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Michel Nahidi trotzt der Nervenkrankheit ALS

Unheilbar krank und doch voller Lebenskraft:

Nichts konnte ihn stoppen. Michel Nahidi war ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen, ein Karrieremacher. Heute ist er am ganzen Körper gelähmt, wird beatmet, künstlich ernährt. Doch sein Lebensmut hat ihn nicht verlassen.

Michel und Manu Nahidi
Michel und Manu Nahidi
„Sie werden sterben.“ Wenig taktvoll eröffnete der Münchner Neurologe das Gespräch, in dem Michel Nahidi seine Diagnose erhielt: ALS. Was diese drei Buchstaben bedeuteten, konnte der 40-Jährige nicht ahnen. Noch nie hatte der im Landkreis Mühldorf am Inn lebende Familienvater von der amyotrophen Lateralsklerose gehört, einer fortschreitenden Erkrankung des motorischen Nervensystems.
ALS ist kaum erforscht und nicht therapierbar. Drei bis fünf Jahre leben Erkrankte im Schnitt. Doch Michel dachte angesichts des Herrn im weißen Kittel damals nur: „Schau’n wir mal, wer als erster stirbt.“

 

Sonde und Beatmungsgerät übernehmen die Lebensfunktionen

Die ersten Symptome traten im Sommer 2006 auf, vor beinah sieben Jahren, und Michel macht nicht den Anschein, als würde er die Prognose des Arztes in absehbarer Zeit erfüllen. Der Mann, der sein Leben lang auf der Überholspur unterwegs war, Karriere machte, feierte und reiste, strotzt noch immer vor Lebenskraft – auch wenn das erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist.
Zwölf Atemzüge in der Minute. So viel Sauerstoff pumpt das Beatmungsgerät in Michels Lungen. Ein bisschen Schokolade, mal ein Löffel Soße und jeden Tag ein wenig Kaffee. Das sind die einzigen Geschmackserlebnisse für Michel. Ernährt wird er über eine Magensonde. Der Kopf liegt schwer auf dem Kissen seines Rollstuhls. Reglos sitzt der Mann mit den deutsch-persischen Wurzeln in seinem großen Haus im lichtdurchfluteten Wohnzimmer. Es ist Besuch da, die Kinder toben durchs Haus. Michel kann keinen Muskel bewegen.
Fast keinen. Denn ein Schlupfloch hat ihm die Nervenkrankheit gelassen: die Augenmuskeln. Die verschont ALS. Für Michel sind sie das Tor zur Welt. Durch sie offenbart sich, wie wach der Geist ist, der in dem schlaffen Körper wohnt. Und wie unbeugsam der Wille, der ihn am Leben hält.

 

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von wissen.de-Autorin Susanne Böllert, Mai 2013
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