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Missbrauch von Kindern und Schutzbefohlenen

Gravierende Fälle von Kindesmissbrauch erschüttern die Deutschen

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Wie ahndete die katholische Kirche bisher Missbrauch durch Geistliche?

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2002 hat die Deutsche Bischofskonferenz mit den für alle Bistümer bindenden "Leitlininen zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche" auf zunehmende Fälle von Missbrauch zu reagieren versucht. Hier wird festgelegt, dass erst eine interne Überprüfung des Verdachtsfalls von einer durch den Diözesanbischof beauftragten Person erfolgen soll, dass bei Erhärtung des Verdachtsfalls eine kirchenrechtliche Voruntersuchung eingeleitet wird, die wiederum eine vom Bischof dazu bestimmte Person führen soll. Bestätigt diese kircheninterne Voruntersuchung den Verdacht auf sexuellen Missbrauch, wird der Apostolische Stuhl damit befasst. Nur in erwiesenen Fällen des sexuellen Missbrauchs wird dem Verdächtigen zur Selbstanzeige geraten und gegebenenfalls die Staatsanwaltschaft informiert.

Wie haben Kirche und Politik auf die Flut von Missbrauchsfällen reagiert?

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Nach Bekanntwerden der vielen schweren Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche Anfang 2010 wurde starke Kritik an diesen Leitlinien laut, die im Vorwurf der Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gipfelte, der Vatikan behindere die Aufarbeitung der Skandale um sexuellen Missbrauch. Sie bezog sich dabei vor allem auf eine Direktive der Glaubenskongregation von 2001, die von Kardinal Joseph Ratzinger vor seiner Berufung zum Papst verfasst worden war und nach der auch schwere Missbrauchsfälle zuerst der päpstlichen Geheimhaltung unterlägen und nicht an Stellen außerhalb der Kirche weitergegeben werden sollten.

Tatsächlich sehen ja auch die Leitlinien von 2002 die Einschaltung der Strafbehörden erst zu einem sehr späten Zeitpunkt vor und dann auch nur "gegebenenfalls". Kritiker dieser kircheninternen Regelung konnte auch die Bestellung des Trierer Bischofs Stephan Ackermann im Februar 2010 zum Beauftragten für Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche durch die Deutsche Bischofskonferenz nicht zufrieden stellen. Sie hätten sich eine engere Zusammenarbeit von Kirche und Strafverfolgungsbehörden gewünscht. Einen Runden Tisch zur katholischen Kirche, den Leutheusser-Schnarrenberger vorgeschlagen hatte, lehnte Robert Zollisch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, anfangs strikt ab: "Sexueller Missbrauch von Kindern ist kein spezifisches Problem der katholischen Kirche." Missbrauch habe weder etwas mit dem Zölibat zu tun noch mit Homosexualität oder mit der katholischen Sexuallehre. Fest steht: Auch an nichtkonfessionellen Schulen hat es massiven Missbrauch von Schutzbefohlenen gegeben. Später einigten sich Zollitsch und Leutheusser auf einen Gesprächstermin am 15. April.

Für den Runden Tisch im April 2010, zu dem Familienministerin Kristina Schröder neben den Kirchen auch Vertreter von Wohlfahrts-, Lehrer- und Famlienverbänden, Ärzteschaft sowie Ländern und Kommunen eingeladen hat, signalisierte die Bischofskonferenz ebenfalls ihre Bereitschaft zur Teilnahme.

Was sagt eigentlich der Papst dazu?

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Der Papst hat sich bisher nicht öffentlich zu den Missbrauchsfällen in Deutschland geäußert. Einzig, dass er "sehr erschüttert sei" drang nach der Audienz, die Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, beim Papst hatte, nach außen. Sehr enttäuscht zeigten sich viele Gläubige darüber, dass Papst Benedikt XVI. bei seinem Angelusgebet am Sonntag, 14. März, kein Wort für die Missbrauchsfälle übrig hatte, die in der jüngsten Vergangenheit nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und Italien bekannt geworden waren. Die Kritik, die das Oberhaupt der katholischen Kirche daraufhin von Politikern aber auch aus der katholischen Reformbewegeung "Wir sind Kirche" erntete, wies der Vatikan zurück. Dass sich der Papst bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert habe, sei auf die "Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit" zurückzuführen, mit der sich der Pontifex ein Bild der Lage mache: "Den Papst und die gesamte Kirche in die Missbrauchsskandale hineinziehen zu wollen, ist ein Zeichen von Gewalt und Barbarei." In einem Hirtenbrief wolle er bald zu den Missbrauchsfällen Stellung nehmen, erklärte der Papst einige Tage nach dem enttäuschenden Angelusgebet. Dieser Brief soll sich allerdings an die Bischöfe in Irland wenden, wo Kindesmissbrauch durch Priester seit Jahren ein Thema ist. Ob Benedikt sich in dem Hirtenbrief auch zu den deutschen Ereignissen äußern wird, wurde nicht bekannt.

Wie viele Kinder in Deutschland werden Opfer von sexuellem Missbrauch?

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Laut Kriminalstatistik lag 2008 der niedrigste Wert für den sexuellen Missbrauch von Kindern seit 1993 vor, nachdem 2007 eine geringe Steigerung zu verzeichnen gewesen war. In der Statistik waren 12.052 Fälle gelistet. Doch muss von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgegangen werden. Beratungsstellen rechnen mit einer zehn- bis 15 Mal höheren Dunkelziffer. In den meisten Fällen stammen die Täter aus dem direkten Umfeld. Nur etwa ein Viertel der Missbräuche werden von fremden Tätern begangen. Sexueller Missbrauch findet in allen sozialen Schichten statt.

Die Kriminalstatistik registrierte zwischen 2007 und 2008 eine deutliche Zunahme der Fallzahlen im Bereich der Verbreitung pornographischer Schriften: Die Steigerung lag bei 14,5 Prozent, 18.264 Fälle wurden registiert. Der Anstieg der Fallzahlen sei auf die verstärkten Bemühungen der Polizei und anderer Akteure zur Aufhellung des Dunkelfeldes in diesem Bereich zurückzuführen.

Wie hoch ist die Mindeststrafe für sexuellen Missbrauch von Kindern?

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Er wird mir einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis fünf Jahren bestraft. Dazu gehören nach § 176 des Strafgesetzbuches sexuelle Handlungen, die vor einem Kind (unter 14 Jahren) vorgenommen werden und solche, die ein Kind selbst ausführen muss. Auch wenn einem Kind pornographische Abbildungen, Schriften oder Darstellungen gezeigt werden, um es zu sexuellen Handlungen zu bringen, wird dieser sexuelle Missbrauch mit mindestens drei Monaten Freiheitsstrafe bestraft.

Unter schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern versteht das Gesetz, wenn der volljährige Täter in das Kind eindringt; der Missbrauch von mehreren Tätern gemeinschaftlich begangen wird; wenn das Kind Gefahr läuft, eine schwere Gesundheitsschädigung oder Schädigung der körperlichen oder seelischen Entwicklung zu erleiden, oder wenn die Tat zum Gegenstand einer pornographischen Schrift gemacht und verbreitet werden soll. In diesen Fällen liegt die Mindeststrafe bei zwei Jahren.

Opferverbände forderten nach Bekanntwerden der zahlreichen Missbrauchsfälle an deutschen Schulen und Internaten, den Kindesmissbrauch juristisch nicht länger als Vergehen zu behandeln, sondern als Verbrechen. Das würde das Mindeststrafmaß in beinahe jedem Fall auf ein Jahr erhöhen.

Wann verjährt sexueller Missbrauch von Kindern?

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Nach § 176 des Strafgesetzbuchs verjährt sexueller Missbrauch von Kindern nach zehn Jahren. Die Verjährungsfrist für Vergewaltigung beträgt nach §177 StGB 20 Jahre. Die Frist beginnt erst, wenn das Opfer volljährig ist, also das 18. Lebensjahr vollendet hat. Da sich viele der Missbrauchsfälle, die Anfang 2010 in der katholischen Kirche sowie privaten Schulen bekannt wurden, bereits in den 70er Jahren oder früher ereignet haben, ist eine Strafverfolgung dieser Fälle heute nicht mehr möglich. Während Bildungsministerin Annette Schavan (CDU), CSU-Chef Horst Seehofer und die bayerische Justizministerin Beate Merk eine Verlängerung der Verjährungsfrist auf bis zu 30 Jahre forderten, blieb Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) skeptisch. 40 oder 50 Jahre nach einer Tat sei diese nur noch sehr schwierig aufzuklären und kaum noch Zeugen zu finden.


Welche Personengruppen gelten als Schutzbefohlene?

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Zu den Schutzbefohlenen zählen Kinder, die einer Person zur Erziehung, zur Ausbildung oder zur Betreuung in der Lebensführung anvertraut oder ihr im Rahmen eines Dienst- oder Arbeitsverhältnisses untergeordnet sind. Das legt § 174 des Strafgesetzbuches fest. In diesem Sinne handelte es sich auch bei den von Lehrern und Priestern missbrauchten Schülern, die Anfang 2010 erstmals von ihren schlimmen Erlebnissen berichteten, um Schutzbefohlene. Auch leibliche oder angenommene Kinder unter 18 Jahren gelten als Schutzbefohlene. Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen wird mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis fünf Jahren geahndet.

von Susanne Dreisbach, wissen.de
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Es ist und bleibt ein Skandal, wie ausgerechnet die kath. Kirche mit den Missbrauchsvorwürfen umgeht. Viele Millionen Dollar sind als Schweigegeld in Amerika geflossen - davon weiss man...Wie hoch ist denn die Dunkelziffer in Deutschland ???...


das ist kein Skandal sondern ein Verbrechen.Wer die Seele eines Kindes mißbraucht und damit (ab)tötet soll bestraft werden wie ein vorsätzlicher Mörder. Und wenn ers unter dem Deckmäntelchen der Priesterschaft tut sollte noch zusätzlich bestraft werden. Unglaublich daß diese Verbrecher auch noch von ihren Vorgesetzten-wenn diese nicht selbst derartige Verbrecher sind- in Schutz genommen werden.