um eine Person handeln, die die Flinte schnell ins Korn wirft. Gesellige und kontaktfreudige Leute füllen das ganze Blatt mit ihrer Schrift aus, während gehemmte Personen so eng schreiben, dass das Blatt einen großen weißen Rand behält. Viel Abstand zwischen den einzelnen Buchstaben, also eine weite Schrift, weist auf eine aufgeschlossene Einstellung hin. Enge Schrift hingegen ist disziplinierten und zurückhaltenden Menschen eigen. Die Oberlänge der Buchstaben gibt Auskunft über intellektuelle Fähigkeiten, die Unterlänge über Gefühl und praktische Veranlagung. Hat man eine rechtsgeneigte Schrift, gilt man als aufgeschlossen und begeisterungsfähig, linksgeneigte Schrift steht bei Rechtshändern für Kontaktarmut. Verbundene Handschriften deuten auf gutes Konzentrationsvermögen, unverbundene auf gutes Einfühlungsvermögen hin.
Um eine Handschrift in ihrer Gesamtheit beurteilen zu können, müssen noch unzählige weitere Merkmale der Schrift analysiert werden - eine Wissenschaft für sich. Ein interessanter Punkt ist allerdings noch erwähnenswert: Oft findet man erhebliche Unterschiede zwischen der eigentlichen Handschrift einer Person und deren Unterschrift. Das liegt daran, dass die Unterschrift grundsätzlich eine Sonderstellung einnimmt. Sie drückt heimliche Wünsche und Sehnsüchte des Schreibers aus; sie zeigt, wie man sein möchte - etwa selbstbewusst und energisch. Fällt die Unterschrift am Ende nach unten, scheint der Schreiber nicht sehr belastbar zu sein. Wird sie schwungvoll unterstrichen, hat der Schreiber einen Hang zu Eitelkeit und Egozentrik.









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